179 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen; 27,5 cm;

E. Schweizerbart‘sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart, 2006

ISBN 3-510-65219-3

Herausgegeben von der Akademie der Geowissenschaften zu Hannover e. V.

Aus dem Vorwort des Buches:

Das heutige Bild der Erde ist eine Momentaufnahme der mehr als vier Milliarden Jahre andauernden Entwicklung des blauen Planeten: Eine unendliche Geschichte des Werdens und Vergehens, in der Meere und Gebirge entstanden und vergingen und Leben sich in großer Vielfalt entwickelte. Davon findet sich in allen Regionen der Erde eine Vielzahl von Zeugen, von denen die anschaulichsten und besterhaltenen durch die Bezeichnung "Geotop" als etwas hervorgehoben werden sollen, das als nicht alltägliches Naturphänomen Beachtung verdient und besonderer Pflege wert ist und auch dem interessierten Laien in seiner Aussagekraft zugänglich ist. Dabei kann es sich um natürliche oder durch menschliches Wirken entstandene Gesteinsaufschlüsse handeln, um Landschaftsformen oder um Erscheinungen in einem größeren Gesteinsverband, in denen das Wirken geologischer Kräfte oder vorzeitliches Leben sichtbare Spuren hinterlassen hat. Ein Geotop ist ein bedeutendes Dokument für die Geschichte einer Landschaft oder einer Region und deren Stellung und Funktion in dem großen Verbund der irdischen Kontinente und Meere. Es ist Teil des Naturerbes der Menschheit und zählt damit zu den höchsten ererbten Gütern, die es für kommende Generationen zu bewaren gilt.

Geotope können in ihrem natürlichen Umfeld erhalten oder in eine Landschaft eingebettet sein, die geprägt ist von der Tätigkeit des Menschen, von der Nutzung durch Land- und Forstwirtschaft, von der Gewinnung und Verarbeitung mineralischer Rohstoffe oder durch bau- oder verkehrstechnische Erschließungen. Geotope sind nicht selten zugleich auch natürliche Reservate von Tieren und Pflanzen, die einen besonderen geologischen Untergrund benötigen oder nur in einem Mikroklima gedeihen, in dem Beschaffenheit, Wasserführung und Durchlüftung des Bodens entscheidende Faktoren sind.

Geotope gibt es auf der Erde in ebenso großer Vielfalt, wie es Landschaften unterschiedlicher geologischer Geschichte gibt. Auch Deutschland ist reich an Naturerscheinungen, die im internationalen Vergleich als Geotope gelten können. Nicht alle aber sind so gut erhalten, so anschaulich und so leicht zugänglich, dass sie das Interesse eines breiteren Publikums finden würden. Daher hat es sich die Akademie der Geowissenschaften zu einer ihrer Aufgaben gemacht, unter den in Frage kommenden Objekten eine Auswahl zu treffen. Sie rief deshalb über das Internet (www.geoakademie.de) auf, sich ab 20. März 2004 innerhalb eines Jahres an einem Wettbewerb zur Erfassung und Ausweisung der fünfzig bedeutendsten Geotope in Deutschland zu beteiligen. Wegen der großen Resonanz wurde der Wettbewerb bis zum 30. Juni 2005 verlängert. Insgesamt wurden schließlich 180 Geotope zur Bewertung und Prämierung benannt, weitaus mehr, als ursprünglich erwartet. Eine Jury der Akademie der Geowissenschaften, bestehend aus führenden Fachleuten (s. Liste auf Seite 171) und unter Beteiligung der Geologischen Dienste in den Bundesländern, hat im August 2005 siebenundsiebzig der eingereichen Vorschläge als bedeutendste Geotope bzw. Geotoplandschaften Deutschlands ausgewählt und sie am 12. Mai 2006 mit der Bezeichnung "Nationaler Geotop" (international: National Geosite) ausgezeichnet.

Einige der prämierten Geotope empfehlen sich zur Aufnahme in die Liste der UNESCO-Welterbestätten, wie zum Beispiel das Wattenmeer an der Nordseeküste oder das Nördlinger Ries. Andere, wie die Fossilienlagerstätte Grube Messel bei Darmstadt, das Bergwerk Rammelsberg bei Goslar und das Mittelrheintal sind oder gehören bereits zu UNESCO-Welterbestätten.

Geotope von rein wissenschaftlicher Bedeutung, wie zum Beispiel Fundstellen seltener Fossilien, Mineralien oder Gesteinsabfolgen blieben bei den Wettbewerbsentscheidungen unberücksichtigt, da sie eines besonderen Schutzes bedürfen und für die touristische Öffentlichkeit ungeeignet sind.

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