Wittgerode

Wittgerode war ein Opfer territorialer Machtkämpfe im ausgehenden Mittelalter. Nüxei hat in gewisser Hinsicht die Nachfolge Wittgerodes angetreten. Die Siedlung Wittgerode entstand im 9. und 10. Jahrhundert., wie aus der "rode"- Endung zu entnehmen ist. In dieser Zeit gehörte das südliche Harzvorland unmittelbar zum Besitz der kaiserlichen Krone. Als 1127 im Gebiet der Grafen von Klettenberg das Zisterzienserkloster Walkenried gegründet wurde, kam Wittgerode wohl in den Besitz des Klosters. Als um 1230 ein Neubau des Klosters notwendig wurde, verschafften sich die Mönche die zum Bau verwendeten Steine im Steinbruch an der Wolfskuhle, der bei Wittgerode im Besitz der Grafen von Lauterberg lag.

Wittgerode hatte eine eigene Kirche, wurde aber vom Pfarrer aus Mackenrode versorgt. Es umfasste etwa 30 Höfe mit je 1 Hufen* Land. Im 12.-14. Jahrhundert gehörte es zur Grafschaft Scharzfeld-Lauterberg. Als dies Geschlecht gegen Ende des 14. Jh. ausstirbt, fällt die Grafschaft als erledigtes Lehen an das Herzogtum Braunschweig, von diesem erhalten die Grafen von Hohnstein die Grafschaft für annähernd 100 Jahre als Lehen.

Die Zerstörung seit Mitte des 14. Jahrhunderts gab es Grenz- und Besitzstreitigkeiten zwischen Braunschweig, dem Bistum Mainz und Hohnstein. Diese führten zu kriegerischen Auseinandersetzungen in den Jahren 1403-1420. Dabei wurde neben den heute ebenfalls wüsten Dörfern Königshagen (südl. Barbis), Monkerode (südl. Pöhlde) und Kirchdorf (westl. Bockelnhagen) auch das Dorf Wittgerode zerstört.

Die Reste der Kirche waren bis zum 18. Jh. hinein noch zu sehen. Von Wittgerode zeugen im Umkreis von etwa 300 m um diese Tafel noch Scherben auf den Äckern der Dorfstelle und Flurnamen: Glockengrund, Kirchhofswiese oder Kreuzwiesen. Nach der Zerstörung sind die Einwohner in die umliegenden Dörfer gezogen und haben von dort aus ihre alten Ackerfluren bestellt und Wiesen und Holzungen genutzt.

Streit um Weiderechte

In jeder Gemeinde, die Bauern aus Wittgerode aufnahm, bestand das Bestreben, möglichst großen Nutzen aus der gemeinsamen Huteweide der Wittgeroder Fluren herauszuschlagen. So entstand ein ca. 440-jähriger Streit um Huterechte. Im 16. Jh. sind die Streitfälle größtenteils gütlich verglichen und geschlichtet worden.

Die Generalteilung von 1859

Um dem jahrelangen Hutestreit in der Feldflur Wittgerode ein Ende zu machen, beantragte die Gemeinde Steina 1834, das fragliche Gebiet unter den beteiligten Gemeinden zu teilen. Nach langen Vorverhandlungen wurde die Teilung 1846 in Angriff genommen. Beteiligt waren die Gemeinden Mackenrode, Tettenborn und die Herren von Tettenborn, aus dem Königreich Preußen, sowie die Gemeinden Osterhagen, Steina und die königliche Hannoversche Domänen-Kammer wegen des Grenzkruges, der herrschaftlichen Schäferei und der Försterei in Nüxei. Da niemals festgelegt worden ist, in welchem Verhältnis die Beteiligten zu hüten berechtigt sind, nahm man als Schlüssel für die Generalteilung die augenblicklichen Viehbestände der Beteiligten an. Die Generalteilungsurkunde wurde am 15. März 1859 im Grenzkrug zu Nüxei unterzeichnet und anerkannt. Damit ist ein Schlussstrich unter die lange Epoche des Streits gezogen worden.

Über diese Wüstung schrieb 1862 Georg MAX in seinem Buch
„Geschichte des Fürstenthums Grubenhagen“ :


* Die Hufe ist ein altes, relativ großes Flächenmaß. Es beträgt meist dreißig Morgen, also entsprechend etwa 6-18 Hektar. Die Hufe bezeichnet eine landwirtschaftliche Fläche, die mit einem Pfluge bestellt werden kann und so der Arbeitskraft einer Familie entspricht, also einer Vollbauernstelle.

GPS-Koordinaten
N 51.5711° E 10.5084°

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