Königslaube

Erdrutsch und Karst am Steilhang

Im Jahre 1987 begannen sich hier am Abhang Risse aufzutun. Die Waldbäume neigten sich und mussten gefällt werden. In den folgenden Jahren brach der so entstandene Erdfall weiter nach. Der alte Mühlgraben (Kleine Sieber) am unteren Hang wurde von den Abrutschmassen zugedrückt.

Am Fuß des Hanges liegt eine alte Munitionsfabrik, deren Produktionsreste zu chemischen Belastungen von Boden und Grundwasser geführt haben. Hydrogeologische Untersuchungen hierzu haben auch die Entstehung des Erdfalls geklärt. Ein Teil des Wassers der Sieber versickert in den Kiesen des Flussbettes und zieht mit der hier invers fallenden Grundwasseroberfäche gegen den Hang. Das Wasser gelangt so in die im Untergrund liegenden Dolomit- und Gipsschichten (Werraanhydrit) und strömt von hier in Karstgerinnen weiter bis zur Rhumequelle. Im löslichen Gestein bilden sich Höhlen, die sich ständig vergrößern und zusammenbrechen. So entstehen Erdfälle. Zahlreiche geologisch junge und ältere Erdfälle dieser Entstehungsart finden sich von hier ab am Hang bis zum "Burghals" vor dem Herzberger Schloss.

Im Untergrund sind weitere Höhlen zu erwarten. Sie bilden sich bevorzugt an mehreren hier am Sieberabhang von Osten nach Westen verlaufenden Verwerfungen (siehe. geol. Querschnitt unten).

Geologischer Querschnitt Herzberg-Nordwest
zwischen westlichem Schlossberg, Eichholz und der Mahnte

Erläuterung
 
1 - Quartär, Lösslehm
2 - Quartär, Fließerde
3 - Quartär, Oberterrasse
4 - Quartär, Niederterrasse
5 - Unterer Buntsandstein
6 - Zechstein, Auslaugungsreste
7 - Zechstein, Stinkdolomit
8 - Zechstein, Werraanhydrit
--- Grundwasseroberfläche
 
GPS-Koordinaten
N 51.6546° E 10.3194°
 
 
Granaten und Minen - eine alte Munitionsfabrik

Am Fuß des Hanges liegt ein alter Industriestandort. Nach der 1739 hier angesiedelten königl. Hannöverschen, später privatisierten Gewehrfabrik, die 1876 den Betrieb einstellte, siedelte hier 1908 - 1914 eine Baumwollbleicherei und ab 1929 eine Kunstseidenfabrik. U.a. wegen enormer Abwasserbelastung für die Sieber stellte sie 1930 die Produktion ein.
Im Herbst 1941 nahm eine Munitionsfabrik ihre Fertigung auf. 48 ha Betriebsgelände wurden gezäunt. Sie produzierte Granaten und Minen, wohl auch Bomben. Die Rohstoffe – Trinitrotoluol, Dinitrobenzol, Hexogen und Pikrinsäure – wurden in beheizten Kesselwagen mit Dieselloks (Dampfloks sprühen Funken!) über ein Werksgleis herangefahren. Am 4. April 1945 löste in den frühen Morgenstunden an der Abfüllstelle eine Stichflamme einen Brand aus, der u.a. auf einen randvoll gepackten Lagerschuppen übergriff, in dem Minen – mangels Abnahme durch die sich zurückziehenden Truppen – lagerten. Die nachfolgende Explosion, sie erfolgte ohne Feindeinwirkung!, zerstörte die komplette Fabrik und führte infolge ihrer Druckwelle zu verheerenden Schäden in ganz Herzberg und am Schloss. Eine Werkslok fand sich auf dem gegenüberliegenden Sieberufer wieder! Heil blieben nur die massiven halb unterirdischen Lagerbunker. Nach dem Krieg wurden die verbliebenen Reste von den britischen Besatzungstruppen demontiert und gesprengt. Manche Herzberger sicherten sich rechtzeitig die blauen Kacheln der Produktionsräume und verfliesten damit ihre Bäder. Heute sind auf Teilen des Geländes u.a. der städtische Bauhof sowie rechts der Sieber die Kläranlage angesiedelt.
Noch heute führen TNT-Produktionsreste und deren chemischen Abbauprodukte, die durch Produktionsabwässer und Zerstörung verteilt wurden, zu chemischen Belastungen von Boden und Grundwasser. Hydrogeologische Untersuchungen bestimmten deren Ausmaß und erste Sanierungsarbeiten wurden bereits durchgeführt.

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