Karstwanderweg Kyffhäuser

An dieser Stelle beginnt ein Wanderweg durch die Gipskarstlandschaft im Kyffhäuserkreis. Der Weg erschließt einen Landschaftsausschnitt mit Dolinen, Erdfällen, Karstquellen, Bachschwinden, Höhlen, Steinbrüchen und Resten ehemaligen Bergbaus. Der Weg beginnt hier an der Oberkirche, folgt dem Geologisch-Botanischen Wanderweg, führt vorbei an der Barbarossahöhle, durch die Ortschaften Steinthaleben - Badra - durch die Badraer Schweiz an das Südufer des Kelbraer Stausees und mündet über zwei Zuwegungen an der Schauhöhle Heimkehle in einen Karstwanderweg, der in die Länder Sachsen-Anhalt und Thüringen weiter nach Osten bzw. Westen am Harzrand entlangführt und im Landkreis Osterode am Harz seine Fortführung findet.

Der gekennzeichnete Karstwanderweg (rot) ist im Gelände nicht als solcher markiert sondern folgt überwiegend den örtlichen Wanderwegen mit deren Kennzeichnungen.

Er soll dem geologisch und botanisch interessierten Wanderer möglichst viele Sehenswürdigkeiten am und im Kyffhäusergebirge und dessen näherer Umgebung zeigen.

Für die Orientierung im Gelände soll die rote Wegemarkierung, die den Verlauf des Karstwanderwegs darstellt, auf den topografischen Karten dieser Internetpräsentation im Maßstab 1:50.000 dienlich sein.


Die Oberkirche

Die Oberkirche (Unser lieben Frauen am Berge) wurde auf Resten eines romanischen Vorgängerbaus errichtet und laut Inschrift 1382 fertiggestellt. Zahlreiche notwendige Reparaturen (u. a. 1632, 1642, besonders 1727) und ein Wiederaufbau 1761 nach dem Brand von 1759 haben sie in ihrem ursprünglichen Charakter vielfach verändert. Dabei dürften bereits die häufig notwendigen Reparaturen des 17. und 18. Jahrhunderts wesentlich auf die Verkarstung des Baugrundes zurückzuführen sein. Insbesondere der 50 m hohe Turm hat eine deutliche Neigung nach Nordosten erfahren und sich von der Außenmauer des Kirchenschiffes (Dachstuhl 1961 abgetragen) gelöst. Während sich die Anbringung von Stützpfeilern (1911) zur Stabilisierung des Bauwerkes nicht bewährte - sie haben eine bedeutend stärkere Schrägstellung als der Turm selbst erfahren - konnte durch Ringanker (1930) der Mauerwerksverband des Turmes gehalten werden. Die Gebäudesenkung konnte damit allerdings nicht wirkungsvoll aufgehalten werden. Der Turm neigt sich um mehr als 4,45m [Stand September 2011] aus dem Lot und ist daher der schiefste Turm Deutschlands. Erhebliche Schäden an innerstädtischen Wohnbauten gaben um 1975 die Veranlassung, das Quartier nördlich des Solbrunnens, zwischen Oberkirchgasse und Hausmannsturm, für jegliche Bebauung zu sperren und die vorhandenen historischen Gebäude niederzulegen. Der Grund für die Gebäudeschäden ist in zwei Ursachenkomplexen zu sehen:

  1. Der Stadtteil liegt im Bereich der Gipse des Werraanhydrites (Z1), die leicht verkarsten und zu Senkungen und Hangrutschungen neigen und
  2. verläuft hier die Kyffhäusersüdrandstörung, ausgebildet als ein mehrere Hundert Meter breites Störungsbündel.

Zum Pfingstmarkt des 27. Mai 1759 nachmittags zwischen 16 und 17 Uhr brach in einem Salzsiederhaus Feuer aus. Es verzehrte 35 Häuser der Frauenstraße und des Neumarktes, ergriff die Spitze des damals 377 Jahre alten Kirchturms und legte ihn binnen weniger Stunden in Schutt und Asche. Der Neubau wurde am 13. Juli 1760 begonnen und am 22. August 1761 vollendet. Höhe 50m / Barocke Turmhaube / erbaut von Friedrich Halle. Der baufällige Dachstuhl des Kirchenschiffes wurde 1961 abgebaut.

Mögliche Ansicht vor dem Umbau im Jahre 1759. Weit höheres Alter durch romanische und gotische Baureste bezeugt.

Im Sommer finden Konzerte und Gottesdienste im romanischen Innenraum statt.

[ www.oberkirchturm.de ]

Literatur:
EBERHARDT, H.: Die Anfänge der Stadt Frankenhausen und ihre Entwicklung bis zur Mitte des 16.Jahrhunderts. -Siedlung, Burg und Stadt (= Schriften der Sektion für Vor- und Frühgeschichte der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin; Band 25), Berlin 1969, S. 438 - 463