Die Auswahl eines geeigneten Injektionsmörtels (vergl. Abb. 21) erwies sich als aufwendiges Verfahren. Das ursprüngliche Ziel, einen entsprechend feinkörnigen, dünnflüssigeren Steinbrecher-Mörtel als materialidentische Füllmasse zu verwenden, mußte leider im Spätherbst 1996 nach mehreren Injektionsversuchen (Abb. 17) aufgegeben werden. Verursacht wurde dieser Mißerfolg durch ein geringfügig zu hohes Quellmaß (Längenzunahme eines Prüfkörpers beim und nach dem Abbinden) von etwa 1,5 mm/m. Diese geringe Volumenzunahme des eingepreßten Gipsmörtels ließt sich durch eine sehr genaue Erfassung der Dickenänderung der Mauer in der Testregion an der Spitze des Nebenzahns erfassen (Dr. F. BALCK, Inst. f. Angew. Physik, TU Clausthal). Das Testmaterial füllte zwar gut die vorhandenen Mauerhohlräume, erzeugte aber vereinzelte kleine Haarrisse in der Spritzputzverkleidung. Es wurde daher nach eingehenden Beratungen das an historischen Gipsbauten in Thüringen mehrfach eingesetzte "HAZ-Spezialbindemittel für Injektionen" ausgewählt. Dieser Hüttensand-Anhydrit-Zement besteht aus 88% fein gemahlener Eisenverhüttungsschlacke aus dem Ruhrgebiet, 10% Anhydritmehl und 2% Portlandzement zur Regulierung der Alkalinität im Frischmörtel beim Erhärtungsbeginn. Der HAZ-Mörtel verträgt sich nach Expertenuntersuchungen mit Gips und er kann durch Einrühren eines steifen, mit Tensiden erzeugten Schaums nach einer Weimarer Rezeptur als leichter, gut an den Hohlraumwänden haftender Injektionsschaummörtel ("ISM") eingesetzt werden. (STÜRMER et al., 1994; MIELKE & STARK, 1995). Die Rohdichte des ISM im abgebundenen Zustand beträgt aufgrund der zahllosen eingeschlossenen Luftbläschen nur etwa 1,1 -1,4 kg/dm3. Insgesamt 40 Tonnen dieses HAZ-Mörtels wurden als ISM in das Hohlraumsystem der Ruine mit sehr geringem Überdruck injiziert (Abb. 21), bzw. unaufgeschäumt mit höherem Druck in Bohrlöcher zur kraftschlüssigen Einbindung der Zuganker und "Nadeln" (vergl. Abb. 18) ins Mauerwerk verpreßt.

Auf die Maßnahmen und Probleme bei der endgültigen Gestallung der Abdeckplatten aus armiertem Estrichgips wird bei den Abb. 13 und 20 hingewiesen.

Ausblick
Bei der Sicherung und Sanierung bzw. Restaurierung der Bergfriedruine der Alten Burg in Osterode handelt es sich um ein Modellprojekt durch die weitgehende Verwendung von Gipsbaustoffen an der Außenhaut dieses Baudenkmals. Wettereinflüsse an diesem allseits voll exponierten Bauwerk stellen eine extreme Materialbelastung dar, die in sonstigen Bauvorhaben durch konstruktive Maßnahmen (z. B. Schutzdächer) gemindert würde. An der Oberfläche dieser Ruine wechseln, manchmal in kurzem Zeitabstand, volle Besonnung, Austrocknung, Durchfeuchtung und Frost. Die hoch aufragende Alte Burg ist folglich ein Härtetest-Objekt für Baumaterialien.