Fast 40 Jahre Anstrengungen um die
Bewahrung einer einzigartigen Landschaft

Naturschutz für
Hainholz und Beierstein

" Am Weinberg " - Der Flurname für den trockenwarmen Südhang des Rötzels, eines Höhenrückens zwischen dem Beierstein (links vom Bild) und Düna, erinnert an den mitteralterlichen Anbau von Messwein.
Foto: Firouz Vladi

"Die Gipskarstlandschaft im Südharz ist von einzigartigem Naturwert, von großer landschaftlicher Schönheit und bietet Lebensraum für eine vielfältige Flora und Fauna. Die Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen tragen hinsichtlich der Gipskarstlandschaft besondere Verantwortung und haben ...wertvolle Teile der Gipskarstlandschaft geschützt... Natur- und Landschaftsschutz soll sich auch aus der Region entwickeln und von den dortigen Bürgern, Gemeinden und Verbänden getragen werden. ..."

In dieser hier in Auszügen wiedergegebenen Erklärung der drei Umweltminister aus Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen vom Januar 1999 spiegelt sich beispielhaft wider, was an Arbeit um Hainholz und Beierstein und Düna in fast 40 Jahren von vielen geleistet worden ist; von Bürgerinnen und Bürgern, Landwirten, Gemeinden, dem Kreis Osterode, dem Land Niedersachsen, der Bundesverwaltung, von Verbänden und Initiativen. Auf den breit getragenen, vielfältigen Einsatz geht es zurück, wenn heute bei den beliebt gewordenen Sonntagswanderungen der GFB zahlreiche Südharzer und ihre Gäste hier eine intakte Kultur- und Naturlandschaft erleben können.

Am 27.11.1962 erließ der damalige Regierungspräsident in Hildesheim eine erste Anordnung zum Schutz von Hainholz und Beierstein. Eine weitflächige Rohstoffausbeutung in diesem Gebiet sollte abgewendet  werden. Diese Entscheidung war von Weitsicht und Sachkenntnis getragen, waren doch die besonderen Werte dieser Naturlandschaft bis dahin nur wenigen bekannt. Es schloss sich dann ein fast 20 Jahre währender Streit um Naturschutz, Steinbruchplanung und Entschädigung vor mehreren Gerichten und Instanzen an. Niedersachsen focht den Prozess nicht durch und handelte einen Vergleich aus, der die Ziele der Erhaltung dieser Naturlandschaft enthielt, der Wirtschaft weiterhin die Gipsgewinnung an anderen Orten ermöglichte und die Betroffenen aus Steuermitteln entschädigte.

Durch den Vergleich kam eine für den Naturschutz letzlich positive Wende zustande. In der Folge des Streites wurde das Hainholz-Beierstein-Gebiet mit allen Konsequenzen für den Naturschutz bundesweit bekannt. 1991 wurden weitere Flächen in die Erhaltungsziele der neu gefassten Schutzverordnung eingegliedert.

1992 wurde das Gebiet auf Initiative des Verfassers in das Förderprogramm des Bundes zur Errichtung und Sicherung schutzwürdiger Teile von Natur und Landschaft mit gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung aufgenommen. Dies eröffnete auf acht Jahre erstmalig investive Maßnahmen zur Bewahrung, Pflege, Wiederherrichtung und extensiven Bewirtschaftung der Natur- und Kulturlandschaft. Naturschutz sollte nicht mehr vorrangig mit Ge- und Verboten sondern durch Kooperation und finanzielle Unterstützung der Eigentümer und Bewirtschafter auf freiwilliger Basis verwirklicht werden. Im April 2000 wurde mit Erlass einer weiteren Naturschutzverordnung durch die Bezirksregierung Braunschweig das Gebiet zwar auf 641 ha erweitert, aber der Verbotskatalog verschärft. Im Juni 97 schuf ein Orkan günstige Voraussetzungen für die Entwicklung zu einem echten Naturwald im Hainholz.
 
Der Eingang zur Jettenhöhle im bunten Herbstlaub – heute hat diese Ansicht nur noch Erinnerungswert. Der Orkan Ende Juni 1997 hat in nur 10 Minuten die prächtigen alten Buchen vor dem Höhleneingang zusammengeworfen.

Johannes Thal enwähnte 1588 in seiner "Sylva Hercynia" den Südharz als eine Region von großer Artenvielfalt. Die Bemühungen um das Hainholz und weitere Anstrengungen um die Gipskarstlandschaft am Südharz haben in den letzten Jahrzehnten eine Fülle an Forschung ausgelöst. Viel hat seinen Niederschlag in der Literatur gefunden: Arbeiten zur Geologie und den Gewässern, Pflanzen- und Tierwelt, Archäologie und Siedlungsgeschichte, Landnutzung oder Waldwirtschaft.

Es hat diesen Raum reich gemacht; reich an Wissen und Wertschätzung. Jetzt gilt es, diese ideellen Werte auch der Bevölkerung und den Betrieben nutzbar zu erschließen, insbesondere im Fremdenverkehr. Mit dem Rundwanderweg begann 1990 im Hainholz eine behutsame Erschließung für Besucher, die zur einer Beruhigung vieler Flächen in dem von zahllosen Pfaden durchschnittenen Gebiet brachte. 1995 wurde dieser Rundweg in den überregionalen Karstwanderweg eingebunden. Im Jahre 2000 baute der Landkreis dann weitere, z.T. beschilderte Rundwege im erweiterten Gebiet der Gipskarstlandschaft Hainholz aus.

Wissenswertes ist seit 1997 neben verschiedenen Faltblättern ganz besonders im Internet zusammengestellt worden. Unter www.karstwanderweg.de kann sich der Interessierte schon zu Hause seine Wanderroute zusammenstellen, einen Lageplan und Informationen ausdrucken.

Firouz Vladi