Wie kommt das Wasser auf den Berg?
Die Herzberger Wasserkunst versorgt das Schloss

Dem Pächter der Untermühle oblag neben dem Getreidemahlen die Unterhaltung der so genannten Wasserkunst. In der vorindustriellen Zeit bezeichnete man Maschinenanlagen als "Künste". Die Herzberger Wasserkunst existierte seit 1558. Es war eine Kolbenpumpanlage, die das auf dem Berg gelegene Schloss über eine Steigleitung mit Wasser versorgte.

Im Schloss fingen eine Reihe von Bassins das Wasser auf. Versorgt wurden im 19. Jahrhundert die Beamten des Amtsgerichtes, das Gefangenenhaus, der Pförtner, die Feuerkübel auf dem Schloss und das Vieh des Amtshaushaltspächters.
 
Lageskizze der Untermühle von 1851
Die Wasserkunst gehörte zur Untermühle. Ein eigenes Wasserrad trieb die Kunst an. Das Wasser überwand einen Höhenunterschied von 45 Metern.

Im Vertrag des Untermüllers waren seine Pflichten bei Betrieb und Unterhaltung der Kunst genau beschrieben. In strengen Wintern musste er verhindern, dass die Leitung zum Schloss zufror. Falls das Abdecken mit Stroh und Pferdemist nichts half, hatte er das Wasser mit Fuhrwerken auf den Berg zu schaffen. Bei einer Menge von 3200 Litern (14 Oxhoft) täglich eine große Mühe!

Funktionsweise der Herzberger Wasserkunst
Das Gebäude der Wasserkunst war ein Fachwerkbau von ca. 4,80 m Länge und 5,24 m Breite. Als Sammelbecken für das Wasser diente ein großer Trog aus Eichenholz. Eine Druckpumpe beförderte das Wasser auf den Schlossberg. Hierzu wurde der Kolben im Zylinder durch das Kunstwasserrad, welches mit der Hauptwelle des Mühlenrades verbunden war, in Bewegung gesetzt. Das Wasser aus dem Trog wurde angesaugt und in einen Windkessel gepresst, durch den es in die Leitungsrohre gedrückt wurde. Die Wasserleitungen zum Schloss bestanden aus Gusseisen.

Auszug aus dem "Regulativ wegen der Wasserkunst bei der unteren Mühle in Herzberg" von 1829:

" §. 6.
Das Aufeisen des Mühlengrabens, so wie des Juesgrabens muß der Müller, wie es schon durch ein besonderes Regulativ bestimmt ist, mit größtem Fleiß, nöthigenfalls durch 3 bis 4 Leute besorgen lasse, und muß solches bei starkem Frostwetter jeden Morgen bei Tages-Anbruch geschehen.

§. 7.
Bei allen sowohl an der Kunst selbst, als an der Röhrenleitung auf herrschaftliche Kosten vorzunehmenden Arbeiten hat der Mühlenpächter mit einem seiner Burschen thätige Hülfe ohnentgeltlich zu leisten."


Die Untermühle in Herzberg, um 1950


Abbruch der Untermühle, 1972
1972 musste die Untermühle der neuen Bundesstraße weichen

Eine neue Verwendung für das immer noch strömende Wasser des Mühlengrabens fand der Verein "Wasserrad für Herzberg e.V." im Jahre 2005

Fotos: Stadtarchiv Herzberg