1961 - Letzte Wanderfalken bei Barbis

Seit 1984 wieder vorsichtige Rückkehr - erfolgreiche Brut

Ein Wanderfalken-Weibchen, Altvogel, schraubt sich im Segelflug in die Höhe
Foto: Fischer

1984: Wanderfalken brüten wieder im Südharz

Wanderfalken sind auf der ganzen Welt verbreitet. Ihre Beute sind ausschließlich Vögel, die sie im freien Luftraum erbeuten. An Berghängen schraubt er sich der elegante Vogel bis zu einer Höhe hinauf, in der man ihn mit bloßem Auge oft nicht mehr erkennen kann. Hat er Beute unter sich erspäht, stürzt er mit kräftigen Flügelschlägen und mehr als 300 km/h senkrecht auf das Ziel.

Zu Jagdzwecken abgerichtet, waren Wanderfalken schon im Mittelalter bei privilegierten Adeligen begehrt. Hohe Strafen dagegen bekamen Bürgerliche, wenn sie auf der Jagd mit Wanderfalken ertappt wurden. Die Zeiten änderten sich für die Falken.Vor dem Kriege galten alle Greifvögel als Beutekonkurrenten der Jäger. Für Fang oder Abschuß wurden Prämien gezahlt, so daß die Greifvogelbestände schrumpften und teilweise erloschen. Alarmierend war der Bestand in den sechziger Jahren, als er in Deutschland von ca. 600 auf 60 Paaren zusammenbrach. Das Schicksal des Wanderfalken schien besiegelt.

Das später verbotene Insektengift DDT, war einer der Gründe. Der Wanderfalke nahm als letztes Glied der Nahrungskette das Gift mit der Beute in hoch konzentriertem Maße auf. Unfruchtbarkeit der Eier waren die Folge.

Der Druck durch Jäger, Falkner, Eiersammler und Taubenzüchter nahm auf die Wanderfalkenpopulationen auch in der Harzregion vernichtend zu. Skrupelloser Falkenhandel stellte sich ein. In einigen Gegenden, in denen noch Jungfalken schlüpften, zahlten Falkner horrende Preise für ausgehorstete Jungvögel. Taubenzüchter zerstörten Wanderfalkengelege, weil Brieftauben auch auf dem Speisezettel des Falken stehen. Abschüsse durch Jäger wurden noch registriert. Der Nullpunkt in der Geschichte des Wanderfalken war erreicht.

Wie sah es im Kreis Osterode aus? Am Sachsenstein brütete noch 1953 ein Paar, an den Itelklippen bis 57, beim Römerstein bis 56. Die letzte, aber erfolglose Brut erfolgte 1961 bei Barbis im Großen Andreasbachtal.

Heute steht der Wanderfalke auf der "Roten Liste" der vom Aussterben bedrohten Tierarten und ist streng geschützt. Obwohl sich der Wanderfalkenbestand, auch durch Bewachungen rund um die Uhr erholen konnte, wird ihm immer noch von besitzsüchtigen Wilderern nachgestellt.

Die Wiederbesiedlung des Harzes profitierte von Wiedereinbürgerungsprogrammen in Hessen. Durch Kennringablesung wurden in Nordhessen ausgewilderte Falken im Harz brütend wiedererkannt. So auch das erste Brutpaar von 1984 in Bad Grund. Das niedersächsische Bergland zählt heute 16 Brutpaare, von denen Jahr für Jahr Jungvögel ausfliegen.

Zu den künftig wichtigsten Aufgaben zählen Biotopschutz und Touristenlenkung, denn der Druck auf die Lebensräume des Wanderfalken steigt unvermindert. Gemeinsam mit Grundeignern, Landkreisen, Forstämtern und der Nationalparkverwaltung werden Schutzmaßnahmen umgesetzt. Wanderer, die sich an den markierten Wegen halten, tragen zur Erhaltung dieser eindrucksvollen heimischen Vogelart bei.

Ulrich AHRENS - Projektgruppe
Wanderfalkenschutz Niedersachsen