Erdfall bei Barbis am Harz

Aus einer "officiellen Anzeige des dasigen Amts"

"Am 29. Julius des Jahres 1825 ereignete sich in der Feldmark der Dorfschaft Barbis, im sogenannten Königshagen, ein Vorfall, den wir hierdurch anzuzeigen nicht verfehlen.
An dem vorbenannten Tage, nachmittags ohngefähr 4 ½ Uhr entstand, während einige Leute ruhig im Felde arbeiteten, an dem besagten Orte in südwestlicher Richtung vom hiesigen Amtshause ein plötzliches, unterirdisches, dem Donner ähnliches Getöse. Gleich darauf erhob sich eine dichte Staubwolke, und mit fürchterlichem Gekrach stürzte die Erde in einem Umkreis von 120 Schritten in einen unabsehbaren Abgrund hinab. Etwa 10 Fuß um diesen Abgrund herum ist die Erde noch geborsten. Schaudern ergreift den, welcher in diese Tiefe, wo er nur nackte Felsen hervorragen sieht, hinabblickt. Ein hineingeworfener Stein gebraucht völlig eine Minute, ehe er den Grund erreicht... Der Grund dieses Erdfalles ist mit Wasser angefüllt, in dem der hineingeworfene Stein zuletzt in solches herabzufallen scheint."

(Wiedergegeben aus dem Neuen Vaterländischen Archiv. Hannover 1825).

Erdfall bei
Pöhlde um 1993

Foto:
F. Vladi

Mehr als 10 000 Erdfälle sind im Landkreis Göttingen gezählt worden, und jährlich kommen etwa 10 hinzu. Nicht immer so spektakulär, wie es der Bericht aus Königshagen von 1825 wiedergibt, dessen eine Minute Fallzeit ohnehin unglaubwürdig ist. Erdfälle sind hier immer das Ergebnis von einstürzenden Höhlen, die zuvor sich im Gipsgestein des Untergrundes gebildet hatten und deren Dach allmählich oder plötzlich zusammenbricht. Im Oktober 1999 ist ein recht großer Erdfall auf einer Weide südwestlich von Nüxei entstanden: Mit überhängenden Wänden aus bröseligen Kiesschichten, unten von 8 m Durchmesser und bis zum schaumig anstehenden Grundwasser 7 m tief. Von einem ähnlichen, der um 1993 bei Pöhlde einbrach, entstand unser Foto.

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