Erdfallgebiet Aue

Die Sieber hat zwei Unterläufe: den heute durchflossenen von Herzberg über Aschenhütte - Hörden - Elbingerode nach Hattorf in die Oder und einen vor etwas mehr als 10.000 Jahren trockengefallenen aus der letzten Kaltzeit, die vor etwa 115.000 Jahren begann. Dieser Lauf erreichte beim Auekrug die Oder. Es muss innerhalb dieser Kaltzeit eine längere Phase gegeben haben, während der die Sieber ihren Lauf aufspaltete (Bifurkation) und beide Talabschnitte zunächst erosiv eintiefte und sodann über zehn Meter mächtig wieder auffüllte. Heute folgt diesem ehemaligen Tal, die "Aue" genannt, nur noch ein Grundwasserstrom.

Zwei Nebenbäche, der Eichelbach, der heute in den Jues-See in Herzberg mündet, und der Häxgraben, der bis vor wenigen Jahren dem Großen Heidebrunnen im heutigen Herzberger Gewerbegebiet zufloss, konnten den Anschluss an die jüngste Sieberlaufverlegung nicht mithalten. Ihr Wasser versiegte in Erdfällen, die sich im Talboden der Aue aus der Verkarstung der darunter liegenden Zechsteingipse bildeten. Allmählich entwickelte sich der Erdfall Heidebrunnen zu einer echten Bachschwinde für den Häxgraben. Das Wasser strömte unterirdisch der Rhumequelle zu. Nach Auffüllung des Erdfalles mit Schutt und Boden in den siebziger Jahren wurde der Häxgraben in das Erdfall- und Kiesabbaugebiet der Staatsforst in der Aue südwestlich des Standortes geleitet. Dort verläuft sich das Wasser heute im Gebiet des Häxteiches. Auch hier, wo der Hauptanhydrit noch im Untergrund unter Buntsandstein- und Niederterrassenkiesbedeckung verbreitet ist, ist gegenwärtig mit Erdfallneubildungen zu rechnen. Ältere Erdfälle liegen unweit dieser Tafel im Gehölz, teils trocken, d.h. hier sickert Oberflächenwasser permanent in die Tiefe teils wassergefüllt; diese ergeben heute wertvolle Feucht-biotope insbes. Für Amphibien. Alle Erdfälle sind nach § 28 des niedersächsi-schen Naturschutzgesetzes besonders geschützt! Im weiteren Untergrund des Auetales konnte bei Bohrungen in 170 m Tiefe an der Schichtgrenze Hauptdolomit zu Werraanhydrit ein Gerinne (Höhle) mit sieben Meter Raumhöhe und "Flusssedimenten" angeschnitten werden. Auch wurden Reste von Steinsalz angetroffen. Eine Vorstellung dieser unterirdischen Gerinne, die vom Sieber- und Odertal zur Rhumequelle entwässern, geben die am südöstlichen Harzrand durch den Kupferschieferbergbau aufgeschlossenen "Schlotten". In der Ausstellung der Gipsschauhöhle Heimkehle bei Uftrungen, Landkreis Mansfeld-Südharz sind instruktive Modelle dieser kilometerlangen Höhlenzüge zu sehen.

[ Herzberger Salz ]

Die Aue um 1880 und der Häxgraben

GPS-Koordinaten
N 51.6448° E 10.3121°

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