Geowiss. Exkf. u. Mitt.
Berlin/Hannover
225 (2005)
S. 26-30, 8 Lit.

Der Kupferschieferbergbau im Kyffhäuser

von Michael K. BRUST

1 Übersicht zum historischen Bergbau am Kyffhäuser

Der Kyffhäuser stellt aufgrund seiner geologischen Situation, die eine Abfolge von Gesteinen aus sehr unterschiedlichen erdgeschichtlichen Epochen zu Tage treten läßt, eine Besonderheit dar. Entsprechend vielfältig und zahlreich sind über Jahrhunderte und noch bis in die Gegenwart hinein die Bemühungen gewesen, Rohstoffe bergmännisch zu gewinnen und vor Ort aufzubereiten. Auch die Mehrzahl der beachtenswerten Biotope mit ihrer Artenvielfalt, für die im Gebiet des Naturparks Kyffhäuser großflächige Schutzgebiete ausgewiesen sind, stehen in einem engen Zusammenhang mit den geogenen und geomorphologischen Besonderheiten des Gebietes. Allgemein bekannt ist, dass der Kalibergbau über mehr als ein Jahrhundert die Wirtschaftsstruktur "der gesamten Region geprägt hat, und dass die Städte Bad Frankenhausen und Arten ihre Blüte der Salinenindustrie verdanken. In Vergessenheit geraten sind jedoch die vielen kleinen Grubenbaue, die zu verschiedenen Zeiten immer wieder angelegt worden sind, aber im Grunde genommen technologisch nie für eine längere Betriebsperiode ausgelegt waren.

So wurde am Nordrand des Gebirges bei Kelbra im Kristallin bis 1965 Schwerspat abgebaut. Gefördert wurden zwischen 1960 und 1965 immerhin rund 6.000 t jährlich, und die Grube am Krummen Weg hatte eine Belegschaft bis zu 50 Mann. Verwendet wurde der aus einer Ganglagerstätte gewonnene Baryt ( Bariumsulfat, BaSO4 ) vorwiegend in der Farbenindustrie.

Über einige Jahrzehnte erlangten im 19. Jahrhundert auch die östlich bzw. südlich des Kyffhäusers gelegenen tertiären Braunkohlenflöze eine Bedeutung, so z. B. bei Voigtstedt, Esperstedt und Bendeleben. Die Gewinnung erfolgte mittels Tiefbau unter schwierigen Lagerstättenverhältnissen und bei meist sehr begrenzten Vorräten. Verwendet wurde die Kohle als Brennstoff, vor allem in den Salinen, und so konnte zeitweilig der seit jeher gravierende Mangel an örtlich verfügbarem Brennholz überbrückt werden. Die Situation entspannte sich erst, als die Region an das Eisenbahnnetz angeschlossen war.

In nur kleinen Mengen wurde zwischen Badra und Steinthaleben sowie in der Umgebung von Bad Frankenhausen eine besondere Art des Gipssteins der Werra-Folge (z1) gewonnen, die unter der Bezeichnung "Alabaster" für bildhauerische bzw. kunsthandwerkliche Zwecke sowie zu qualitätsvollen Innenausstattungen verwendet wurde. Der Altar der Jechaer Kirche, die Grabsteine in der Sakristei der Bendelebener Kirche und das Steinzimmer im Schloß Sondershausen bieten Beispiele für die Verwendung dieses einheimischen. Alabasters. Das Material läßt sich außerordentlich gut schneiden, schleifen und polieren, und weist - im Gegensatz zu Marmor - einen opaken, seidenmatten Glanz auf. Verwendung fanden aber nicht nur die reinweißen, sondern auch graue, fast schwarze und braunrote Varietäten des Alabasters. Der Stein mußte sehr schonend ohne Sprengungen untertage gebrochen werden, und die Förderung wurde mit größeren zeitlichen Unterbrechungen, wohl jeweils bei Bedarf, immer wieder aufgenommen.

Der Vollständigkeit halber sei noch daran erinnert, dass im Gebiet noch bis um 1920 zahlreiche Steinbrüche in Betrieb waren, die der Gewinnung von Baustoffen bzw. Werksteinen dienten. Der charakteristisch rote Sandstein des Oberkarbon, aus dem schon die alte Reichsburg Kyffhausen und 1890 dann das Kaiser-Wilhelm-Denkmal errichtet wurde, prägte das Ortsbild aller umliegenden Städte und Dörfer in einem ganz besonderem Maß. Erst in den unmittelbar zurückliegenden Jahren sind die steinsichtigen Fassaden der Häuser nach und nach verschwunden. Einige dieser Steinbrüche boten zeitweilig ganz hervorragende Aufschlussbedingungen, und sie sind auch wegen der Funde verkieselter Baumstämme bekannt geworden. Der Gipsstein fand gebrannt als Mörtel ("Sparkalk") und in Quadern für den Mauerwerksbau eine Verwendung, wie noch heute am Hausmannsturm und an der Stadtmauer Frankenhausens zu sehen ist.

Die Gewinnung von Kupfererzen im Kyffhäuser erfolgte sowohl im Gang-, als auch im Flözbergbau. Über mindestens vier Jahrhunderte hinweg sind immer wieder neue Gruben in den verschiedenen Revieren angelegt worden. Obwohl die Förderleistung der einzelnen Schächte relativ gering gewesen sein mag, überrascht aus heutiger Sicht doch ihre große Anzahl und dann der Umstand, dass der Bergbau nach zeitlichen Unterbrechungen immer wieder aufgenommen worden ist.

Vom ehemaligen Gangbergbau auf Kupfer zeugt u.a. ein aufgelassener Schürfschacht am Goldnen Mann, der etwa 400 m nordwestlich des Heiligenborns liegt und heute im Gelände nur schwer auszumachen ist. Nach den Lesesteinen zu urteilen, könnte vorwiegend Malachit abgebaut worden sein. Obwohl keine neueren geologischen Untersuchungen dazu vorliegen, dürfte es sich bei allen in den Bergakten erwähnten Gruben auf der Nordseite des Kyffhäusers um Gangbergbau im Kristallin gehandelt haben.

Der Kupferschieferbergbau am Kyffhäuser ist, soweit man dem Stand der historischen Forschung folgen will, erst seit dem 16. Jahrhundert aktenkundig. Das Metall tritt in einem Flöz auf, das selten mächtiger als 0,5 m wird und entlang der Linie Badra - Rathsfeld - Udersleben zu Tage tritt. In den historischen Ausgaben der amtlichen geologischen Karten ist dieses Flöz dargestellt, und es wird als Kupferschiefer bezeichnet. Nahe des Ausgehenden wurden die Schächte abgeteuft, um die herum das Flöz dann "scheibenförmig" mit äußerst geringer Strebhöhe (ca. 30 cm) abgebaut wurde. Erkennbar ist die Lage dieser Gruben noch heute im Gelände. Es zeugen der Größenordnung nach mehr als tausend, immer mehr oder weniger ringförmige und ein bis drei Meter hohe Halden, von diesem sogenannten Duckelbergbau. Die Schächte dürften, sporadischen Untersuchungen des Verfassers zufolge, selten tiefer als 25 bis 30 m gewesen sein.

Im 19. Jahrhundert waren die Vorräte nahe der Erdoberfläche dann weitgehend erschöpft, und der Bergbau drang in größere Tiefen vor. Der Kupferbergbau im Kyffhäuser fand sein Ende, als die 1949 begonnenen Arbeiten zur Wiederaufwältigung der Grube "Gut Glück" östlich Badra (siehe unten) nach Wassereinbrüchen und einem tödlichen Unfall 1952 eingestellt werden mussten.
 

2 Der Kupferschiefer-Bergbau vom 16. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts

Zur Geschichte des Kupferschiefer-Bergbaus am Kyffhäuser liegen nur ganz wenige Veröffentlichungen vor. Der Historiker und Landeskundler MEYER (1896) vertritt die Ansicht, dass der Bergbau im Kyffhäuser etwa in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts begonnen hat. In der Dissertation von BRUNS (1937) bleibt die Frage nach den Anfängen des Bergbaus offen: Es wird nur ganz allgemein festgestellt, dass die Aktenlage in den Archiven auf einen lebhaften Bergbau schließen lässt und am Kyffhäuser wohl etwa zur gleichen Zeit wie in den Mansfelder Revieren mit dem Bergbau begonnen worden ist. Ob die künftige Forschung zu einem anderen Ergebnis gelangt, muss vorläufig dahingestellt bleiben. Archäologische Untersuchungen zum historischen Bergbau im Kyffhäuser liegen noch nicht vor, und so rechtfertigen in der Tat nur Analogien zum Bergbau im Südharz bzw. in der Mansfelder Mulde die Vermutung, den Anfang auf das späte Mittelalter zu datieren.

Eigene Forschungen des Verfassers führten zu dem vorläufigen Ergebnis, dass die allgemeine und fast zur Floskel verkommene Ansicht, wonach der Bergbau im 30jährigen Krieg gänzlich zum Erliegen gekommen sei, für den Kyffhäuser so nicht zutreffend ist. Dafür spricht die Aktenlage1.
Aus Gründen des zeitweilig gestiegenen Kupferbedarfes sind die Bemühungen um den Bergbau während dieses Krieges sogar intensiviert worden, z.B. durch völligen oder teilweisen Erlass des Zehenden2. Erst in den letzten Jahren und besonders nach Ende des 30jährigen Krieges hat sich die Situation dann geändert. Der Bergbau kam vorübergehend zum Erliegen, und zwar als Folge sinkender Nachfrage oder wegen Mangels an Arbeitskräften bzw. Kapital, jedoch nicht als direkte Folge von Kriegseinwirkungen!

Ein Neubeginn schient dann mit dem Bau der Kupferhütte bei Berga 1680 eingesetzt zu haben, und im folgenden Jahrhundert ist auch der Regalitätsstreit zwischen Kursachsen und Schwarzburg endgültig beigelegt worden. Dieser Streit hat den Bergbau im Kyffhäuser über Jahrzehnte regelrecht gelähmt: Gegen eine Belehnung von 1562 erhob der Kürfürst von Sachsen als Oberlehnsherr Einspruch und wies seine Bergvögte an Sorge zu tragen, dass sich die Grafen von Schwarzburg keines Bergregals anmaßten3. Dagegen wiederum erhob Schwarzburg Klage und führte Prozesse gegen Kursachsen, die erst 1719 bzw. 1748 zugunsten von Schwarzburg entschieden wurden.
 

3 Der Kupferschiefer-Bergbau im Zeitraum von 1850 bis zur Gegenwart

Über den Zeitraum von etwa 1850 an liegen für den Schieferbergbau sehr verstreute, aber zahlreiche und z.T. sehr detaillierte Informationen in Form von Akten (etwa der Bergämter und der Geologischen Dienste) sowie auch in gedruckter Form vor (Erläuterungen zur Geologische Karte, vereinzelt heimatkundliche Literatur). Sie sind quellenkritisch bislang nicht erschlossen. Im folgenden soll nun versucht werden, einen ersten Überblick zu vermitteln.

Aus der Sicht der Vorratswirtschaft wurde 1934 ein Bericht erstellt, der den Metallgehalt von Vorkommen des Kupferschiefers am Kyffhäuser, im Eisenacher Revier, im Altensteiner Revier und bei Ilmenau zu beurteilen und Schlussfolgerungen für eine evtl. Wiederaufnahme des Bergbaus zu ziehen versuchte4. Der Bericht stütz sich seinerseits in wesentlichen Teilen auf einzelne Akten der Bergämter aus den Jahren zwischen 1890 und 1915. Es sind darin drei Gebiete genannt, auf die sich "der früher umgegangene Kupferschieferbergbau" erstreckt haben soll. und zwar:

a) das Feld "Gut Glück" (später "Kupfer-Sondershausen") bei Badra,
b) der Gebirgsrand westlich und südlich des Rathsfeldes und
c) das Gebiet von Udersleben und Ichstedt.

Das Feld "Gut Glück" war durch zwei Schächte erschlossen. Der ältere von beiden war um 1850 im nordöstlichen Teil der Flur Badra abgeteuft worden und 60 m tief, wobei neben dem Kupferschiefer die liegenden Sanderze aufgeschlossen waren5. Nähere Angaben zum Betrieb gehen aus dem zitierten Bericht nicht hervor. Der jüngere der zwei Schächte lag östlich von Badra und war bis 1908 noch offen. Er erreichte bei 235 m Teufe das Schieferflöz (0,30 m) und das Sanderz (0,10 m). Von der Sohle des Schachtes wurden (wohl im Streichen des Flözes) drei Strecken vorgetrieben, je eine nach Westen (240 m), nach Osten (130 m) und nach Norden (301 m). Aus dem Betriebsplan für das Jahr 1901 geht hervor, dass beim Vortrieb mehrere Störungen ("Verwerfungen") angetroffen worden sind. Eine davon verlief dem Streichen parallel. In der Weststrecke wurden bei 210 m bzw. 240 m vom Füllort entfernt kurze Strecken im Ansteigen und im Einfallen des Flözes vorgetrieben, "um möglichst aus dem Bereiche der Verwerfung zu kommen"6. Aus heutiger Sicht ist dies von Interesse, da Störungen in dem betreffenden Gebiet auf den amtlichen geologischen Karten nicht eingezeichnet sind.

Betriebstechnisch war der Schacht mit allen Einrichtungen für einen Förderwagenbetrieb ausgestattet. Nach Stillegung des Bergbaus ist der Schacht nicht zugestürzt worden, weil einer späteren Wiederaufnahme von Seiten der Bergbehörde keine zusätzlichen Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden sollten. In den oberen Teilen war der Schacht mit Holz ausgezimmert, ansonsten stand er im festen Gebirge. Der Schacht war aber vermutlich bis nahe zur Ackersohle abgesoffen. Von September 1951 bis Mai 1952 wurde versucht, den Schacht wieder aufzuwältigen. Die Versuche wurden bei ca. 42 m eingestellt, nachdem sich ein tödlicher Unfall ereignet hatte und es Probleme mit zusitzenden Wässern gegeben hatte.
Der Ansatzpunkt des Schachtes Gut Glück II direkt südlich des Fahrweges Steinthaleben - Badra ist noch heute gut zu erkennen. Das Gelände ist eingezäunt. Direkt neben dem Schacht befindet sich der Rest einer Halde. Eine größere Halde, die über Jahrzehnte als Müllbuddel gedient hatte, wurde im Oktober 1989 abgetragen und mit Erde abgedeckt. Sie ist im Gelände nicht mehr zu erkennen.

Das Revier am Gebirgsrand westlich und südlich des Rathsfeldes umfasst ein relativ großes morphologisch uneinheitliches Gebiet. Es läßt sich am besten an hand der Geologischen Karte nach dem Ausgehenden der Kupferschiefers abgrenzen. Hier waren fünf Schächte in Betrieb:

  1. Schacht Goldkrone; nordwestlich Steinthaleben, 47 m tief
  2. Schacht Innungsliethe; 1,5 km westlich Rathsfeld, 12 m tief
  3. Schacht Habichtstal; 1.25 km südwestlich Rathsfeld, 20 m tief
  4. Schacht Steintreppe[n]; 0,5 km südöstlich vom Schacht Habichtstal, 24 m tief
  5. Glaserzschacht (Schacht Schweinskopf); 2 km südlich Rathsfeld, 16 m tief
Hinsichtlich des Kupfergehaltes der Erze, der nur anhand von einzelnen Proben untersucht worden ist und ganz sicher örtlich schwankt, liegt folgender Befund vor. In den Revieren um das Rathsfeld lag der Erzgehalt der liegenden Schichten des Kupferschiefers (Sanderz und Tresse) deutlich höher, als in den Schiefern selbst. Sanderz und Tresse enthielten 5 bis 8 % Kupfer, die Schiefer um 1 %. Zu ähnlichen Ergebnissen führten die Proben im Falkenburger Stollen. Der Kupfergehalt dürfte zwischen 3 kg und höchstens 4 kg Kupfer pro Quadratmeter Flözfläche betragen haben7. Die relevanten Mineralbestandteile des Erzes sollen Schwefelkies, Kupferkies, Buntkupfererz und Kupferglanz gewesen sein. Der Silbergehalt der Erze war unbedeutend.

Diese Angaben sind auch für die Beurteilung des wirtschaftlichen Erfolges, der dem zeitlich viel älteren, aber im gleichen Gebiete umgegangenen Duckelbergbau beschieden gewesen sein dürfte, von einiger Bedeutung. Die geringe Teufe der Schächte (und deren topographische Lage) bot insgesamt sehr günstige Voraussetzungen in Bezug auf die Wasserhaltung. Die Erzführung soll sich auf die nur 1 bis 2 cm starke Tresse, die obersten 5 cm des Zechsteinkonglomerates und die untersten 3,5 cm des Schiefers beschränkt haben. Damit wären insgesamt nur etwa 10 cm des Flözes abbauwürdig gewesen. Die Strebhöhe dürfte, um liegend arbeiten zu können, deshalb nicht viel mehr als etwa 30 cm betragen haben. Eigene Untersuchungen des Verfassers in einem Stollen am Preußischen Kopf konnten das bestätigen8.

Das Gebiet von Udersleben und Ichstedt wird anhand eines Berichtes aus dem Jahr 1890 beschrieben8. Zuerst war der Hämlingsstollen nahe des Ausgehenden vorgetrieben worden. Das Flöz war aber stark verwittert und lieferte keine ergiebigen Erze. Daraufhin wurde ca. 300 m südöstlich des Hämlingsstollens der Schacht I abgeteuft, der bei 8,60 m Teufe das Flöz erreichte. Das Flöz war aber immer noch stark verwittert, und der Kupfergehalt lag auf den im Streichen und im Fallen aufgefahrenen Strecken bei rund 0,5 % im Schiefer und 1,6 % im Sanderz. Schließlich wurde aufgrund der Vermutung, dass nach der Teufe hin der Erzgehalt zunehmen würde, "ungefähr in der Diagonale des Flözes abgeteuft", ca. 600 m südöstlich von Schacht I, der Schacht II angelegt. Dieser erreichte am 16. Oktober 1889 das Flöz in 25 bis 26 m Teufe. Es wurde begonnen, von der Schachtsohle aus zwei Strecken im Streichen aufzufahren, eine in etwa westliche, die andere in etwa östliche Richtung.

Die ersten 9 m der westlichen Strecke des Schachtes II Udersleben wurden 1,26 m hoch und 1,54 m breit aufgefahren. Mithin wurde eine Flözfläche von 13,86 m² erfasst. Es standen dabei 28.686 kg gefallene Berge (taubes Gestein) zu insgesamt 5.450 kg Minern (bauwürdige Erze; Schiefer, Erzschiefer, Sanderz und Gekrätz) im Verhältnis (etwa 5:1). Da die Höhe beim Strebbau bedeutend niedriger ist, wäre mit einem Verhaltnis von etwa 3:1 bis 2:1 zu rechnen gewesen. Das sind in etwa die Werte, die sich auch im Mansfelder Bergbau ergeben haben. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass der Kupfergehalt im Gebiet von Udersleben bei 7 bis 8 kg pro Quadratmeter Flözfläche gelegen hat. Es wird ferner vermerkt, dass sich die Lagerstätte in südöstlicher Richtung auf sehr große Flächen erstreckt, die für einen Abbau noch zur Verfügung stehen. Sie liegen im Fallen des Flözes und damit in zunehmend größerer Tiefe.

Vor Beginn des 1. Weltkrieges kam der Bergbau auf Kupferschiefer im Kyffhäuser dann weitgehend zum Erliegen und wurde auch nicht wieder aufgenommen. Es fanden nur immer wieder sporadische Untersuchungen statt (Probenahmen). Im Gebiet von Udersleben und von Badra wurde um 1950 kurzeitig versucht, die alte Reviere wieder aufzuwältigen. Diese von vornherein wenig aussichtsreichen Bemühungen sind nur im Kontext von Autarkiebestrebungen der damals gerade gegründeten DDR zu verstehen. .
 

4 Der Falkenburger Stollen und die Entdeckung der Barbarossahöhle

Im August 1860 hatte der Unternehmer von Born aus Dortmund damit begonnen, unterhalb der Ruine der Falkenburg und direkt an der alten Straße von Steinthaleben nach Frankenhausen einen Stollen vortreiben zu lassen, der zunächst nur als Hilfsbau gedacht war. Die Arbeiten standen unter der Leitung von Grubeninspektor Klett aus Frankenhausen und Schichtmeister Leonhardt aus Udersleben. Gemeinsam mit dem Steiger Heinrich Rödiger aus Könitz (bei Saalfeld) waren drei Bergleute aus Steinthaleben unter Tage beschäftigt, die vorher auf dem Braunkohlenschacht bei Bendeleben gearbeitet hatten: Christian Nachtweide, August Schumann und der wenige Jahre später, am 19. August 1869 in der Höhle tödlich verunglückte Heinrich Vollrodt (BRUST 2002).

In einem Schreiben an das Hochfürstliche Bergamt zu Könitz wird berichtet, dass "am 20. des Monats [Dezember 1865] ein großer hohler Raum - eine Schlotte - angefahren" worden sei. Den Bergleuten wurde damit, gut fünf Jahre nach Beginn ihrer Arbeit, unverhofft ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk zuteil. Sie hatten die Barbarossahöhle entdeckt. Dass die "Schlotte" - so nannte der Bergmann natürliche Höhlen - aber nicht wie sonst üblich mit taubem Gestein versetzt wurden und zugänglich blieb, ist dem Fürstlich Schwarzburgischen Bergmeister Friedrich HERTHUM aus Könitz zu danken. Mit bewundernswerter Weitsicht hatte er sofort nach Bekanntwerden der Entdeckung von Amts wegen verfügt, die Höhle in ihrer natürlichen Eigenart zu erhalten. Im Einvernehmen mit dem Fürstlichen Finanzkollegium zu Rudolstadt (als der Regierung im heutigen Sinne) konnte er kurz darauf die Erlaubnis für einen öffentlichen Betrieb als Schauhöhle erwirken.

Die Entdeckung kam allerdings nicht so unvermutet, wie das oft dargestellt worden ist. Die Bergleute waren schon nach etwa 80 m beim Vortrieb des (insgesamt 178 m langen) Falkenburger Stollens auf "gesenkten und zerborstenen Gips" gestoßen und ihnen war klar, dass sie sich im Bereich einer zu Bruch gegangenen Schlotte befanden. Wir wissen heute, dass sie den "Olymp" der Barbarossahöhle unterfahren hatten. Den Bergleuten war sehr daran gelegen, möglichst bald wieder in festes Gebirge und damit näher an das Flöz zu gelangen. Sie befürchteten vor allem unkontrollierte Wasserzuflüsse aus der Höhle und einen zusätzlichen Arbeitsaufwand beim Stollenausbau. Es kam jedoch ganz anders. Nicht der Gewinnung von Kupfer galt förderhin ihre Arbeit, sondern der Erschließung eines Naturphänomens von seltener Eigenart und besonderer Schönheit. Bereits wenige Tage später, am Sonntag, den 7. Januar 1866, unternahm der Arbeiterverein Frankenhausen einen Besuch der Höhle. Am 31. Januar 1866 erließ das Fürstlich Schwarzburgische Bergamt eine Verordnung, die das Betreten und mithin einen regulären Betrieb als Schauhöhle regelte. Der Eintritt wurde auf 5 Silbergroschen pro Person festgesetzt. Die Barbarossahöhle avancierte so zum mit Abstand ersten Ausflugsziel im Kyffhäuser, das im heutigen Sinne als Wirtschaftsbetrieb der Tourismusbranche geführt wurde. Richtungsweisend war jedoch die Entscheidung des Bergamtes, der Erhaltung eines Naturdenkmals den Vorrang zu geben und die Interessen des Bergbaus zurückzustellen.
 

Literatur

BRUNS, C. (1937): Der Bergbau, die Salinen- und die Perlmutterknopf-Industrie des Kyffhäusergebietes. - Dissertation, 117 S.; Erlangen (Friedrich-Alexander-Universität)

BRUST, M. (2002): Die Barbarossahöhle. Denkmal des Bergbaus und geologische Sehenswürdigkeit. - Heimat Thüringen 9, 2/3: 59-60; Elgersburg

DEUBEL, [?] (1934): Kupferschieferbergbau in Thüringen. ­Unveröffentlichter Bericht der Thüringischen Geologischen Landesuntersuchung vom 21. Juli 1934; 33 S.

[MEYER, K.] (1896): Karl Meyer's Führer über das Kyffhäuser-Gebirge. VI. vermehrte und verbesserte Auflage des Buches 'Die ehemal[igen] Reichsburg Kyffhausen', der einzigen auf selbstständigen urkundlichen Forschungen beruhenden Geschichte derselben. - 160 S., Nordhausen (Fr. Eberhardt)

SCHRIEL, W. & V. BOLOW, K. (1925): Geologische Karte von Preußen und benachbarten deutschen Ländern, Blatt Kelbra, Gradabteilung 56/ 35.- 2. Aufl.; Berlin (Preuß. Geol. Landesanst)

SCHRIEL, W. & v. BÜLOW, K. (1925): Geologische Karte von Preußen und benachbarten deutschen Ländern, Blatt Frankenhausen, Gradabteilung 56/ 41.- 2. Aufl.; Berlin (Preuß. Geol. Landesanst)

SCHRIEL, W. & V. BOLOW, K. (1926): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Preußen und benachbarten deutschen Ländern, Blatt Kelbra, Gradabteilung 56/ 35.­2. Aufl.; Berlin (Preuß. Geol. Landesanst)

SCHRIEL, W. & FULDA, E. (1926): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Preußen und benachbarten deutschen Ländern, Blatt Frankenhausen, Gradabteilung 56/ 41.- 2. Aufl.; Berlin (Preuß. Geol. Landesanst)

1 Vgl. beispielsweise Repertorium Eh des Landeshauptarchivs Sachsen-Anhalt, Außenstelle Wernigerode

2 Vgl. Repertorium Eh des Landeshauptarchivs Sachsen­Anhalt, Außenstelle Wernigerode, Eh 2 und Eh 4

3 MEYER (1896, S.32)

4 Vgl. DEUBEL (1934)

5 Vgl. DEUBEL (1934), darin zitiert S. 2 ff. ein Bericht des geheimen Bergrates Richter, Königlicher Bergrevierbeamter für Nordhausen - Stolberg zu Nordhausen, vom 12. April 1915

6 Auszug aus dem Betriebsplan der Grube "Gut Glück" bei Badra für das Jahr 1901, erstattet am 12. Dezember 1900. So zitiert in DEUBEL (1934, S 4 f.)

7 Vgl. DEUBEL (1936, S. 7)

8 Bericht des Hütten-Ingenieurs Ripberger über den Stand der Untersuchungsarbeiten im östlichen Felde des Herfmannschen Kupferschiefer-Grubenreviers vom 11.2.1890. So zitiert in DEUBEL (1936, S. 8 f.)