Infoblatt zum bundesweiten Tag des Geotops 2007

Das Lüderholz an der Großen Steinau

Firouz Vladi *

 
Beschreibung des Objektes
Das Lüderholz zw. Osterode und Herzberg ist über die B 243, Abf. Hörden, die Stichstraße von Aschenhütte nach Mühlenberg und von dort über den Karstwanderweg zu erreichen. Das leicht reliefierte artenreiche Laubwaldgebiet mit Buche, Eiche und Hainbuche und geringem Nadelholzanteil ist durch zahllose Erdfälle auffällig. Gewässer finden sich neben der Großen Steinau, die in Trockenwetterzeiten zwischen Bahn und B 243 versiegt, z.T. stetig, z.T. periodisch als Grundwassergefüllte Erdfälle.

Das Lüderholz bildet eine Zone äußerst aktiver Erdfallbildung im Verzahnungsbereich der Niederterrassenkiese der Gr. Steinau mit denjenigen der Sieber. Als Niederterrassen werden die an der Oberfläche ebenen Aufschüttungen von Flusskiesen bezeichnet, die während der jüngsten oder Weichsel-Kaltzeit im Permafrost aus dem vom Gebirge abtransportierten Gesteinsschutt zur Ablagerung gelangten. Das sind hier insbesondere Kulmgrauwacken und -schiefer der Siebermulde sowie Quarzite des Acker-Bruchberg-Zuges.
 

Abb.1: Holozäner Erdfall, wassergefüllt
 

Im Lüderholz tritt bis ne' der Bahn eine große Anzahl Terrassenkanten auf. Sie bilden den Übergang von der Niederterrasse zur holozänen bis rezenten Talaue. Die Abb. 3 gibt eine Übersicht über die Oberflächenstrukturierung. Geröllanalysen, verteilt über das Lüderholz und das Gewässerufer, zeigen so wenige Unterschiede, dass von einer Konstanz des Liefergebietes im mittleren und jüngeren Quartär auszugehen ist. Die Gleichförmigkeit der stets granitfreien Kiesschüttungen beweist, dass das Lüderholz eine ausschließliche Akkumulation der Gr. Steinau darstellt. Am Südrand des Lüderholzes verzahnen sich Kiese der Gr. Steinau und granitführende Kiese der Sieber. Hier hat sich der Schuttfächer der Gr. Steinau während der Akkumulation der Niederterrasse zunehmend nach Süden über das Siebertal fortgebaut.

Das Liegende bildet unter den Kiesen auskeilender, stark zerschlotteter Werra-Anhydrit. Die wasserdurchlässigen Kiese und der gewässerbegleitende Grundwasserstrom der Steinau fördern die Erdfalltätigkeit, die nach Augenzeugenberichten und der Morphologie frischer Erdfallwände, die allesamt noch im Kies angelegt sind, gegenwärtig noch anhält. In der aktivsten Erdfallbildungszone liegt auch bei längeren Trockenwetterphasen die Versickerung der Gr. Steinau. Sie versiegt in ihren eigenen Kiesen in flachen Schwalglöchern. Das Wasser geht z.T. in das tiefere Karstgrundwasser über, das an der Rhumequelle nach etwa dreitägigem Verlauf austritt; einen Teil schütten die Quellen auf der südöstlich der Aschenhütte am linken Ufer der Kleinen Steinau gelegenen Nonnenwiese.

Bohrproben aus Erdfallsedimenten im Lüderholz (Chen 1982) geben Einblick in die Vegetationsgeschichte sowie Siedlungs- und Agrargeschichte der näheren Umgebung. Erste Getreidepollen datieren aus der Jungsteinzeit. Noch im 13. Jh. wurde es als "geschontes Eichenmastholz ohne Unterwuchs" beschrieben, in dem auch Fichten vorkamen (Begemann 2003).

Ein Teil der geologisch, geomorphologisch und karsthydrogeologisch besonders interessanten Erdfälle, insbesondere die Zone der rezenten Erdfallbildung, liegt zwischen dem Erdfallsee Kesselsumpf und dem anschließenden linken Ufer der Gr. Steinau. Das Gelände ist weglos, aber zur Erkundung dieser Karstzone auf der grün gepunkteten Route gut zu begehen, wobei bei Niedrigwasserführung die Steinau gequert und der Feldweg am östlichen Ufer nach Mühlenberg genutzt werden können.

 

Abb.2: Verlandender Erdfall
 

Abb.3: Das Lüderholz - Erdfälle, Strukturen, (Karte/Grafik)
 


Abb.4: Das Lüderholz von oben - GoogleEarth

 

Welche Karten gibt es - Topographie, Geologie: Topogr. Karte 1:25.000, Blatt 4327 Gieboldehausen, Geol. Karte 1:25.000, Blatt 4327 Gieoldehausen, Geol. Übersichtskarte 1:200.000, Blatt CC 3726 Goslar

Literatur zum Geotop:
BEGEMANN, Ina (2003): Palynologische Untersuchungen zur Geschichte von Umwelt und Besiedlung im südwestlichen Harzvorland (unter Einbeziehung geochemischer Befunde).- 132 S., 24 Abb.; Dissertation Math.-Nat. Fak. Univ. Göttingen
CHEN, S.-H. (1988): Neue Untersuchungen über die spät- und postglaziale Vegetationsgeschichte im Gebiet zwischen Harz und Leine (BRD).- Flora 181:147-177, Jena
DEICKE, Matthias (2003): Erdfallablagerungen des südlichen Harzvorlandes - Archive der Umweltgeschichte der letzten Jahrtausende.- Diss. Georg-August-Univ. Göttingen
VLADI, Firouz (1976): Quartärgeologische Untersuchungen zu den Terrassen der Sieber am Südwestrande des Harzes.- Unveröff. Dipl.-Arb. Geol.-Paläont. Inst., 109 S., Hamburg

Handelt es sich um ein Naturschutzobjekt: Landschaftsschutzgebiet mit nach § 28a NNatG geschützten Erdfällen

Wo kann man essen, übernachten: vielfältige Möglichkeiten in den umliegenden Ortschaften sowie in Herzberg und Osterode

Was kann man sonst noch besichtigen: Gipskarstlandschaft Hainholz bei Düna (gut erschlossenes NSG), Schloss Herzberg, Flussversinkung bei Hörden, Rhumequelle und Einhornhöhle

Internet-Adressen: www.lbeg.de/geologie/anwendungsgebiete/objektliste-geotope.htm , www.karstwanderweg.de/luederholz.htm , www.karstwanderweg.de/kww012.htm , www.dgg.de , www.geo-top.de , www.geotope.de

Herausgeber und Fachbehörde für den Geotopschutz: Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie, Stilleweg 2, 30655 Hannover, Tel.: 0511 -643-0, 0511 -643-2304, www.lbeg-niedersachsen.de

LBEG-Codierung: Geotop 4327-xx, TK25: 4327, R 35 90 900, H 57 27 535,
Verantwortlich:
LBEG: Dr. Heinz-Gerd Röhling
 
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Dipl.-Geol. Firouz Vladi, Düna 9a, 37520 Osterode am Harz
Tel. 05522-17036, e-mail: vladi@karstwanderweg.de