Mitt. Arbeitsgem. Karstkde. Harz
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2 - 41
Goslar 2012

Friedhart Knolle

Es begann im Harz – Julius Riemer,
Dr. Benno Wolf und die Höhlenforschung

Julius Riemer und Benno Wolf

Julius Riemer (* 4.4.1880 in Berlin, † 17.11.1958 in Lutherstadt Wittenberg) war ein deutscher Fabrikant und international bekannter natur- und völkerkundlicher Sammler.

Benno Wolf (* 26.9.1871 in Dresden, † 6.1.1943 im KZ Theresienstadt) war in der Zwischenkriegszeit einer der bedeutendsten europäischen Höhlenforscher seiner Zeit und hatte zahlreiche Funktionen inne. So war er jahrelang im Vorstand des Hauptverbandes Deutscher Höhlenforscher und gab dessen Zeitschrift heraus.

So steht es bei Wikipedia. Höhlenforscher wissen mehr über diese beiden berühmten Personen der deutschen und internationalen Speläologie. Doch wie kamen beide zusammen?

Seit seiner Jugend interessierte sich Julius Riemer für Höhlen und die Welt unter Tage. Das geht manchem jungen, naturkundlich interessierten Menschen so. Doch als er 1928 auf Dr. Benno Wolf, den damals führenden Höhlenforscher des deutschsprachigen Raums, traf, sollte diese Begegnung sein Leben in einer Weise verändern, die Julius Riemer sicherlich damals nie vorausgesehen hätte. Die Lebensläufe von Julius Riemer und Dr. Benno Wolf waren ab nun zunehmend eng verwoben und es entwickelte sich daraus später unter dem politischen Druck des Naziregimes eine Schicksalsgemeinschaft, in der es um Leben und Tod ging.

Wir können dieses Kapitel des ehrenamtlichen Engagements von Riemer und Wolf aufgrund zahlreicher Veröffentlichungen und Archivalien recht gut rekonstruieren. Ein Bericht über diese Zeit, den Julius Riemer 1954 an den Harzer Höhlenforscher Friedrich Schuster schrieb (Riemer 1954), an den Autor übergeben 2012 von Reinhard Völker, ist dabei der rote Faden der nachfolgenden Zeilen, ergänzt durch weitere dem Autor vorliegende Korrespondenz von Julius Riemer aus dessen Nachlass, an den Autor übergeben in den Jahren 1996/1997 von Charlotte Riemer †.

Beginnendes Höhleninteresse im Harz

1897 war Julius Riemer als Siebzehnjähriger zum ersten Mal im bekannten Höhlenort Rübeland im Harz und besuchte dort die Baumanns- und die Hermannshöhle. Letztere erregte sein ganz besonderes Interesse, weil sie erst 1866 entdeckt und für den Tourismus erschlossen worden war.


Die Hermannshöhle, historische Postkarte

1907 - 1910 und 1912 war er dann in Bayern und Tirol, besuchte u.a. Berchtesgaden sowie Salzburg und hörte, dass es bei Werfen (Salzburg) eine große Höhle gebe, die aber dem Publikum nicht zugänglich sei, weil das ganze dortige Gebirge das Hofjagdrevier des österreichischen Kaisers Franz Josef wäre. Diese Höhle – es handelte sich um die Eisriesenwelt – sei 1877 von einem Jäger entdeckt worden. Weiter hörte er, dass der Untersberg bei Berchtesgaden – Salzburg zum Teil hohl wäre, aber Näheres konnte er nicht erfahren. Riemers Höhleninteresse war geweckt, aber aus beruflichen Gründen hatte er zunächst zu wenig Gelegenheit, sich mit der Höhlenforschung eingehender zu beschäftigen, zumal er in Berlin weitab aller Karstgebiete wohnte. So vergingen lange Jahre. Dann kam der 1. Weltkrieg, in dem er vom 2.8.1914 bis 9.11.1918 Soldat war, und auch die schwere Nachkriegszeit ließ keine Reisen zu.

Riemer weilte 1925, 1926 und 1927 in Bad Gastein und unternahm Hochtouren. Dabei hörte er 1926, dass die Eisriesenwelt im Tennengebirge zugänglich wäre und eine bezaubernde Höhle sei. So stieg er dann ab Werfen (Tirol) zum Höhleneingang, der 1600 m hoch liegt, auf und besuchte sie. Dort lernte er den Höhlenforscher Dr. Robert Oedl kennen, dem er seine Begeisterung ausdrückte und der ihn dann aufforderte, dem Höhlenverein beizutreten. Das tat er sofort, bekam nach Jahresfrist seine Mitgliedskarte und das Fledermausabzeichen und war somit Mitglied der österreichischen Höhlenforscher. Es wurde ihm gesagt, dass in Berlin ein Dr. Benno Wolf wohne und dieser der größte Höhlenforscher sei. Auch erfuhr er, dass dieser Dr. Wolf viel im Museum für Naturkunde zu Berlin arbeitete. Diesen Spuren ging er nach und traf sich mit Dr. Wolf. Das interessante Zusammenkommen hatte Folgen. Man verstand sich gut, traf sich ab nun häufiger und 1928 wurde Riemer Mitglied der von Benno Wolf gegründeten Gesellschaft für Höhlenforschung und Höhlenkunde in Berlin.

Im gleichen Jahr fand die für Julius Riemer sehr eindrucksvolle Höhlenforschertagung in Nordhausen im Südharz statt. Dort trafen sich Höhlenforscher aus Deutschland, Ungarn, Österreich, der Tschechoslowakei und anderen Ländern und hier wurde der Grundstein für die höhlenkundliche Arbeit von Julius Riemer gelegt. Sein großes Interesse für die Höhlenforschung, die Zoologie und die Vorgeschichte brachte es mit sich, dass er ab nun ständig mit Dr. Wolf zusammenarbeitete. Durch die folgenden Höhlenforschertagungen in Dresden, der Fränkischen Schweiz und vielen anderen Karstgebieten wuchs die Mitgliederzahl des Hauptverbandes Deutscher Höhlenforscher immer mehr, seine Bedeutung wuchs und schließlich lag die Vereinsführung nicht mehr in Wien, sondern in Berlin.

Riemer schreibt über diese Zeit (Tippfehler hier und in den nachfolgenden Zitaten stillschweigend korrigiert): „Mehr denn je zuvor schlossen wir uns in der Sektion Berlin zusammen, arbeiteten in bestem Einvernehmen mit unseren österreichischen Freunden zusammen, desgleichen waren uns unsere Nürnberger Freunde bzw. bayrischen Freunde allergrößte Hilfe, sodaß schließlich eine Gemeinschaft entstand, welche auf dem Gebiet der Höhlenforschung allerbeste Erfolge zu verzeichnen hatte. Herr Dr. Wolf hatte durch seine fabelhaften Beziehungen zu allen Höhlenforschern des In- und Auslandes Gelegenheit, Wissenschaftler besten Rufes, aber auch Männer und Frauen der Tat, wirkliche „Höhlenmenschen“ kennenzulernen und an sich zu ziehen. Somit wurde bereits im Jahre 1923 die Zeitschrift für Höhlen- und Karstforschung ins Leben gerufen. [Nach der Gründung des Hauptverbandes Deutscher Höhlenforscher auf dem Präbichl in der Steiermark 1922, d.A.]. Was diese Zeitschrift bedeutete, das zeigen die späteren Ausgaben dieser höchst interessanten Lektüre. Die Sektion Berlin leitete unser Freund, Prof. Dr. Max Hilzheimer, der weltbekannte Zoologe und Vorgeschichtler. Vorträge aller Art mit Lichtbildern, insbesondere Herr Studienrat Otto Satow in Berlin-Tempelhof, erfreuten uns damit und so kamen auch viele Mitglieder der Gesellschaft für Säugetierkunde, der Ornithologie, der Vorgeschichte zu uns, sahen und hörten, was geboten wurde. Hierbei war unser Dr. Wolf stets auf der Höhe. Auf allen Gebieten war er beschlagen und häufig hörte man ihn aus der Mitte heraus, was er verbesserte oder hinzufügte, wenn ein Vortrag von Stapel gelassen wurde. Dr. Wolf war ständig entweder im Museum für Naturkunde oder in der Gesellschaft für Erdkunde in Berlin und arbeitete an seinem Werk „Animalium Cavernarum Catalogus“ mit größtem Eifer. Dieses Werk wurde dann in Holland bei der Firma Junk, Den Haag, gedruckt und kam in den Handel. Es ist ein Werk, welches bisher auf der Welt einzig dastand. Welche Mühen, welche Arbeit dazu gehörte, ein solches Werk zu schaffen, das können nur Spezialisten der Höhlenforschung beurteilen. Es werden vielleicht irgendwelche Mängel auf einigen Gebieten vorhanden sein, aber das Werk an sich ist einmalig.“

Am 5.11.1933 wurde Konsul Theodor Wienrich, Halle, Besitzer der Höhle Heimkehle bei Uftrungen im Südharz, die von der NS-Rüstung später als unterirdische Waffenschmiede missbraucht werden sollte, in Berlin zum 1. Präsidenten und Vorstand des Hauptverbandes Deutscher Höhlenforscher gewählt. Nach dessen Tode wurde Julius Riemer in den Vorstand des Hauptverbandes gewählt. Dr. Benno Wolf musste aus politischen Gründen in der Organisation immer mehr in den Hintergrund treten, blieb aber Schriftleiter.

Wer war Dr. Benno Wolf?

Benno Wolfs Vater war der praktische Arzt Dr. Richard Wolf. Der Name seiner Mutter konnte noch nicht ermittelt werden und auch sein Geburtshaus ist bisher unbekannt. Der Junge wuchs in behüteten und gut situierten Verhältnissen auf. Seine Eltern ließen ihren Sohn bald nach der Geburt taufen. Ob sie selbst zum Christentum übergetreten waren (wofür die frühe Taufe ihres Kindes spricht), ist nicht bekannt. Benno Wolf war jedenfalls von früher Kindheit an evangelischer Konfession. Ab seinem 6. Lebensjahr erhielt er Privatunterricht. Dann schickten ihn seine Eltern 1881 zum Erlernen der französischen Sprache in die Schweiz, nach Vevey am Genfer See. 1883 besuchte er ein Internat in Weinheim an der Bergstraße, anschließend humanistische Gymnasien in Wiesbaden und Dresden. In seiner Geburtsstadt Dresden legte er 1892 auch das Abitur ab.
Benno Wolf entschied sich für das Studium der Rechtswissenschaften. Gleich nach dem Abitur nahm er das Studium in Freiburg im Breisgau auf, wechselte später nach München und schließlich nach Berlin, wo er 1895 das Jurastudium mit dem ersten Staatsexamen abschloss. Im selben Jahr erlangte er mit seiner Promotion an der Leipziger Universität den Doktortitel. Den anschließenden „juristischen Vorbereitungsdienst“, das Referendariat, durchlief er im Bezirk des Oberlandesgerichts Frankfurt a. M. Seine Ausbildungsstationen waren Altenkirchen im Westerwald, Wiesbaden, Braubach und Frankfurt. 1901 absolvierte er das zweite Staatsexamen, die „große juristische Staatsprüfung“. Benno Wolf entschied sich für den Verbleib im Justizdienst, nicht für eine Niederlassung als Rechtsanwalt. Sieben Jahre, bis 1908, arbeitete er in der ungesicherten Position eines Gerichtsassessors. In dieser Stellung erhielt er nur gelegentlich Beschäftigungsaufträge, die auch unentgeltlich abzuleisten waren. Dann wurde er doch auf eine feste Stelle berufen. Im Juli 1908 kam er an das Landgericht in Elberfeld im Bergischen Land, in unmittelbarer Nachbarschaft von Wuppertal gelegen. Während seiner Amtszeit in Elberfeld war Benno Wolf Mitglied im Arbeitsausschuss des Bergischen Komitees für Naturdenkmalpflege. Er trat jetzt auch mit rechtswissenschaftlichen Schriften hervor. 1908 publizierte Wolf einen Handkommentar zum Bürgerlichen Gesetzbuch – „unter Berücksichtigung der gesamten Rechtsprechung der oberen Gerichte des Deutschen Reichs“, wie es im Untertitel heißt. 1910 folgte eine Darstellung des Polizeiverordnungsrechts in Preußen. Nach vier Jahren, zum April 1912, wechselte Benno Wolf an das Landgericht II nach Berlin. Hier wurde er in einer Kammer für Zivilsachen eingesetzt. Einer seiner Schwerpunkte war das Mietrecht – ein Gebiet, auf dem er sich mit mehreren Veröffentlichungen einen Namen machen sollte.

Seine besondere Aufmerksamkeit galt jetzt aber dem Naturschutz. Denn seine Berufung auf eine der begehrten Stellen in der Reichshauptstadt war auch erfolgt, weil er sich bereit erklärt hatte, neben seiner richterlichen Tätigkeit ehrenamtlich als juristischer Berater bei der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege zu arbeiten. Als am 7.12.1912 in Berlin die fünfte Konferenz für Naturdenkmalpflege in Preußen stattfand, würdigte der Geheime Regierungsrat Prof. Dr. H. Conventz in seiner Eröffnungsrede dieses Engagement besonders. Ein ausführliches Referat von Benno Wolf an gleicher Stelle mit dem Thema „Vorschläge zum gesetzlichen Schutz [von Naturdenkmälern in Privathand; Anm. d. V. ]“ wurde von der Konferenz mit lebhaftem Beifall bedacht und ausführlich diskutiert (Conventz 1913). Inhalt und Kontext des Referates rechtfertigen die Annahme, dass er daraufhin maßgeblich oder sogar federführend an der Ausarbeitung eines Naturschutzgesetzes für Preußen mitgewirkt hat. Die von Wagner (1981) und Stoffels (1995b) geäußerte Ansicht, wonach Benno Wolf als einer der Väter der Naturschutzgesetzgebung in Deutschland anzusehen ist, findet darin Bestätigung. Das erste preußische Naturschutzgesetz von 1920 trug in weiten Teilen seine Handschrift. Auf dessen Grundlage sind dann besondere Verordnungen zum Tier- und Pflanzenschutz und zur Schaffung von Naturschutzgebieten ergangen.
Mit seiner ehrenamtlichen juristischen Arbeit für den Naturschutz konnte Benno Wolf seine andere große Leidenschaft verbinden: die Liebe zur Natur. Schon als Jugendlicher hatte er sich sehr für Naturkunde interessiert. In den Ferien und später in seinen Urlauben ging er meistens auf Wandertouren, vor allem in den Alpen. Er erstieg mehr als 200 Gipfel, darunter das Matterhorn, die Jungfrau und den Monte Rosa (Knolle et al. 2010).


Dr. Benno Wolf um 1930, Foto Franz Mühlhofer

Dr. Benno Wolf und die Höhlenkunde

Durch seine Urlaubsaufenthalte in den Bergen kam Benno Wolf 1898 erstmals mit einem Gebiet in Verbindung, das ihn fortan nicht mehr loslassen sollte: Höhlenkunde und Höhlenforschung. Schon bald trat er verschiedenen höhlenkundlichen Vereinen bei und begann, oftmals als Erster und allein, mit der Erkundung und Vermessung von Höhlen und Naturschächten. Im Karst im Küstenland bei Triest befuhr er im Laufe der Jahrzehnte mehr als 400 Höhlen. Aber auch in den rheinisch-westfälischen Karstgebieten und von 1908 bis 1910 in Montenegro kletterte er in Dutzende von Höhlen hinab, ausgestattet mit Grubenlampe, einem Eispickel, seinem Markenzeichen unter den Höhlenforschern, und – nach der unglaublich klingenden Erinnerung des jungen Höhlenforschers Spöcker – fast immer in einem maßgeschneiderten Frack, den er auf diese Weise abtrug, wenn er für repräsentative Zwecke in Berlin nicht mehr brauchbar war (Spöcker 1986). Seine letzte große Expedition, bei der er 26 Stunden unter Tage blieb, führte ihn 1932 in die Adelsberger Grotte (Postojnska Jama, Slowenien).

Die Erforschung der Höhlen war für Benno Wolf aber nicht nur ein unverzichtbares, oftmals strapazenreiches Urlaubsvergnügen. Er war auch in den höhlenkundlichen Fachverbänden ein engagiertes Mitglied und veröffentlichte zahlreiche Beiträge über seine Erkundungen. In Elberfeld gründete er 1908 den Rheinisch-Westfälischen Höhlenforschungsverein. 1922 war er einer der Mitbegründer des Hauptverbandes Deutscher Höhlenforscher, in dem er für mehrere Jahre auch den Vorsitz übernahm.

1923 gehörte er zum Gründerkreis der Gesellschaft für Höhlenforschung und Höhlenkunde in Berlin. Deren Mitgliederverzeichnis ist ein regelrechtes „who is who“ des von Wolf initiierten speläologischen Netzwerkes – darunter so prominente Namen wie Dr. Walther Arndt, Prof. Dr. Barsch, Dr. Kurd v. Bülow, Prof. Dr. Ludwig Diels, Prof. Dr. Paul Dienst, Prof. Fraatz, Prof. Dr. Götze, Prof. Dr. Otto Hamann, Dr. Max Hilzheimer, Prof. Dr. Krause, Prof. Dr. Paul Krusch, Prof. Dr. Georg Kyrle, Prof. Dr. Lehmann, Prof. Dr. Nöller, Dr. Werner Paeckelmann, Prof. Dr. Josef Pompecky (damals 1. Vorsitzender des Vereins), Prof. Dr. Arthur Schlossmann, Prof. Dr. Walther Schoenichen, Dr. Walter Schriel, Dipl.-Ing. Friedrich Stolberg, Prof. Dr. Weissermel, Prof. Dr. Fritz Wiegers, Prof. Dr. Wunstorf, Prof. Dr. Ernst Zimmermann sowie das Zoologische Institut und Museum der Universität Berlin und die Staatliche Stelle für Naturdenkmalpflege. Auch Förderer und Sponsoren hatte Wolf gewonnen, so u.a. den Fabrikbesitzer Heinrich Kortkampf und den Fabrikdirektor Ludwig Posselt. Sogar die Höhlenverwaltung der Heimkehle war Mitglied – damals war noch nicht abzusehen, welche tragische Zerstörung infolge der Rüstungsproduktion sich später in dieser Höhle abspielen sollte. Ähnliches gilt für das Mitglied Dr. Walter Schriel. Nicht zuletzt verzeichnet die Liste natürlich Dr. Benno Wolf, den damals 1. Schriftführer des Vereins, mit der Adresse „Charlottenburg, Kuno-Fischer-Platz 1“ (Wolf 1924).

Wolf war auch Mitglied in anderen Höhlenforschervereinen, z.B. in Dresden. Ab 1924 gab er dann auch die führende deutschsprachige Fachzeitschrift, die „Mitteilungen über Höhlen- und Karstforschung“, heraus, wobei unter seiner Regie die Speläobiologie ein thematischer Schwerpunkt wurde. Zugleich organisierte er den wissenschaftlichen Austausch, vermittelte Experten für höhlenkundliche Projekte im In- und Ausland und beschaffte Gelder für Forschungsvorhaben. Dieses ganze Pensum bewältigte er neben seiner Arbeit als Richter am Berliner Landgericht (Knolle et al. 2010).

Benno Wolf und die ersten Höhlenkataster

Die Bemühungen um eine Inventarisierung von Einzelformen der Karstlandschaften auf einheitlicher Erfassungsgrundlage setzten in Deutschland verstärkt nach 1920 ein. Sie richteten sich zunächst auf Höhlen als markanteste Formen des Karstes, hatten die Einrichtung von Katastern zum Ziel und wurden ausnahmslos durch ehrenamtliche Vereine realisiert. Am Rande verdient hervorgehoben zu werden, dass Höhlen damit – wenigstens dem Vorhaben nach – die zuerst flächendeckend dokumentierten Geotope in Deutschland und Österreich überhaupt waren (Brust 1998). Im mittel- und norddeutschen Raum wirkten in diesem Sinne der Verein für Höhlenkunde in Sachsen (Sitz Dresden, gegründet 28.11.1920; Katastermerkblatt von Otto Karl Mörtzsch), die Gesellschaft für Höhlenforschung und Höhlenkunde in Berlin (Sitz Berlin, gegründet am 16.2.1923), der Thüringer Höhlenverein (Sitz Berlin, gegründet am 29.5.1927) sowie die Gesellschaft für Höhlenforschung im Harzgebiet (Sitz Nordhausen, gegründet am 17.11.1928).

Der Hauptverband Deutscher Höhlenforscher (Sitz Wien und Berlin, gegründet am 24.9.1922) hatte sich auf der ordentlichen Jahreshauptversammlung 1923 mit Beschluss die Anlage eines Zentral-Höhlenkatasters zum Ziel gesetzt und dazu einen Fragebogen vorgelegt. Die Initiative dazu ging von Benno Wolf aus, und er hat auch die teils sehr schwierigen organisatorischen Arbeiten erledigt. Die wesentlichen methodischen Grundlagen des Höhlenkatasters gehen damit auf ihn zurück.

Wolf konnte sich somit auf die praktischen Erfahrungen der einzelnen Vereine und die Mitwirkung führender Fachwissenschaftler stützen, vor allem aus seinem Berliner Umfeld – auch militärische Höhlenkatasterfahrungen von Hermann Bock aus den Isonzo-Kämpfen im 1. Weltkrieg flossen ein. Dennoch hat er dem ganzen Vorhaben seine eigene, beinahe genial zu nennende Prägung verliehen. Seiner Zeit weit vorausblickend und mit einem als beispielgebend anzusehenden ganzheitlichen Denken gelang es ihm, eine interdisziplinäre Sicht auf das „Forschungsobjekt Höhle“ einzubringen. Im Rahmen der Feldforschung und Dokumentation sollten u.a. – und zwar gleichrangig – geografische, geologische, morphogenetische, hydrologische, paläontologische, zoologische, botanische, archäologische und kulturelle Befunde erfasst werden, ergänzt durch Lagebeschreibungen, Risse, Bildnachweise und Literaturangaben. Die Praxis der heutigen Speläologie folgt diesem gedanklichen Ansatz unverändert (Knolle et al. 2010).

Der Nationalsozialismus überschattet die Höhlenforschung

Lassen wir zunächst wieder Julius Riemer sprechen: „Aber die Jahre vergingen, düstere Wolken der Politik zogen auf, machten sich breit, selbst bis dahin sonst vernünftig denkende Menschen wurden plötzlich rein besessen und glaubten, daß die Welt aus ihren Angeln gehoben werden müßte. Die Menschenverfolgung setzte ein, ein Riesenhaß entstand wie niemals zuvor und somit legte Prof. Hilzheimer als Nichtarier sein Amt als Vorsitzender der Sektion Berlin nieder. Ich wurde seitens der Mitglieder zum Vorsitzenden vorgeschlagen, da ich gänzlich neutral, vorurteilsfrei und ohne jeden Haß war und übernahm auch noch das Amt des Geschäftsführers, welches unser Dr. Wolf niedergelegt hatte. Somit war ich Vorstand der Hauptverbandes, Vorsitzender der Sektion Berlin und Geschäftsführer und hatte auch die Leitung der Höhlenzeitschrift. Aber ich arbeitete mit meinen Freunden Wolf und Hilzheimer nach wie vor zusammen in allerbester Harmonie und ließ mich nie schrecken, trotz aller Anfeindungen bzw. Einschüchterungen und wie man es nennen mag. Ich stand in ständiger Verbindung mit allen Höhlenfreunden und gab auch die Zeitschrift heraus.“

Betrachten wir die historischen Details etwas genauer. In seiner beruflichen Stellung als Richter wurde Benno Wolf gleich 1933 mit dem radikalen Antisemitismus der Nazis konfrontiert. Nach deren völkisch-rassistischen Kriterien galt er als Jude. Sein religiöses Bekenntnis zum Protestantismus war für sie völlig unerheblich. Am 1.4.1933 – zugleich mit dem von der NSDAP organisierten „Boykott“ gegen jüdische Geschäfte, Kanzleien und Arztpraxen – wurde Benno Wolf, wie alle jüdischen oder als jüdisch geltenden Justizbeamten, auf Anordnung des Preußischen Justizministeriums „bis auf weiteres vom Dienst beurlaubt“. Wer sich weigerte, den „Urlaub“ anzutreten und weiterhin zum Dienst erschien, sollte durch Hausverbote am Betreten der Gerichtsgebäude gehindert werden. Das Justizministerium, erst seit wenigen Tagen unter nationalsozialistischer Führung, wollte mit dieser willkürlichen Aktion, die gegen das geltende Recht und die Grundsätze der Weimarer Verfassung verstieß, mit einem Schlag die Juden aus dem Justizdienst ausgrenzen. Proteste oder auch nur zaghafte Einwände der Ministerialbürokratie, der Gerichtspräsidenten, der Kollegen in der Richterschaft und Staatsanwaltschaft, die alle einen Eid auf die Verfassung geschworen hatten, blieben aus.
Einen rechtsförmigen Anstrich für diese Politik lieferte das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ (BBG), das eine Woche später, am 7.4.1933, erlassen wurde. In dem Gesetz wurde ein Berufsverbot gegen alle „nichtarischen“ Beamten festgeschrieben. Als "nichtarisch" galt insbesondere, wer wenigstens einen jüdischen Eltern- oder Großelternteil hatte. Davon ausgenommen werden sollten die sogenannten Altbeamten, die bereits am 1.8.1914 eine feste Anstellung gehabt hatten, und die „Frontkämpfer“ des 1. Weltkriegs. Benno Wolf, der bereits 1908 zum Richter bestellt worden war, hätte nach dieser Regelung eigentlich weiter als Richter arbeiten können. Aber das Preußische Justizministerium nutzte alle Mittel und Wege, um auch diejenigen Beamten, die unter die Ausnahmebestimmungen fielen, aus dem Justizdienst hinauszudrängen. Benno Wolf wurde massiv unter Druck gesetzt. Das Ministerium drohte ihm eine Versetzung, auch ohne seine Zustimmung, an ein Gericht außerhalb Berlins an. Zugleich legte es ihm nahe, „freiwillig“ die Versetzung in den Ruhestand zu beantragen. Benno Wolf versuchte noch in einem langen Schreiben, in dem er auf seine anerkannten Verdienste als Jurist und in der Höhlenforschung hinwies, das Ministerium umzustimmen. Aber das Justizministerium interessierte sich nicht für das individuelle Schicksal eines „nichtarischen“ Richters. Benno Wolf stellte am 13.8.1933 resigniert den geforderten Antrag. Zum 1.12.1933 musste er aus dem Justizdienst ausscheiden. Bis dahin war er weiterhin „vom Dienst beurlaubt“.
Im erzwungenen Ruhestand blieb für Benno Wolf seine Höhlenforschung, der er sich mit ungebrochenem Eifer widmete. Von 1933 bis 1938 veröffentlichte er seine bis heute bedeutenden Werke, die mehrbändigen bibliographischen Kataloge der Höhlentiere und der Höhlenfossilien.

Die mörderische Entschlossenheit seiner Häscher bemerkte Dr. Benno Wolf tragischerweise zu spät. Er schrieb noch 1936 vertraulich an den Dresdner Höhlenforscher Johannes Ruscher: „… Als internationaler Verein mit dem aus dem Protokoll ersichtlichen rein wissenschaftlichen Programm unterliegen wir keinen Eingriffen. Wegen unseren Beziehungen zu dem jetzigen Staat können Sie völlig unbesorgt sein. … Die übrigen rein wissenschaftlichen Vereine hat man ja auch völlig in Ruhe gelassen.“ Weiterhin: „An mich ist eine möglicherweise den Luftschutz betreffende Frage herangetreten, in welchen Orten es so wie z. B. in Glauchau und Penig unterirdische Gangsysteme gibt. Welche sächsischen Orte sind Ihnen in dieser Richtung bekannt?“ Die vollständigen Schreiben von Wolf finden sich in der Zeitschrift Der Höhlenforscher, Dresden, Hefte 2/1997 und 3/2001 (Winkelhöfer 2006).

Julius Riemer springt für Dr. Benno Wolf ein

Die Arbeitsbedingungen für Wolf in NS-Deutschland wurden zunehmend schwieriger. Am 5.9.1936 unterzeichnete er sein Vermächtnis, in dem er Julius Riemer sein gesamtes wissenschaftliches Material vermachte.


Vermächtnis von Dr. Benno Wolf

Bis 1937 konnte er noch die „Mitteilungen über Höhlen- und Karstforschung“ redigieren – von da an übernahm Riemer auf Wolfs Bitte die Redaktion der Zeitschrift. Nur für den letzten Doppeljahrgang 1942/43 zeichnete Florian Heller als Redakteur verantwortlich.

Und auch im Hauptverband Deutscher Höhlenforscher konnte Wolf noch einige Zeit weiter mitwirken, was ungewöhnlich war, weil auch die meisten Verbände und Vereine, ohne das es hierfür besonderer gesetzlicher Regelungen bedurft hätte, sehr bald einen „Ariernachweis“ forderten und ihre „nichtarischen“ Mitglieder ohne Zögern ausschlossen. Doch Benno Wolf wusste sich seiner Unterstützer sicher, die ihm – teilweise unter nicht ungefährlichen Umständen – weiterhin aktiv halfen. Allen voran ging dabei sein weitsichtiger Mäzen und Freund Julius Riemer.

1938 legte Dr. Benno Wolf, um den seinerzeitigen Hauptverband politisch nicht zu sehr zu exponieren, den Vorsitz in die Hand von Julius Riemer. Jeder wusste jedoch, dass Wolf weiterhin das inoffizielle Oberhaupt der deutschen Höhlenforscher war (Kater 1974).

Weil der Druck der Nazis stärker wurde, sah sich Riemer genötigt, am 15.8.1939 dem später in Nürnberg zum Tode verurteilten Ahnenerbe-Reichsgeschäftsführer Wolfram Sievers seiner Kooperation zu versichern, um Misstrauen abzubauen.

Benno Wolf wurde schrittweise ausgegrenzt, erlebte die gesellschaftliche Ächtung der Juden am eigenen Leib und unterlag den bekannten Diskriminierungen der damaligen Zeit. Er zog sich angesichts des großen Drucks und der zunehmend offenen Gewalt zwangsläufig mehr und mehr in seine „private Höhle“, in seine kleinere Wohnung in der Hornstraße 6 im Berliner Bezirk Kreuzberg, in die er umziehen musste, zurück. Dort arbeitete Wolf noch an einem neuen großen Projekt: er wollte auf Grundlage seiner großen Sammlung von Fachliteratur ein Welthöhlenverzeichnis zusammenstellen.

Am 11.8.1938 genehmigte der Reichsführer SS Heinrich Himmler als Präsident des Ahnenerbes, aus der von Hans Brand geleiteten, seit 1935 bestehenden „Stelle für Höhlenschutz und Höhlenforschung der Gauleitung Bayerische Ostmark“ heraus die „Forschungsstätte für Karst- und Höhlenkunde in der Forschungs- und Lehrgemeinschaft Das Ahnenerbe“ mit Sitz in München zu gründen. Mitarbeiter waren u.a. Georg Brunner, Richard Erl (SS-Mitglied) und der Geschäftsführer der früheren Gaustelle Helmuth Cramer, mit dem es aber Querelen gab (Heller: „Stänkereien“).

Die dem NS-System nahestehenden Höhlenforscher, allen voran Hans Brand, der sich seines Schutzpatrons Heinrich Himmler sicher war, planten zwischenzeitlich die Entmachtung des Hauptverbands Deutscher Höhlenforscher und die Gründung eines neuen, gleichgeschalteten „Reichsverbandes“ für Höhlenforschung. Am 27.1.1940 schrieb Riemer zu diesen Plänen an den Paläontologen Florian Heller: „…denke gar nicht daran, mich in irgendeiner Weise an die Wand drücken zu lassen.“ Unter dem 2.4.1940 adressierte der Leiter der Münchener Forschungsstätte Brand Riemer brieflich ganz konkret: „Von der Reichsführung des „Ahnenerbe“ bin ich heute beauftragt worden, trotz des Krieges unverzüglich alle Massnahmen zur Überführung des Hauptverbandes in den neu zu gründenden Reichsverband zu ergreifen.“ Brand machte auch den Versuch, Julius Riemer in die Schriftleitung des künftigen Reichsverbandes zu holen und legte ihm auch Eintritt in die SS nahe. Als Präsident des Reichsverbandes war zunächst Dr. Steinhäuser vorgesehen. Doch Riemer wehrte sich, spielte auf Zeit und lehnte auch das ihm angebotene Salär für die Tätigkeit pikiert ab. Es war sein fester Wille, weiterhin ehrenamtlich arbeiten und die Hand über Benno Wolf zu halten. Die letztere Absicht äußert er natürlich nur im engsten Vertrautenkreis, aber jedem ist es offenbar klar. Als Kompromiss schlägt Riemer schließlich Florian Heller, dem er schon länger verbunden ist und den er gut kennt, als Schriftleiter vor. Heller ist aktives NSDAP-Parteimitglied und schließt seine Briefe an Riemer schon mal mit „Heil Hitler“, was Riemer niemals in den Sinn kommen würde. Aber Heller genießt im Rahmen der gegebenen Verhältnisse das Vertrauen von Riemer. Brand hat, wie wir aus dem Schriftverkehr wissen, zunächst ein Vorurteil gegen Heller und ist nicht bereit, ihn in den Reichsbund-Vorstand zu berufen.

Woher das Vertrauen von Riemer gegenüber Heller kommt, ist unklar. Viel Grund gab ihm Heller dafür nicht, er schrieb ihm z.B. am 19.8.1940 ganz offen „Ich für meine Person habe den Wunsch geäussert, in die SS aufgenommen zu werden, damit ich als voll angesehen werde.“

Mit Brief vom 16.9.1940 ließ Riemer gegenüber Heller erkennen, dass er es war, der gegenüber der Reichsregierung auf die strategische Bedeutung der Naturhöhlen hingewiesen hat. Das tat er sicherlich in Abstimmung mit, möglicherweise sogar auf Veranlassung von Benno Wolf, siehe sein oben zitiertes Schreiben an Johannes Ruscher aus dem Jahr 1936. Offensichtlich beschäftigte sich Benno Wolf schon länger mit diesem Thema. Was immer ihn dazu trieb – nun begann ein brandgefährliches Spiel, im wahrsten Wortsinne.

Heller schrieb am 11.11.1940 an Riemer: „Der neue Reichsverband ist, soweit ich erfahren konnte, keineswegs das Steckenpferd vom Reichsführer SS, sondern geht auf die Anregung des Führers selbst zurück“. Das mag eine Wichtigtuerei von Himmler gewesen sein, vielleicht aber sogar die Wahrheit. Die Dinge beginnen sich zu wenden, es wird eng um Wolf und auch Riemer.

1941 – das entscheidende Jahr

Über den Jahreswechsel 1940/41 dürften Julius Riemer und Benno Wolf intensive Beratungen gehabt haben, denn offenbar konkretisierte sich in diesen Tagen ein Plan. Am 10.1.1941 schrieb Riemer an Brand: „Hochverehrter Herr Professor! Ich erlaube mir, Ihnen eine Angelegenheit zu unterbreiten und bitte Sie um Diskretion, da dieselbe einen Herrn betrifft, den Sie ebenso gut kennen wie ich. Es handelt sich um unseren besten Höhlenforscher, welcher leider sich heute in einer sehr bedrängten Lage befindet und sein ganzes Vermögen ausschließlich für kulturelle Zwecke geopfert hat. Betreffender Herr hat den Hauptanteil an der Erforschung der Adelsberger Grotte etc. Sie wissen um wen es sich handelt. Um diesen uneigennützigen Mann etwas zu unterstützen möchte ich folgenden Vorschlag unterbreiten: Der Hauptverband Deutscher Höhlenforscher will einen Kataster der Höhlenwelt und eine Bibliographie der Höhlen- und Katasterkunde der Welt zusammenstellen. Ich füge zur gepf. Kenntnisnahme zwei Proben über den Höhlenkatalog und über die Bibliographie bei. Die Arbeit ist selbstverständlich ein riesiges Objekt und dürfte auf dem gesamten Erdball einzig und allein dastehen. Ein sehr grosser Teil des Materiales ist bereits vorhanden. Meine Anfrage geht dahin, wäre es möglich dem Hauptverband durch das Ahnenerbe monatlich ca. RMk. 150.- - zuzuführen ---- zum Zwecke der Aufstellung eines Höhlenkatasters etc. der Welt… Ich glaube dass Sie hochverehrter Herr Professor, mit dieser Arbeit dem Ahnenerbe ein Material liefern, welches geradezu erstklassig ist. Die Ausführung geschieht wie beifolgend auf Zetteln und wird in dazu gehörige Kästen gelegt. Ich möchte also nochmals zusammenfassen:
1.)Bibliographie der gesamten Literatur über Höhlen- und Karstkunde
2.)Verzeichnis der Höhlen soweit in der Literatur beschrieben, nach Ländern und Länderteilen geordnet, soweit möglich unter kürzester Angabe von Lage, Höhe und Dimensionen der Höhle.
(…) Ich empfehle mich Ihnen mit bekannter Wertschätzung und Deutschem Gruß als Ihr stets ergebener Julius Riemer.“
Das war ein verzweifelter Versuch der Hilfe für Dr. Benno Wolf. Brand nahm sofort an. Zahlreiche Schreiben gingen dazu hin und her, z.T. als vertraulich gekennzeichnet. Riemer setzte eine Zeit von sechs Jahren für die Arbeit an, das Ahnenerbe nannte drei Jahre als erste Phase mit Verlängerungsmöglichkeit.

Brand betonte immer wieder in langen und z.T. absolut durchsichtigen, schleimigen Briefen die große Mühe, die er sich an allerhöchster Stelle gebe, diese Arbeiten auch zum Schutz von Benno Wolf genehmigt zu bekommen. Riemer als exzellenter Diplomat reagierte in hervorragender Weise, durchschaute die Schachzüge von Brand und reagierte auf jeden Brief seiner Briefe mit noch geschickteren Vorschlägen. Der hinterhältige Brand versuchte, möglichst schnell und vollständig an alles Material zu kommen.

Die Neuordnung der „Großdeutschen Höhlenforschung“, die Riemer mit einer geschickten Hinhaltetaktik zu unterlaufen suchte, sei aber von höchster Stelle angeordnet und komme auf jeden Fall. „Alle gegenteiligen Vorschläge oder Massnahmen richten sich gegen die Staatsführung“, so Brand bereits im ersten Antwortschreiben vom 18.1.1941 auf Riemers Vorschlag. Der furchtlose Riemer versucht es trotzdem, aber ohne Erfolg. Die gesamte Korrespondenz dazu zwischen Brand und Riemer ist offenbar vollständig erhalten, sodass jeder Winkelzug beider Seiten nachvollziehbar ist.


Julius Riemer mit Sammlungsstücken in Berlin

Im Krieg geschriebene Briefe können nur einen Teil der Wahrheit abbilden, man musste immer damit rechnen, dass andere mitlesen. Daher lassen wir weiter unten Julius Riemer wieder selbst zu Wort kommen, wie er die Ereignisse mit einigen Jahren Abstand nach dem Krieg beschreibt. Sein Prinzip ist dabei immer gleich – er ist eine ehrliche Haut mit Ehre, mit der wirklichen Ehre, die die anderen stets vorgaben zu haben. „Aufrecht sein, jedem unbekümmert die Meinung zu sagen, das ist mein Prinzip! - Dieser infame Krieg bringt uns nicht vorwärts, sondern rückwärts, wie soll er jemals liquidiert werden?“ (Riemer an Lehrer Bernhard Bahnschulte, 26.1.1941).

Mai 1941: Die Gleichschaltung der Höhlenforschung ist gelungen

Lange war es möglich gewesen, den langen Arm des Nationalsozialismus von der Höhlenforschung fernzuhalten. Aber selbst mit den allergrößten Anstrengungen Riemers und seiner Freunde im System waren die Möglichkeiten nun erschöpft. Auch für den Hauptverband stand nun vor der oben geschilderten Situation die endgültige Machtübernahme bevor.

Am 11.5.1941 wurde in Salzburg der Reichsbund für Karst- und Höhlenforschung gegründet; damit war die Gleichschaltung der deutschen und österreichischen Höhlenforschung erreicht. Riemer ließ sich in den Vorstand wählen, bekleidete das Amt des Kassenwarts und war – gemeinsam mit Heller, der dem NS-System näherstand als andere – Schriftleiter. Der alte Hauptverband existierte weiter, aber nur pro forma. Riemer interessierte sich aber nicht für die ihm aus taktischen Gründen angebotene Schriftleitung eines neuen Organs des Ahnenerbes – soweit sollte seine Anpassung an das Regime nicht gehen.

Riemer beschreibt die Ereignisse so: „Aber es war bekannt, daß unsere Höhlenforschung einzig dastand und so brachte es die Hitlerzeit mit sich, dass auch unsere Gemeinschaften in Deutschland und Österreich zu einem Reichsverband zusammengeschlossen werden mußten, dem „Ahnenerbe“ zu unterstellen seien, welches „Herr Himmler“ leitete.

Ich wurde zu diesem Zweck im Mai 1941 gebeten, zu einer Sitzung nach Salzburg zu kommen, um eine Vereinigung sämtlicher Höhlenforscher zu einem Reichsbund herbeizuführen. Der Anführer dieser Intrigen war ein Professor Dr. Hans Brand aus Pottenstein, ehemals Gymnasialprofessor, Mitbesitzer der Pottensteiner Höhle und größte Leuchte der NSDAP. Dieser Schuft winselte darum, dass ich seine Verdienste um die Höhlenforschung (es waren aber nur solche pekuniärer Art) möglichst in den Vordergrund stellen möge. Dieser traurige Held gab mir die Versicherung, dass ich monatlich RM 150,- für meine Arbeit bekommen solle. Der Reichsgeschäftsführer Wolfram Sievers, rechte Hand von Himmler, wusste durch mich genau, dass ich für meine Person nicht auf RM 150,- monatlich angewiesen sei, daß ich den Betrag nur für unseren Dr. Benno Wolf annahm, um ihn zu unterstützen. Die Notlage bei Dr. Wolf war groß. Er hatte bereits nur ein Minimum seiner Pension erhalten […].

Ich nahm also an der Sitzung bzw. Gründungssitzung eines Reichsbundes für Höhlenforschung teil. Hier wurde beschlossen, daß sämtliche Höhlenforscher Deutschlands und Österreichs dem Ahnenerbe unterstehen, welches sämtliche nennenswerten Verbände, Vereine etc. von Ruf an sich riß. Der berüchtigte Professor Hans Brand, in München wohnhaft, war als Mitbesitzer der Höhle in Pottenstein der Hauptbeteiligte dieses Zusammenschlusses und konnte nun schalten und walten wie er wollte. „Mitarbeiter“ aller Art erhielten Geld, denn das Ahnenerbe verfügte über Summen, welche ein gewöhnlicher Sterblicher nicht besaß. Der Name von Dr. Wolf durfte nicht in Erscheinung treten. Aber unser Wolf arbeitete ständig weiter und war dabei, einen Höhlenkataster der Welt aufzustellen. Ich lieferte ihm die Zettel für die einzelnen Aufgaben und nach Fertigstellung erhielt ich denselben, brachte sie ins Museum für Naturkunde, wo sie durch Schreibmaschine einer Sekretärin genau vom Original abgetippt wurden. Dann erhielt Dr. Wolf alles Material zurück und ordnete es in seiner Wohnung Berlin-SW 61, Hornstraße Nr. 6. Da ich monatlich RM 150,- vom Ahnenerbe erhielt, gab ich Dr. Wolf stets diesen Betrag, welcher ihm sehr zu statten kam. Somit glaubte Dr. Wolf, dass trotz seines „Nichtariertums“ seine Person gesichert sei.“

Letzter Rettungsversuch

Mitte 1941 entwarf Riemer ein Gnadengesuch an Adolf Hitler. Er gab es am 31.7. zur Korrektur an Benno Wolf. Das Gesuch liegt im Nachlass vor, es ist ein anrührendes Stück Zeitgeschichte und war der letzte aufbäumende Versuch der beiden Freunde Julius Riemer und Benno Wolf, etwas im Guten zu bewegen. Beide müssen immer noch eine letzte Chance gesehen haben, sonst hätten sie es nicht gewagt.

Hier die Schilderung der dann folgenden Ereignisse aus der Feder von Julius Riemer: „Da Dr. Benno Wolf evangelisch war, aber aufgrund der sogenannten Nürnberger Gesetze als Nichtarier galt, habe ich versucht, ihn insofern zu retten, als ich in die Reichskanzlei ging, um bei Herrn Hitler darum zu bitten, daß Dr. Wolf als Arier anerkannt wird. Im Vorzimmer traf ich einen Herrn Ministerialdirektor Menschell. Diesen kannte ich bereits als Schuljungen. Er war der Sohn einer Seminarfreundin meiner verstorbenen Frau. Der Vater des Herrn Menschell war Rektor an einer Gemeindeschule in Berlin. Der hoffnungsvolle Sohn brauchte 17 Semester bis zum Referendar, kam nicht vorwärts und wurde dann größte Leuchte bei der NSDAP. Danach wurde dieses Kirchenlicht Regierungsrat, dann Ministerialrat und schließlich Ministerialdirektor. Dieser „Gewaltige“ empfing mich in seinem Zimmer, dem Vorzimmer des Herrn Hitler. Ich hatte mich nicht vorher angemeldet, stand am Eingang der Reichskanzlei, stieg die Treppe hinauf, der Posten präsentierte, ein Diener erschien, führte mich an einen Tisch zwecks Personalien und Zweck meines Besuches. Ich gab aber keinen Grund an und sagte, daß der Herr Ministerialdirektor Menschell meinerseits bereits unterrichtet wäre. So wurde ich dann durch einen SS-Mann nach oben ins erste Stockwerk begleitet, kam erst in das Vorzimmer des Herrn Menschell, wurde durch seine Sekretärin angemeldet und dann in das Arbeitszimmer des Herrn Ministerialdirektors gebeten. Hier gab ich zur Kenntnis, daß Dr. Wolf evangelisch sei, sein ganzes Vermögen ausschließlich kulturellen Zwecken geopfert hätte und Junggeselle ohne jeden Anhang wäre. Ich schilderte, wie kläglich die Pension von Dr. Wolf sei, daß er schwer um sein Dasein zu kämpfen hätte und daß ich bäte, Herrn Dr. Wolf als Arier anzuerkennen wegen seiner ungeheuren Verdienste auf dem Gebiet der Wissenschaft. Die Antwort des Herrn Menschell lautete: „Glauben Sie Herr Riemer, daß ich dem Führer ihre Wünsche vortragen soll – niemals!“ Erstens ist Dr. Wolf Jude, ob er getauft ist oder nicht, das ist höchst gleichgültig. Der Führer würde einen solchen Antrag nicht nur – und mit Recht – ablehnen und mich selbst aus meiner Stellung entfernen. Und was die Pension von Dr. Wolf betrifft, so kann ich ihnen nur sagen, daß er froh sein kann, überhaupt Geld zu erhalten, denn das ist ja ein Geschenk von uns!! Ich gab dem Kirchenlicht Menschell zu verstehen, daß ich auf ganz anderem Standpunkt stände, verließ diesen Dummkopf, der sich aber doch noch damit entschuldigte, daß er nicht anders handeln könne.

Dr. Wolf war stark erschüttert, als ich ihm die Antwort des Handlagers des Herrn Hitler überbrachte. Ich bin dann aber zur Gestapo gegangen, die sich in Berlin-C 2 am Bahnhof Börse befand und sprach dort – verhandelte dort – mit Regierungsrat Dr. Kunz, einem Bayer, über Schutz für Dr. Wolf. Dr. Kunz sagte wörtlich „keine Regel ohne Ausnahme“ – was er tun könne, will er gern tun, aber eine Garantie könne er nicht übernehmen! Das war alles, was ich hörte. Aber der Wind pfiff bereits so, wie bei Herrn Ministerialdirektor Menschell. Das merkte ich im Vorzimmer des Herrn Kunz. Dort fragte mich ein Sekretär, welchen Grund ich hätte, für einen „Juden“ einzutreten.

Ich antwortete, daß es mir einzig und allein zustände, mir die Menschen auszusuchen, mit denen ich verkehren will und daß der Herr Sekretär kein Recht hätte, solche Fragen aufzuwerfen. Ich sagte noch, wenn der Sekretär in seinem Leben einmal so viel geleistet hat wie Dr. Wolf, dann könne er stolz darauf sein. Daraufhin entschuldigte sich der Scherge – alias Sekretär – bei mir. Ich mußte auf der Hut sein, denn ich hatte sicher bereits ein schwarzes Kreuz bei der Gestapo! Aber ich glaube, daß ich schlauer war als sämtliche Spitzel und Schergen der Gestapo und warnte Dr. Wolf.

Ich bat ihn inständig, außer Landes zu gehen und ich wollte ihn über die Grenze bringen, zumal ich einen sicheren Weg nach der Tschechoslowakei kannte. Ab dort wollte ich Dr. Wolf nach der Schweiz bringen, aber er sagte mir, er wollte es darauf ankommen lassen und abwarten. Ich warnte wieder, denn eines Tages würden sicher die Schergen kommen und Dr. Wolf abholen auf Nimmerwiedersehen. Er hatte gute Bekannte und auch Gönner in der Schweiz, aber Dr. Wolf bleib dabei, daß er schuldlos sei, man ihm nichts anhaben könne. Ich war anderer Meinung und wußte genau, daß das ganze System der NSDAP auf Lug und Trug aufgebaut war. Schwätzer und Großmäuler hatte ich im Leben häufig kennengelernt und ihnen stets mißtraut. Dr. Wolf glaubte als Richter, daß es noch ein Recht gäbe, aber er war auf falscher Fährte. Spitzbuben und Verbrecher muß man mit eigenen Waffen schlagen. Das lag aber Dr. Wolf nicht als anständigem Charakter. So ging das Schicksal an Dr. Wolf nicht vorüber, daß auch er ein Opfer der Zeit wurde.“

Und so kamen dann die Schergen wirklich. Riemer beschreibt es im Detail: „Eines Tages klingelte es an meiner Wohnungstür in Berlin, als ich nicht anwesend war. Meine Frau öffnete die stark gesicherte Tür nicht, fragte wer dort sei. Es wurde gebeten zu öffnen, aber meine Frau öffnete die Tür nicht. Es wurde vor der Tür gefragt, ob ich zugegen wäre, was meine Frau verneinte. Es wurde wieder in höflichster Form gebeten, zu öffnen und die Garantie gegeben, daß es sich um keinen Überfall handle. So öffnete meine Frau einen Teil der Tür, hatte aber alle Sicherungen vorgelegt, welche niemand eindrücken konnte. Da standen zwei Herren und baten um Einlaß betreffs einer geschäftlichen Angelegenheit von großer Wichtigkeit. Meine Frau fragte, um was es sich handle, denn ihr Mann (ich Julius Riemer) sei nicht zugegen. Das bedauerten beide „Herren“ und baten nochmals um Einlaß. Da meine beiden Hausangestellten und auch der sehr scharfe Drahthaarfox zugegen waren, öffnete schließlich meine Frau. Da entpuppten sich die beiden „Herren“ als Spitzel der Gestapo, fragten, ob Dr. Wolf da sei und als meine Frau verneinte, fragten die Schergen, wo ich wäre, darauf die Antwort meiner Frau, ich sei zur Jagd gefahren. Darauf die Frage, dann ist wohl Dr. Wolf nach dort mitgefahren. Meine Frau mußte unwillkürlich lachen, sagte, ach nein, Herr Landgerichtsrat Dr. Wolf ist in seinem Leben niemals zur Jagd gegangen. Ja - wo ist denn Dr. Wolf, fragten die Spitzel. Das kann ich ihnen nicht sagen, antwortete seine Frau, aber vielleicht ist er in seiner Wohnung! Na - dann können Sie ja telefonisch anfragen, ob er dort ist, sagten die Spitzel. Nein, sagte meine Frau, das kann und tue ich auch nicht, außerdem kenne ich auch die Telefonnummer von Dr. Wolf nicht. Haben Sie denn kein Telefonbuch, fragten die Kerle! Natürlich, sagte meine Frau. Dann geben Sie es uns, dann rufen wir bei ihm in der Wohnung an. Beide Spitzel suchten dann die Telefonnummer heraus, fragten ob Dr. Wolf zu Hause sei und hörten, daß er noch nicht zu Haus wäre. Dann hängten die Kerle den Hörer auf, verließen fluchtartig die Wohnung und verschwanden. Meine Frau ging sofort ans Telefon und wollte die Haushälterin von Dr. Wolf, ein Fräulein Marie Goerlich, warnen, erhielt aber vom Telefonamt den Bescheid, Leitung unterbrochen. Die Spitzel hatten sicher vor ihrem Besuch telefonisch bei Dr. Wolf angerufen, Bescheid erhalten, daß er nicht da sei, kamen dann nach Tempelhof in meine Wohnung, glaubten, daß Dr. Wolf bei mir sei und versuchten, Weiteres zu erfahren. Ich war auf meinem Jagdrevier in Sieversdorf Krs. Ruppin. Vielleicht hat es das Schicksal so eingerichtet. Wäre ich zu Haus gewesen, dann hätten die Schergen sicher versucht, mich zu verhaften. Daß ich aber keineswegs einer Verhaftung gutwillig gefolgt wäre, das Kapitel will ich nicht erörtern. Das Sprichwort, bange machen gilt nicht, habe ich mir zum Prinzip gemacht.

Jetzt kommt die Aussage von Fräulein Marie Goerlich, welche jahrzehntelang im Haushalt von Dr. Wolf tätig gewesen ist. Gleich – also am selben Tag – am Vormittag klingelte es an der Wohnungstür im ersten Stockwerk von Dr. Wolf. Frl. Goerlich öffnete, zwei Männer drückten die Tür weit auf, drangen in die Wohnung mit der Frage, ist Dr. Wolf hier! Nein, Herr Rat Wolf ist noch nicht hier. Wo ist er denn, fragten die Spitzel und wann kommt er? Herr Rat kommt um ½ 2 Uhr zu Tisch, er arbeitet täglich in der Gesellschaft für Erdkunde. So, dann gehen Sie ins Zimmer, wir sind von der Gestapo und werden hier warten. Einer der Kerle ging auf die Straße, der zweite hielt in der Wohnung Wache an der Eingangstür. Um ½ 2 Uhr wurde die Tür aufgeschlossen. Dr. Wolf kam ahnungslos nach Haus und wurde sofort gefragt, sind Sie Dr. Wolf? Ja, ich bin Dr. Wolf! Gestapo – kommen Sie mit, war die Antwort. Ich möchte gern ein Glas Wasser trinken, bat Dr. Wolf, ich habe großen Durst. Dann kommen wir mit, sagten die Kerle; der Spitzel von der Straße hatte sich auch eingefunden. Dr. Wolf trank dann ein Glas Wasser und bat die Kerle, daß er seinen Regenschirm mitnehmen möchte, weil es draußen so sehr regnete. Wo wir Sie hinbringen da brauchen Sie keinen Regenschirm mehr, das war das Finale um Dr. Wolf [...].

Jetzt trat wieder der Spitzbube Prof. Hans Brand aus Pottenstein aufs Trapez. Ohne, daß ich es wußte, kam der üble Mann mit seinem Gehilfen Dr. Abrahamczik nach Berlin, ließ die versiegelte Wohnung von Dr. Wolf öffnen und räumte das ganze wissenschaftliche Material über Höhlenforschung aus und brachte es mit Hilfe der Schergen der Gestapo nach auswärts, wahrscheinlich nach München, wo sich die Zentrale dieses infamen Spitzbuben Prof. Brand befand. In den Tagen der Ausplünderung der Wohnung von Dr. Wolf rief dann Brand bei mir telefonisch an und sagte, daß er das Material “sichergestellt“ hätte. Als ich dem Spitzbuben sagte, daß laut Testament von Dr. Wolf mir das gesamte Wissenschaftliche Material gehöre, bekam ich zur Antwort, das ging ihn (Brand) gar nichts an, er hätte das Recht, alles an sich zu nehmen und daß ich sehr wahrscheinlich noch ein Nachspiel wegen Verkehrs mit Juden erleben würde. Ich habe diesen Spitzbuben Prof. Brand aber darauf so gründlich abgefertigt, daß ihm die Spucke weg blieb!! Ich sagte ihm wörtlich am Telefon: „Wenn Sie elender Bursche es wagen sollten, mich als anständigen Menschen zu verleumden und anzuschwärzen und mich Ihren Schergen auszuliefern, dann irren Sie sich ganz gewaltig. Erstens fällt Ihr Kopf, denn ich habe sämtliche Briefe von Ihnen trotz Ihres Gewinsels um Vernichtung derselben als „Dokument“ aufbewahrt. Zweitens bin ich auf der Hut gegen alles schändliche Gelüstere, das wie Sie eingestellt ist. Außerdem bin ich Jäger besten Kalibers. Das schreiben Sie sich hinter die Ohren, ich warne Sie! Das wirkte! Ohne eine Entgegnung wurde der Hörer am Telefon aufgelegt. Damit war das Kapitel zu Ende.

Der arme gutherzige Dr. Wolf wollte leider auf meine Warnungen nicht hören und ging somit seinem Schicksal entgegen […]. So endete das Dasein eines Mannes, der der ganzen Welt durch unermüdliche Höhlenforschertätigkeit diente.“

Julius Riemer konnte ihm nun kaum noch helfen und wusste auch nicht, wo Wolf abgeblieben war. Er schrieb 1947, Wolf sei damals „spurlos verschwunden“ (Knolle 1990) - Riemer vermutete ihn nach dem Krieg zunächst im KZ Auschwitz.

Die Details der Verschleppung und des Todes von Wolf konnten bekanntlich erst nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes geklärt werden, siehe unten.

Riemer verblieb nur noch eine Reaktion: die Verweigerung. Im Oktober 1942 verzichtete er „aus gesundheitlichen Gründen“ auf die Ämter.

Riemer erinnert sich wie folgt: „Wie man in München und beim Ahnenerbe tobte, daß ich aus dem Reichsbund mit der Sektion Berlin ausschied, das bewiesen die Briefe. Ich hätte gar kein Recht, mit der Sektion auszuscheiden, das ginge gegen die Abmachungen. Aber ich blieb fest und ich persönlich legte „aus Gesundheitsrücksichten“ mein Amt im Reichsbund nieder, da meine Mitarbeiter nichts taten – aber Geld erhielten. Und damit war das Schicksal des Reichsbundes für Höhlenforschung besiegelt.“


Die Rüstungseinbauten in der Heimkehle, dokumentiert nach Kriegsende durch einen alliierten Geheimdienstbericht
(Combined Intelligence Objectives Sub-Committee 1945a)


Ab 1942: Untertage-Verlagerung der NS-Rüstung

Jahr für Jahr verschärfte sich die von Wolf im letzten Satz des oben zitierten Briefes an Ruscher angesprochene Luftschutzproblematik.

Anfang 1942 signalisierte der Stillstand der deutschen Truppen vor Moskau ein Ende des Blitzkriegs mit konventionellen Waffen. Zug um Zug erkämpften sich die Alliierten die Lufthoheit über dem Nazireich und bedrohten somit die NS-deutsche Rüstungsproduktion.

Hitler befahl im Führererlass vom 9.6.1942 den Totaleinsatz der Forschung für den Krieg. Die Höhlenforschung blieb nicht außen vor. Speer (1984) stellt die Folgen aus Sicht seines Ministeriums im Kapitel “Höhlenphantasie und ihre Folgen” dar. So hatte Hitler im Frühjahr 1943 verlangt, “daß auf weite Sicht angestrebt werden muß, empfindlichste Fertigungen, wie Kurbelwellen, Kegelräder, elektrische Einrichtungen usw. in Werken zu erstellen, die voll unter Betonschutz stehen.” Am 10.10.1943 erhob Göring eine ähnliche Forderung. Es sei wegen “der laufenden Einbrüche in das Flugzeugbeschaffungsprogramm durch Feindeinwirkung dringend erforderlich ... schnellstens bombensichere Produktionsstätten ... zu erstellen soweit nicht die Ausnutzung von großen Höhlen, Kellereianlagen, stillgelegten Bergwerken, ungenutzt liegenden Festungsanlagen im Heimatkriegsgebiet wie in den besetzten Gebieten möglich ist ...”

Die zuständigen Behörden und Dienststellen machten sich an die Arbeit – sie waren dafür allerdings bereits seit einiger Zeit mit „Höhlenlisten“ gerüstet, wobei die Behörden den Höhlenbegriff nicht nur im speläologisch definierten Sinne anwendeten.

Schon immer hatten sich die “Wehrgeologen” auch mit Naturhöhlen beschäftigt. Schaffler (1991) erwähnt ein “Kriegshöhlenkataster”, das 1940 bereits 500 Höhlen enthielt.

Prof. K. Fahlbusch, Emeritus des Geologischen Instituts der TU Darmstadt, erinnerte sich daran, dass ein Herr Vogel, Höhlenforscher und liiert mit einer Siemens-Angestellten, 1941 beim Baustab Luftwaffe in Berlin war und mit Höhlenlisten operierte. Später nahm er sein Wissen in die Geologieverwaltung der DDR mit (Kempe 1998).


Die Rüstungseinbauten in der Heimkehle, dokumentiert nach Kriegsende durch einen alliierten Geheimdienstbericht (Combined Intelligence Objectives Sub-Committee 1945a)

Das Reichsamt für Bodenforschung stellte aufgrund des Hitler-Erlasses eine “Tabellarische Übersicht der deutschen Höhlen (ohne Grubenbaue)” auf. Die Übersicht mit Stichdatum 1.7.1943 umfasst 36 Seiten bzw. Bögen und beschreibt die Höhlen nach den Kategorien “Name und Lage”, “Form und Grösse”, “Wasserverhältnisse” und “Bemerkungen” (Knolle 2001).

Wie Speer (1984) instruktiv beschreibt, beauftragte der Reichsführer SS Heinrich Himmler (seit Sommer 1943 zugleich Reichsinnenminister) im August 1943 die “Höhlennachweis-Abteilung im Wehrwissenschaftlichen Institut für Karst- und Höhlenforschung der SS-Karstwehrtruppe” mit der Herstellung eines weiteren Verzeichnisses der deutschen Höhlen. Diese Truppe stand unter dem Kommando des SS-Standartenführers und Höhlenforschers Hans Brand (Engelbrecht 1997). Die SS-Karstwehrtruppe war damals bereits im Besitz von Katasterunterlagen Dr. Benno Wolfs.

Gustave Abel, Salzburg, sprach von Hans Brand nur als “dem Teufels-Brand” (Mitt. v. 29.12.1981). Zum Charakter von Brand schreibt Abel: “Was ... den Charakter des Teufels-Brand betrifft bezeugt eine Äußerung bei einer Besprechung (der) Zukunftspläne des Höhleninstitutes: “... ja wir wollen erst sehen ob wir den Krieg auch gewinnen”. Das zeigt ihn schon als Rückversicherer, wie er dann 1945 bei dem USA-Besatzer Unterschlupf suchte, um dann bei Hubers Frau in Nürnberg den Höhlenkataster “sicher”zustellen für (die) CIA.”

Auf 11 Seiten führte Brands Höhlennachweis-Abteilung, nach Ländern geordnet, 93 Höhlen auf, von denen etwa 10 Objekte theoretisch interessant waren. Sie wiesen aber natürlich die typischen Probleme von Naturhöhlen auf, die eben nicht dort liegen, wo ein Rüstungsbetrieb sie benötigt, und auch nicht die idealen betrieblichen Voraussetzungen wie gute Erreichbarkeit, Belüftung, Feuchtigkeit, Temperatur und Gesteinsfestigkeit aufweisen. Die “Karstwehrforscher” rieten in der Denkschrift v. 25.8.1943 offenbar von der Verwendung von Naturhöhlen für Rüstungsbetriebe ab.

Himmler, draufgängerisch und aktionistisch wie immer, ließ sich nicht entmutigen; einige Wochen später wurde dem SS-Ahnenerbe befohlen, alle “sicher in beträchtlicher Anzahl vorhandenen Heimatkundler und sonstigen Privatgelehrten” zu einer wissenschaftlichen Zusammenstellung der vorhandenen Höhlen heranzuziehen (Speer 1984). Das war der endgültige Zugriff der Nazis auf die deutschen Höhlenkataster; die Folgen waren für die deutsche Höhlenforschung weitreichend (Kater 1974, Knolle 1987, 1990, 2001, Schaffler 1991).

Dr. Benno Wolfs Ende im KZ Theresienstadt

Wolfs Schicksal war offenbar allen Höhlenforschern bewusst – aber es wurde nur zurückhaltend darüber gesprochen. Die Auswertung der Tagebücher von Friedrich Stolberg durch Fritz Reinboth ergab, dass sich Stolberg und Riemer 1942 öfter in Berlin trafen, so am 3.3. (mit Satow), am 28.7. („u.a. von Wolf und seinem Unglück gesprochen“) und am 30.9. (mit Satow; lebhafte Unterhaltung über „Tragödie Wolf“).

Riemer: „Ich selbst hatte nun alles was Höhlenforschung hieß und betraf auf dem Hals, arbeitete Tag für Tag und habe handschriftlich ab Januar bis Juli 1942 ca. 376 Briefe geschrieben. Was das bedeutet, das werden ja meine Freunde ermessen können. Alle, die an dem Beschluß in Salzburg im Mai 1941 mit beteiligt waren und ihre Hilfe zugesagt hatten, taten wenig oder gar nichts, was mich veranlasste, mit meiner Sektion Berlin aus dem neugegründeten Reichsbund auszutreten. Ich hatte mit Dr. Wolf beste Artikel für das Jahresbuch zusammengebracht, welches erscheinen sollte und auch erschienen ist. Herr Dr. Florian Heller in Nürnberg gab dann das Buch heraus, der als mein Nachfolger auftrat. Jedenfalls ist es aber das Werk von Dr. Wolf und von mir. Wir sind die Urheber des Jahrbuches.“

Die Akten sagen, dass Benno Wolf Ende Juni 1942 im Alter von 71 Jahren die Aufforderung bekam, sich für die „Evakuierung“, wie die gewaltsamen Deportationen in der Sprache der Nazis bezeichnet wurden, bereit zu machen. Er solle vor dem Abtransport in das Sammellager in der Großen Hamburger Straße 26, dem ehemaligen jüdischen Altersheim, verbracht werden (Bergemann & Ladwig-Winters 2004, Bergemann & Knolle 2005, Knolle & Bergemann 2005). Er wurde am 6.7.1942 von der Gestapo in seiner Wohnung verhaftet (Kater 1974, Knolle 1987). Seine umfangreiche private Höhlenbibliothek wurde, wie von Riemer beschrieben, vom SS-“Ahnenerbe” konfisziert. An diesem Tag füllte er auch die sogenannte Vermögenserklärung aus, in der er seine Vermögenswerte und seine verbliebene Habe aufführen musste. Am 7.7. wurde ihm in der Großen Hamburger Straße die amtliche Verfügung zugestellt, mit der sein Besitz und sein Vermögen zu Gunsten des Deutschen Reiches offiziell eingezogen wurden. Am 8.7.1942 wurde Benno Wolf gemeinsam mit 99 anderen Menschen vermutlich in einem Extra-Wagon des normalen Linienzuges nach Prag vom Anhalter Bahnhof aus in das KZ Theresienstadt verschleppt. Auf dem Weg ins KZ dürfte er geographisch gesehen an mindestens sieben unterirdischen militärischen Anlagen vorbeigefahren sein, die man heute alle noch besuchen und z.T. befahren kann: Mordgrundbrücke Dresden, Herrenleithe bei Lohmen, geplante Hydrieranlage in Strand bei Königstein, Kelleranlagen bei Herrnskretschen (in denen später Teile des Reichsarchivs eingelagert wurden), zwei Großanlagen beim böhmischen Ort Ohlisch (von der Roten Armee später als Großtanklager ausgebaut) und das Stollensystem bei Leitmeritz.

Die unmenschlichen Haftbedingungen im Ghetto überlebte er nur wenige Monate. Am 6.1.1943 kam Benno Wolf in Theresienstadt unter noch unklaren Umständen ums Leben (Stoffels 1995c, Knolle et al. 2010).

Kriegsende und Nachkriegszeit

Julius Riemer hatte alles in seiner Macht stehende getan und noch mehr – wie von ihm oben angedeutet, rechnete er sogar jederzeit mit seinem Verschwinden und sogar mit seinem Tod. Er konnte zwar dem Vogelkundler Oscar Neumann das Leben retten, indem er ihm einen Arbeitsplatz schuf und später zur Flucht nach Übersee verhalf (Pohle 1959), aber im Fall Dr. Benno Wolf war er machtlos, leider auch teilweise bedingt durch die offensichtliche politische Naivität von Wolf.

Dabei hatte Riemer damals alle Hände voll zu tun, seine Sammlungen und sich selbst durch die Kriegszeiten zu bringen. Durch die Folgen des Luftkrieges über Deutschland wurden auch große Teile der Sammlungen vieler Museen, mit denen Riemer Kontakte pflegte, unwiederbringlich zerstört. Interessant sind Riemers Tagebuchaufzeichnungen aus dieser Zeit, die bisher nicht vollständig ausgewertet sind. Er schimpft in massiver Weise auf einen „Ausländer“ als Schuldigen für die Zerstörungen seiner Heimatstadt – vorsichtshalber ohne den Namen des Österreichers Hitler zu nennen. Diese Aufzeichnungen belegen Riemers Einstellung zu Hitler und den Nazis ebenso deutlich wie seine späteren Aufzeichnungen. Viele Deutsche wollen nach dem Krieg schon immer dagegen gewesen sein – doch Riemers Einstellungen sind offensichtlich sehr wahrhaftig.

Als die Hoffnungen auf den „Endsieg“ dahin schwanden, entschloss Riemer sich dazu, einen Teil der Sammlung in sein Haus nach Sieversdorf bei Ruppin zu bringen und mietete außerdem bei Bauern Scheunen und andere Grundstücke an. Im Januar 1944 wurde nach Luftangriffen ein Teil der Berliner Villa, in der ein Großteil seines privaten Museums noch immer untergebracht war, zerstört. Von da an zog sich Julius Riemer vorübergehend ganz nach Sieversdorf zurück. Zudem starb nach langer Krankheit seine Frau Hedwig Riemer.

Julius Riemer erhielt nach 1945 von Provinzialpfarrer Otto Kleinschmidt das Angebot, im Schloss Wittenberg als Erweiterung zum dortigen Kirchlichen Forschungsheim ein Natur- und Völkerkundemuseum einzurichten. 1947 war der Umzug abgeschlossen. 1949 erfolgte die Eröffnung der ersten Ausstellungsräume, 1954 die Gründung des Museums für Natur- und Völkerkunde aus seiner Privatsammlung, das er bis zu seinem Tode 1958 leitete.


Julius und Charlotte Riemer nach dem Einzug in das Schloss Wittenberg beim Katalogisieren der Sammlung noch im kleinsten Raum und großer Enge 1948.
Foto: Privatarchiv

Am 25.4.1947 vermachte Riemer der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg, Abteilung für Karstforschung, per Vollmacht die in Pottenstein befindlichen Nachlassmaterialien von Benno Wolf (Knolle 1990).

Julius Riemer schreibt weiter: „Erst vor ca. 4 Jahren [d.h. etwa 1950, d.A.] hörte ich von meinen Nürnberger Freunden, daß seitens der Amerikaner sämtliches wissenschaftliche Material auf Verlangen endlich wieder der Nürnberger Gesellschaft für Karst- und Höhlenforschung ausgehändigt wurde, was bis dahin von der amerikanischen Besatzungsbehörde beschlagnahmt war. Aber nur Fragmente sind noch vorhanden. Es ist auch interessant, daß der herrliche Höhlen-Kataster, dem sich privatim Herr Professor Huber in Nürnberg, einer unserer besten Höhlenforscher, angelegt hatte, von dem Spitzbuben und Dieb Prof. Brand der Besatzungsbehörde in die Hände gespielt wurde, um sich reinzuwaschen und seinem Schicksal zu entgehen. Bis heute hat unser Prof. Huber seinen Kataster nicht zurückerhalten. Leider hat auch unser Huber jahrelang in Gefangenschaft leben müssen und somit hatte der Dieb Brand leichtes Spiel, die langjährige Arbeit unseres Huber an sich zu bringen und der Besatzung in die Hände zu spielen.

Leider ist der Dieb und Scherge Brand heute noch auf freiem Fuß, weil er es verstand, sich reinzuwaschen, bzw. nahmen die maßgebenden Stellen der amerikanischen Besatzung Brand nicht ganz ernst. Dieser soll jetzt sehr krank sein!

Der Reichsgeschäftsführer Wolfram Sievers, rechte Hand von Himmler, Spezialfreund von Brand, wurde in Nürnberg zum Tode verurteilt und nahm das Urteil mit dem Bemerken an: Ich danke dem Gericht für die sachgemäße Verhandlung und nehme das Urteil an. Ob an Sievers das Urteil vollstreckt wurde, das weiß ich nicht. Ich habe meine Kenntnis nur aus einem Zeitungsbericht. Weshalb Sievers zu der härtesten Strafe verurteilt wurde, das weiß ich nicht. Mir gegenüber war er in Bezug auf Dr. Wolf stets zuvorkommend. Das mag ihm zur Ehre dienen.

Ich bin am Schluß meiner wahrheitsgetreuen Ausführungen! Mögen diese eine Mahnung für alle Höhlen- und Naturfreunde sein. Es darf kein Unterschied betreffs Rasse und Religion in der Wissenschaft geben. Möge jeder Freund derselben duldsam sein, selbst wenn die Ansichten getrennt sind.“

Wolfram Sievers wurde am 20.8.1947 wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Nürnberg zum Tode verurteilt und am 2.6.1948 im Gefängnis Landsberg, Bayern, gehenkt.

Studien-Prof. Hans Brand, Pottenstein, starb unbehelligt und wohlangesehen am 10.1.1959 im Alter von knapp 80 Jahren. Heller würdigt ihn in einem Nachruf in den Mitteilungen des Verbandes der deutschen Höhlen- und Karstforscher als „außergewöhnlich vielseitig befähigt und bis ins hohe Alter voller Schaffensfreude“ – kein Wort zur NS-Zeit, nicht einmal zwischen den Zeilen. Ein Blick mitten ins Herz des Schweigekartells der damaligen Zeit, dem viele – aber nicht alle – Geologen und Höhlenforscher der damaligen Generation angehörten.

Prof. Fritz Huber bekam 1966 seinen Kataster größtenteils zurück – da hatte er aber viele Daten bereits aus eigenem Wissen rekonstruiert.

Erinnerungen an Dr. Benno Wolf

Dr. Benno Wolf war nach seinem KZ-Tod in West- und Ostdeutschland lange, eigentlich viel zu lange vergessen. Nur wenige engagierten sich in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg für seine posthume Würdigung – diese Ehre gebührt Gustave Abel †, Walter Biese † und Richard G. Spöcker †.

Richard G. Spöcker, von dem man mit Fug und Recht sagen kann, dass er die Neuorganisation der deutschen Höhlenforschung nach dem 2. Weltkrieg wieder in Gang gebracht hat, brach das Schweigen. Weil nach dem Ende des NS-Regimes auch die bisherigen Höhlenforscher-Dachverbände, sowohl der formal weiterbestehende Hauptverband Deutscher Höhlenforscher als auch der gleichgeschaltete Reichsbund, aufgelöst worden waren (Trimmel 1991), trieb Spöcker die Organisation des Neubeginns voran, sobald es die politische und wirtschaftliche Lage zuließ. Am 13.9.1947 war es soweit – in Nürnberg wurde die Deutsche Gesellschaft für Karstforschung gegründet. Doch der neue Verein löste sich leider schon bald wieder auf. 1955 erfolgte dann die Gründung des Verbands der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V. mit Sitz in München. Der Vereinssitz war damals auch ein Stück Kontinuität von Brands Forschungsstätte. Leider herrschte zum Thema Benno Wolf in diesem Verein zunächst nur Schweigen und Verschweigen – kein Glanzstück der damaligen Funktionäre.

Ein NS-Belasteter wurde sogar Ehrenmitglied dieses Verbandes – Prof. Dr. Gustav Riek. Er wurde am 23.5.1900 in Stuttgart (Baden-Württemberg) geboren, studierte an verschiedenen Universitäten Geologie und Urgeschichte und unterrichtete später an der Universität Tübingen (Baden-Württemberg). Zu seinen bekannten Ausgrabungen zählen beispielsweise die Grabungen in der Vogelherdhöhle, wo er für das Paläolithikum europaweit einzigartige Tierplastiken ergrub. In nur wenigen Wochen hatte Prof. Dr. Gustav Riek die Vogelherdhöhle nach den damaligen üblichen Methoden ausgegraben – freilich würde heute eine solche Grabung über Jahre hinweg geführt werden und auch verbunden mit erweiterten Ziel- und Fragestellungen. Was seine Grabungstätigkeiten anbelangte, so führten ihn diese schließlich auch zum 1955 gegründeten Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher. Seine universitären Verbindungen brachte er auch in die Verbandsarbeiten mit ein, weshalb er auf der Verbandstagung in Osterode am Harz 1968 zum Ehrenmitglied ernannt wurde, was er bis zu seinem Tod am 1.11.1976 in Stuttgart blieb (Häck & Knolle 2007).

Verschiedene Autoren haben sich in der jüngsten Vergangenheit mit der Person Prof. Dr. Gustav Riek fachlich auseinander gesetzt. Riek trat bereits 1929 in die NSDAP ein, 1933 in die SA und 1937 in die SS. Im Juli 1940 erhielt er die Einberufung zur Waffen-SS. Dass er bei der Ermordung von 40 russischen Gefangenen im SS-Sonderlager Hinzert die Aufsicht über die Absperrungen hatte, wird meist nur marginal oder gar nicht erwähnt. Inwieweit seine berufliche Tätigkeit parteipolitisch missbraucht wurde – darüber gibt es widersprüchliche Aussagen. Bekannt ist, dass er bei seinen Grabungen auch Lagerhäftlinge einsetzte, wie beispielsweise in Aleburg. Wagner (1977): „Gustav Riek hat nie ein Hehl daraus gemacht, sich offen zu dem zu bekennen, was er glaubte, als deutscher Bürger und Mann seinem Vaterlande schuldig zu sein. Als achtzehnjähriger Kriegsfreiwilliger hat er das Ende des ersten Weltkrieges erlebt. Er hat auch 1940 keinen Augenblick gezögert, als er zum zweiten Male gerufen wurde.“ In Wikipedia wird es wie folgt formuliert: „Rieks Rolle im Nationalsozialismus zeigt exemplarisch, wie sich die Archäologie in den Dienst des NS-Staates stellte. Bereits die Untersuchungen des Hohmichele standen "unter dem Schutz des RFSS, des Reichsführers SS" Heinrich Himmler. Ein SD-Dossier von 1938 weist Riek als "politisch und weltanschaulich unbedingt zuverlässigen" ... "alten Nationalsozialisten" aus. Von 1940 bis 1941 war er im SS-Sonderlager Hinzert bei Hermeskeil im Hunsrück als dritter Lagerleiter tätig und für die "politische Schulung" der Häftlinge zuständig.“ (Wikipedia-Seite Gustav Riek, 2007).

Dieter Stoffels, angeregt durch Gustave Abel, und Friedhart Knolle, angeregt durch Fritz Reinboth und Manfred Moser, waren es dann später, die weiter ins Detail gingen und in jahrelanger Kleinarbeit und mit zahlreichen Veröffentlichungen die Grundlagen für die Erinnerungsarbeit schufen. Viel zu spät wurde er 1995 von den deutschen Höhlenforschern geehrt – leider hatte erst die Nachkriegsgeneration den Willen und die Kraft, dem tragischen NS-Opfer Dr. Benno Wolf wieder seine ihm zustehende Rolle in der Geschichte der deutschen Höhlenforschung zu geben. Diejenigen aufzuzählen, die das Wissen viel früher gehabt hatten, aber Dr. Benno Wolf durch „aktives Schweigen“ auch nach seinem Tod im KZ noch ausgrenzten, würde eine stattliche Liste von Höhlenforscher-Honoratioren der älteren Generation in West- und Ostdeutschland ergeben.

Erst auf der Hauptversammlung 1995 in Iserlohn-Letmathe wurde nach einem jahrelangen Forschungs- und Aufarbeitungsprozess innerhalb des Verbandes einstimmig die Ehrung von Dr. Benno Wolf – 52 Jahre nach seinem Tode – beschlossen. Das Protokoll verzeichnet:

„TOP 9: Antrag auf Ehrung Dr. Benno Wolfs
Einstimmig erfolgte die posthume Ehrung von Dr. Benno Wolf als Ehrenmitglied des Verbandes. Die Versammlung erhob sich zu einer Schweigeminute für den im KZ ermordeten Höhlenforscher.

TOP 12: Errichtung eines Dr.- Benno-Wolf-Preises
Die Versammlung beschließt einstimmig die Schaffung eines Dr.-Benno-Wolf-Preises für herausragende Forschungsleistungen (Antrag F. Knolle, J. Obendorf, J. Götz und Verbandsvorstand).“

Im Gedenken an den körperlich kleinen, aber für die deutsche Höhlenforschung großen Dr. Benno Wolf – den ersten deutschen Höhlenforscher von internationalem Format – vergibt somit der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher seit 1996 den Dr. Benno Wolf-Preis. Mit ihm sollen nicht nur besondere Leistungen im Höhlenschutz und in der Höhlenforschung gewürdigt werden, sondern es soll auch ein Zeichen gegen Intoleranz und Unfreiheit in der wissenschaftlichen Forschung gesetzt werden. Es handelt sich um einen ideellen Preis.

Eine ähnliche Würdigung für Julius Riemer fehlt bis heute und ist überfällig. Sein Museum wäre der richtige Ort (www.riemer-museum.de). Möge es erhalten bleiben!

Quelle: www.schaeferwittenberg.de

Dank

Für Hinweise und Mitarbeit danke ich H. Bergemann, M. K. Brust, R. Gruber-Lieblich, B. Häck, Dr. R. Hutterer, F. Reinboth, C. Riemer †, B. Schütze, D. Stoffels, R. Völker und R. Winkelhöfer.

Literatur und Quellen
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www.riemer-museum.de: Internetauftritt zum Erhalt des Museums für Stadtgeschichte, Naturkunde und Völkerkunde "Julius Riemer" [ausgewertet am 15.3.2012]
www.wikipedia.de: Seiten Gustav Riek, Julius Riemer und Dr. Benno Wolf
www.wittenberg.de: Internetauftritt zur Sammlung Julius Riemer [ausgewertet am 4.3.2007]

Archivalien

Nachlass Julius Riemer
Nachlass Friedrich Schuster
Nachlass Richard G. Spöcker

Dr. Friedhart Knolle, Arbeitsgemeinschaft für Karstkunde Harz e.V. & Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V., Grummetwiese 16, 38640 Goslar, fknolle@t-online.de, Tel. 05321/20281, Mobil 0170/22 09 174


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