Dorferneuerung Elbingerode - ein Begriff

Hohe Akzeptanz
bei den Einwohnern -
Projekt zum Vorzeigen

Der Elbingeröder Bürgermeister Willi Brakel (2.von links) konnte immer wieder prominente Besucher in seinem Dorf begrüßen.
Foto: Archiv Gehmlich

Im Januar 1984 erschien der Werkbericht der Dorfplaner Prof. Dr. Ing. Joachim Grube und Dipl. Ing. Reinhard Herich zur Dorferneuerung in Elbingerode am Harz. Mit diesem Bericht war die Dorferneuerung abgeschlossen - glaubte man. Die Dorferneuerung hatte das Entwicklungsprogramm der Gemeinde Elbingerode mit Fertigstellung der Sammelkanalisation und der zentralen Trinkwasserversorgung in den Jahren 1474 - 1977 abgelöst.

Seit 1977 wurde Elbingerode im Rahmen des Zukunftsinvestitionsprogramms und aus Flurbereinigungsmitteln intensiv gefördert. Es wurden im öffentlichen Bereich die wasserwirtschaftlichen Maßnahmen, die Verbesserung der innerörtlichen Verkehrsverhältnisse und gestalterische Maßnahmen gefördert. Über 100 private Vorhaben wurden ebenfalls seit 1978 bis einschließlich 1984 intensiv beraten und gefördert. Begünstigt wurde die Dorferneuerung in Elbingerode aber entscheidend durch das seit 1968 laufende Flurbereinigungsverfahren Hörden - Elbingerode. Dadurch konnte ein Hauptziel der Dorferneuerung, nämlich die Verbesserung der Wirtschaftsverhältnisse für die landwirtschaftlichen Betriebe erreicht werden, unter anderem durch die vollständige Aussiedlung eines und die teilweise Aussiedlung der Schweinemast von drei Betrieben (inzwischen 5 Betriebe ).

Die Dorfbachsanierung war ein weiterer Schwerpunkt. Immer wieder hatten Überschwemmungen des Dorfbachs zu erheblichen Schäden geführt. Belegt sind Flutwellen im Bereich der Bachstraße von über zwei Metern Höhe. Durch den Bau eines Regenrückhaltebeckens oberhalb des Dorfes, in das ein Löschteich integriert wurde, schuf man gleichzeitig ein wertvolles Biotop. Der Bachlauf wurde nur an wenigen Stellen verrohrt, um mit der offenen Wasserführung, in die zu Löschzwecken ebenfalls Staumöglichkeiten eingebaut waren, den Dorfcharakter zu fördern.

Der Bau der Umgehungsstraße bot für Elbingerode die Möglichkeit, den Dorfplatz vor der alten Schule neu zu gestalten. Diese Ortsmitte, den Tie, schmückt wie in alten Zeiten wieder eine Linde. Und im "Harzkurier" hieß es am 2. August 1982: Bürger und Ratsherren pflastern ihre Ortsmitte - Die kleine Gemeinde Elbingerode gibt ein großes Beispiel - Hand- und Spanndienste für die Dorferneuerung schonen den Etat. Früher gab es keine Bürgersteige. Im Zuge der Dorferneuerung wurden die Straßenränder höhengleich gepflastert. Das Ziel der Dorferneuerung, den Erholungs- und Freizeitwert durch Maßnahmen der Ortsbildpflege und Ortsgestaltung zu steigern, wurde durch Anpflanzungen und Schaffung von Steinbänken und Ruhezonen u.a. erreicht.

Delegationen aus verschiedenen Teilen Deutschlands, aus den Niederlanden, Japan und Korea unter anderem haben sich inzwischen über die Dorferneuerungsmaßnahmen in Elbingerode informiert. In zahlreichen Vorträgen und Publikationen wurde das Projekt vorgestellt und beispielhaft genannt.

Dass aber die "sozialkulturelle Infrastruktur" im Dorf schon immer stimmte, lehrt die Geschichte, zeigen viele Beispiele aus der Vergangenheit. Unübertroffen war das Engagement der Bevölkerung aber besonders während der Dorferneuerungsmaßnahmen und die Präsentation 1983 auf der "Grünen Woche" in Berlin, als in Elbingerode "Greise und Kleinkinder" die Stellung hielten und mehr Elbingeröder in Berlin waren als in Elbingerode. Elbingerode und Estorf gestalteten den "Niedersachsentag" auf der "Grünen Woche" allein!

Zwar wurde der "Bau einer Mehrzweckhalle mit zweiläufiger Kegelbahn und Clubräumen" nicht verwirklicht, dafür verfügt die kleine Gemeinde aber über Sporthalle und ein neues Feuerwehrhaus.

Für 75 Prozent der Befragten einer Fragebogenaktion 1984 hat die Dorferneuerung "in ganz erheblichem Umfang", für 16 Prozent "für einzelne Teilbereiche" zu einer Verbesserung des Dorfes gegenüber der Ausgangssituation geführt. Eine solche Akzeptanz der Dorferneuerung führte schließlich dazu, dass auch die Gestaltung des Neubaugebietes in enger Zusammenarbeit mit Dorf- und Landschaftsplaner erfolgte.

Dass Anpacken und Mitmachen keine Fremdwörter sind, bewies die Bevölkerung erneut während der 1000-Jahrfeier 1990, beim Umbau der alten Schule in Eigenleistung zum Kindergarten mit Außenanlage und beim "Tag des offenen Hofes" 1999.

Klaus Gehmlich