Ein Afrikaforscher aus Bad Lauterberg

In der Kneippstadt allgegenwärtig - doch wer war eigentlich
Hermann von Wißmann?

- von Boris Krajewski -

Eine Straße ist nach ihm benannt. Das Denkmal zu seinen Ehren im Kurpark ist ein beliebtes Foto- und Postkartenmotiv. Doch wer war eigentlich dieser Wißmann?
Als "Afrikaforscher" wird Hermann von Wißmann gerne tituliert, der am 4. September 1853 in Frankfurt an der Oder geboren wurde. Und in der Tat kannte er sich in Afrika bestens aus.
Im Jahr 1880 begann er zusammen mit Paul Pogge seine erste Afrikadurchquerung von West nach Ost. Brenzlige Situationen mit den Eingeborenen soll er dabei mit viel Geschick -und vor allem ohne Gewalt- bewältigt haben.
So wurde er vom belgischen König Leopold II. in einem Vetrag von 1883 beauftragt, die Länder Zentralafrikas für die "Association Internationale du Congo" zu unterwerfen. Diesen Vertrag konnte Hermann von Wißmann bis zum August 1887 erfüllen. Gleichzeitig schloss er seine zweite Afrikadurchquerung in Mozambique ab.


Beliebtes Fotomotiv: Seit fast hundert Jahren steht das Denkmal zu Ehren Hermann von Wißmanns im Bad Lautenterberger Kurpark. FOTO: BORIS KRAJEWSKI

Als Deutschlands größte Kolonie Deutsch-Ostafrika in Bedrängnis geriet, weil die arabische Führungsschicht die deutsche Schutzherrschaft nicht akzeptieren wollte und viele Niederlassungen der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft zerstört worden waren, bediente sich auch Reichskanzler Otto von Bismarck der Dienste Wißmanns. Er sollte für Ruhe und Ordnung sorgen. Auch dies gelang ihm, so dass er schließlich zum Major erhoben, vom Kaiser geadelt und zum Ehrendoktor der Universität Halle ernannt wurde.
In Deutschland hielt er fortan Vorträge in denen er zum Kampf gegen den Sklavenhandel aufrief, der damals insbesondere von Sansibar ausging. Er startete mehrere Aktionen die zusammen mit solchen der Engländer Ende des 19. Jahrhunderts den Sklavenhandel tatsächlich völlig zu Erliegen gebracht haben sollen.
Vom Mai 1895 bis zum Dezember 1896 war Hermann von Wißmann Gouverneur in der deutschen Kolonie, ehe er krankheitsbedingt in den einstweiligen Ruhestand ging.
Am 15. Juni kam der Afrikaforscher auf seinem Gut Weißenbach in der Steiermark durch einen Schuss aus seinem eigenen Gewehr ums Leben, die Umstände sind immer noch Gegenstand von Spekulationen.

Doch warum nun steht in der Kneippstadt ein Wißmann-Denkmal? Wißmanns Mutter wohnte in Bad Lauterberg und ihr Sohn verbrachte seine Heimataufenthalte zumeist dort.
Und so steht nun also Hermann vom Wißmann als 3,20 Meter hohe Bronzeskulptur im Bad Lauterberger Kurpark auf einem Granitsockel, hat den Blick ins Weite gerichtet, eine Landkarte in der Hand und trägt den Ehrensäbel, den ihm der Sultan von Sansibar verliehen hatte. Zur Einweihung im September 1908 war sogar ein Vertreter des belgischen Königs zugegen.
Übrigens: Ursprünglich sollte das Denkmal weithin sichtbar an einem Berghang errichtet werden. Da der Spendenaufruf allerdings nicht so recht fruchtete, musste man etwas tieferstapeln.


Aushängeschild: Auch eine Straße
ist nach dem Afrikaforscher benannt.
FOTO: BORIS KRAJEWSKI