Dies sind, sehr kurz gefaßt, die Ursachen für die erstaunliche Ruinenstabilität und die Sanierungs- bzw. Restaurierungsfähigkeit des Osteroder "Hohlen Zahns" (Abb. 4). Diese ungewöhnliche Form eines hohen Halbturmes, der schon in Heinrich HEINE's "Harzreise" von 1824 Erwähnung findet, dürfte durch den Einsturz der Turmsüdhälfte zwischen 1512 und 1545 wegen Gründungsproblemen erzeugt worden sein (KULKE, 1995, S. 27). Durch die statische Instabilität des an seiner Nordwest-Seite tief gespaltenen Halbzylinders hervorgerufen, hatten sich viele, steile, gefährliche Risse in der Mauermasse gebildet (Abb. 5 u. 6). Ursache dafür ist besonders die hohe Auflast, die tendenziell ein seitliches Ausweichen, bzw. Schieben der Mauermasse auf die senkrechten Bruchkanten hin erzeugt. Zusätzlich kommt es bei südexponierten (Naturstein)-Mauern öfters vor, daß sich die äußere Mauerschale durch die thermischen Spannung vom Kernmauerwerk löst und ausbaucht. Folglich stürzten immer wieder große oder auch kleinere Massen besonders an den Seitenflächen ab, weitere potentielle Abstürze bedrohten die Umgebung (KULKE, 1995, S. 21-26).

Abb. 4: Diese Ansicht der Bergfriedruine aus Südost, vom Friedhofshauptweg aus, zeigt die gewaltigen Abbruchkanten, die den Haupt- und Nebenzahn begrenzen und die tief nach unten reichende Spalte zwischen beiden Ruinenteilen. Beide Spitzen mußten wegen der starken Gefügeauflockerung im Zuge der Sicherungsarbeiten im ersten Halbjahr 1996 um je etwa 1 m abgetragen werden. Das offene Dreieck weist auf die Position von Abb. 7 hin, die weiße 5 auf jene des tiefen Risses der Abb. 5.
Aufnahme im Januar 1995
(Archiv HK 14448)