Die Ruine Falkenburg

Oberhalb des Einganges zur Barbarossahöhle liegt die Ruine der Falkenburg. Diese einstige Burganlage sicherte die am Fuße des Berges vorbeiführende "Alte Salzstraße", die von Bad Frankenhausen über Badra und Auleben nach Nordhausen führte. Sie ermöglichte zugleich die Übersicht sowie die damit verbundene Beherrschung der Gegend südlich von Steinthaleben und den westlichen Teil der Frankenhäuser Senke. Vermutlich wurde die als Burgturm errichtete Falkenburg im 11. Jahrhundert erbaut.

Der Bauherr ist allerdings unbekannt. Möglicherweise aber war diese Befestigung ebenso wie die 1116 erstmals benannte Arnsburg und die unter Heinrich IV. um 1070 angelegte Spatenburg auf der Hainleite ursprünglich eine königliche Burg. Urkundlich erwähnt wurde die Falkenburg jedoch erst 1349, danach nochmals im Jahre 1361 als Sitz eines Heinrichs von Falkenburg, der Ritter des Grafen von Beichlingen war. Seitdem sind Ritter von Falkenburg im 14. Jahrhundert mehrfach bezeugt. Auch soll 1407 ein Hermann von Falkenburg den engen Bergfried mit einem wohnlicherem Hof in Bendeleben vertauscht haben.


Die als romanischer Burgbau entstandene Falkenburg hatte wahrscheinlich außer dem hohen, massiven Bergfrieds keine weiteren Befestigungswerke, da sie durch einen steil abfallenden, tiefen Graben umschlossen wurde und somit auch von dem dahinter angrenzenden Gebirge sicher geschützt war. Ihre nur noch wenigen verbliebenen sichtbaren Teile sind Reste vom Burgturm-Mauerwerk, der Zisterne sowie des Burggrabens. Die auf dem Falkenburgsgelände gemachten Scherbenfunde weisen in das 12. Jahrhundert.

Eine unrühmliche Rolle spielte die Falkenburg im 15. Jahrhundert als Raubnest des Ritters Hans von Falkenburg, der mit seinen Verbündeten Hans von Thüne, Lamprecht von Stockhausen zu Bramburg, auch denen von Bobenzen den umliegenden Raum mit Befehdung, Raub und Brand tyrannisierte. Die Situation spitzte sich besonders Mitte des 15. Jahrhunderts zu. Um diesem Treiben ein Ende zu setzen, schlossen die Städte Erfurt, Nordhausen und Mühlhausen mit dem Herzog Wilhelm von Sachsen, den Grafen Heinrich XXXI. von Schwarzburg, Heinrich von Stolberg, Ernst IV. und Hans III. von Hohnstein sowie dem erzbischöflich mainzischen Provisor des Eichsfeldes, Adolph von Nassau, 1458 in Weimar ein Bündnis. Noch im selben Jahr eroberten sie dann mit überlegener Macht die Falkenburg und zerstörten das weithin verhasste Raubnest. Ein gleiches Schicksal ereilte auch die Raubrittersitze der mit Hans von Falkenburg Verbündeten. Die Bewohner der Umgebung vermuteten lange Zeit danach in verborgenen Kellern die Schätze der Raubritter.

GPS-Koordinaten
N 51.3752° E 11.0378°

Der Höhlenforscher Dr. Ing. Friedrich Stolberg schrieb 1968 in seinem Buch
„Befestigungsanlagen im und am Harz von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit“


116. Falkenburg, Burgruine. Frankenhausen, Kr. Artern (Unterherrschaft Frankenhausen), Bez. Halle (Schwarzburg-RudoIstadt).

Name: Falkenburg.

Meßtischblatt: 2614/4632 Frankenhausen; N 10,5; W 10,9.

Allgemeine Lage: Südrand des Kyffhäusergebirges (Nabelgau).

Örtliche Lage: 195 m NN auf niedriger aber steiler Anhöhe an der Südwestecke des Kyffhäusergebirges über der Aue der Kleinen Wipper, 1,1 km nordnordwestlich Rottleben.

Baugrund: Jüngerer Zechsteingips über Stinkschiefer und Älterem Zechsteingips.

Baumaterial: Gips als lagerhafter Bruchstein mit durchgehenden Fugen, Gipsmörtel.

Beschreibung: Kreisrunder Burgplatz von 15-16 m Durchmesser, von Graben mit VorwalI umgeben, der an drei Stellen unterbrochen und auf der Westseite schwach ausgeprägt ist. Innerhalb dieses Burgplatzes Rest eines runden Wohnturms von etwa 14,2 m Durchmesser und nur 1,6-2,0 m Mauerdicke. Erhalten auf der Westseite ein 9 m langes, 4,3 m hohes Mauerstück dieses Turmes. Im Innern Spur eines einst überwölbten Raumes sowie ein 4 m langes, gerades Mauerstück, das einstige Innenteilung andeutet. Nordwestlich des kreisrunden Burgplatzes (Kernburg?) ein etwa 10 m langes, 15-25 m breites, abfallendes Plateau mit unregelmäßiger Oberfläche, das die ehemalige Vorburg sein könnte. Nach Nordwesten und Südwesten fällt das Plateau über Gipsfelsen ab. Nordöstlich der Burg tiefe Gipsdoline, „Teufelsgrube“ genannt, die das Burggelände vom anstehenden Berg trennt; unter der Burg, in den Lagern älteren Gipses, die 1865 entdeckte, berühmte Barbarossahöhle. (Eingehende Beschreibung der Falkenburg siehe Stein a.a.O.)

Geschichte: Die in vorfrühgeschichtlicher Zeit zurückreichende Bedeutung der Salzquellen (Frankenhausen) am Kyffhäusersüdrand und das Bestehen der alten „Salzstraße“ von Frankenhausen nach Nordhausen, die dem Südwestrand des Kyffhäusers folgt, erklärt das Vorhandensein der Falkenburg als Wegeposten. Der mächtige, verhältnismäßig dünnwandige Rundturm verweisen sie in salische Zeit, um 1100 (vgl. Stein a.a.O.). Adelige v. Falkenburg 1361 urkundlich genannt als Vasallen der Grafen v. Beichlingen, aber keine die Burg selbst betreffende Urkunden. Die angebliche Zerstörung 1458 durch den Herzog v. Sachsen, Grafen und Städte der Umgebung ebenfalls nicht bezeugt, sondern nur auf Annahme älterer Autoren beruhend.

Lit. u. Abb.: B.u.KDm. Thüringen V S. 42; Berg, Kyffhäusergebirge u. Barbarossahöhle, Richters Reiseführer Nr. 38 1917 S. 54; Grimm, 1958 Nr.9 u. K. Abb. 42, Müldener, Leipzig 1752 S. 27; Piper, 1895 1. Auflage S. 695, 3. Auflage 1912 S. 615; Stein, 1950 S. 47, 56, 63, 66 ff. u. Pl., Gr. 1:200, Stein, 1960 S. 19f., Abb. Gr.; Tillmann, 1958/61 S. 227.