Die Ausgangssituation nach dem Abbau

Wird die Produktion in einem Steinbruch eingestellt, verbleibt in der Regel ein Relief, das gekennzeichnet ist durch eine meist sehr große flache Steinbruchsohle und Steilwände, die vielfach stufenförmig durch schmale Terrassen (= Bermen) unterbrochen sind. Je nach Mächtigkeit des abgebauten Gipsgesteins weicht das tatsächliche Bild von dieser ldealvorstellung ab. Der nicht nutzbare Abraum und das nicht nutzbare, stärker verunreinigte Gestein liegen entweder auf Halden außerhalb des Steinbruchs oder man hat, wenn die Situation es erlaubte, schon mit der Verfüllung im Steinbruch begonnen.


Schematische Darstellung von Abbau (links) und Wiederverfüllung (rechts) in Franken. Man erkennt deutlich die Lage geschütteten Abraums und den darüber ausgebreiteten Ober-(Mutter-) Boden.
(aus: HERRMANN, 1976)

Aus dem Gesagten ergibt sich, dass gewissermaßen jeder Steinbruch seine eigene Individualität hat, also auch hinsichtlich dessen, was aus ihm gemacht werden kann, eigenständig ist. Dennoch lassen sich situationsbedingt nach der Einstellung des Abbaus einige Grundtypen ausmachen:

  • Abraum im Steinbruch flächenhaft verkippt
  • Abraum im Steinbruch aufgehaldet
  • Abraum außerhalb des Steinbruchs aufgehaldet
Die flächenhafte Verkippung des Abraums im Steinbruch wird vor allem beim Abbau der Keuper-Gipssteine in Franken und Baden-Württemberg angewandt. Dies bietet sich bei der geringen Mächtigkeit dieser Gipssteine und dem darauf beruhenden großen Abbaufortschritt in der Fläche auch an. Dabei berücksichtigt man die vorzugsweise landwirtschaftliche Folgenutzung beim Verkippen. Unter der Oberbodenschicht finden wir dort bis zu 15 m einer Wechselfolge aus Tonstein, Mergelstein und Gipsstein, darunter stark verunreinigte Gipssteine mit Tonsteinen.

Die Tonstein-Böden haben recht ungünstige Eigenschaften, denn sie sind in nassem wie in trockenem Zustand schwer zu bearbeiten, sie lassen sich also schlecht zu landwirtschaftlicher Folgenutzung kultivieren. Man kehrt nun bei der Rekultivierung gewissermaßen die Schichtfolge um, indem im abgebauten Teil des Steinbruchs zuunterst die steinreiche Folge (vermischt), darüber dann die tonreiche Folge eingebracht und alles einplaniert wird. Zuletzt findet eine Abdeckung mit Oberboden statt.

Anschließend müssen die Felder einige Jahre stärker gedüngt werden, bis sich wieder die alte Ertragskraft einstellt. Dieses Rekultivierungsverfahren ist besonders in Mainfranken üblich, dort schon seit Jahrzehnten praktiziert und erfolgreich. Am Ende verbleiben mitunter eine Steilwand und ein meist kleines Restloch, das sich gelegentlich mit Wasser füllt. Auf der trockenen Böschung der Stei1wand entwickelt sich vielfach eine Vegetation, die Anklänge an typische Trocken- und Halbtrockenrasen zeigt.

Soll der Abraum im Steinbruch selbst aufgehaldet werden, so ist dies an einige Voraussetzungen geknüpft: Einmal muss der Steinbruch groß genug sein, um eine Innenhalde aufzunehmen, weiterhin darf die Wand nicht zu hoch (< 20 m) sein, um diese Art der Abraumverwertung wirkungsvoll durchzuführen. Als günstigste Methode hat sich das direkte Verkippen über die Abbauwand erwiesen. Die so entstehende Halde wird danach vom Abbau hinterfahren. Die Abraumhalde im Steinbruch braucht dann nur noch mit Raupen ausgebreitet zu werden. Es entsteht dann ein kuppiges Relief im rekultivierten Gebiet, das große Anklänge an die natürlichen Formen der Gipslandschaft zeigt. Am Ende bleibt eine Abbau-Steilwand übrig, die dann durch Sprengen großenteils gebrochen und mit den Abraumflächen im Steinbruch verbunden werden muss. Die Abraumschüttungen können, sofern sie dick genug sind, nach Vorbereitung aufgeforstet werden. Dünne Lagen des Abraums, die Schutthalden und die Reste der Steilwände werden der natürlichen Wiederbegrünung überlassen.


Typische Situation in einem Steinbruch mit Gipsstein am Harzrand. Im Vordergrund von Abraum leer gekratzte Schlotten, dahinter der Abbau und im Hintergrund die Abraumhalde.

Bequem für den Betrieb, wenn auch sehr flächenintensiv ist die Aufhaldung des Abraums außerhalb des Steinbruchs. Je nachdem, was die Abbaugenehmigung vorschreibt, kann er außerhalb verbleiben oder muss nach Abbauende zurück in den Steinbruch transportiert und dort zur Modellierung des neuen Landschaftsbildes benutzt werden. Die Gestaltung eines Steinbruchs völlig ohne Abraum stellt an Planung und Ausführung der Arbeit auch sehr hohe Anforderungen, sie gelingt nur selten befriedigend. Der zweite Weg des Rücktransports ist aus landschaftsästhetischen Gründen deshalb stets vorzuziehen, nicht zuletzt, weil er auch eine sinnvolle Aufforstung großer Teile der Steinbruchsohle gestattet. Das ist möglich, ohne auf die aus ökologischen Gründen so wichtigen Extremstandorte zu verzichten. Solche kleineren Steilwandbereiche oder Gipssteinhalden durch gesprengte Wände lassen sich an geeigneten Stellen überall in Forstbereiche einfügen.

Wichtig ist in jedem Falle: Die Rekultivierung muss großzügig vorgenommen werden. Einer großflächigen Planung eines gipstypischen Reliefs, beispielsweise mit häufigen Kuppen, muss eine ebenso großflächige Aufforstung folgen. Dasselbe gilt für Gebiete, die der natürlichen Wiederbegrünung überlassen werden, auch sie müssen großzügig geplant sein, sollen sie nicht bald wieder vom Wald überwachsen sein. Ein Zuviel an kleinräumigen Biotopen verursacht große Probleme bei der Herrichtung und lässt sich langfristig nur mit erheblichem Pflegeaufwand erhalten. Auch hier gilt: Weniger ist mehr.
 


Quelle:
Lebensraum GIPS - 60-seitige Broschüre des Bundesverband der Gipsindustrie e.V., Birkenweg 13,
D - 64295 Darmstadt, www.gips.de, mail: info@gips.de

( Kostenloser Bezug der gedruckten Version über ebendiese Adresse )