BUND-Fachtagung ”Naturgips gehört in die Berge” am 31. August 2002 in Osterode am Harz
Eine Veranstaltung anläßlich des Internationalen Jahres der Berge 2002

Ersetzt REA-Gips den Naturgips? – Eignung und Verfügbarkeit der Gipse
aus Rauchgas-Entschwefelungsanlagen

Dr.-Ing. Dieter Kahl

Zusammenfassung

Der Anfall der REA-Gipse als Folgeprodukt der Rauchgasentschwefelung der Kohlekraftwerke ist ein Ergebnis der 1983 beschlossenen Großfeuerungsanlagen – Verordnung (GFAVO). Mit der deutschen Wiedervereinigung 1990 und einer Durchsetzung der GFAVO im Osten Deutschlands ist der REA-Gips-Anfall infolge der relativ hohen Schwefelgehalte der dort zum Einsatz gelangenden Braunkohlen beträchtlich angestiegen und beträgt heute ca. 7 Mio t/a. Während REA-Gipse aus Steinkohlenkraftwerken immer für eine Verwertung interessant waren, wurden solche aus westdeutschen Braunkohlenkraftwerken anfangs verworfen. Bei der Nachrüstung und dem Neubau von Braunkohlenkraftwerken in Ostdeutschland stand die Verwertbarkeit des REA-Gipses als eine behördliche Forderung und als ein durch den Kraftwerksbetreiber gewollter Beitrag zur Schonung der Umwelt auf dem Programm. Durch entsprechende technische Weiterentwicklungen der Verfahren zur Aufbereitung der Gipssuspension werden heute auch in Braunkohlenkraftwerken hochreine Gipse (Gipsgehalt < 97 %) von heller Farbe „produziert“.

Die Verarbeitung des REA-Gipses zu allen wichtigen Gipsbaustoffen ist heute gängige Praxis. Die Gipsindustrie hat hierbei entsprechendes Engagement gezeigt und die Produktions-verfahren dem neuen Produkt (feucht-feinteiliger, hochreiner Gips) angepasst. Insbesondere in Ostdeutschland wurden durch die Gipsindustrie an allen Kraftwerksstandorten oder in deren Nähe große Gipsbaustoffwerke errichtet und damit Arbeitsplätze geschaffen.

Die vollständige Verarbeitung der anfallenden REA-Gipsmengen wurde jedoch nicht erreicht. Als Gründe dafür sind u. a. die Konzentration großer Anfallmengen an wenigen Standorten und die unterschiedlichen Ganglinien für Anfall im Kraftwerk und Abnahme durch die Baustoffindustrie zu nennen. Auch ist zu berücksichtigen, dass ein Kraftwerk entsorgt werden muss und seine Verfügbarkeit nicht an die Baustoffproduktion koppeln kann. Tatsache ist jedoch, dass derzeit etwa 1/3 des Gipsanfalls beim mit 3,2 Mio t/a größten deutschen REA-Gips-Produzenten auf Gipsdepots für eine spätere Verwertung zwischen-gelagert werden. Hier gibt es Reserven, die bereits jetzt stärker genutzt werden könnten.