Der ehemalige Gipssteinbruch Juliushütte

Der ehemalige Gipssteinbruch Juliushütte liegt im Südharzer Gipskarstgebiet westlich von Ellrich und besitzt eine bandartige Form. Seine Steilwände, Abbausohlen sowie Bermen liegen nach Osten und Norden hin exponiert. Hier beginnen sich bereits viele Karstformen zu entwickeln wie Zwergenhöhlen oder Rillenkarren.

Der größte Teil der Steinbrüche ist schon einige Jahrzehnte nicht mehr von Abbaumaßnahmen in Anspruch genommen worden. Je nach Substrat sind auch die Besiedlungsstadien recht unterschiedlich. Auf den gipshaltigen steilen Abraumhalden hat sich stellenweise bereits wieder eine Blaugras-Gesellschaft - mit Sesleria varia als bestandesprägende Charakterart - entwickelt, in der sich vereinzelt Orchideen - Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera), Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera), Stattliches Knabenkraut (Orchis mascula) - eingefunden haben. Gipshaltige Rohböden mit geringer Entwicklungstufe sind Standorte des Gefransten Enzians (Gentianella ciliata) und Deutschen Enzians (Gentianella germanica).

Auf den überwiegenden Flächen des Altsteinbruchs siedeln jedoch Gehölze, die nur kleinflächig aus Pflanzung stammen. Meistens hat sich im Rahmen der natürlichen Sukzession ein waldähnlicher Bestand gebildet, der sich einerseits locker bis lückig, andererseits geschlossen präsentiert. In den lockeren Bestandespartien ist die krautige Vegetation besonders üppig ausgebildet.

Die den Hauptbestand bildenden Baumarten gehören in erster Linie zu den Pionieren. Allen voran stockt die Birke (Betula pendula) auf fast allen Standorten; begleitet wird sie häufig von Kiefer (Pinus sylvestris) und Sal-Weide (Salix caprea) sowie Zitter-Pappel (Populus tremula), teils auch von Vogelbeere (Sorbus aucuparia). Auf kleineren Flächen wächst die Birke sogar in Reinbeständen. Sie hat zum Teil schon stammholzähnliche Dimensionen im Laufe der vergangenen Jahrzehnte ausbilden können. In den unteren Lagen gesellt sich die Waldrebe (Clematis vitalba) als Vertreterin der Lianengewächse mit hinzu. Aber auch anspruchsvollere Baumarten wie Fichte (Picea abies), Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus), Rot-Buche (Fagus sylvatica), Hain-Buche (Carpinus betulus) und Berg-Ulme (Ulmus glabra) haben sich inzwischen eingefunden.

Zur Strauchschicht zählen neben Jungbäumen der den Hauptbestand bildenden Baumarten der Schwarze Holunder (Sambucus nigra), Schneeball (Viburnum opulus) und die Weißdorne (Crataegus monogyna, C. laevigata).

Auf den nach Norden exponiert liegenden Steilwänden hat sich in Teilbereichen, wo es die durch Gehölze beeinflussten Lichtverhältnisse zulassen, eine üppige Moosvegetation etabliert. Die höhere Luftfeuchtigkeit dieser Standorte wird durch die oftmals tief beasteten Fichten noch gefördert.

Das vorhandene Wegesystem innerhalb des jetzt unter Naturschutz stehenden Altsteinbruchs bietet dem Betrachter genügend Möglichkeit, sich verschiedene Entwicklungsstadien der natürlichen Sukzession anzusehen. Aus der näheren Umgebung sind die Konturen des Steinbruchs mit seinen ehemaligen Abbauwänden und Bermen fast nicht mehr wahrnehmbar; die Gehölze haben durch ihr kräftiges Wachstum den Altsteinbruch in die Landschaft eingebunden.


Rillenkarren an einem freiliegenden Anhydritblock


 
So sieht ein Gipssteinbruch ohne menschliches Zutun nach 50 Jahren aus: Die Konturen eines Steinbruchs sind noch erkennbar. Doch, was für eine Fülle an Pflanzen: Moose, Farne, Gräser, wenige sonstige krautige Arten, viele Sträucher und die ersten Bäume.


Quelle:
Lebensraum GIPS - 60seitige Broschüre des Bundesverband der Gipsindustrie e.V., Birkenweg 13,
D - 64295 Darmstadt, www.gips.de, mail: info@gips.de

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