Infoblatt zum bundesweiten Tag des Geotops 2010

Der Beierstein – Ein Kleinod im Südharzer Gipskarst

Dipl.-Geol. Firouz Vladi *

Beschreibung des Objektes
Das isoliert aufragende Gipsmassiv des Beiersteins besteht aus wohl vollständig vergipstem Hauptanhydrit. Es nimmt ein Oval von nur ca. 400 x 250 m Grundfläche ein. Die Oberfläche ist stark verkarstet mit Höhlen (u.a. Klinkerbrunnen und Räuberhöhle) und nach Süden hin in ein Spaltengewirr aufgelöst. Zahlreiche Erdfälle liegen nördlich und eindrucksvolles Dolinengelände unter Grünland liegt östlich angrenzend.

Westlich und insbesondere südlich vorgelagert liegt die vernässte Beiersteinsenke. Bezogen auf den Vorfluter und Talbach, den Hackenbach, führt diese Subrosionssenke über in Ablaugung begriffenem liegenden Werra-Anhydrit zu einer markanten Gefällsverflachung innerhalb der Gewässerparabel. Die kleine südexponierte und jetzt bewaldete Steilwand ist das Ergebnis eines mehr als fünftausendjährigen Laugprozesses, der die Steilwand ständig zurückverlegte (s. Abb.).
An Stelle ehemaliger Höhlen und Erdfälle sind heute nur noch Sedimentfüllungen übrig geblieben. Die in ihnen eingebetteten Überreste der damals hier wachsenden Pflanzen gaben bei ihrer Untersuchung das Geheimnis der Landschaftsentwicklung preis.

Der Laugprozess geht auch heute noch vor sich.
Je nach Wasserdargebot kann der Beierstein Bachschwinde oder Karstquelle sein. Einerseits verschwindet hier das aus dem Heiligental (einem ehem. Unterlauf des Harzbaches Kleine Steinau) von Osten ab der Wasserscheide bei Düna zufließende Wasser in einer markanten Bachschwinde ebenso wie das Wasser der aus Südost zufließenden Beber in ein Sumpfgebiet; andererseits schütten neben anderen Quellen dieses Sumpfgebiet und der Überlauf des Klinkerbrunnens bei hohem Wasserstand das Karstwasser eines tieferen Grundwasserstockwerkes in den Hackenbach als nächsten Vorfluter. Genanntes Sumpfgebiet ist daher als echte Estavelle (Wechselschlund) anzusprechen.

1981 konnte durch Wasseranfärbung nachgewiesen werden, dass am Beierstein verschwindendes Wasser bei nicht allzu niedrigen Grundwasserständen in den Quellen bei Förste wieder hervortritt (7,5 km Luftlinie).

Der Buchen-/Edelholzlaubwald ist wegen seiner Naturnähe, der Binnenlichtung und der zahlreichen durch die Erdfälle entstandenen Biotope sowie reliktischen Halbtrockenrasen für den Natur- und Artenschutz als Naturschutzgebiet gesichert und das Gebiet an den Außenrändern u.a. durch den Karstwanderweg Südharz erschlossen.

Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurde die Beiersteinsenke traditionell zur Gewinnung von Heu bzw. Einstreu fürs Weidevieh genutzt. Die im Verkopplungsverfahren von Schwiegershausen gegen Ende des 19. Jahrhunderts angelegten Entwässerungsgräben und als Vorflut für diese die Begradigung und Vertiefung des Hackenbaches verbesserten die Nutzbarkeit des feuchten Grünlands. Trotzdem verblieb im Bereich Beiersteinsenke eine hohe Bodenfeuchtigkeit. Das Grünland wurde mit der Sense gemäht. Das "saure Heu" mit Sauergräsern wie Seggen und Binsen war seinerzeit ein gefragtes Futter z.B. für die Pferdebestände des ehemaligen Reichsheeres. In Wulften gab es eine eigens dafür eingerichtete Sammelstelle. Die zunehmende Mechanisierung und Rationalisierung in der Landwirtschaft etwa ab der Mitte des 20. Jahrhunderts ließ diese Flächen wirtschaftlich uninteressant werden. In der Folge breiteten sich typische Feuchtpflanzen stärker aus.
Durch verschiedene Gewässerrenaturierungen des Landkreis Osterode am Harz im Zuge des Naturschutzgroßprojektes Hainholz-Beierstein stieg die Bodenfeuchte wieder an. Dies beeinträchtigte zwar die landwirtschaftliche Nutzbarkeit, gleichzeitig aber hat sich die Biotopqualität in der Beiersteinsenke deutlich verbessert. Kern der Renaturierung ist die schlichte Verfüllung der Bachkerbe des Hackenbaches, so dass das vom Oberlauf zufließende Wasser zunächst über die Fläche strömte und sich allmählich ein neuer Verlauf entwickelt. Möglicherweise werden sich der Weißstorch und weitere seltene Arten wieder ansiedeln.

Den Klinkerbrunnen streifte bis ins 19. Jh. ein alter Verlauf der Straße Osterode – Göttingen, der nördlich des Beiersteins an einer Passstelle mit Schranke auf dem Rötzel-Höhenzug die Osteroder Landwehr kreuzte, und als – in den 1970er Jahren mit Schutt etc. verfülltem Hohlweg die damals sumpfige Hackenbachniederung querte. Der Klinkerbrunnen-Überlauf diente in Trockenzeiten den Pferden sicherlich als einzig verfügbare Tränke. In den 1950er Jahren diente die Räuberhöhle einem „Eremiten“ als Wohnstatt; wozu ältere Schwiegershäuser noch heute zahlreiche Begebenheiten zu berichten wissen.

Welche Karten gibt es - Topographie, Geologie: Topogr. Karte 1: 25.000, Blatt 4327 Gieboldehausen , Geol. Karte Harz 1: 100.000 (Sonderausgabe), Geol. Landesamt Sachsen-Anhalt, 1998

Literatur zum Geotop:

  • Kempe, Stephan; Mattern, Erich; Reinboth, Fritz; u.a. (1972): Die Jettenhöhle bei Düna und ihre Umgebung. Ein Führer durch den Gipskarst bei Düna und seine Höhlen./ 63 S., 12 Abb., 1 Übers.-Kt., Herzberg a. Harz
  • Führer zum Karstwanderweg Südharz, Förderverein Karstwanderweg Landkreis Osterode a. H.
  • WEINBERG, H.-J. (1981): Die erdgeschichtliche Entwicklung der Beiersteinsenke als Modell für die jungquartäre Morphogenese im Gipskarstgebiet Hainholz-Beierstein (südwestliches Harzvorland).- In: Ber. naturhist. Ges. Hannover 124, 67-112
  • SCHÖNFELDER, P. (1978): Vegetationsverhältnisse auf Gips im südwestlichen Harzvorland. Eine vergleichende Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung der Naturschutzprobleme.- Naturschutz Landschaftspfl. Niedersachs. 8:1-110, Hannover
  • KÜHLHORN, Erhard (1970): Historisch-Landeskundliche Exkursionskarte von Niedersachsen, Maßstab 1:50000, Blatt Osterode am Harz.- 125 S. (Erläuterungsheft), 2 Taf. 1 Kt.; Hildesheim (Lax)
  • VLADI, Firouz (1981): Bibliographie zu den Naturschutzgebieten Hainholz und Beierstein im Landkreis Osterode am Harz.- In: Ber. naturhist. Ges. Hannover 124, 195-218
Was kann man sonst noch besichtigen: Im nördlich angrenzenden Rücken des Rötzels, einer ost-west streichenden Aufwölbung (Sattel) ist der liegende Werraanhydrit aufgedrungen. Er wurde hier früher ebenso wie der mit aufgewölbte Stinkdolomit und der hangende Basalanhydrit in kleineren Steinbrüchen gewonnen. Nördlich des Rötzels liegt die Kirchenruine der wüst gefallenen Dorfstelle Besingen. Auf seinem Kamm erstreckt sich – gut sichtbar – ein Teil der alten Osterode Landwehr. Nach Osten führt der öffentliche Fahrweg – oder über den Rötzelkamm der Karstwanderweg – in das Gipskarstgebiet Hainholz bei Düna.

Handelt es sich um ein Naturschutzobjekt: ja

Was gibt es noch zu berücksichtigen: Das NSG soll nur auf den Wegen betreten werden.

Eigentümer: überwiegend Forstgenossenschaft Schwiegershausen

Wo kann man essen, übernachten: Mehrere Gasthöfe in Schwiegershausen sowie samt Hotels in Osterode

Internet-Adressen: www.karstwanderweg.de , www.harzregion.de/geopark/11.html , http://ext-lk-osterode.advantic.de/NaturHainholz/index.htm

Herausgeber und Fachbehörde für den Geotopschutz: Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie, Stilleweg 2, 30655 Hannover, Tel.: 0511 -643-0, 0511 -643-2304, www.lbeg.niedersachsen.de

LBEG-Codierung: Geotop -xx, TK25: 4329, R 43 98 440, H 57 19 850, Verantwortlich: LBEG: Dr. Heinz-Gerd Röhling

* Dipl.-Geologe Firouz Vladi, Düna 9a, 37520 Osterode am Harz, vladi@karstwanderweg.de