BUND-Fachtagung ”Naturgips gehört in die Berge” am 31. August 2002 in Osterode am Harz
Eine Veranstaltung anläßlich des Internationalen Jahres der Berge 2002

Der Südharz im Rahmen eines
Geoparks Harz - Braunschweiger Land - Ostfalen

Karl-Friedrich Weber

Zusammenfassung

1. Gründung des Geoparks
Am 20. März 2002 gründeten das Freilicht- und Erlebnismuseum Ostfalen e.V., kurz FEMO genannt, und der Regionalverband Harz e.V. in Königslutter am Elm den Geopark  Harz - Braunschweiger Land - Ostfalen.
In der Teilregion Braunschweiger Land/Ostfalen wurden hierzu seit 1995 die konkreten Vorbereitungen getroffen.
Zwischen dem Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Technologie und Verkehr, dem Landesamt für Bodenforschung, der Akademie der Geowissenschaften und den regionalen Trägern, wurden am 16. Februar 2002 in Königslutter am Elm waren die politischen Grundlagen für die Gründung eines Geoparks gelegt.
In einer gemeinsamen Bewerbung des Geoparks Harz - Braunschweiger Land - Ostfalen wurde aufgrund der unterschiedlichen Bearbeitungsstände zunächst die zeitnahe Aufnahme der Teilregionen Braunschweiger Land und Ostfalen in das UNESCO geopark network beantragt.
Als Voraussetzung hierfür erfolgte im Juli 2002 die Bewerbung um das Prädikat NationalerGeoPark, das durch die Alfred-Wegener-Stiftung vergeben wird.

2. Potentiale des Geoparkgebietes
Der Geopark umfaßt ein Gebiet von 100 km in Ost-West-Erstreckung (Breite der Harzscholle) und 120 km in Nord-Süd-Erstreckung, wobei der Südrand etwa vom Gipskarststreifen am Harzrand und der Nordrand von der Allertal-Struktur und dem Flechtinger Höhenzug gebildet wird. Er umfaßt damit mehr als die 4-fache Fläche des Saarlandes.
Braunschweiger Land/Ostfalen und Harz bieten zusammen einen Überblick über die wechselhafte Erdgeschichte der vergangenen 450 Millionen Jahre, der in Europa einmalig ist. Über 300 Geotope der Region sind bereits in einem Kataster erfaßt.
Zu den zahlreichen Glanzlichtern dieses jungen Geoparks gehört der Gipskarstgürtel am südlichen Harzrand und am Kyffhäuser (Karstwanderweg, Karsthöhlen).

3. Definition von Geoparks
Geoparks sind Gebiete mit festgelegten Grenzen, die geologische Stätten von besonderer wissenschaftlicher Bedeutung, Seltenheit und Schönheit, aber auch von archäologischem, ökologischem, historischem oder kulturellem Wert sind.

  • Geoparks sollen zwei Ziele erreichen, die Sicherung der Umwelt bei gleichzeitiger Verbesserung der sozio-ökonomischen Regionalentwicklung („Nachhaltige Entwicklung“).
  • Durch die Förderung des Schutzes und der nachhaltigen Entwicklung des geologischen Erbes tragen Geoparks zu den Zielen der Agenda 21 bei.
  • Geoparks fördern eine sozioökonomische Entwicklung, die kultur- und umwelterhaltend ist.
  • Geoparks dienen der Umwelterziehung, Ausbildung und Forschung im Zusammenhang mit geowissenschaftlichen Disziplinen und einer umfassenden Sicht auf Umweltthemen und nachhaltiger Entwicklung.
  • Geoparks sind keine neue naturschutzrechtliche Kategorie.
4. Der Südharz im Rahmen eines Nationalen Geoparks
Das künftige Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz liegt fast vollständig im Geopark Harz - Braunschweiger Land - Ostfalen.

Ein Biosphärenreservat wäre in weiten Bereichen identisch mit den Zielsetzungen des Geoparks, ohne dass es zu instrumentellen Überschneidungen kommt. Die angestrebten sozioökonomischen Effekte des Geoparks sollen im Sinne der Agenda 21 mit Rücksicht auf Natur und Landschaft der Schaffung innovativer Unternehmen und neuer Einkommensquellen vor Ort dienen (z.B. Geotourismus). Sie stehen nicht im Widerspruch zu den anzustrebenden Zielen einer nachhaltigen Regionalwirtschaft, sondern verstärken sie.

Mit den Geoparks bietet sich für den Natur-, Landschafts- und Kulturschutz ein neuer starker Partner auf dem Weg zu einer breiten gesellschaftlichen Akzeptanz zwischen dem Erhalt des nationalen Naturerbes und nachhaltiger zukunftsfähiger Ressourcennutzung.