Die Lange Wand

Geologischer Aufschluss zur Zechsteintransgression bei Ilfeld


Die Rotliegendschichten mit den vulkanischen Porphyriten waren eingeebnet worden. Durch die Transgression (Vordringen) des Zechsteinmeeres wurden neue Sedimente abgelagert. An der langen Wand bei Ilfeld ist die Grenze zwischen dem Rotliegenden und dem Zechstein in eindrucksvoller Weise aufgeschlossen (Blockbild). Als tiefste Einheit steht der Porphyrit des Ilfelder Rotliegenden an. Dieser ist das Produkt vulkanischer Tätigkeit, die einen bis zu 300 m mächtigen und über 50 km2 großen Deckenerguß entstehen ließ. Der Porphyrit ist eine festländische Bildung. Seine Oberfläche stellte bis zum Beginn des Zechsteins die Landoberfläche dar. Durch den Einfluß des vordringenden Zechsteinmeeres sind die obersten 15 cm des dunkelrotbraunen Porphyrites gebleicht worden.

Blockbild der geologischen Verhältnisse am Harzsüdrand bei Ilfeld
(aus WAGENBRETH & STEINER 1982)


Die Ablagerungen des Zechsteins beginnen mit dem Zechsteinkonglomerat. Dieses ist als typisches Transgressionskonglomerat ausgebildet. Es ist sehr ungleichkömig und nach den vorherrschenden Korngrößen als fein- bis grobkörniger geröllführender Sandstein einzustufen. Über dem Zechsteinkonglomerat setzt schlagartig der Kupferschiefer ein. Dieser kohlig-bituminöse schwarzblaue Mergelstein zeichnet sich durch eine schiefrige bis dünnplattige Spaltbarkeit aus. Er ist durch eine Anreicherung von Schwermetallen, insbesondere der Sulfide von Kupfer, Blei und Zink ausgezeichnet. Die Metallgehalte sind durchweg sehr gering und erreichen nur wenige Prozente.

[ Kupferschiefer-Schaubergwerk ]

Durch Verwitterungseinflüsse entstehen aus den primären Kupfersulfiden die farbintensiven Umwandlungsminerale Malachit (grün) und Azurit (blau). Diese sind als dünne Bestege sowohl auf dem Kupferschiefer selbst als auch auf dem liegenden Zechsteinkonglomerat ausgebildet. Auf den Spaltflächen des Kupferschiefers sind recht häufig Schuppen von Ganoidfischen zu finden. Ganze Fische sind aber doch sehr selten.

Aufgeschlossene Schichtenfolge an der Langen Wand bei Ilfeld
GesteinsfolgeAusbildung
Mächtigkeit
Zechsteinkalk
 
 
 
 

Kupferschiefer
 

Zechsteinkon-
glomerat

3,00 m Kalkstein, dunkelblaugrau, plattig bis dünnbankig
1,45 m Kalkstein, mergelig, dunkelblaugrau, plattig
0,45 m Mergelkalkstein, schwarzblau, dünnplattig
1,40 m Mergelkalkstein, dunkelblaugrau, schiefrig bis dünnplattig

0,30 m Mergelschiefer, schwarzblau, dünnplattig spaltend
0,15 m Mergelschiefer, schwarblau, mild, schiefrig spaltend

0,70 m Sandstein, mittel- bis grob-, z.T. auch feinkönig,
       geröllführend, grau bis gelblichgrau

 

> 6,30 m
 
 

0,45 m
 

0,70 m

Die obersten plattigen Partien des Kupferschiefers leiten über zum Zechsteinkalk. Dieser entwickelt sich von einem Mergelstein bis zu einem typischen Kalkstein. Der Zechsteinkalk ist plattig bis bankig ausgebildet und intensiv geklüftet. Mit dem Zechsteinkalk endet die an der Langen Wand aufgeschlossene Folge. Jüngere Zechsteinschichten sind hier bereits wieder abgetragen und erst weiter südlich erhalten.

Der Kupferschiefer war überall am Harzrand auf Grund seines Erzgehaltes Gegenstand bergbaulicher Tätigkeit, so auch an der langen Wand. Die ersten schriftlichen Nachrichten hiervon datieren aus dem Jahre 1750, obwohl bereits frühere bergbauliche Aktivitäten zu vermuten sind. Neben dem eigentlichen Kupferschieferbergbau ist auf sog. "Rücken" Kobalterz abgebaut worden. Diese Rücken sind Gangvererzungen, die ebenso wie Schwerspatgänge das Kupferschieferabbaugebiet durchsetzen. In dem Zeitraum bis 1860 erfolgten in mehreren meist kurzdauernden Perioden bergmännische Auffahrungen zur Gewinnung von Kupferschiefer und Kobalterzen. In deren Ergebnis ist an der Langen Wand ein heute noch befahrbares Stollen- und Streckensystem entstanden. Es wurden jedoch kaum bauwürdige Vorräte angetroffen, so daß das Bergwerksfeld Lange Wand nie eine nennenswerte wirtschaftliche Bedeutung erlangte.

Literatur:

GARLEB, Helmut (2004): Anlagen zum Vorschlag zur Aufnahme in die Liste der bedeutendsten Geotope Deutschlands

v. GAERTNER, H.-R.: Zechstein bei Niedersachswerfen. -Exkursionsführer ThüringerBecken, Jahrestagung Geol. Ges. DDR Weimar 1959, Berlin 1959.

GEAVERT, H.; KNAPPE, H.; SCHEFFLER, H.: Schaubergwerke im Südharz. - Der Harz, eine Landschaft stellt sich vor [Veröff. Harzmuseum], Wernigerode 7/8 (1983) 71 S.

WAGENBRETH, O.; STEINER, W.: Geologische Streifzüge, Landschaft und Erdgeschichte zwischen Kap Arkona und Fichtelberg. Leipzig: VEB Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie 1982, 204 S.