Die Akademie der Geowissenschaften zu Hannover e. V. rief 2004 zu einem Wettbewerb zur Erfassung und Ausweisung der bedeutendsten Geotope in Deutschland auf.

Insgesamt wurden über 180 Geotope aus allen Teilen der Bundesrepublik zur Bewertung eingereicht. Eine Jury unter Beteiligung der Geologischen Dienste in den Bundesländern hat von den eingereichten Vorschläge insgesamt 77 als die "bedeutendsten Geotope bzw. Geotoplandschaften Deutschlands" ausgewählt.

Diese wurden am 12. Mai 2006 in Hannover mit dem Prädikat Nationaler Geotop ausgezeichnet. Zusätzlich verlieh das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) den Nationalen Geotopen das Logo "planeterde - Welt der Geowissenschaften".

Ergänzt wurden die Auszeichnungen durch die gleichzeitige Herausgabe des populärwissenschaftlichen Begleitbuches "Faszination Geologie - Die bedeutendsten Geotope Deutschlands", in dem alle 77 Geotope, besonders auffällige und außergewöhnliche geologische Sehenswürdigkeiten, ausführlich vorgestellt werden.
 

Kurzbeschreibung des Geotops
Die "Lange Wand" bei Ilfeld ist ein natürlicher geologischer Aufschluss am linken (östlichen) Prallhang des Flüsschens Bere. Durch die fortschreitende Seitenerosion der Bere ist eine Steilwand entstanden, die durch laufende Abbrüche keine Vegetation aufweist, wodurch der Aufschluss ohne menschliche Einwirkung langfristig erhalten bleibt. Aufgeschlossen ist die Zechsteintransgression über der eingeebneten präoberpermischen Landoberfläche, die hier aus Rhyolit des Rotliegend besteht. Das aufgeschlossene gut erkennbare Profil umfaßt Rhyolit (sogenannter "Ilfelder Porphyrit") des Rotliegend (Ilfeld-Schichten) und die Werra-Folge des Zechsteins vom Basalkonglomerat über den Kupferschiefer bis einschließlich Zechsteinkalk.
 

Begründung des Vorschlags
Der Aufschluss zeigt in modellhafter Klarheit das Bild einer Transgression. Am rechten (westlichen) Ufer der Bere ist eine Möglichkeit zum ungefährdeten Betrachten der Steilwand gegeben, wodurch jedem interessierten Besucher ein Einblick in die Prozesse an der Wende Rotliegend - Zechstein ermöglicht wird. Hervorzuheben ist die Erkennbarkeit des Kupferschiefers, der für den Südharzrand eine herausragende montanhistorische Bedeutung hat und im unmittelbar benachbarten gleichnamigen Besucherbergwerk Gegenstand des historischen Bergbaus war. Bei einem Besuch des Schaubergwerks können die Beobachtungen an der Tagesoberfläche anschaulich ergänzt und die rohstoffgeologische Bedeutung erkannt werden.


Helmut Garleb, Neustadt / Harz

Anlagen zum Vorschlag zur Aufnahme in die Liste
der bedeutendsten Geotope Deutschlands

Geotop Lange Wand bei Ilfeld

  1. Geotop Lange Wand bei Ilfeld – Am Grunde des Zechsteinmeeres: Beschreibung des Geotops Aufschluß Lange Wand
  2. Kurzbeschreibung Aufschluß Lange Wand
  3. Kurzbeschreibung Besucherbergwerk Lange Wand
  4. Ausschnitt aus der topografischen Karte 1 : 25.000
  5. Ausschnitt aus der geologischen Karte (Geol. Karte 1 : 25.000)
  6. Ausschnitt aus der geologischen Karte (Geol. Karte 1 : 100.000)

Geotop Lange Wand bei Ilfeld – Am Grunde des Zechsteinmeeres

Bei der Herausbildung des Harzes waren die im Meer entstandenen Ablagerungen gefaltet, verfestigt und als Gebirge aus dem Meer herausgehoben worden. In diesem jungen Gebirgsland herrschte in der Zeit des Rotliegenden vor ca. 300 Millionen Jahren ein warmes trockenes Klima. Durch gewaltige Vulkanausbrüche wurde eine Landfläche, die heute noch 55 km² beträgt, mit bis zu 300 m mächtigen Lavaschichten überdeckt. Am Ende dieser unruhigen Zeit hatten die ständig wirkenden Kräfte der Verwitterung das Gebirge völlig eingeebnet. Dieses flache Land wurde vor ca. 255 Millionen Jahren erneut vom Meer erobert. Mit der Überflutung des Festlandes begann die Zeit des Zechsteins, einer geologischen Epoche, die für unser Gebiet von ganz besonderer Bedeutung ist. Am Strand des Zechsteinmeeres wurden wie an jeder Meeresküste Sand und Geröll angespült. Das Meer drang allmählich weiter in das Landesinnere vor und wurde hier am Standort Lange Wand allmählich tiefer. Am Meeresgrund wurde kein Sand, sondern schwarzer Schlamm abgelagert. In diesem Schlamm waren Verbindungen von Kupfer, Silber und anderen wertvollen Metallen enthalten. Die in dem Meer lebenden Fische sanken nach ihrem Tod auf den Grund ab und wurden in den Schlamm eingebettet. Doch auch diese Zeit ging vorüber, der Charakter des Meeresbeckens änderte sich zu einem lichtdurchfluteten Flachmeer, wie wir es heute an tropischen Küsten finden. Aus den Überresten der in dem warmen Wasser lebenden Organismen entstanden kalkige Ablagerungen. Die weitere Entwicklung des Zechsteinmeeres führte zur Bildung der gewaltigen Gips- und Anhydritablagerungen und der Stein- und Kalisalze im Inneren des Thüringer Beckens.
In der zeit des Jura und der Kreide wurden durch die sogenannte saxonische Tektonik, die zeitlich annähernd mit der Entstehung der Alpen zusammenfällt, die bereits verfestigten Gesteinspakete des Paläozoikums und Mesozoikums zerbrochen, gegeneinander verschoben, z. T. verfaltet, schräggestellt, herausgehoben oder abgesenkt. Dabei wurde auch unser heutiger Harz emporgehoben, schräggestellt und auf sein nördliches Vorland aufgeschoben.
In die bei diesen Vorgängen aufreißenden Bruchzonen drangen heiße Wässer ein, deren mitgeführte Lösungsfracht beim Kontakt mit anders zusammengesetzten Wässern und dem kühleren Nachbargestein ausgefällt wurden und Erz- oder Mineralgänge bildeten. Auch der Kupferschiefer selbst verdankt zumindest einen Teil seines Metallgehaltes den heißen salzreichen Lösungen, die im Zusammenhang mit der saxonischen Tektogenese aktiviert wurden.
An der Langen Wand bei Ilfeld stehen wir genau an der Grenze zwischen den eingeebneten Lavaergüssen (Ilfelder Rhyolit, sogen. „Porphyrit“) der Landoberfläche des Rotliegenden, wir sehen den durch das Meerwasser gebleichten Porphyrit und darauf den Strand des Zechsteinmeeres – die zu Sandstein verfestigten Strandsedimente („Zechsteinkonglomerat“), den zu einem dünnplattigen Gestein verfestigten metallhaltigen Schlamm- den Kupferschiefer und darüber die zu einem bankigen Kalkstein gewordenen kalkigen Ablagerungen, den Zechsteinkalk.

Aufgeschlossenes Profil am Prallhang der Bere
(nach GAERTNER 1959)

Zechsteinkalk:> 6,20m
ca.3,00mKalkstein, dunkelblau, bräunlich verwitternd, plattig bis dünnbankig, fest
1,45mKalkstein, mergelig, schwarzblau bis stark dunkelblau, braungrau verwitternd, plattig, fest
0,40mMergelkalkstein, schwarzblau, dünnplattig, stark zerklüftet
 1,40mMergelkalkstein, stark dunkelblaugrau bis bräunlichgrau, stark verwittert, schiefrig bis dünnplattig
Kupferschiefer: 0,45 m
 0,30mMergelschiefer, schwarz- bis schwärzlichblau, rostbraun bis hellgrau verwitternd, fest, dünnplattig spaltend
0,15mMergelschiefer, schwarzblau, rostbraun bis grau verwitternd, mild, schiefrig spaltend, mit Malachitbestegen
Zechsteinkonglomerat: 0,70 m
0,70mSandstein, mittel- bis grob-, z.T. auch feinkörnig (ungleichkörnig), kalkig, hellgrau bis hellgelblichgrau, geröllführend, (mehrere mm bis über 3 cm große, wenig gerundete Gerölle von Schiefer, Quarz, Porphyr u.a.)
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0,15m
Bleichhorizont: gebleichter Rotliegend – Porphyrit
Liegendes: Rotliegend - Porphyrit

Name:
Lange Wand
Art:
Felswand, Ostufer der Bere
Geologie:
Rhyolith (Rotliegendes); Zechsteinkonglomerat, Kupferschiefer, Zechsteinkalk (Zechstein); Zechsteintransgression
Lage:
Ilfeld Rosensteg
zu erreichen über:
Fußweg von Ilfeld; B 4

Foto H. Garleb

Name:
Kupferschiefer - Schaubergwerk „Lange Wand“
Art:
Besucherbergwerk
Südharztouristik
Ilfeld-Information
Ilgerstraße 51
99768 Ilfeld
Tel.: (036331) 32 0 33
Fax: (036331) 32 0 35
eMail: info@suedharztouristik.de
www.suedharztouristik.de
Geologie:
Rhyolith (Rotliegendes); Zechsteinkonglomerat, Kupferschiefer, Zechsteinkalk (Zechstein); Zechsteintransgression; Kupfer- und Kobalterze
Lage:
Gemeinde Ilfeld
zu erreichen:
Bundesstraße B4, innerörtlicher Fuß- oder Fahrweg; Harzer Schmalspurbahn, Haltepunkt Ilfeld Schreiberwiese

Foto H. Garleb


Lage (Karte)


Geologische Karte (1)
Ausschnitt aus Geologische Karte von Preußen..., 1 : 25 000, Blatt Nordhausen Nord


Geologische Karte (2)
Ausschnitt aus Geologische Karte Harz..., 1 : 100 000.- Halle 1998