Mitteilungen Deutsche Bodenkundliche Gesellschaft, 34, 1 - 268 (1982)

MITTEILUNGEN

der

DEUTSCHEN BODENKUNDLICHEN
GESELLSCHAFT

 

PALÄOBÖDEN IM LÖSS
Sitzung
des
AK Paläoböden
der
Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft
in
G Ö T T I N G E N
am
16. u. 17. Oktober 1982

Bd. 34
1982


Mittteilgn. Dtsch. Bodenkundl. Gesellsch., 34  247-268 (1982)

Lößbürtige Böden des Jung-Quartärs zwischen Harz und Leine. -
Beziehungen zur Quartär-Chronostratigraphie, Relief-Geschichte der Landschaft, fluvialen Sedimentation, Paläoklimakunde und Variation der holozänen Prozesse der Bodenbildung.-

Bericht über die Exkursion des Arbeitskreises "Paläoböden" der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft am 16. und 17.10.1982

von
Ricken, W. +) u. B. Meyer ++)

ZUSAMMENFASSUNG: Im südlichen Niedersachsen bieten Paläoböden aus Lössen und lößbürtigen Sedimenten die Möglichkeit einer differenzierteren chronostratigraphischen Auflösung der Epoche von der mittleren Saale-Zeit bis in das Holozän. Durch Überlagerung und Verzahnung mit den fluvialen Ablagerungen können für diese und für deren Oberflächen-Niveaus Mindestalter angegeben werden. Anhand von 15 Exkursionspunkten, die in der chronostratigraphischen Abfolge von unten nach oben und innerhalb des Flußsystems im Harz-Vorland von oben nach unten aufeinander folgen, werden lößbürtige Deckschichten und Flußkiese in Zusammenhang mit der Quartär-Geomorphologie der Landschaft dargestellt, wobei die Geschichte der Subrosion der Zechstein-Formation am Harzrand eine modifizierende Rolle spielt.

1 ÜBERBLICK: (vgl. Abb. 1) Das rd. 750 km2 große Einzugsgebiet der südniedersächsischen Flüsse Oder, Sieber, Söse und Rhume liegt auf paläozoischen und mesozoischen Gesteins-Einheiten (Harz-Paläozoikum, Harzrand-Zechstein, Harzvorland-Trias, vorwieg. Buntsandstein).
Dabei bestimmen Relief und erhöhte Niederschläge (heute bis 15oo mm) im Gebiet der gefalteten paläozoischen Gesteins-Serien des Harzes weitgehend die Menge und die Zusammensetzung der fluvialen Kies-Ablagerungen im Buntsandstein-Vorland des Harzes.
Neben der klimatisch bedingten Steuerung fluvialer Sedimentation und Erosion, die am Rand des Harzes im Verlauf des Pleistozäns zu ineinander geschachtelten Fluß-Ablagerungen in Form von Kies-Terrassen geführt hat, greift auch die Subrosion der bis 5oo m mächtigen Serien des Zechsteins intensiv in das geomorphologische Geschehen ein.

Abb. 1: Exkursionsgebiet
dick umrandet: Harz-Paläozoikum
kräftig schraffiert: Ausstrich-Bereich des Zechsteins
schwach schraffiert: Zone des Salzhanges, vgl. Anlage 12 der Exkursion B, Symp. Intern. Assoz. Ing. Geol., Hannover 1973
gerastert: Niederterrassen und Talauen
Dreiecke: Exkursionspunkte
Es herrschen zwei Arten der Subrosion vor: Einmal erhöht die Ablaugung der unmittelbar am Harzrand ausstreichenden Zechstein-Gipse die Erosion und den Kies-Transport der Harz-Flüsse. Zum anderen wird ca. 2o bis 3o km vom Harz entfernt Zechstein-Salz subrodiert, welches noch westlich und südlich des Salz-Hanges vorhanden ist. Hierbei werden großräumig Areale abgesenkt. Dies bedingt, daß die verschieden alten Kiese nicht mehr in Form von Terrassen ineinander geschachtelt sind (Intraposition), sondern im wesentlichen übereinander liegen, z.B. im Superpositions-Bereich des Leine-Tales.

Der Löß bedeckt - untergliedert durch Paläoböden - die älteren Kiese und mesozoischen Gesteine in einer Mächtigkeit bis zu 15 m. Dabei beginnt in Gebieten mit gut entwickelter Terrassen-Schachtelung die Folge lößbürtigen Materials auf den älteren Terrassen mit jeweils älteren Bodenhorizonten. Im Gebiet der Salz-Subrosion liegen dagegen Lösse und Kiese verschiedenen Alters nebeneinander, z.T. auch übereinander in der Abfolge Löß-Kies.

Die Sequenz der Paläoböden in den Löß-Folgen ist für die Altersstellung der Fluß-Kiese von Wichtigkeit, da bisher eine biostratigraphische Zonierung der Kiese am Fehlen von Fossilien scheitert und eine Parallelisierung mit den nordischen Moränen noch aussteht.

Bisher sind in Süd-Niedersachsen 15 fossile Boden-Horizonte und Boden-Komplexe bekannt geworden, deren stratigraphisches Alter die Weichsel-Eiszeit und Teile der Saale-Eiszeit umfaßt, vgl. Abb. 2 und 3. Mit zwei Tufflagen (Eltville, Laach) lassen sich die wesentlichen Horizonte in Mitteleuropa bis über 5oo km durchverfolgen. Im Exkursions-Raum verzahnen sich Löß-Paläoböden mit pollenanalytisch datierten See-Sedimenten, welche die von der Lößstratigraphie seit 16 Jahren geforderte Altersstellung der Löß-Böden durch ROHDENBURG u. MEYER (1o) im wesentlichen bestätigen, vgl. HALT 8. In der Jung-Weichselzeit können neben Tuff-Horizonten auch Eiskeile zur Gliederung herangezogen werden, welche bevorzugt unterhalb der Naßböden auftreten, vgl. ROHDENBURG (9). Saale- und Weichsel-Löß enthalten jeweils in der Mitte ihrer Löß-Pakete einen ausgeprägten arktischen Boden mit kryoklastischer Tonbildung. Hierzu gehört der Saale-zeitliche Hördener Boden-Komplex, ein mehrphasiger Pseudogley ohne Tonverlagerung, der in seinem Oberboden zahlreiche fossile Wurzel-Röhren enthält. Vorläufig wird dieser Boden in Analogie zu den Verhältnissen am Kliff von Sylt - entsprechend FELIX-HENNINGSEN u. URBAN (4) - in das Drenthe-Warthe-Interstadial gestellt. Der Weichsel-zeitliche Horizont von Lohner und Hattorfer Boden entspricht nach heutiger Interpretation dem Horizont von-Stillfried-B, Österreich, ca. 3o ooo Jahre b.p. (FINK, 5). Dieses Interstadial war im Harz-Vorland durch Tundren-Vegetation geprägt (RICKEN, 6).

Abb. 2: Synoptisches Löß-Profil für das südwestliche Harz-Vorland mit der Zuordnung der Kieskörper (aus RICKEN (6)). Zahlen innerhalb des Profiles: Meter, Zahlen außerhalb des Profiles: Anzahl der für die statistische Auswertung herangezogenen Profile. Dreiecke in der Spalte: Phasen der Bodenbildung charakterisieren schematisch die Oberfläche, von der die Bodenbildung, in der Intensität nach unten abnehmend, ausgeht.


 

Abb. 3: Sammel-Profil für den Weichsel/Würm-Löß in Süd-Niedersachsen und Nord-Hessen.
Nach ROHDENBURG u. Meyer (10) erweitert.

Fast alle Löß-Böden zeigen fazielle Änderungen, die sich regional über 1oo km auswirken können und i.w. vom ehemaligen Niederschlagsregime abhängen. Daneben gibt es aber auch ausgeprägte lokale Fazies-Unterschiede, die reliefbedingt durch die unterschiedliche Menge an Boden-Wasser hervorgerufen wurden. So ändert sich der Eem-Boden von einer durchschlämmten Schwarzerde (Griserde) zu einer ausgeprägt pseudovergleyten Parabraunerde. Noch größere Unterschiede bestanden in der Alt-Weichselzeit, als sich kontinental geprägte Schwarzerden und pseudovergleyte Parabraunerden ausbildeten, vgl. ROHDENBURG u. MEYER (1o). Regionale, aber auch ausgeprägt lokale Unterschiede bestehen im Stillfried-B-Interstadial, in dem der wechselnde Oxidationszustand des Eisens bei einem bestimmten Wasser-Gehalt zu scharf getrennten Bodentypen führte. Die braune, ehemals trockenere Bodenfazies wird als "Lohner Boden" bezeichnet, während die gebleichten, ehemals wasserreicheren Bodentypen den Gruppennamen "Hattorfer Boden" tragen, vgl. RICKEN (6), Abb. 4 und HALT 4.

Die Untergliederung der Kiese mit Hilfe ihrer Deck-Sedimente erbrachte im südwestlichen Harzvorland eine Vielzahl von Terrassen und trennbaren Kies-Akkumulaten, besonders innerhalb der Weichselzeitlichen Kiese, vgl. RICKEN (7) und Abb. 5.

Die Kiese der Ober-Terrassen werden in einer Erdfall-Senke vom Hördener Bodenkomplex bedeckt und sind möglicherweise noch von einem älteren Bt-Horizont überlagert. Damit wäre die Ober-Terrasse prä-Saale-zeitlich, vermutlich sogar Elster-zeitlich. Der Komplex der Mittel-Terrassen besteht offenbar aus zwei selbständigen Kies-Akkumulationen und einer Erosions-Terrasse. Einen eigenen Kieskörper bilden die Kiese der Älteren Mittel-Terrasse, die vom Eem und obersten Teilen des Hördener Bodenkomplexes überlagert werden und vermutlich Drenthe-zeitlich sind. Dagegen ist die eigentliche Mittel-Terrasse noch in der Warthe-Zeit aktiv gewesen oder in der Altweichselzeit stark umgelagert worden. Ihre Lößdecke beginnt meistens mit Altweichsel B -Horizonten.

Abb. 4: Löß-Bodenfazies des Stillfried-B-Interstadials im südwestlichen Harzvorland
Die Kiese der Weichsel-Zeit sind in den Rand-Bereichen der Täler bis zu 1o m Mächtigkeit von Lössen verschiedenen Alters bedeckt. Bis jetzt sind 4 nur geringfügig höhere Teile der Älteren Nieder-Terrasse bekannt geworden, die wegen ihrer Löß-Bedeckung vorerst mit Lokalnamen bezeichnet werden. Diese Terrassen zeigen, daß der Höhepunkt der Kies-Aufschüttungs-Intensität in der Alt-Weichselzeit gelegen hat, und daß die Aktivitäts-Bereiche der Flüsse seit dem Beginn der Mittel-Weichselzeit zunehmend schmaler geworden sind. Die drei höheren Teil-Terrassen des Weichsel-zeitlichen Kies-Körpers korrespondieren wahrscheinlich mit einer ausgeprägten Diskordanz im Kies-Körper der Älteren Nieder-Terrassen. Die Diskordanz trennt einen unteren, stark verlehmten Kies-Körper der Alt-Weichselzeit mit Erdfall-Füllungen und Holzkohlen aus Pinus, Larix, Juniperus und Betula von einem oberen, an Feinmaterial armen, häufig kryoturbat verstellten Kies-Körper der Jung-Weichselzeit.

Die Jüngere Nieder-Terrasse trägt am Harzrand sehr wenig bis gar keinen Hochflut-Lehm. Vielleicht kann die Phase ihrer Eintiefung mit der spätglazialen Aktivitäts-Phase der Leine in Zusammenhang gebracht werden, in der in Altarmen noch Schwemmlöß und Laacher Bims abgelagert worden ist.

Die holozäne Tal-Geschichte ist kompliziert. Neben holozänen Kiesen im Harzvorland gibt es eine Reihe verschieden alter Hochflut- und Auenlehme mit begrabenen Boden-Horizonten. Diese Boden-Horizonte können nicht nur zur Gliederung der Tal-Sedimente beitragen, sondern auch über die im Holozän erfolgte Bodenentwicklung Auskunft geben. Man vergleiche hierzu ROHDENBURG u. MEYER (11), WlLDHAGEN u. MEYER (12) und BORK (21)!

Paläopedologie ist somit im südniedersächsischen Raum eine der wichtigsten Zuliefer-Disziplinen für die Quartär-Chronostratigraphie. Für die Bodenkunde liegt die große Bedeutung der typologischen und genetischen Kenntnis besonders der weichselzeitlichen Böden für die Ansprache der heutigen Oberflächen-Böden aus Löß in folgendem begründet: In der heutigen Gley-Schwarzerde/griserde/Parabraunerde/Pseudogley - Landschaft der südniedersächsischen Löß-Fluren gibt es nur im Idealfall holozäne Böden, die vollständig mit allen ihren. Horizonten -- A1 , Bt, Bv ,C -- allein aus primärem Löß entwickelt sind. In der Regel überdecken die heutigen Prozesse der Bodenbildung aus Löß die pleistozän-pedogegenen Überprägungen von Straten innerhalb des wenig veränderten primären Lösses. Dieser Umstand beeinflußt die horizontmäßige Ansprache der heutigen Böden erheblich, kompliziert die auf Horizont-Analysen beruhenden Aussagen zur holozänen Pedogenese sehr und hat überhaupt nicht zuletzt einen beträchtlichen differenzierenden Einfluß auf die typologische Ausprägung und Vergesellschaftung der Böden in der Landschaft -- und zwar hauptsächlich über die Modifizierung des Wasser-Haushaltes. Im Hinblick auf bodentechnologische Fragen spielt oft der pleistozäne sedimentär-paläopedologische Aufbau der Profile der heutigen Oberflächen-Böden eine größere Rolle als der Aufbau der holozänen pedogenetischen Horizonte. Sequenz und Typologie der pleistozänen Paläoböden zu erforschen ist aus diesen Gründen unerläßliche Aufgabe für die Bodenkunde, die sich mit rezenten Böden befaßt.

Abb. 5: Beziehung zwischen Kiesen und Deck-Schichten im südwestlichen Harzvorland, schematisiert


2 FOLGE DER AUFSCHLÜSSE

Die Beobachtungspunkte und Aufschlüsse, die bei dieser Exkursion gezeigt wurden, waren so aneinandergereiht daß sie mit den chronostratigraphisch ältesten (Saale-Zeit) begannen und mit den jüngsten (Holozän) endeten.

HALT 1 westlicher Ausläufer des Ochsenberges bei Herzberg, Wegkreuzung Pöhlder Stieg und alter Verbindungsweg Herzberg-Hattorf. R 3589220/ H 5724620/ TK 4328, 4327/Exk.-Führer x 60 - x 67
Geländeübersicht: Die Kuppe des Ochsenberges besteht aus einer Ton-Sandstein-Wechsellagerung des Unteren Buntsandsteins (Su). Die tieferliegenden Gebiete sind mit Fluß-Terrassen-Kiesen und Löß bedeckt. Nach SE stuft sich das Gelände in einer welligen Terrassenlandschaft bis zu den Talfluren von Oder und Sieber ab.
Im Norden das bewaldete Gebiet des Harzes, davor die Auslaugungs-Senke des Zechsteins, im Tal der Sieber die Dörfer Hörden und Hattorf. Im E die bewaldete Kies-Fläche der Niederterrasse des Auetales, eines am Ende des Hochglazials aufgegebenen Seitenarmes der Sieber, der während des Pleistozäns bevorzugt in den Kaltphasen aktiv war (Fluß-Bifurkation). Dies hat seine Ursache darin, daß wegen verminderter Subrosion in den Kaltzeiten das westliche Paralleltal der Sieber über Hörden-Hattorf nicht versteilt und vom Flußlauf bevorzugt werden konnte. Nach S Blick auf die vom Rotenberg gebildete Bruchstufe des su vor der Kies-Aue der Oder. Im N dieser sogenannten Rotenberg-Störung ist im Gebiet von Pöhlde der Zechstein horstartig um ca. 100 m gehoben worden (Saxonische Tektonik). Die Kiese der Niederterrasse verdicken sich zu einer ca. 70 m tiefen und 2,5 km breiten Kies-Wanne im Pöhlder-Becken, die durch synsedimentäre Subresion überwiegend während der Alt-Weichsel-Zeit entstanden ist.

HALT 2 Ober-Terrasse der Sieber im Gebiet der Krummbreite, halbe Strecke des geteerten Verbindungsweges ElbingerodeHerzberg. R 3590400/ H 5725250/ TK-4327/Exk.-F: x 66/67, x 74, x 80
Rund 200 m breite, von Löss-Material völlig plombierte Subrosions-Senke in den Kiesen der Ober-Terrasse. Die Subrosions-Senke ist morphologisch nicht mehr erkennbar. In der tiefsten Bohrung von 13 m wurde von 7,50 m - 11,50 m u. F. der Hördener Boden-Komplex angetroffen. Darüber befinden sich in ungestörter Folge Eem und Alt-Weichsel - Bt-Horizonte, Herzberger und Lohner Boden. Die völlig entkalkten Deck-Lehme der Ober-Terrasse sind außerhalb der Subrosions-Senken nur wenige Meter mächtig und bestehen aus mehrfach überprägten Bt-Horizonten, die vom Lohner Boden überlagert werden. Nach S Blick auf das alte Südufer der Ober-Terrassen-Sieber am nördlichen Hang des Ochsenberges.

HALT 3 Lößdecke der Mittel-Terrasse am Bahnhof Herzberg, Landstraße HerzbergPöhlde, erster Feldweg nordöstlich der Straßenbrücke. Das Profil befindet sich an der Nord-Wand des Bahneinschnitts. R 3592450/ H 5723420/ TK 4327, 4328/ Exk.-F.: x 66/67, x 71
Ca. 7 m mächtige, völlig entkalkte Löß-Material-Folge über den Kiesen der Mittel-Terrasse. Letztere stehen 1 m unterhalb der Graben-Sohle an, bzw. streichen südlich der Gleise in einem Kleingarten aus. Zu beachten ist die gelbliche Verwitterung der ursprünglich grauen Grauwacken. Über den Kiesen mächtiger klüftiger Eem - Bt-Horizont, der in seinem unteren Teil schwarze Toninfiltration zeigt (Typ Griserde). Über einer roststreifigen Kappungszone des Eem-Bodenhorizonts folgt der Altweichsel-Sediment/Boden-Komplex. Pseudovergleyte Parabraunerde-Horizonte wechseln mehrfach mit gebleichten A1-Horizonten. Der oberste Ton-Verarmungs-Horizont ist besonders mächtig und enthält zahlreiche Mn-Konkretionen und Holzkohlen (Leithorizont).
Darüber Mittelweichsel-Löß mit den Boden-Horizonten des Stillfried-B-Interstadials. Getrennt durch zwei gebleichte Solifluktionslagen stellt dieser Boden bodengenetisch-faciell einen selteneren Mischtyp zwischen Lohner und Hattorfer Boden (-Facies) dar. Die braunen Lagen enthalten zwar noch FeOOH-Konkretionen aber auch schon Roströhren. Darüber folgt holozän entkalkter Jungweichsel-Löß mit lamellenförmiger Tonverlagerung des holozänen Bodens (Bt2-Hor.). Das Profil wird an seiner nordwestlichen Seite durch einen Eiskeil gestört.
Dies ist die einzige Stelle, wo über den Kiesen der Mittel-Terrasse im südwestlichen Harzvorland der Eem-Boden sicher nachgewiesen werden konnte. In der Regel beginnen die Deck-Lehme der Mittel-Terrasse mit Altweichsel-Bt-Horizonten. Möglicherweise wurde im Eem vom nahen Haxgraben randlich Schwemmlöß auf die Mittelterrasse transportiert, in dem sich dann eine Eem-Griserde-Parabraunerde ausbilden konnte.

HALT 4 Prallhang der Sieber bei Hattorf, Abzweigung von der Straße Hattorf Elbingerode, 2,5 km nordöstlich Hattorf, asphaltierter Feldweg, von dort noch ca. 400 m nach Westen.
a) R 3587170/ H 5724900  b) R 3587030/ H 5724800/ TK 4327/ Exk.-Führer x 63-65, 69/70
Achtung: Steilufer unter Landschaftsschutz gestellt! Holozäner Prallhang der Sieber. Von der Kante des Prallhanges Blick nach Osten über die ackerbaulich genutzte Lößlehm-Fläche der Mittel-Terrasse. Nach W wird auf der anderen Talseite der Sieber die tieferliegende, von 1 m Auenlehmbedeckte Nieder-Terrasse sichtbar. Am Prallhang sind auf einer ca. 200 m langen Strecke verschiedene Aufschlüsse in Kiesen und lößbürtigen Deck-Sedimenten der Mittel-Terrasse offen. Die Beschreibung der einzelnen Aufschlüsse erfolgt von NE nach SW.
A Kies- und Löß-Wände im NE Abschnitt.-
3 Aufschluß-Stellen von NE nach SW.-
A1 Basis: 2 m mächtiger roter Sockel aus su, rotweiße Wechselfolge. Darüber 5 m Kies der Saale-zeitlichen Sieber mit nach oben abnehmender Schrägschichtung, zunehmendem Gehalt an Tonschiefer, verstärkter Sediment-Aufarbeitung. Die Kiese bestehen aus rd. 70 % Grauwacken, 20 % Tonschiefer und 10 % Quarzit, Hornfels und Kieselschiefer. Die verwitterten Kiese sind bis an ihre Basis durch pedogene Toninfiltration und sekundäre hämatitreiche Abscheidung von Fe-oxiden braun-rot gefärbt. Ergebnis der Eem-(?) (vergl. HALT 3) und Altweichsel-zeitlichen Parabraunerde-Bildung und späterer Vergleyung. Ursprünglich waren die Kiese also von Deck-Material überdeckt, in dem sich Parabraunerde entwickelt hatte, aus der Ton in den Kies infiltriert ist. Die nachfolgende Erosion gibt sich dadurch zu erkennen, daß Bt-Horizonte über den Kiesen fehlen, daß die Kies-Oberfläche gegenüber der normalen Höhe der Mittel-Terrassen-Kiese tiefer liegt und daß der Kontakt von Kies zu Löß durch eine oder mehrere Steinsohlen gekennzeichnet ist. Die Erosion erfolgte in einem flachen Dellental, welches am heutigen Prallhang auf ca 1 km Länge längs-schräg angeschnitten ist.
In diesem Tal wurde in der Alt-Weichselzeit als die hier älteste Löß-Boden-bürtige Schicht typisches Bleichhorizont-Material von abgespülten ehemaligen Oberböden akkumuliert. An Holzkohlen wurden hierin bestimmt: Nadelholz, Juniperus, Pinus (WILLERDING).

A2 Der Mittel-Weichsel-Löß ist noch von der feuchten Dellentalsituation der Alt-Weichselzeit geprägt. Herzberger und Lohner Boden-Zone sind stark streifig durch Solifuktion.
Das Lößmaterial der Jung-Weichselzeit ist völlig von der ausgeprägten lamellenartigen Tonverlagerung der holozänen Parabraunerde überprägt.

A3 Einmündung eines kleinen zur Sieber gerichteten Dellen-Tales, vermutlich Nachfahre des älteren der Alt-Weichsel-Zeit. Der Jungweichsel-Löß liegt hier über einer Steinsohle direkt dem Bleichhorizont der Alt-Weichsel-Zeit auf. Es handelt sich um eine Post-Stillfried-B-Erosions-Phase. Vom SW-Ende von Profil A2 her kann die allmählich einsetzende Kappung von Lohner und Herzberger Boden beobachtet werden.

B Löß-Wand im SW-Abschnitt, ca 100 m SW von A.
Typ-Lokalität für den Hattorfer Boden des Stillfried B-Interstadials. Über dem Kies der Mittel-Terrasse liegt Bleichhorizont-Material der Alt-Weichsel-Zeit mit eingeschalteter Stein-Sohle. Darüber entkalkter Löß der Mittel-Weichsel-Zeit, der an seiner Basis die braune Herzberger Boden-Zone enthält und im Hangenden unterhalb der Hattorfer Boden-Zone ausgeprägt frostplattig ist. Auf der Frostklüftung Ausscheidung von Goethit. Hattorfer Boden-Horizont: Basis-Teil stark horizontal-streifig, durch Boden-Fließen eingearbeitetes Material aus Mittel-Weichsel-Löß. Der Mittel-Teil ist gering streifig, während im Ober-Teil des Bodens wieder durch Solifluktion bedingte Streifung auftritt, die von aufgepreßten Eiskeil-Schultern ausgeht. Das verdichtete Boden-Material ist stark gebleicht und von senkrecht stehenden Rost-Wurzelröhren durchsetzt, die im obersten Solifluktions-Paket wieder verstellt sind. Darüber holozän entkalkter Jung-Weichsel-Löß mit lamellenartiger Ton-Verlagerung (holozäne Parabraunerde), auch in den Füllungen der Eiskeil-Pseudomorphosen.
Diese Befunde lassen sich wie folgt interpretieren:
Zunächst Absinken der Ober-Grenze des Dauerfrostes und solifluidale Umgestaltung der oberen 50 cm des Mittelwürm-Lößpakets (vergleiche auch HALT 7!), dann während des Klima-Optimums des Interstadials die Durchwurzelung, gegen Ende des Interstadials Wiederansteigen der Obergrenze des Dauerfrostes und erneute Solifluktion.

HALT 5 Aue-Berg-Terrasse II, halbe Wegstrecke auf dem asphaltierten Flurweg zwischen Schützentrifft und Pöhlder Stieg. Der Weg begleitet die Bahnlinie Herzberg-Hattorf auf der nördlichen Seite. R 3588300/ H 5723100/ TK 4327/ Exk. - Führer x 63 x67 x 75/76

Löß-Tafelberg mit gleichförmig ausgebildetem Löß-Hang im W zur Älteren Nieder-Terrasse des Aue-Tales. Die Kies-Oberfläche setzt sich -- nur geringfügig erhöht -- in den Aue-Berg hinein unter den Löß fort. Der Aue-Berg ist allein durch die Sedimentation von Löß entstanden, welcher auf diesem Terrassen-Areal nicht mehr durch den Fluß abtransportiert worden ist. Die bis 10 m mächtigen Lösse und ihre Derivate beginnen mit der Mittel-Weichsel-zeit. Bleich-Material und Holzkohlen der Alt-Weichselzeit befinden sich gelegentlich in den Kiesen. Deren Verwitterungs-Grad entspricht nicht den Kiesen der Mittel-Terrasse, sondern den Kiesen des unteren Abschnittes der Älteren Nieder-Terrasse. Der Boden-Horizont des Stillfried-B-Interstadials ist hier vom Grundwasser beeinflußt und als "Hattorfer Boden" ausgebildet.

In dem Scheitel des Aue-Berges liegt die Grenze zwischen Aue-Berg-Terrasse I und II. Während die Aue-Berg-Terrasse Il einen eigenen Kies-Körper der Weichsel-Zeit darstellt, handelt es sich bei der Aue-Berg-Terrasse I um Kiese der Mittel-Terrasse, deren Niveau durch Abtragung erniedrigt worden ist.
Vom Aue-Berg Blick nach NW auf die Löß-Flächen der Aue-Berg-Terrasse I, der Mittel-Terrasse und der älteren Mittel-Terrasse. Die Ober-Terrasse ist in diesem Gebiet nicht vorhanden.
Die bis zu 9 m mächtigen durch kaltzeitliche Bodenbildung nur unwesentlich gestörten Jung-Würm-Zeit-Lösse des Aue-Berg-Plateaus stellen ein hervorragendes Objekt für Studien der Abwärts-Verdrängung des Bodenwassers (ca. 900 mm Niederschlag) und des damit einhergehenden Stoff-Transports dar. Dies wurde am Beispiel der Nitrat-Bewegung unter landwirtschaftlichen Intensiv-Rotationen demonstriert (angewandte Paläopedologie).

HALT 6 Südöstliches Aue-Tal, Kiesgrube in der Älteren Niederterrasse. -Jagen 49, R 3589400/ H 5722500/ TK 4327/ Exk.-Führer x 77
In der Kiesgrube, 5 m tief, sind übereinander die beiden Kies-Körper der Älteren Nieder-Terrasse aufgeschlossen. Der untere ca. 2 m mächtige Kies-Körper enthält braunes Lehm-Material und dürfte aus der Alt-Weichsel-Zeit stammen - vermutlich die Fortsetzung in der Aue-Berg-Terrasse II, vergl. HALT 5! Im oberen, ca. 3 m mächtigen Kies-Körper fehlt das tonige Feinmaterial, die Kiese sind z.T. kryoturbat verstellt. Der obere Kies-Körper entspricht in seinem Habitus im wesentlichen dem der Jung-Weichsel-Zeit (vergl. HALT 7!)

Auf der Kies-Fläche der Älteren Nieder-Terrasse liegt stellenweise noch 0,5 m Löß-Material, besonders in den Randbereichen des Aue-Tales. Der Löß ist von der heutigen Bodenbildung völlig überprägt, sodaß hier nicht zwischen Schwemmlöß und äolischem Löß unterschieden werden kann. Im SW Harzvorland haben sich die Flüsse vermutlich mit den Ende der Lößanwehung von den breiten Flächen der Nieder-Terrasse zurückgezogen.

Im zentralen Teil des Aue-Tales zwischen der B 27 und dem Haupt-Forstweg befindet sich eine flach in die Ältere Niederterrasse eingetiefte Fluß-Rinne, die aus der letzten Phase der Bifurkation am Ende des Hoch-Glazials herrührt. Danach ist das Aue-Tal trocken gefallen, die jüngere Niederterrasse dementsprechend hier nicht mehr entwickelt.

HALT 7 Prallhang der Sieber, 600 m E Hörden, gegenüber dem Holzverarbeitungs-Betrieb MACKENSEN. R 3589730/ H 5726700/ TK 4327.
Im E der oberen Sieberbrücke, 700 m östlich von Hörden, erstreckt sich die klar ausgebildete Fläche der Älteren Nieder-Terrasse. Darin befindet sich eine Kiesgrube, in der ehemals die Grenze zwischen unterem und oberem Kies-Körper sowie Erdfallfüllungen im unteren Kies-Körper aufgeschlossen waren.

Am Hang zur Mittelterrasse schneidet die heutige Sieber den unteren Kies-Körper an. Er liegt ca. 6 m mächtig über roten Übergangsschichten des zo/su. Über dem Kies folgt auf einer kleinen Terrassenfläche stark solifluidales Hattorfer Boden-Material mit Roströhren, darüber Jung-Weichsel-Löß. Der oberste Teil der insgesamt 2 m mächtigen Lößlehmschicht besteht aus anthropogenem Kolluvium. Die Grenze zwischen Kies und lößbürtigem Hattorfer Boden-Horizont ist durch ein Fe (oben) - Mn (unten)-oxid-Band gekennzeichnet, das eine ehemals aus, dem Boden absteigende Wasser-Bewegung anzeigt. Die Obergrenze des Dauerfrostes war also während der Boden-Bildung abgesunken, die Wasser-Bewegung nicht durch Bodeneis blockiert.
Die Kies-Oberfläche liegt 2 m tiefer als die benachbarte Fläche der Älteren Nieder-Terrasse. Somit muß hier die Aufschüttung des oberen Kies-Körpers gegen den Löß-Hang erfolgt sein. Der obere Kies-Körper der Älteren Nieder-Terrasse stellt demnach ein Aquivalent eines Teils des Jung Weichsel-Lösses dar.

Halt 8 Fossiler Erdfall-See bei Aschenhütte, Parkplatz der Autobahn auf deren SW Seite, Strecke Osterode-Herzberg in Richtung Herzberg. R 3590130/ H 5729030/ TK 4327/ Exk.-Führer x 72/73.
Beim Bau der Autobahn wurde 1975 ein verfüllter 40 m breiter Erdfall-See angeschnitten. Sein ehemaliges Zentrum liegt in der N gegenüberliegenden Straßen-Böschung, wobei die See-Sedimente noch ca. 3 m unter das Niveau der Straße reichen. Der ehem. Erdfall ist in Kiese der Ober-Terrasse eingesenkt. Diese reichen infolge von Subrosion und Solifluktion heute als lange Schleppen vom Harz herab in das Niveau der Tal-Aue. Ähnlich wie die von Löß-Derivaten verfüllte Subrosionssenke auf der Oberterrasse bei HALT 2, ist der ehemalige See durch limnische Sedimente und Lösse vollständig plombiert worden. Die See-Sedimente zeigen eine komplizierte Faziesentwicklung, die zur Untersuchung eine große Zahl von Bohrungen und Pollenanalysen (GROGER) erforderte.

Die limnische Sedimentation beginnt im Eem-Interglazial. Gegen Ende des Eems wird ein Wasser-Höchststand erreicht. In einer anschließenden Stadial-Phase sinkt der Wasserspiegel wieder, die auf dem Ufer-Schelf sedimentierten warmzeitliehen Torfe werden umgelagert und zusammen mit stadialen Sedimenten im Zentrum des Sees erneut abgesetzt. Danach folgt eine Phase der Wiederbewaldung (Amersfoort ?, 14C-Datierungen in Vorbereitung) mit Juniperus, Betula, Pinus, Picea und Larix. Gleichzeitig steigt der Wasserspiegel wieder an, sodaß die interstadialen Torfe und Mudden über den Ufer-Saum transgredieren und dabei fortschreitend mit jüngerem Alter aufsetzen. Nach Ende des Interstadials ändert sich der Wasserspiegel des Sees nur noch geringfügig. Der See sedimentiert noch stadialzeitlich zu. Hierbei bildet sich ein kaltzeitlicher Verlandungstorf aus Seggen.
Über dieser 5 m mächtigen limnischen Folge liegen 3 m Löß-Derivate der Mittel-Weichsel-Zeit, die als mehr oder weniger verdichtete Pakete aus Fließerden und lößbürtigen autochthonen Bildungen von Hattorfer und Lohner Boden bestehen. Darüber folgen 2 bis 3 m holozän kräftig pedogen durchschlämmter Jungweichsel-Löß.
Am ehemaligen Seeufer verzahnt sich allochthones und autochthones A1-Horizont-Material mit den See-Sedimenten. Hierbei werden während der Stadiale parautochthone Bleich-Horizonte gebildet. Als Äquivalent des Alt-Weichsel-Interstadials entsteht eine relativ tonreiche mit Holzkohlen und organischem Detritus durchsetzte Fließerde aus Bleichhorizont-Material. Der Eem-Bt-Horizont wird noch von einem A1-Horizont überlagert, der nach pollenanlytischen Befunden schon am Ende des Eems gebildet wurde.

HALT 9 Lonauer-Wasserfall, nördlicher Ortsausgang von Herzberg in Richtung Lonau.
R 3593310/ H 5726200/ TK 4328/ Exk.-Führer x 8/79.
Die subrosive Absenkung in der dem Harz vorgelagerten Zechstein-Senke verstärkt bei fast allen aus dem Südharz kommenden Flüssen die heutige klimatisch bedingte Eintiefung unter das Niveau der Nieder-Terrasse. Mit dieser Eintiefung entwickelten sich am Rande des Harzes bei rückschreitender Erosion steile Gefälls-Stufen und Schluchten in der Grauwacke - besonders auffällig bei der Lonau dort wo sie in die Sieber mündet. Hier werden zwischen Nieder-Terrasse und Talaue 18 m Höhen-Unterschied erreicht, etwa das 6-fache der Beträge in den Buntsandstein-Gebieten. Die Lonau bildet kurz vor ihrer Einmündung in die Sieber einen Wasserfall, und zwar an der Stelle, wo sie aus dem Streichen der roten Grauwacken-Tonstein-Serie quer zum Streichen umbiegt. Der Wasserfall ergießt sich über eine mächtige Grauwacken-Bank und steht in keinem direkten Zusammenhang mit tektonischen Bewegungen.
Oberhalb des Wasserfalls liegt an der östlichen Talseite die Fläche der Älteren Nieder-Terrasse. In sie ist die Jüngere Nieder-Terrasse eingetieft. Zwischen Sieber und Lonau wird der Hang aus geschichteten Kiesen der Niederterrasse gebildet, die nach Süden bis auf das Niveau der Talaue hinabreichen. Die Kiese liegen auf Grauwacken, die nicht subrodiert werden können. Das Vorkommen von geschichteten Kiesen in derart tiefer Position zeigt, daß auch vor der Weichsel-zeitlichen Akkumulation von Kies ebenfalls eine sogar noch tiefere, jetzt aber zusedimentierte Schlucht bestanden haben muß. Hieraus kann geschlossen werden, daß in der Eem-Zeit die Talaue der Sieber, ebenso wie heute, durch synerosive Subrosion übertieft worden ist. Das Aue-Tal war im Eem ebenfalls trocken gefallen.
Am Ausgang der heutigen Lonau-Schlucht ist die von der permischen Verwitterung rotgefärbte Grauwacke ausgebleicht. Sie wird vom Kupferschiefer-Flöz und vom Zechsteinkalk überlagert. Der Zechstein transgredierte hier über ein ausgeprägtes kleinkuppiges Relief der Perm-Zeit.

HALT 10 Erdfallgebiet östlich Aschenhütte (Lüderholz)
R 3591000/ H 5727750/ TK 4327/ Exk.-Führer x 62, x 81-84
Typisches Gebiet der Älteren Niederterrasse, mit ca. 0,5 m mächtigen Decksedimenten. Das Gebiet ist von zahlreichen Erdfällen und Erdfall-Seen perforiert. Die Erdfallseen stellen ein rezentes Gegenstück zu dem mit Sediment plombierten Erdfall von HALT 8 dar. Das Gesamt-Volumen der subrosiven Absenkung von Erdfällen und Senken beträgt für das Lüderholz ca. 80 cm seit dem Trockenfallen der Nieder-Terrassen-Fläche vor ca. 14 000 Jahren. Die Erdfälle übertreffen die Senken nach Anzahl und Volumen erheblich. Die durchschnittliche Absenkung im südwestlichen Harz-Vorland liegt bei 0,3 bis 0,2 m in 14 000 Jahren. Die Steilheit der Böschungen von Erdfällen, die hier in Terrassen-Kiesen unter Wald ausgebildet sind, kann als ein relatives Maß für das Alter der Erdfälle verwendet werden. Datiert man den Böschungswinkel durch Pollenanalysen, so erhält man Vorstellungen über das Alter einzelner Erdfälle und über die regionale Entwicklung der Subrosion. Böschungen von 40° entsprechen ca. 3000 Jahren b.p., 30° ca. 4000 Jahren und 20° ca. 7000 Jahren b.p.. Die Auswertung von rd. 300 Erdfällen ergab ein Maximum der Bildung von Erdfällen nach Anzahl und Volumen zwischen 8000 und 3500 Jahren b.p.. Die subrosive Absenkung beginnt aber schon im ausgehenden Glazial. Die rezent gebildeten Erdfälle sind nach Volumen und Anzahl gering. Das Lüderholz zeigt keine klare Zonierung der Erdfälle, wie sie in anderen Gebieten im Harzvorland zu beobachten ist. Offenbar werden hier keine deutlichen Subrosionsfronten ausgebildet. Die jüngsten und steilsten Erdfälle liegen häufig in der Nähe von Flüssen, hier zwischen dem Kessel-Sumpf und der Gr. Steinau.

HALT 11 Posthof 1 km westlich von Badenhausen bei Osterode.
A R 3582400/ H 5737800. - B R 3581950/ H 5738700. - TK 4227
A Bucht der Jüngeren Nieder-Terrasse in die Ältere Nieder-Terrasse nach N in die Zechstein-Auslaugungssenke. Mündungs-Bereich der Markau (von N) in die Söse, die hier in S-Richtung umbiegt. Nach N Hang der Mittel-Terrasse, im Hintergrund Wiesen-Flächen der Ober-Terrasse am Fuße des Harzes.
Der Posthof selbst liegt auf der Jüngeren Nieder-Terrasse der Söse. Die Lehm-Decke dieser Terrasse ist so gering, daß sie heute meist vollständig in den Ap-Horizont der Ackerböden umgewandelt ist. Häufig wird Kies hochgepflügt (Profil einer Ranker-Braunerde). Marsch vom Posthof nach N über die Kante der Älteren Nieder-Terrasse in Richtung auf das Flußgewässer "Schwarzes Wasser", dann am Südufer des Schwarzen Wassers nach Westen.
Die ackerbaulich genutzte Fläche der Älteren Nieder-Terrasse ist in unterschiedlicher Stärke von Löß bedeckt, dessen Mächtigkeit kleinräumig von 0 auf bis zu 3 m wechselt. Eine deutlich ausgeprägte Kante der Löß-Decke befindet sich im W der Straße Eisdorf-Windhausen. Auf dem Flächen-Stück zwischen Straße und Schwarzem Wasser findet sich hier im Zentrum Jung-Weichsel-Löß, an dessen Basis noch ein geringmächtiger Horizont des Hattorfer Bodens liegt. In den Rand-Bereichen dieses Flächenstücks liegt jedoch nur Jungweichsel-Löß auf dem Kies. Der gesamte Löss ist ausgeprägt streifig und weist Merkmale intensiver Feuchte auf. Die Lösse liegen hier auf dem Niveau der Kiesoberfläche der Älteren Nieder-Terrasse. Der Verwitterungs-Zustand der von Löß bedeckten Kiese ist relativ gering.
B Aufschluß am Südufer des Schwarzen Wassers: Jungweichsel-Löß mit drei Naßböden, die kräftig marmoriert und relativ mächtig sind. Die Stellung des unteren Bodens ist noch unsicher.
Möglicherweise handelt es sich auch hier um den Hattorfer Boden-Horizont. Wegen seiner Hangsituation wird das Profil hier in voller Mächtigkeit von der holozänen Parabraunerde-Bildung stark überprägt.

HALT 12 Profil im Jung-Weichsel-Löß, 1 km N von Elvershausen im Mittelberg-Tal.
R 3576500/ H 5730725/ TK 4226
Löß-Wand von ca. 5 m Höhe. Im Basis-Bereich der Doppelboden des wj 2 ß. Etwa 1,70 m über dem wj 2 ß der gut hervortretende, schwach aufgehellte wj 3δ -Naßboden, an dessen Unterseite Kleinkeile ausgebildet sind. Im oberen Teil des Profils befindet sich der wj 4 ß -Naßboden, der schon im Bereich der holozänen, lamellenartigen Ton-Verlagerung des Bt2-Horizonts der Parabraunerde liegt. Darüber junges Kolluvium.Zwischen dem wj 2 ß und dem wj 3δ ein 0,5 mm breites schwarzes Bändchen: EltvillerTuff, mit dunklen schluffgroßen Pyroxenen. Die scharf ausgeprägte holozäne Entkalkungs-Grenze liegt im nördlichen Teil des Aufschlusses noch über dem wj 3 δ , reicht aber im südlichen Teil der Aufschluß-Wand noch in diesen hinein. Im Liegenden der Sohle wurden noch 4 m kalkhaltige Lößsedimente erbohrt, die an ihrer Basis ein mit Buntsandstein-Fließerde durchsetztes Bodenmaterial enthalten, möglicherweise die sekundär wieder aufgekalkten oberen Abschnitte des Hattorfer Bodens. Darüber befindet sich im Bohrprofil ein weiterer Naßboden-Kamplex (wj 1?).
Eine ausführliche Profilbeschreibung befindet sich bei BORK & ROHDENBURG (3).

HALT 13 Kiesgruben-Gelände in der Leineaue, 1,5 km NW Northeim, Spätglaziale Sedimente und Böden. vergl. Abb. 6 und LiteraturVerzeichnis Nr.13!
R 3566800/ H 573250/ TK 4225
Aufschlüsse an einem Hochwasser-Arm der Rhume/Leine. Der Hochwasser-Arm mündet in die südöstliche Ecke des Baggersees der Fa.Oppermann im S vom Autobahn-Damm durch die Leine-Aue.
Über dem Kies der Älteren Nieder-Terrasse, der hier überwiegend aus Harz-Material besteht, liegt in 1,5 m tiefen Rinnen ein geschwemmtes, aber auch eingeblasenes Sand- und Löß-Material. Darin befindet sich in einem ehemaligen Altarm eine Wechsellagerung von Sanden und Mudden in Gleithangschichten. Die Mudden enthalten Hölzer des Spätglazials, u.a. einen Birkenstamm mit 25 cm Durchmesser. An der Basis des Schwemmlöß-Sand-Paketes tritt ein schwach ausgeprägter Roströhrengley auf, der am auffälligsten im Oberbereich der Mudde ausgebildet ist. Die Schwemmlöß-Serie schließt nach oben mit kompaktem, im trockenen Zustand hellweißem zusammengeschwemmtem Laacher Bims des Alleröds ab, der im südlichen Teil des Aufschlusses 20 cm mächtig werden kann. Unterhalb des Laacher Bims ist lediglich eine leichte Dunkelfärbung als Äußerung einer nur schwachen Alleröd-zeitlichen Bodenbildung zu beobachten. Die spätglazialen Sedimente werden durch ehemals kalkhaltige Hochflut-Lehme abgeschlossen, in denen sich ein begrabener intensiv schwarz gefärbter holozäner Ah-Horizont ausgebildet hat. Infolge holozäner Entkalkung hat sich im Holozän daraus eine Auen-Parabraunerde entwickelt. Darüber lagern rötliche Auen-Lehme in unterschiedlicher Mächtigkeit und auch holozäner Kies.

HALT 14 Tongrube der Firma HENTE u. SPIESS, 2 km N von Rosdorf am südlichen Stadtrand von Göttingen.
R 35632/ H 57097/ TK 4424
Die dunkelgrauen sulfidischen Lias-Tone gehen nach oben zur pleistozänen Deck-Folge hin in eine rötlich-braune Oxidationszone über. Darüber folgen 4 bis 6 m Wechselfolgen von 40 bis 100 cm starken Bröckel-Ton-Solifluktionslagen. Durch periglaziale Frostwirkung sind die Lias-Schiefertone in polyedrische Bröckchen zerlegt worden. Die daraus gebildeten Fließerden haben sich teleskopisch hangabwärts übereinander geschoben. Ein Solifluktions-Paket im oberen Abschnitt dieser Folge ist bodengenetisch stark überprägt und zeigt Ähnlichkeit mit dem Hattorfer Boden.
Darüber folgen 2 bis 3 m Jung-Weichsel-Löß, der an der Basis durch äolische Rotsand-Anwehung von sm-Sand aus den Schotterfluren der Leine -typisch für das Leine-Gebiet von Göttingen bis Hildesheim- eingeleitet wird. In einer 5 m breiten Erosions-Rinne in den Lias-Bröckel-Tonen war dieser Sand über 1,2 m mächtig in m. o. w. reiner Form erschlossen.

Abb. 6: Spätglaziale und holozäne Sedimente im Gebiet der Leineaue bei Northeim


HALT 15 Kiesgrube S von Göttingen, 1 km W vom Reinshof, 1 km SE Rosdorf in der Leine-Aue.
R 35638/ H 57067/ TK 4524
Über den Kiesen der dunkle, begrabene Ah-Horizont (vergl. HALT 13), darüber ca. 2 m rötliche Auenlehme, gegliedert in älteren und jüngeren Auenlehm, vgl. WILDHAGEN et alii (12).
Die rötliche, durch Hämatit verursachte Färbung der Auenlehme ist nach neueren Befunden auf einen polygenetischen Prozeß von wiederholter Mikro-Vergleyung in Intergranular-Poren im Wechsel mit erosiver Umlagerung zurückzuführen.

LITERATUR

1
Bork, H.-R., 1981: Die holozäne Relief- und Bodenentwicklung im Unteren Rhume- und Sösetal. - Göttinger Jahrb. 29, 7 - 21.
2
Bork, H.-R., 1982: Die holozäne Relief- und Bodenentwicklung im Untereichsfeld und im südwestlichen Harzvorland. - Diss.Nat.Fakult.T.U. Braunschweig, 187 S.
3
Bork, H.-R.u.H.Rohdenburg, 1979: Beispiele für jungholozäne Bodenerosion und Bodenbildung im Untereichsfeld und Randgebieten. - Landschaftsgenese und Landschaftsökologie 3, 115 - 134.
4
Felix-Henningsen, P.u.B.Urban, 1982: Paleoclimatic interpretation of a thick intra-saalian paleosol the "bleached loam" on the Drenthe moraines of Northern Germany. - Catena 9, 1 - 8.
5
Fink, J., 1962: Studien zur absoluten und relativen-Chronologie der fossilen Böden in Österreich. - II Wetzleinsdorf und Stillfried. - Archaeologia Austriaca 31, 1 - 18.
6
Ricken, W., 1982: Mittel- und jungpleistozäne Lößdecken im südwestllchen Harzvorland. - Stratigraphie, Paläopedologie, fazielle Differenzierung und Konnektierung mit Flußterrassen. - in: Bork, H.-R.u.Ricken, W. : Bodenerosion, holozäne und pleistozäne Bodenentwicklung. - Catena Supplement 3 (im Druck).
7
Ricken, W., 1982: Quartäre Klimaphasen und Subrosion als Faktoren der Bildung von Kies-Terrassen im südwestlichen Harzvorland. - Eiszeitalter u. Gegenwart, 32, 109- 136.
8
Ricken, W.u.B.Meyer, 1982: Quartär-Paläopedologische Exkursion im südwestlichen Harzvorland. - Exk.-Führer 9.Tagg. AK Geomorphologie/3.Tagg. AK/DBG Paläoböden (11. - 17.10.82 Braunschweig) - 16./17.10.82. - S. x57- x87.
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Rohdenburg, H., 1966: Eiskeilhorizonte in südniedersächsischen und nordhessischen Lößprofilen. Mitt. Dtsch. Bodenkundl. Gesellsch. 5, 137 - 170.
10
Rohdenburg, H.u.B.Meyer, 1966: Zur Feinstratigraphie und Paläopedologie des Jungpleistozäns nach Untersuchungen an südniedersächsischen und nordhessischen Lößprofilen. - Mitt. Dtsch. Bodenkundl. Gesellsch. 5, 1 - 137. - Nachdruck: Landschaftsgenese und Landschaftsökologie 3, 1979.
11
Rohdenburg, H.u.B.Meyer, 1968: Zur Datierung und Bodengeschichte mitteleuropäischer Oberflächenböden (Schwarzerde, Parabraunerde, Kalksteinbraunlehm): Spätglazial oder Holozän?- Göttinger Bodenkundl. Ber. 6, 127 - 212.
12
Wildhagen, H.u.B.Meyer, 1972: Holozäne Bodenentwicklung, Sediment-Bildung und Geomorphogenese im Flußauenbereich des Göttinger Leinegrabens. - Göttinger Bodenkundl. Ber. 21, 1 - 158.
13
Wildhagen, H., P.Hugenroth u. B.Meyer, 1979: Exkursionsführer Untereichsfeld 9.6.1979 (Profil Northeim). - Deutscher Geographentag, Göttingen, Juni 1979.


+) Geolog.-Paläontolog. Institut, Sigwartstr. 1o, D-74oo Tübingen
++) Inst. f. Bodenwissenschaften, Abt. Bodenkunde, von-Siebold-Str.4, D-34oo Göttingen