Abschlusstagung zum Naturschutz-Großprojekt Hainholz in Düna

Osteroder FFH-Gebiete jetzt in Brüssel

Die Gipskarstgebiete zwischen dem Hainholz und dem Lichtenstein sind in Brüssel als FFH-Gebiete gemeldet. Um Teile des Gebietes zwischen Kreuzstiege (Standortübungsplatz) und Lichtenstein geht es in einem Klage- und Beschwerdeverfahren, das ebenfalls in Brüssel anhängig ist. Das gesamte FFH-Gebiet 133 steht für eine genaue Kartierung an. Diese drei Mitteilungen machte gestern Annemarie Runge von der Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidenten vor den Teilnehmern einer Abschlusstagung zum Naturschutz Großprojekt Hainholz in der Gaststätte Jettenhöhle in Düna.

Völlig unklar ist, wie die EU nun in den Gipsabbau im Osteroder Stadtrand eingreifen wird. Wie berichtet, hat die Stadt noch den Gipsabbau in den Feldern 1 bis 3 im Lichtenstein, in der Kreuzstiege und in der Forstabteilung 8 erteilt. „Herr des Verfahrens“ wurde danach das Gewerbeaufsichtsamt in Göttingen, das nun auch für eventuelle weitere Abbaugenehmigungen zuständig ist. Annemarie Runge sagte, das Hauptaugenmerk der Kartierung werden sich auf den Lichtenstein und Standortübungsplatz konzentrieren. Das Hainholz ist im Zuge des Naturschutzgroßprojektes bereits ausreichend erfaßt worden.

Um dieses Großprojekt ging es gestern. 1992 hatten Bund, Land und Landkreis damit begonnen, Ende 2000 ist es abgeschlossen worden. 10 Millionen Mark standen zur Verfügung, aber „nur“ 6,7 Millionen Mark wurden ausgegeben. Der Löwenanteil für den Landerwerb im Dreieck Schwiegershausen, Hörden und Düna. Thomas Bernd erinnerte an den schwierigen Weg, an die langwierigen Verhandlung, an die Überzeugungsarbeit, die der Landkreis mit Unterstützung des Amtes für Agrarstruktur leisten musste.

Wilhelm Unkrig von der Niedersächsischen Versuchsanstalt Göttingen schilderte den „Schub“, den im Sommer 1997 die Sturmkatastrophe mit Windgeschwindigkeiten bis zu 200 km/h im Hainholz ausgelöst hatte. Was aus Sicht der Forstleute einer Katastrophe gleichkam, war für die Waldforscher ein wahrer Glücksfall. Nun konnte dem niedersächsischen Naturwaldprogramm noch ein auf Gips stehender Naturwald hinzugefügt werden. Wie Unkrig sagte, hat in dem zerstörten Hainholz die Waldverjüngung kräftig angeschlagen. Es gebe einen großen Vorrat an Verjüngungspflanzen. Er versuchte auch, Bedenken gegen zu große Stickstofffreisetzungen zu zerstreuen. Damit werde die Bodenvegetation im Hainholz schon fertig.

Hermann Ernst vom Amt für Agrarstruktur nannte Zahlen aus dem Verfahren: in Schwiegershausen ging es um Flächen von 138 Hektar, gesprochen wurde mit über 500 Teilnehmern, 183 unterzeichneten Landverzichtserklärungen. Im Raum Düna/Hörden waren es 211 Flurstücke auf 96 ha, um die mit 227 Teilnehmern verhandelt wurde, von denen 94 Landverzichts-Erklärungen unterschrieben haben.

Über das Naturschutzprojekt informiert eine Ausstellung, die am heutigen Donnerstag um 17 Uhr in der Stadtsparkasse Osterode von Landrat Bernhard Reuter eröffnet wird. Reuter lud dazu gestern in seiner Begrüßung in der Jettenhöhle ein.

Jürgen Capito

Quelle: HarzKurier, 10. Mai 2001