Mackenröder Forst

Das Grundwasser im Steina- und Ichtetal

Der verkarstungsfähige jüngere Gips des Zechstein (Hauptanhydrit) ist unter einer mächtigen Schicht Flussterrassenkies der Weichselkaltzeit verborgen. Der Kies wird langsam von Grundwasser durchströmt, welches in Richtung des Flüsschens Ichte fließt. Das Grundwasser löst in der Tiefe ständig Gipsgestein. Dadurch brechen trichterförmige Erdfälle bis an die Erdoberfläche. Sie sind oft mit Wasser gefüllt. Der Teichspiegel ist vom Grundwasserstand abhängig. Ein Absinken des Grundwasserspiegels hat einige der Erdfälle ausgetrocknet. Einige Erdfälle sind vermoort und später verlandet. Diese Stellen sind heute nur noch an ihrer Vegetation erkennbar.
Alle paar Jahre bricht ein neuer Erdfall (Foto 1995) ein oder ein bestehender sackt weiter ab. Die größeren Erdfälle messen bis zu 40 m Durchmesser.
Der am südöstlichen Randes dieses Waldes gelegene Sülzensee ist als nur leicht angestauter (Fisch-)Teich aus einem Erdfall samt Quellgruppe hervorgegangen. Auch in den nach Süden als Schichtstufe anstehenden unteren Buntsandstein sind zahlreiche Erdfälle hinein gebrochen, besonders am Fuße der Schichtstufe.
So stellt sich der Mackenröder Forst, dieses hübsche Waldstück, in eine Reihe mit drei Abschnitten gleichartiger „Fazies“ im ehem. Landkreis Osterode, besser: Geotope, als bewaldete und von zahllosen Erdfällen durchlöcherte Ebenheit einer Niederterrasse auf Gips. Dazu gehören, ebenfalls am Karstwanderweg liegend, der Pöhlder Wald („Die Birken“) nordöstlich Pöhldes und das Lüderholz zwischen Osterode und Herzberg.

Der Mackenröder Forst und die Grenzen

40 Jahre waren dieser Wald und dieses Geotop von der innerdeutschen Grenze zerteilt, was zur starken Beruhigung der Natur beigetragen hatte, so konnten hier die Wildkatze und der ebenso scheue und seltene Schwarzstorch siedeln. Durch den Wald führt die 1990 wieder verbundene alte Kauffahrteistraße B 243 sowie die unvollendete, 1944/ 45 von KZ-Häftlingen errichtete Helmetalbahn.
Dieser Wald der Waldgenossenschaft „Bauerngenossenschaft zu Mackenrode“ liegt im „Westen“. 40 Jahre wurde er in Treuhand durch die niedersächsische Landesforstverwaltung bewirtschaftet.
Nur wenige Meter entfernt, gleich hier vorn am Waldrand, verlief eine andere, historische Grenze zwischen dem alten Lisgau und dem östlich angrenzenden Helmegau, später Grenze zwischen den ehemaligen Grafschaften Scharzfeld und Klettenberg. Durch Jahrhunderte ist die Grenzsituation für Nüxei als Zollstelle zwischen den welfischen Landen und dem Kurfürstentum Brandenburg von Bedeutung, wohin die Herrschaft Klettenberg im Westfälischen Frieden 1648 fiel, der den Dreißigjährigen Krieg beendete. Im 17. Jahrhundert wurde die Zollstelle Nüxei auch Wirtshaus. Von hier wurden die Fuhrwerke bis hoch zur Wasserscheide an der Branntweinseiche mit Vorspann versehen. Erst 1866 wurde die Zollgrenze zwischen Hannover und Thüringen aufgehoben.


Beispiel eines historischen Grenzsteines

Der Wald ist wegen seiner Naturnähe und der zahlreichen durch die Erdfälle entstandenen Biotope für den Schutz der Natur sowie der Tier- und Pflanzenarten als Naturschutzgebiet gesichert und durch den Karstwanderweg Südharz erschlossen. Bitte bleiben Sie auf den Wegen!

Erdfälle im Mackenröder Forst

Zeichnung nach RICKEN, 1980

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GPS-Koordinaten
N 51.5658° E 10.5202°

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