Die Ruine Rothenburg
Von der um 1100 entstandenen ersten Anlage der Rothenburg sind noch die in Granit ausgeführten Teile des runden Bergfrieds mit seinem wuchtigen Sockel, des südlichen Abschnitts der Ringmauer sowie des im Südwesten gelegenen kleinen Palas erhalten. Die auf den Besucher heute besonders eindrucksvoll wirkenden Burgreste rühren von späteren Erweiterungsbauten in roten Buntsandstein her. Dazu gehören vor allem der wahrscheinlich erneuerte mächtige Bergfried von 12 m Durchmesser, die nördlich gelegene Kapelle mit einem anschließenden kleinen Wohnbau sowie der Palas. Die Kapelle über einem etwa trapezförmigen Grundriss stammt vermutlich aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts und enthält im Westteil eine Empore über einer Doppelarkade und zwei Kreuzgratgewölben.
 


 
Nach Südosten schließt sich an die Kapelle der prächtige, in romanisch-gotischem Übergangsstil errichtete, auf Substruktionen zur Hälfte über die ältere Ringmauer hinausgreifende zweigeschossige Palas an, der in der monumentalen Klarheit seiner verbliebenen Teile eindrucksvoll Auskunft über die Profanarchitektur Mitte des 13. Jahrhunderts gibt und überdies ein bedeutendes Bindeglied zwischen älteren Bauten wie Gelnhausen und jüngeren wie Marburg darstellt.

Das Erdgeschoss des Palas ist durch die hier entlangführende ältere Ringmauer zweigeteilt, wobei der hofseitige Teil als Torweg - vom Tor im Südosten zum Hofeingang nahe der Nordwestecke des Palas - diente, der hangseitige Geschossteil allein den Wirtschaftsräumen vorbehalten war. Das Obergeschoss hingegen fungierte mit seinem gesamten Flächenmaß von 20 x 9,5 m als Rittersaal der Burg.

Wirkungsreich wurde deshalb sein Inneres mit Gliederungselementen in Muschelkalk geschmückt, während das von schlanken Säulen begleitete, ehemals über eine Freitreppe erreichbare spitzbogige Portal dreistufig gestaltet wurde. Die gleichen Säulen wie am Portal - sie sind mit Kelch - oder Kelchblockkapitellen versehen - befinden sich auch in den großen, vierbahnigen, gestaffelten Fenstergruppen, die - von einer Spitzbogenblende gerahmt - die Saalwände weitgehend auflösen. Ihre Gewände sind mit Rosettenschmuck verziert. Vieles aber davon hier Sichtbare stammt von den bereits genannten, an der Burg im 19. und 20. Jahrhundert durchgeführten Erneuerungsmaßnahmen.
Die im 16. Jahrhundert in den Trümmern der Rothenburg gefundene bronzene Hohlfigur des "Püsterich", die vielleicht einmal zusammen mit zwei weiteren Figuren Träger eines romanischen Taufbeckens in der Kapelle war, deutet auf eine künstlerische Ausstattung dieser hochmittelalterlichen Burganlage hin.
An der nordwestlich im Hof erkennbaren spätmittelalterlichen Quermauer befindet sich die Überreste des Bismarckturmes. Dieser wurde 1906 als nationalistisches Denkmal von Wilhelm Kries hier eingebaut.

Die Rothenburg wurde ebenso wie die Reichsburg Kyffhausen als eine Höhenburg angelegt. Sie entstand auf einem schwer zugänglichen Bergsporn am steil abfallenden Nordhang des Westteils des Kyffhäusergebirges und wurde um 1100 als romanische Burganlage erbaut. Die Tatsache, dass hier das Rothenburger Adelsgeschlecht in unmittelbarer Nähe der königlichen Reichsburg Kyffhausen seine Burg errichten konnte, setzte das Einverständnis des Königtums voraus, was auch anhand einer königlichen Urkunde aus dem Jahre 1132 nachweislich ist, in welcher der Rothenburger Graf als Getreuer des Königs als "fidelis" bezeichnet wurde.


Grundriss der Burgruine Rothenburg

Etwa gegen 1209 starb das Geschlecht der Rothenburger Grafen aus, so dass die Burg in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, wahrscheinlich als Erbe, an den mächtigen Grafen Friedrich IV. von Beichlingen kam. Dieser ließ sich dann auch auf der Rothenburg nieder, wobei die nahe Lage der Reichsburg Kyffhausen hierbei eine wichtige Rolle spielte.

Im Zuge der im 14. Jahrhundert sich vollziehenden territorialen Machtkämpfe errangen die Landgrafen von Thüringen aus dem Hause Wettin die Oberlehnsherrschaft über die einzelnen Grafengeschlechter und damit auch die entscheidenden Befugnisse über die Rothenburg. So mussten 1344 die Beichlinger Grafen die Burg von Ihnen als Lehen nehmen. 1378 jedoch verpfändeten die die Wettiner - zusammen mit der Reichsburg Kyffhausen - für 970 Silbermark an die Schwarzburger Grafen Heinrich XXV. und Günther XXIX. . Erst 29 Jahre später, im Jahre 1407, bekamen die Schwarzburger dann in aller Form das Nutzungsrecht für die Burg. Diese belehnten dann damit die Herren von Tütcherode, die sich 1434 verpflichten mussten, die Rothenburg baulich zu erhalten und sie mit Wächtern, Torwärtern und Hausleuten zu besetzen. Nachdem jedoch der letzte Angehörige dieses Geschlechts 1576 verstorben war, verfiel die Burganlage.
Erst während der Romantik schenkte man der Rothenburg wieder eine größere Aufmerksamkeit und nutzte ihre Ruinen als Ausflugsziel und Versammlungsstätte. Auch befand sich seit 1839 vor der Burg eine kleine Gastwirtschaft. Ihr erster Inhaber, ein gewisser C. F. W. Beyer aus Kelbra, versah dazu ihre Umgebung mit Lauben, Pavillons und Klausen und veröffentlichte 1845 seine Gedichte als die "des Rothenburger Einsiedlers".
Um 1845, 1890 sowie in den Jahren 1937/38 fanden an der Rothenburg, die bis zum Jahre 1918 zum Territorialstaat Schwarzburg-Rudolstadt gehörte, mehrfach umfangreiche Restaurierungsarbeiten statt. Literaturhistorisch bedeutsam ist der Aufenthalt des um 1265 in Kelbra geborenen Minnesängers Kristan von Luppin auf der Rothenburg, der ritterlicher Dienstmann der Beichlinger Grafen war. So überliefert die Manessische Handschrift als größte mittelhochdeutsche Liedersammlung dessen Bild und sieben seiner Lieder.

[ Friedrich Stolberg über die Rothenburg ]

GPS-Koordinaten
N 51.4243° E 11.0648°