Hördener Feldmark erhält ein neues Gesicht

Flurbereinigung
in Hörden und
Elbingerode

Der Vorstand der Flurbereinigung Hörden/Elbingerode im Jahr 1977.
Foto: Archiv Gehmlich

Am 18. April 1973 wurde der Wege- und Gewässerplan im Zuge der Flurbereinigung in Hörden und Elbingerode festgestellt. Mit diesem Plan erfuhr die Feldmark von Hörden eine völlig neue Struktur. Bis zur Verkoppelung Ende des 19. Jahrhunderts gab es in der Feldmark kein festes Wegenetz in unserem Sinne. Regionale und überregionale Verkehrswege sowie die Triften, auf denen vor allem die Kuhhirten ihre Herden trieben, bildeten ein sehr dürftiges Wegenetz. Aber auch an den Bachläufen blieb in der Regel ein Streifen frei und wurde als Weg genutzt.

Während der Dreifelderwirtschaft unterlagen die Bauern dem Flurzwang, das heißt, sie mussten alle etwa zur gleichen Zeit ihre Felder bestellen, und auch der Ernteanfang für die einzelnen Gewanne wurde gemeinsam beschlossen, so dass niemand, obwohl die einzelnen Parzellen zum Teil nur durch das Überfahren anderer Äcker erreichbar waren, durch die Arbeiten des Feldnachbarn geschädigt wurde. Hinzu kam, dass man einander half. Es erübrigte sich so ein ständig benutzbares Wegenetz.

Zwischen 1860 und 1871 wurde in Hörden die Verkoppelung durchgeführt. Die Aufgabe der Dreifelderwirtschaft machte eine Neuordnung der Besitzeinteilung und die Anlage eines Wegenetzes erforderlich. Diese erheblichen Veränderungen in der Feldmark konnten in Hörden ohne nennenswerte Kosten für die Beteiligten durchgeführt werden. Die Gemeinde verfügte über einen erheblichen Bestand an schlagreifen Eichen auf der Sackau, vor dem Bötenberg und vor der Steige, mit deren Verkaufserlös, rund 11000 Reichstaler, die gesamten Verkoppelungskosten bestritten werden konnten.

Während die Weiden entlang der Bachläufe auch nach der Verkoppelung noch erhalten blieben, da ihre Zweige weiterhin zur Herstellung von Kiepen und Körben benötigt wurden, verschwanden die Baumhecken, mit denen die Felder eingefasst waren.

In der Verkoppelung nutzte man die vorhandenen Wegeführungen noch weitgehend aus und orientierte daran das Wegenetz. Das war in der Flurbereinigung nicht mehr so. Vorhandene Hohlwege wurden jetzt zum Teil zugeschüttet oder neue Wege parallel dazu gelegt. Furten durch die Sieber spielten keine Rolle mehr.

Ziel der Flurbereinigung war es unter anderem, "unter Beachtung der herrschenden Geländeverhältnisse durch Neuordnung und Ausbau ein für den modernen landwirtschaftlichen Verkehr ausreichend leistungsfähiges Wegenetz herzustellen". Obwohl sich das Wegenetz aus der Verkoppelung eng an die von der Topographie vorgezeichnete Führung anlehnte, war es auch in seiner Struktur noch verbesserungsbedürftig, da der moderne Maschineneinsatz andere Anforderungen an die Wegeführung stellte als die Bewirtschaftung noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Die allgemeinen Grundsätze für die Neugestaltung des Flurbereinigungsgebietes Hörden Elbingerode waren 1971 mit den beteiligten Behörden und Organisationen erörtert und festgelegt worden. Bereits am 19. September 1972 konnte der Wege- und Gewässerplan erörtert werden. Er war Voraussetzung zur Umsetzung der weiteren Ziele der Flurbereinigung. Am Ende des Flurbereinigungsverfahrens waren rund 32 km bituminös in schwerer und leichter Ausführung und 34 km an Kiesschotterwegen hergestellt und zum Hochwasserschutz zwei Rückhaltebecken gebaut worden.

Als am 28. September 1988 vom Niedersächsischen Landwirtschaftsminister Dr. Burkhardt Ritz der Gedenkstein für die Flurbereinigung Hörden Elbingerode auf der Steige enthüllt wurde, hatte man sich an das neue Gesicht der Feldmark in Hörden schon längst gewöhnt.

Klaus Gehmlich