Lebensraum Salzwiesen

Rund um den Kyffhäuser gibt es mehrere Salzstellen. An einigen Orten, wie in Bad Frankenhausen und Artern, wurde aus der aufsteigenden Sole Salz gewonnen, denn Salz war eine begehrte Handelsware und kostbar wie Gold.

Die Salzstellen bergen aber noch einen anderen Schatz: Hier leben äußerst seltene Tier- und Pflanzenarten. Die meisten Salzstellen zählen deshalb zum europäischen Naturerbe.
Als Fauna-Flora-Habitat-(FFH)-Gebiete sind sie Bestandteil des Europäischen Schutzgebietsnetzes NATURA 2000.

Etwa die Hälfte der ursprünglichen vorhandenen, artenreichen Thüringer Salzstellen sind bereits verloren gegangen. Von den ehemals weitläufigen Salzwiesen zwischen Auleben und Kelbra wurden ab 1967 durch den Aufstau des Kelbraer Stausees 80% überflutet. Nach Aufgabe der traditionellen Nutzung in den 1960er Jahren verschilften die noch vorhandenen Salzstellen.
Durch die Beweidung mit Heckrindern wird das Schilf seit 1998 wieder zurückgedrängt. Diese Rinder sind nach den Brüdern HECK benannt, die in den 1930er Jahren versuchten, den Ur- oder Auerochsen zurückzuzüchten. Heraus kam diese Rasse, die jedoch nur ¾ der Größe und die Hälfte der Masse des Ur hat, der 2m Risthöhe erreichte. Wie sein Vorfahre, der Ur, ist auch das Heckrind sehr robust, so dass es das ganze Jahr auf der feuchten Weide stehen kann.

Heute bilden Landwirtschaft und Naturschutz eine Partnerschaft. Durch abgestimmte Beweidung oder Mahd soll verhindert werden, dass Schilf oder Quecken die Salzpflanzen überwuchern. Binnensalzstellen sind "Halbnatürliche" Lebensräume, die ohne Nutzung wesentlich artenärmer und kleinräumiger wären.

Durch das EU-LIFE-PROJEKT werden:

  • die Bedingungen für die Flächenpflege verbessert,
  • seltene Pflanzen und Tiere gefördert und
  • die Öffentlichkeit über Salzstellen informiert.
Salzstellen sind Extrem-Lebensräume, denn Salz entzieht Zellen Wasser. Dies macht es für alles Leben tödlich. Salzpflanzen schützen sich aber mit Tricks gegen das Salz. Ihre Wurzeln haben eine spezielle Salzaufnahmesperrschicht und Salzdrüsen können den Salzüberschuss ausscheiden.
Salz bindet Wasser, macht es auch für Wurzeln kaum erreichbar. Obwohl der Boden nass ist, herrscht daher Wassermangel. Salzpflanzen verfügen über Anpassungen wie Wüstenpflanzen: Extrem saugstarke Wurzeln, spezielle Wasserspeicherorgane oder behaarte Blätter, um sich vor zu viel Wasserverlust zu schützen.

Ich lebe hier!

Das Milchkraut

Diese Pflanze ist auf Salzstellen ein verbreiteter Frühlingsbote. Sie zählt dort zu den ersten Pflanzen die blühen. Ab Mai streckt sie ihre zarten rosa Blüten in die Höhe. Die Stengel tragen zahlreiche kleine und dickfleischige Blätter.

Die Küstenbauern glaubten, mit Milchkraut geben Kühe mehr Milch. Es sind aber bisher keine Wirkstoffe nachgewiesen worden. Die Ursache für diese Annahme könnte sein, dass das Milchkraut an der Küste oft zusammen mit besonders eiweißreichen Pflanzen wächst.

 
GPS-Koordinaten
N 51.4254° E 10.9535°