Zur Geschichte der Pölsfelder Kupferschieferreviere

Dr. Günther Jankowski
 
 

1. Die geologischen Verhältnisse des Gebietes um Pölsfeld

Vom Ostharz zweigt in der Gegend von Annarode ein breiter Höhenzug ab, der sich in südöstlicher Richtung bis nach Hornburg erstreckt. Die Schichten zeigen Sattelstellung und werden an der Südwestseite durch eine Verwerfung, die Südwestrandverwerfung, abgeschnitten. Diesen Hornburger Sattel umrahmt an der Südwestseite das mehr oder weniger steil einfallende Kupferschieferflöz und die lokalen Haldenzüge. Letztere sind die einzigen Zeugen eines einstmaligen Kupferschieferbergbaugebietes, das sich von Hornburg, Rothenschirmbach, Sittichenbach, Klosterrode bis nach Pölsfeld perlschnurartig erstreckte. Bergmännisch waren jedoch nur die 200 - 600 m breiten Flächenteile oberhalb der Randstörung greifbar. Jenseits davon liegt der Kupferschiefer in beträchtlicher Tiefe. Lediglich nach Pölsfeld zu wird die Sprunghöhe der Störung bei gleichzeitiger Aufspaltung in mehrere leistenförmige Staffeln geringer. Diese Südwestrandstörung war es auch, die unsere Vorfahren bei der Erschließung dieses Gebietes erhebliche Schwierigkeiten bereitete. Angefangen vom Mißlingen des bis dahin größten bergmännischen Bauwerks, dem Klosterröder "Gute Hoffnung" Stollen (1788 - 1801), bis zum enttäuschenden Ergebnis der L-Schächter Sohlenstrecke. (Abb.1)


Infolge von Vertaubungen und tektonisch bedingten Verquetschungen des Kupferschiefers konzentrierte sich das Abbaugeschehen auf die wenigen zugänglichen Stollen gleichnamiger Bergreviere im Pölsfelder Forst. Erst ab der Ortslage Pölsfeld finden sich auch größere geschlossene Gebiete.

Das Einfallen des Kupferschiefers ist in den Pölsfelder Kupferschieferrevieren nach Südosten gerichtet. Lediglich im Bereich der Südwestrandstörung kippen die Schichten nach Westen bis Südwesten ab. Während das Ausgehende am Harzrand sicher zu verfolgen ist, wird im Bereich der Kloppgasse der Abschluß durch die genannte Störung gebildet. 

Diesem Einfallen folgen dachziegelförmig die bedeckenden Schichten. Durch die Steinbrüche und Schachtprofile stellt sich ein typisches Auslaugungsprofil mit Rückstandsgesteinen dar, in dem oftmals das Ursprungsgestein nicht mehr erkennbar ist. Je tiefer der Kupferschiefer absinkt, um so mehr nähern sich die Deckschichten dem Normalprofil des Sangerhäuser Bergbaus. (Abb.2 u. 3)

Für den Pölsfelder Raum ist folgende Schichtenfolge repräsentativ:

Durchschnittliche
Mächtigkeit (m)

Stratigraphische
Stellung

MutterbodenQuartär
Lößlehm  3
Kiese (teilweise)  2,00
Rote und blaue Letten20Buntsandstein
Grüner Ton  0,50Zechstein:
Asche, GipsReste des Zech-
steins 2 und 3
Stinkstein10Stinkschiefer
Gips, Asche, Rauchwacke20Reste des Werra-
Anhydrits
Zechsteinkalk  4Zechsteinkalk
Kupferschiefer  0,30Kupferschiefer

Kupferschiefer ist anstehend nicht anzutreffen, sondern nur auf Halden zu finden. Nach älteren Unterlagen wurde er in mehrere Zonen eingeteilt, die im Vergleich zu den in Eisleben üblichen Bezeichnungen lauten:

Eisleber Reviere

Pölsfelder Reviere

Dachberge



Dachberge

NobergeNoberge
SchieferkopfSchieferkopf
KammschaleBlattschiefer
Grobe LetteSchrammschiefer
Feine Lette



Erzschiefer

Liegendes

Jedoch war die Kupferführung nicht wie in den anderen Sangerhäuser Revieren auf die unteren Zonen des Kupferschiefers, sondern hauptsächlich auf die Noberge, Dachberge und sogar den unteren Zechsteinkalk, die Fäule, konzentriert. Verschiedentlich fanden sich Vererzungen, die an Rücken gebunden waren. Bestimmend für die Anreicherung in den oberen Partien dürfte aber die Erscheinung der Roten Fäule sein. Die von den Bergleuten als "Leberflecke" bezeichneten Rotfärbungen waren besonders an der Halde des Barbaraschachtes zu finden. Die Halden sind heute stark überwachsen.

Der Zechsteinkalk ist an mehreren Stellen aufgeschlossen. Bemerkenswert sind die bankigen Absonderungen im mittleren Teil, der deswegen bevorzugt als Baumaterial gebrochen wurde, und die durch Gipsauflösung entstandenen Blasen- oder Porenkalke, die auch als Rauchwacken bezeichnet werden. In den gleichen Brüchen finden sich allerdings vereinzelt Aschen, als Reste ausgelaugten Gipses und Rauhstein, als Rückstand der Dolomitsubstanz der Gipse.

Stinkschiefer tritt im gesamten Raum Pölsfeld als dünnplattiger, grauer, stärker zerbrochener Schiefer auf. Im frischen Anbruch ist ein Bitumengeruch wahrnehmbar. Noch weiter südlich im Heinschen Tal oder im Kalten Born südlich des Barbara-Schachtes treten Gips und Rauhsteine auf, die stratigraphisch dem Hauptanhydrit zuzuordnen sind.

Die Auslaugung (Subrosion) der Kalksteine, Dolomite und Gipse hat zu Gesteinen geführt, die im Mansfelder Bergbau bekannt sind.

Rauchwackensind infolge von Auflösungen von Gips im Kalkstein oder Dolomit entstandene Blasen- oder Porenkalke von bizarrer Form.
Rauhsteinist eine feinere Form der von Gips befreiten Dolomite, sieht Bimsstein sehr ähnlich und ist relativ leicht.
Ascheist ein Mergel-Sand, der aus zerfallenem Gips und Dolomit besteht.

Den Abschluß der ganzen Schichtenserie bilden rote Schiefertone und Sandsteine, die südlich des Barbara-Schachtes und auch im Schacht O an der Kloppgasse auftreten. Letzten Endes bedeckt der gelbe Lößlehm den ganzen Bereich.

Eine Besonderheit im Deckgebirge der Pölsfelder Kupferschieferreviere sind die wahrscheinlich im 16. Jahrhundert entdeckten Hohlräume oder Schlotten, die sich wenige Meter über dem Zechsteinkalk im Gips des unteren Werra-Anhydrits befinden und über die so gut wie nichts bekannt ist. Erdfälle und Bachschwinden weisen aber auf eine größere Ausdehnung als bisher angenommen hin. Auch bei der Oberflächengestaltung haben die Gesteinsschichten Pate gestanden. In Nord-Süd-Richtung fallen mit dem Kupferschiefer alle Schichten sanft ein. Erst der aus Gips aufgebaute Höhenrücken bildet eine Steilstufe im Gelände. Ebenso verhält es sich von Osten nach Westen.

Den relativ verwitterungsstabilen Gesteinen des Hornburger Sattels folgen die weichen Gesteine des Zechsteins und die tektonischen Deformationen. Dadurch ist auch in dieser Richtung ein deutliches Gepräge gegeben. Die Ortschaft Pölsfeld befindet sich an einem reizvollen Punkt dieser Teilschichtstufenlandschaft. Das Pölsfelder Gebiet, das mit seinen östlichen Teilen geologisch noch zum System des Hornburger Sattels gehört und mit den westlichen Revieren den Beginn des Sangerhäuser Bergbaus am Harzrand einleitet, lag immer außerhalb der sogenannten kaiserlichen Berggrenze und damit außerhalb der Ansprüche des feudalistisch gräflich-mansfeldischen Bergbaus. Die Besitzrechte waren wechselhaft. Nach den Kurfürsten von Sachsen, der Stadt Sangerhausen und Einzelunternehmern gingen bei sich häufig ändernden Kuxen (Aktien)-anteilen die Sangerhäuser Gewerkschaften 1832 völlig in den Besitz der Mansfelder Gewerkschaften über.

Der Pölsfelder Bergbau, einst eine der Säulen der Sangerhäuser Reviere, wurde 1885 zusammen mit dem Ende des Sangerhäuser Bergbaus beendet.

Nach den archivaischen Unterlagen vollzog sich der Bergbau in zwei Etappen oder Phasen.

Die erste Phase reicht von den Anfängen bis zur Einstellung 1797 und die zweite Phase von 1802 bis zur Beendigung des Bergbaus 1885. Mit dem Barbara-Schacht war eine erneute Belebung in Sicht, die aber wegen der Weltwirtschaftskrise scheiterte.
 

2. Der Pölsfelder Kupferschieferbergbau von seinen Anfängen bis zur Einstellung 1797

Der Bergbau der unter dem Sammelbegriff Pölsfelder Kupferschieferbergbaureviere zusammengefaßten Teilreviere:

Gypenberg, Himmel, Räderplatz, Steyer, Straßer und Kupferberger Revier
hat eine lange Geschichte. Schon in frühen Jahrhunderten ging im Pölsfelder Raum Kupferschieferbergbau um. Zwei wichtige Momente machten das Gebiet interessant:

-die flache Lagerung am Kupferberg und die damit verbundene Größe der Flözfläche oberhalb des Schlottenwasserspiegels (Schlottenwog) und
-der Reichtum der Kupferführung an "edlen" Rücken und am Rand der Rote Fäule-Vertaubungen, wodurch sich außerdem eine hohe Mächtigkeit und durch die Basizidät des Erzes eine günstige Schmelzbarkeit ergab.

Für die Qualität des Erzes spricht auch der Umstand, daß Landschaftsteile oder Feldfluren danach benannt wurden, z.B. Kupferberg. 

Der 1542 am südlichen Ortsausgang von Gonna von dem Nürnberger Handelskaufmann STRAUBE  angesetzte Gonnaer Stollen erreichte 1625 bei Obersdorf das Kupferschieferflöz und wurde von dort mit 2 Flügeln weiter aufgefahren.

Der östliche oder Pölsfelder Flügel hatte die Aufgabe, die reichen Pölsfelder Reviere zu entwässern. Über den Beginn des Gonnaer Stollen bestand zunächst die Auffassung, daß dieser in das Jahr 1590 zu setzen sei. Die Handelskaufleute STRAUBE und PUFFLER erwarben jedoch 1542 den Sangerhäuser Bergbau und eröffneten als eine der ersten Maßnahmen den Stollenbetrieb des Gonnaer Stollen.

Die Art des Abbaus des Kupferschiefers (einschließlich der Noberge, der Dachberge und z. T. der Fäule) in früherer Zeit ist uns nicht mehr bekannt. Am Kupferberger Revier traten aber auch die Schwierigkeiten insofern auf, daß der gesammte Streb bauwürdiges Erz lieferte und das Versatzmaterial zur Sicherung des entstandenen Hohlraumes ausfiel. Man half sich mit Bergen aus Streckenauffahrungen, oder es wurden Sicherheitspfeiler belassen.

Ein regelmäßiger Abbau scheiterte auch infolge der starken tektonischen Beanspruchung. Die typischen Strebe waren sehr selten. Die Schrammschiefer traten mulmig und "strengflüssig" auf, dagegen die Kopfschiefer und Noberge schalig und "leichtflüssig". Heftigen Druckerscheinungen, wie am Schacht G , mußte sogar durch Errichtung von Pfeilern aus bauwürdigem Erz entgegen getreten werden.

Die Reviere Gypenberg und Himmel waren schon zu Ende des 18. Jahrhunderts abgebaut. Sie begrenzten das Kupferberger Revier nach dem Ausgehenden und sind deshalb als Teile dieses Abschnitts aufzufassen. Westlich von Pölsfeld verhinderten Vertaubungen eine Ausdehnung und den Anschluß nach Obersdorf. Trotzdem wurden in der Nähe des Schachtes S noch bis 1883 entlang des sich vom Schacht R bis S erstreckenden Rücken Dachberge, Fäule und kupferhaltiger Versatz gewonnen. Dies war in jenen Jahren besonders wichtig, weil der bis dahin als Flußmittel beim Schmelzprozeß dienende Flußspat durch kupferhaltige basische Gesteine abgelöst wurde.

Im südlich anschließenden Kupferberger Revier, für dessen Reichtum schon der Name bezeichnend ist, ging schon in frühesten Jahren Kupferschieferbergbau um, dies nicht nur oberhalb des späteren Gonnaer Stollen, sondern auch in geringem Umfang unterhalb mit Hilfe von Pumpen.

Die Unregelmäßigkeiten der Ablagerung durch steilherzynisch (NW - SE) streichende Verwerfungen, insbesondere der sog. B-Schächter Rücken und die von Schacht R nach S sich erstreckende Störungszone erlaubten unseren Vorfahren keine umfassende Kenntnis der Lagerungsverhältnisse. So kam es auch, daß beim Wältigen der Brandschächter Sohlenfahrt (Abb.1) zu Beginn des 19. Jahrhunderts zwischen den Rücken bedeutende Felder in grabenförmigen Senken gefunden wurden. Diese waren ab 1816 der Gegenstand des Abbaues. Diese Maßnahme hatte sogar wegen der Kupfergehalte ein positives Ergebnis für das gesamte Werk. Mit dem Vorrücken der Brandschächter Sohlenfahrt nach Osten rückte der Streb mit, bis man auch hier Vertaubungen erreichte und die Gewinnung beenden mußte.

Auf Grund der Tatsache, daß bereits 1574 der Pölsfelder Stollen erwähnt wird, dürften größere Feldesteile oberhalb bis dahin abgebaut sein. Dieser Stollen wurde vor dem 30jährigen Krieg bis Schacht J gefahren und dann beendet. Wie sich später herausstellte, vorzugsweise als söhlige Fahrt, also mit geringer Höhe und Breite. Er befand sich etwa im Niveau des späteren Gonnaer Stollen, vielleicht etwas höher.

1610 ist der Kupferberg belegt.
1615 wird ebenfalls vom Pölsfelder Stollen gesprochen. 

Nach dem 30jährigen Krieg, der wie in der Mansfelder Mulde den Bergbau zum Erliegen brachte, war der Anfang recht schwer.

1657 fährt man den Gonnaer Stollen nach der Mittelräther (?) Zeche.
1665 werden am Pölsfelder Ziegenberg 3 Schächte gewältigt.
1682 - 1796 ist der Kupferberg immer belegt gewesen.

Dieses Revier muß das älteste und ausgedehnteste des ganzen Raumes gewesen sein.
Auf der östlichen oberen Scholle oder Staffel wurde im Südosten an der Kloppgasse das Straßer Revier und nach Nordwesten bis zur Kohlenstraße das Räderplätzer Revier betrieben.

Im Straßer Revier hat es wieder Bemühungen zur Erschließung gegeben. Die tiefste und auch älteste Wasserlösung erfolgte über den Tiefenbeck-Stollen ab 1606, dessen Mundloch jetzt leider durch aufgeschütteten Müll nicht mehr nachweisbar ist. Es lag etwas östlich von Schacht L. Nach dem Verfall der Grubenbauen während und nach dem 30jährigen Krieg wurde 1720 - 1730 der bis dahin längst abgeworfene Tiefenbeck-Stollen erneut gewältigt und versuchsweise Gewinnungsarbeiten aufgenommen. Das Vorhaben mußte aber wegen schwimmenden Gebirges aufgegeben werden, denn "auf der Straße" waren starke Wasser aufgetreten.

Auf der gleichen Leistenscholle oder Staffel befand sich im äußersten Nordosten das Räderplätzer Revier, das wohl zu den ältesten Teilen überhaupt gehört. Die Wasserabführung in den tieferen Bereichen erfolgte über den Tiefenbeck-Stollen.

1611 gab es 2 Schächte mit 4 Häuern und 2 Haspler.
1615 wurde noch ein "Räder-Stollen" angewiesen, aber auch ein Stollen im "Mittelstein" fortgesetzt. 1631 erwähnen die Urkunden ein neues Stollnort "auf `mRäder".
1657 nach Ende des 30jährigen Krieges gibt es den Räder-Stolln, Tiefenbeck-Stollen und den Gonnaer Stollen nach dem "Mittelräther Felde".
1659 werden 2 Stollenschächte auf dem Räder geöffnet und
1678 finden ein Räder-Stollen mit Oswalds Hütte und ein Mittelrädisches Ort Erwähnung.

Aus der Fülle von Angaben kann man soviel entnehmen, daß ein weiterer Stollen zur Entwässerung angesetzt wurde, dessen Lage und Richtung vollkommen unsicher sind. Ob der Räder-Stollen und der Mittelgebirgsstollen identisch sind und logischerweise das Steyer-Revier hydrologisch lösten, kann nur vermutet werden. Das letzte, der auf Staffeln der Südwestrandstörung gelegenen Reviere ist das Steyer-Revier, das auf der tieferen Sohle liegt. 1574 mit "5 kauern voren Ort" (Hauer) bereits sehr früh erwähnt, taucht es dann immer wieder mit Belegungen auf.

Es war von den Pölsfelder Revieren das flächenmäßig kleinste. Man gewinnt auf Grund des geringen Niederschlags in den Statistiken den Eindruck, daß in den Pölsfelder Revieren im 18. Jahrhundert nur noch Restbergbau betrieben wurde.

1797 wurden alle Reviere eingestellt.
 

3. Der Pölsfelder Bergbau im 19. Jahrhundert

Nach einer kurzen Pause von 5 Jahren wurden 1802 die Halden ausgekläubt und das Erz, welches die Alten liegengelassen hatten, geschmolzen. Der eigentliche Start für eine erneute Belebung der Reviere beginnt mit dem Wältigen eines alten Schachtes, dem man den Namen A gab und der für die Gewinnung von Nobergen und kupferhaltigen Versatz vorgesehen war. Überhaupt sind in dieser Etappe namentlich im Kupferberger Revier, bis auf vereinzelte Ausnahmen, keine neuen Schächte getäuft worden, sondern es genügte das Wältigen älterer Anlagen. Die Schächte erhielten auch neue Bezeichnungen entsprechend der alphabetischen Ordnung. Dem Schacht A von 1804 folgten bis 1807 die Schächte B und C. Die Belegung war jedoch denkbar gering. Sie betrug in der Regel 4 - 7 Arbeitskräfte, die das Erz aus den 60 m tiefen Schächten mittels Haspel förderten. Während nacheinander immer neue (alte) Schächte in Betrieb genommen wurden, aber nie waren es mehr wie 2 - 3 zugleich, erfolgte die wichtige äußerst problematische Erschließung der unteren Teile des Kupferberger und der westlichen des Straßer Reviers mit dem Gonnaer Stollen.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde zur Erhaltung des Pölsfelder Bergbaus, der mittlerweile den Wasserspiegel der Pölsfelder Schlotten erreicht hatte, nur noch eine Möglichkeit gesehen, eine Verbindung mit dem Gonnaer Stollen herzustellen. Damit ging einher, die Entwässerung der Reviere, die bisher in den Schlotten erfolgte, über eine Tagesöffnung zu regeln.

Die Wältigungs-, Säuberungs- und Vortriebsarbeiten des Gonnaer Stollens waren dominierend gegenüber der Gewinnung der Kupfererze, die bis auf ganz wenige Ausnahmen nur im Kupferberger Revier stattfanden.

Der Gonnaer Stollen hatte 1625 bei Obersdorf den Kupferschiefer erreicht und bewegte sich mit dem Ostflügel in Richtung Pölsfeld. Nach dem Erliegen im 30jährigen Krieg und danach wurde im Zuge der Neubelebung auch der Gonnaer Stollen weiter betrieben. Strittig ist lediglich der Endstand des Stollens bei der Neuauffahrung der Reviere ab 1804. Es bleibt die Frage zu beantworten: Hatten die Alten schon nach dem 30jährigen Krieg mit dem Gonnaer Stollen das gesamte Revier erschlossen oder nur angezapft? Oder war es mit Hilfe des Pölsfelder Stollen gelungen eine tiefere Wasserlösung zu erreichen? Der 1574 erstmalig erwähnte Pölsfelder Stollen war weder jetzt noch später mit dem Gonnaer Stollen identisch. Er wurde im 16. Jahrhundert in den Pölsfelder Schlotten als Röhrenfahrt, d.h. extrem niedrige bergmännische Strecke, begonnen und von der Westgrenze bis nach dem Steyer aufgefahren. Der Stollen steht im Hangenden Gestein (etwa 1 m über dem Niveau des Gonnaer Stollen).
Zur Wasserableitung wurden später Querschläge zu den Abbauen getrieben.

Damit wird nochmals unterstrichen, daß die Pölsfelder Reviere unabhängig von einer Zentralen Wasserlösung und auch technischer Einrichtungen existierten. Alle Einzelheiten wurden erst beim Wiederaufwältigen bekannt.

Im Jahre 1804 begannen die Vorkehrungen zur tiefsten Wasserlösung. Zu Beginn wurde aus den ehemaligen Lichtlöchern 12 und 13 versucht, den Pölsfelder Stollen zu schlämmen. Als man aber feststellte, daß der Stollen nur die Höhe einer "Röhrenfahrt" hatte und der "Schlottenwog auf und ab" ging, wurde der Pölsfelder Stollen verlassen. Ab 1815 erfolgte die Wältigung des Gonnaer Stollen ab LL 8. Mit LL 11 wiederentdeckte man im selben Jahr die Pölsfelder Schlotten und fand Anschluß an die erwähnte Röhrenfahrt, der man wenige Meter folgte.

Die Instandsetzung dieser Fahrt unterblieb aber ebenfalls. 

Eine nochmalige Aktivierung des Pölsfelder Stollen wurde 1813/14 aus dem LL 13 in östlicher Richtung zum Schacht F vorgenommen. Da sich das Ort aber imer noch im Schlottenwasserbereich befand und ein Weiterfahren nicht sinnvoll erschien, wurde der Pölsfelder Stollen aufgegeben. Als Ersatz wurde ein vorhandener Querschlag bei Schacht E, der "Brandschächter Querschlag", wieder fahrbar gemacht. Daran schloß sich auf dem "Kalkschlottenspiegel" die "Brandschächter Sohlenfahrt" an. Fahrtweise, also mit einer Höhe von ca. 1 m und geringer Breite, ging es im "alten Gemäuer" bis zum Schacht G, der als Förderschacht geteuft und ausgebaut wurde.

Selbst östlich des Schachtes G wurden Reste des Pölsfelder Stollen mit der "Brandschächter Sohlenfahrt" angetroffen. Durchweg war der Stollen als Fahrt ausgelegt. Dann ging es unter gleichzeitigem Abbau der Restflächen bis zum Schacht J weiter, wo die Südwestrandstörung als "Hauptrücken" ein vorläufiges Ende bereitete. Ab dem Schacht J, der sich unmittelbar am Waldrand östlich von Pölsfeld befand, wurde nun die "Brandschächter Sohlenfahrt" mit den Dimensionen eines Stollens als Gonnaer Stollen zum eigentlichen Ziel, den Straßer Revier, wo man erheblichen Feldeszuwachs erwartete, getrieben.

Vermutlich wurden jetzt für den Stollen die üblichen Maße von 1 x 2 m (1/2 x 1 Lachter) benutzt. Es ist auch unsicher, ob nachträglich die "Brandschächter Sohlenfahrt" jemals auf die üblichen Stollendimensionen erhöht wurde.

Um Verwechslungen nochmals vorzubeugen und um die vielen Bezeichnungen für ein und dasselbe Unternehmen zu ordnen, wurden dargestellt:

-im gleichen Niveau liegen der Gonnaer Stollen und die Brandschächter Sohlenfahrt
-im Niveau etwa 1 m höher, aber nach Süden versetzt, der als Fahrt (Kriechstrecke von ca. 1 m Höhe und 2 m Breite) ausgelegte Pölsfelder Stollen (oder Stollenfahrt).

Der Gonnaer Stollen verließ nun die Grenzen des Kupferberger-Reviers und näherte sich dem Schacht L, nachdem 1827 noch ein Versuchsschacht geteuft wurde, der erfolgversprechende Kupferführung aufwies. Aber Schacht L mit seiner Steilaufstellung der Schichten, der "L-er Falte", bedeutete das Ende des Gonnaer Stollens im Jahre 1828.

Beeindruckend ist das Bild der einfallenden Schichten im Schacht L von denen SCHRADER (1869) schreibt: (Abb.4)

"Die bedeutendste Faltung aber ist durch das östliche Flügelort des Gonnaer Stollens im sogenannten Steyer Revier bei Pölsfeld aufgeschlossen. Hier fuhr man beim Lichtloch L an dem fast saiger aufgerichteten Flöze entlang, ging mit einem Querschlag ins Liegende, brachte hierauf das oben bezeichnete Lichtloch nieder, ging von diesem Schachte mit einer einfallenden Strecke auf dem Flöze bis an die Faltung desselben nieder und fuhr nun im obern Flözteile eine Sohlenstrecke gegen Osten weiter auf. Diese Sohlenstrecke liegt ca. 32 Lachter über dem Gonnaer Stollen und ehre 10 Lachter weiter süd-östlich nach dem Hangenden zu, so daß hier allein schon das Flöz eine Überkippung von 10 Lachter erlitten hat, und doch nicht die Tiefe, in welcher sich der untere Flözteil mit regelmäßigem Fallen wieder anlegen wird".

Die eigentliche Erschließung aber setzte mit der "L-er" Sohlenstrecke ein, (Abb.1) die, nachdem der Gonnaer Stollen am Schacht L 1828 beendet wurde, auf dem oberen Teil der "L-er Falte" als Sohle aus dem Kupferschiefer folgte. Die Schächte MM (1832) und Nn (1839) hatten den Charakter von Lichtlöchern. Schacht Nn diente auch als Förderschacht für die Minern. Aus dieser Sohle wurden mehrere Versuchsstrecken aufgefahren, die aber nur unbauwürdige Kupfergehalte antrafen.

Es ist daher bemerkenswert, das unmittelbar an der Kloppergasse plötzlich Bau der Alten angetroffen wurden, obwohl an der Oberfläche keine Halden und desgleichen zu sehen sind.

Diese Orte waren vermutlich nur über dem Tiefenbeckstollen möglich. 1844 erfolgte eine erste Einstellung dieser Sohle. 1857 und 1852 eine nochmalige Belegung und schließlich die Aufgabe der Untersuchungen. Abbau hat nur an einzelnen inselförmigen Stellen stattgefunden. Die beiden Schächte O (1839, 46, 55 m tief) und P (1850, 53, 90 m tief) trafen normale Schichtenfolgen an, hatten aber große Schwierigkeiten beim Abteufen mit dem zusitzenden Wasser.

Während der Untersuchungen im Straßer Revier von 1828 - 1852 liefen die Bestrebungen in den tieferen Teilen des Kupferberger Reviers weiter.

Zunächst wurde im Gegenortbetrieb der Gonnaer Stollen aus der "Brandschächter Sohlenfahrt" ab 1829 bis zum Abgang nach LL XI aufgefahren und damit der Pölsfelder Stollen endgültig überflüssig.

Währenddem ging der Abbau auf Restflächen und zur Gewinnung von Dachbergen und Fäule (und Versatz) weiter um. Nach und nach wurden alte Schächte geöffnet, neu bezeichnet und zur Förderung eingerichtet.

Von 1804 bis 1830 erfolgte die Produktion über die Schächte A, B, C, D, E, F, G und J. Es folgten dann

K(1832 bis 1879)
M(1832)
Q1854 bis 1860 ?) 
R(ab 1879)

Zuletzt war der Schacht R bis zur Einstellung des Bergbaus in Betrieb.
1885 wurde zusammen mit dem gesamten Sangerhäuser Bergbau die Produktion eingestellt.
Fast 30 Jahre später erinnerte man sich der guten Kupferführung im tiefen Teil der Pölsfelder Reviere.
Eine neue, die dritte Phase setzte ein. Bereits während des 1. Weltkrieges befaßte man sich mit dem Gedanken, die günstigen Anzeichen in den Pölsfelder Revieren wieder aufzugreifen.

Neben dem Barbara-Schacht, der einen Abbau unter dem Gonnaer Stollenniveau ermöglichen sollte, war eine generelle Erschließung des Segen-Gottes-Stollen Niveaus und sogar an eine Wasserabführung durch den Hornburger Sattel in die Mansfelder Stollen gedacht. Ein großartiges Unternehmen, das aber nicht durch entsprechende Bohrungen und Untersuchungen in den aufzuwältigenden Grubenbauen gestützt war, sondern auf älteren meist lockeren Angaben basierte.

Im Juli 1922 wurde mit dem Teufen des Barbara-Schachtes (Barbara = Schutzheilige der Bergleute) bei Pölsfeld begonnen. Zumeist im Eislebener Gebiet ansässige Bergarbeiter wurden damit betraut. Diese mußten tagtäglich bei Wind und Wetter die je ca. 2 Stunden Fußmarsch hin und zurück bewältigen.

Mit einem Durchmesser von 4,25 m durchteufte man im November 1922 bei 69,30 m den Kupferschiefer und erreichte den Durchschlag mit alten Bauen namentlich mit den nicht mehr befahrbaren Gonnaer Stollen. Dieser wurde fortan zur Wetterführung genutzt.

Das Weiterteufen bis zum Endstand von 124 m erfolgte in den Sandsteinen und Konglomeraten der Karbon- und Rotliegendschichten. Mit einem Querschlag im Niveau des Segen-Gottes-Stollen wurde im Juni 1925 das Flöz erreicht und sowohl die Segen-Gottes-Stollen Sohle und das Flachen aufgefahren. Die Ergebnisse waren wechselhaft, weil kupferreiche Gebiete und Rote Fäule-Vertaubungen miteinander abwechselten.

Bereits im Februar 1926 war wegen der ungünstigen Wirtschaftslage an eine langfristige Planung nicht zu denken.

Wenig später wurde der Schacht eingestellt und gesichert.
An Gebäuden waren seinerzeit ein
 

Revierhaus, Werkstattgebäude, Magazin,
Kompressorenraum, Fördermaschinengebäude
und Treibhaus

eingerichtet.

Das Haufwerk wurde mit einem E-Haspel hangaufwärts gezogen und dort aufgeschüttet.

Die Energieversorgung erfolgte über ein Kabel, das von der Karl-Liebknecht Hütte (damals Krughütte) über den Barbara-Schacht verlegt war.

Mit dem Bemerken, den Barbara-Schacht bei günstigen wirtschaftlichen Verhältnissen erneut zu belegen, erfolgte 1926 die Schließung.

Im Barbara-Schacht hat kein Abbau stattgefunden.
Seitdem ruht der Bergbau im Pölsfelder Raum bzw. werden keine spürbaren Versuche zur Erschließung unternommen.

Literatur

BRATHUHN:Generalkarte von der Sangerhäuser, Lein- und Mohrunger Kupferschieferrevieren, 1861 (gedruckt)
Festschrift zum X. Deutschen
Bergmannstag 1970
Die Mansfeld`sche Kupferschieferbauende Gewerkschaft zu Eisleben
HEINE, J.:Beschreibung eines bei 8 Lachter östlicher Länge von Schacht G Kupferberger Revier in 17 1/2 Lachter flacher Höhe vom Stollen aus angefahrene Flözgraben
Unveröff. Eisleben 1825
ULICH und ZIERVOGEL:Die Untersuchungen des Zustandes des Sangerhäuser Berg- und Hüttenwerkes. 1824 aus: Staatsarchiv Magdeburg Rep. F4, Ed, 110
SCHRADER, E.:Der Mansfeldische Kupferschieferbergbau
Z.-Berg-, Hütten und Salinenwesen, 17. Berlin 1869