Die Entdeckung der Barbarossahöhle 1865

Die Gemeinde Rottleben im Kyffhäuserkreis (Freistaat Thüringen) gedachte im Rahmen einer Feierstunde am Abend des 21.12.2000 der Entdeckung der Barbarossahöhle. Es lag fast auf den Tag genau 135 Jahre zurück, als kurz vor Weihnachten 1865 beim Bergbau auf Kupferschiefer eine Schlotte angefahren wurde. Damit war die Barbarossahöhle entdeckt worden, die heute als ein Naturdenkmal von internationalem Rang und eine der meistbesuchten Schauhöhlen in Deutschland gilt. In seiner Festrede erinnerte Werkleiter Hans-Jürgen Fischer an die näheren Umstände ihrer Entdeckung.

Im August 1860 hatte der Unternehmer von Born aus Dortmund damit begonnen, unterhalb der Ruine der Falkenburg und direkt an der alten Straße von Steinthaleben (nach dem heutigen Bad) Frankenhausen einen Stollen vortreiben zu lassen. Die Grube sollte das Kupferschieferflöz aufschließen, das im Kyffhäuser schon mehrfach abgebaut worden war. Die Arbeiten standen unter der Leitung von Grubeninspektor Klett aus Frankenhausen und Schichtmeister Leonhardt aus Udersleben. Gemeinsam mit dem Steiger Heinrich Rödiger aus Könitz (bei Saalfeld) waren drei Bergleute aus Steinthaleben unter Tage beschäftigt, die vorher auf dem Braunkohlenschacht bei Bendeleben gearbeitet hatten: Christian Nachtweide, August Schumann und der wenige Jahre später, am 19. August 1869, in der Höhle tödlich verunglückte Heinrich Vollrodt. Diese Bergleute sind als die eigentlichen Endecker der Höhle anzusehen.

Dass die Schlotte aber nicht wie sonst üblich mit taubem Gestein versetzt worden und dadurch zugänglich geblieben ist, verdanken wir einem anderen Mann. Es war Friedrich Herthum, seines Zeichens Fürstlich Schwarzburgischer Bergmeister zu Könitz. Mit bewundernswerter Weitsicht hatte er sofort nach Bekanntwerden der Entdeckung von Amts wegen verfügt, die Höhle in ihrer natürlichen Eigenart zu erhalten. Im Einvernehmen mit dem Fürstlichen Finanzkollegium zu Rudolstadt (als der Regierung im heutigen Sinne) konnte er kurz darauf die Erlaubnis für einen öffentlichen Betrieb als Schauhöhle erwirken.

Den Akten, die in diesem Zusammenhang angelegt wurden und sich heute im Staatsarchiv Rudolstadt befinden, verdanken wir eine Reihe von Kenntnissen, die unser Wissen um die Erschließung der Barbarossahöhle erweitern. Das betrifft zunächst das Datum der eigentlichen Entdeckung; bisher stand der 23.12.1865 in den meisten Veröffentlichungen. In einem Schreiben vom 22.12.1865 an das Hochfürstliche Bergamt zu Könitz berichten die beiden erwähnten Herren, Grubeninspektor Klett und Schichtmeister Leonhardt, dass "am 20. des Monats ein großer hohler Raum - eine Schlotte - angefahren" worden sei. Mithin wurde die Barbarossahöhle also drei Tage früher entdeckt als bisher angenommen. In einem anderen Schreiben des Bergamts Könitz vom 31.1.1866 an das Finanzkollegium Rudolstadt wird zwar der 21.12. genannt; darin kann aber auch ein Missverständnis oder ein Schreibfehler liegen. Jedenfalls war es nicht der 23.12.

Die Entdeckung der Höhle kam auch nicht so unvermutet wie bisher oft dargestellt. Die Bergleute waren schon nach etwa 80 m beim Vortrieb des (insgesamt 178 m langen) Stollens auf "gesenkten und zerborstenen Gips"gestoßen. Ihnen war also lange vor der Entdeckung der Höhle klar geworden, dass sie sich im Bereich einer zu Bruch gegangenen Schlotte befanden. Wir wissen heute, dass sie den Olymp der Barbarossahöhle unterfahren hatten. Allerdings war den Bergleuten daran gelegen, bald wieder in festes Gebirge und damit näher an das Flöz zu gelangen. Sie befürchteten vor allem unkontrollierte Wasserzuflüsse aus der Höhle und einen zusätzlichen Arbeitsaufwand beim Stollenausbau.

Es kam jedoch ganz anders. Nicht der Gewinnung von Kupfer galt förderhin ihre Arbeit, sondern der Erschließung eines Naturphänomens von seltener Eigenart und besonderer Schönheit. Bereits wenige Tage später, am Sonntag, den 7.1.1866, unternahm der Arbeiterverein Frankenhausen einen Besuch der Höhle. Am 31.1.1866 erließ das Fürstlich Schwarzburgische Bergamt eine Verordnung, die das Betreten und mithin einen regulären Betrieb als Schauhöhle regelte. Der Eintritt wurde auf 5 Silbergroschen pro Person festgesetzt. Dafür erhielt man damals 15 Eier oder ein Stück Butter. Lebensmittel waren allerdings sehr viel teurer als wir es heute gewohnt sind.

Die Barbarossahöhle war das mit Abstand erste Ausflugsziel im Kyffhäuser, das im heutigen Sinne als Wirtschaftsbetrieb geführt wurde. Erst 1895 wurde das Kyffhäuser- Denkmal eingeweiht. Der Tourismus in der sonst eher randständigen Region nahm also 1866 mit der Erschließung der Höhle seinen Anfang. Richtungsweisend war jedoch die Entscheidung des Bergamtes, der Erhaltung eines Naturdenkmals den Vorrang zu geben und die Interessen des Bergbaus zurückzustellen. Werkleiter Hans-Jürgen Fischer hob besonders diesen Umstand hervor. Ihm sei bislang kein weiteres Beispiel dafür bekannt, dass von behördlicher Seite ein Bergbauunternehmen zur Erschließung einer Höhle veranlasst worden wäre. Der heutigen Generation sei daraus die Verpflichtung erwachsen, der Erhaltung der Barbarossahöhle in ihrer natürlichen Eigenart besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Er schloss seine Rede mit dem Hinweis, dass im Verfahren der Zulassung zum Hauptbetriebsplan für die Barbarossahöhle im März 2000 u.a. bestimmt worden ist, "zur Schonung besonders wertvoller Teile der Höhle" einzelne Teile des Besucherrundweges abzuwerfen.

Dipl.-Museol. (FH) Michael K. Brust
c/o Barbarossahöhle
Mühlen 6
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