Infoblatt zum bundesweiten Tag des Geotops 2003

Das devonische Riffatoll des Winterberges bei Bad Grund

Horst Quade*

Beschreibung des Objektes
Das devonische Riffatoll des Iberg-Winterberges im südwestlichen Harz liegt nördlich der Bergstadt Bad Grund an der Bundesstraße 242, die von Seesen über Clausthal-Zellerfeld zur Hochharzstraße B4 führt. Der größte Teil der Fläche des Kalksteinvorkommens von etwa 1,5 km² ist Landschaftsschutzgebiet. Die besten Aufschlüsse in der Kalksteinfolge und seinen Hangendschichten liegen in dem ausgedehnten Steinbruch des Winterberges der FELS-Werke GmbH.
Die in den Höhen des Iberges und des Winterberges (> 450 m NN) zugänglichen Kalksteinkomplexe haben ursprünglich das zusammenhängende „Iberger Riff“ gebildet, das die Form eines rundlichen Atolls hatte. In geologischer Zeit ist der Winterberg als „Krone“ des Atolls an einer großen Störungszone, die im Steinbruch aufgeschlossen ist, in nordwestlicher Richtung abgeglitten.
Das „Iberger Riff“ hat vor etwa 385 Millionen Jahren (zu Beginn der Givet-Stufe) zu wachsen begonnen und sitzt einer Untiefe in dem Devonmeer des Harzes auf, vermutlich einem vulkanischen Rücken. Es bestand aus einer Lagune, umgeben von dem eigentlichen Riff, dessen Außenseite als Vorriff dem ständigen Wellenschlag ausgesetzt war.
Erhalten sind nur die dunkelgrauen Kalksteine der Lagune und helleren Kalksteine des Vorriffs mit zahlreichen Bruchstücken von Kalkstein und Fossilien, die einzigen Zeugen des eigentlichen Riffes. Irgendwann um 370 Millionen Jahre (im oberen Devon) kam das Riffwachstum zum Stillstand, und „normale Sedimente“ begannen sich auf der Schwelle des Riffkomplexes abzulagern, zunächst flaserige Kalksteine und Rotsedimente, dann ab etwa 354 Millionen Jahre mächtige Grauwacken und Schiefer, die heute die Clausthaler Kulmhochfläche aufbauen und als Schlammschuttströme von der südlich des Harzes liegenden Mitteldeutschen Schwelle in das Becken des Harzes hineingeglitten sind. Die genaue Mächtigkeit des Kalksteins ist nicht bekannt; eine Forschungsbohrung im Tagebau Winterberg hat mehr als 500 m Kalkstein erbohrt und nachgewiesen, dass Kalkstein bis unter den Meeresspiegel hinunter reicht.


Blick in den Kalkstein-Tagebau der Fels-Werke GmbH und das südwestliche Harzvorland

Welche Karten gibt es? - Topographie, Geologie: Topogr. Karte, 1: 25.000: Blatt 4127 Seesen; Geol. Karte, 1 : 25.000: Blatt 4127 Seesen; Geol. Übersichtskarte 1 : 200.000, Blatt CC 4726 Goslar

Literatur zum Geotop: Bode, A.: Erläuterungen zur geologischen Karte von Preußen und benachbarten Bundesstaaten. Blatt Seesen, Lfg. 100 (neue Blatt-Nummer: 4127 Seesen). - Berlin 1907.
Franke, W. (1973): Fazies, Bau und Entwicklungsgeschichte des Iberger Riffes (Mitteldevon bis Unterkarbon III, NW-Harz, W-Deutschland). - Geol. Jb., Reihe A, H. 11: 1-127; Hannover.
Gischler, E. (1992): Das devonische Atoll von Iberg und Winterberg im Harz nach Ende des Riffwachstums. - Geol. Jb., Reihe A, H. 129: 1-193; Hannover.

Was kann man sonst noch besichtigen: 1. Geotop Iberger Tropfsteinhöhle.
2. Aboretum bei Bad Grund: Auf einer Fläche von 100 ha werden Baum- und Straucharten aus Wäldern aller gemäßigten Klimazonen der Erde angebaut. Ein Leitsystem führt den Besucher auf 3 Rundwanderwegen durch diese mit dem Wechsel der Jahreszeiten sich ständig wandelnde Waldvegetation aus aller Welt.
3. Niedersächsisches Bergbaumuseum Lautenthal: Befahrung der ehemaligen Silbererzgrube auf 3 Sohlen, Erzkahnfahrt im Ernst-August-Stollen, St.-Barbara-Kapelle unter Tage.
4. Geosammlung der Technischen Universität Clausthal (Adolf-Roemer-Str. 2a): Ausstellung zu Themen der Erd- und Lebensgeschichte und zur Naturgeschichte des Harzes. Mineralogischen Sammlungen mit mehr als ausgestellten 8000 Mineral- und Erz-Stücken und weiteren 110.000 Stücken in Archiven.
5. Oberharzer Bergbaumuseum Clausthal-Zellerfeld: Schaubergwerk unter Tage, originale Grubenanlagen über Tage; historische Entwicklung des Erzbergbaus vom Mittelalter bis Ende des 19. Jahrhunderts; Wandel der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Bergleute und der Bewohner des Oberharzes
6. Lohnenswert ist eine Fahrt zur Okertalsperre mit den sie umgebenden Aufschlüssen in der sehr wechselhaft lagernden unterkarbonischen Grauwacke oder zu den Geotopen im Okertal und nördlichen Harzvorland bei Goslar.

Handelt es sich um ein Naturschutzobjekt: teilweise

Was gibt es zu berücksichtigen: Die besten Aufschlüsse des devonischen Riffkalksteins und seiner Hangendschichten finden sich in den Böschungen entlang der Bundesstraße 242, die aus dem Harzvorland (Seesen) in den Oberharz (Bad Grund, Clausthal-Zellerfeld) führt. Wegen des häufig sehr lebhaften Autoverkehrs auf dieser Straße ist äußerste Vorsicht beim Abschreiten der Profile angesagt. Auch wenn in natürlich angewittertem Kalkstein häufig Fossilquerschnitte auszumachen sind, lassen sich Fossilien im Gelände aus dem sehr harten Kalkstein nicht herauspräparieren. Es wird dringend angeraten, gar nicht erst zu versuchen, Fossilien oder Gesteinsbrocken mit dem Hammer aus dem Fels herauszubrechen. Die Verletzungsgefahr ist sehr groß; auch werden die sorgfältig angelegten Böschungen dadurch unnötig beschädigt. Mit ein wenig Glück lassen sich im Hangschutt Gesteinsbruchstücke mit Fossilresten finden. Der Steinbruch des Winterberges darf auf keinen Fall betreten werden. Besuchern werden grundsätzlich keine Genehmigung zur Aufsammlung von Fossilien und Mineralien erteilt.

Wo kann man essen, übernachten: Es gibt in den nächstgelegenen Städten Bad Grund, Seesen und Clausthal-Zellerfeld zahlreiche Gaststätten, Hotels und Pensionen in verschiedenen Preislagen.

Internet-Adressen: www.nlfb.de/geologie/anwendungsgebiete/geotop_tag_2003.htm , www.tag-des-geotops.de , www.dgg.de , www.geo-top.de , www.geotope.de , www.geoakademie.de

Herausgeber und Fachbehörde für den Geotopschutz: Niedersächsisches Landesamt für Bodenforschung, Stilleweg 2, 30655 Hannover, Tel.: 0511-643-0, 0511-643-2304, www.nlfb.de

NLfB- Codierung: TK25: 3722 Lauenau, R: 3530160; H: 5793300, Verantwortlich: NLfB: Dr. Heinz-Gerd Röhling

* c/o Technische Universität Clausthal, Institut für Geologie und Paläontologie, Leibnizstr. 10, D-38678 Clausthal-Zellerfeld, Tel.: 05323-2145, e-mail: horst.quade@tu-clausthal.de