Von der Baumans-Höle 
Von der Baumans-Höle.

Ich mache billich von diesem Wunder-würdigen Wercke und Meister-Stück der Natur den Anfang; weilen solche Höle alle andere an und auff dem Hartz gelegene, mit ihrer Grösse, Vielheit derer Grüfften und darinnen befindlichen Raritäten, übertrifft, und dieserwegen von denenselben von langen Jahren und Menschen Gedencken an, die allerberühmteste gewesen, und noch ist, auch wohl bleiben wird, und dieses ist die Ursache, daß jederzeit viele, so wohl von hohen Standes-Personen als andern vornehmen und gemeinen Leuthen, sich in dieselbe aus Curiosität begeben haben; wie man denn wenig recht curieuse Gemüther, so wohl in denen angräntzenden als auch ziemlich weit abgelegenen Landen, antreffen wird, die da nicht solten derselben zu Gefallen dahin gereiset sein, oder selbige im Vorbei-Reisen in Augen-Schein genommen haben; wäre aber solches nicht geschehen, indem sie keine Zeit und Vermögen zu reisen gehabt, oder sind durch andere Ursachen daran verhindert worden, so versichere: daß sie doch zum wenigsten von solcher Curiosität-Kammer der Natur Wissenschafft haben werden, und solches dahero: daß ihnen entweder von andern solches rares Werck der Natur erzehlet worden, oder sie davon in unterschiedenen Autoribus oder Büchern gelesen haben; massen diese sehr curieuse Höle, als das Gerüchte von ihr weit und breit erschollen, auch denen frembden Nationen, als Engelländern, Italiänern und andern ausländischen Völckern bekand worden, und bei ihnen in solchen Beruff kommen, daß sie auch dieselbe gewürdiget, ihrer in ihren Schriften rühmlich zu gedencken; wie bei dem Henrico Oldenburgio, als Secretario der vortrefflichen und hochberühmten Königlichen Societät in Engelland, in denen von ihm heraus gegebenen Actis Philosophicis von gedachter hochlöblichen Societät, und zwar in denen Actis des Monats Septembris Ao. 1668 pag. m. 647 ingleichen bei dem berühmten Athanasio Kirchero in seinen Scriptis, insonderheit in seinem so genandten mundo subterraneo tom. 2 sect. 2 libr. 8 cap. 5 & 6 fol. 60 & seq. wie auch bei dem Olao Wormio Tollio und vielen an dern ausländischen Scribenten mehr zu ersehen ist; welches denn auch diese schauwürdige Höle wegen ihrer vielen Curiositäten und natürlichen Wunder-Arbeiten wohl verdienet, und deswegen sicherlich werth ist: daß man ferner davon melde, und selbiger eigentliche Beschaffenheit der gelehrten und curieusen Welt noch mehr kund mache. Es scheinet zwar, als ob der Hochwohlgebohrne Herr Johann Weichhardt Valvasor, Frey-Herr Gallnekh, in seinen in vier Tomos getheilten und mit vielen herrlichen Kupfer-Stücken gezierten schönen Wercke, die Ehre des Hertzogthums Crain genandt, dem dieser Hölen rechtmäßig zukommenden Lobe viel entziehen, und selbiges also ziemlich verdunckeln wolle, indem er nicht allein lib. 2 cap. 68 Tom. 1 fol. 278 in genere oder insgemein die inner-Crainerischen Grotten oder Hölen andern frembden weit vorziehet, sondern auch in specie und insonderheit saget: daß unter andern so wohl die am innern Crain unter Lueg, als einem der Hoch-Gräfflichen Khobenzelschen Familie zugehörigen und auff Crainerisch Iamma genandten Schlosse, befindliche und von Herrn D. Ludwig Schönleben in Apparatu Carniolae Antiquae cap. 4 §. 5 fol. 123 beschriebene Hölen, wie auch die in gedachtem Lande bey dem Fürstlichen Auerspergischen Schlosse Adlersberg oder Adelsperg, an der Poick zwischen Laybach und S. Veit am Pflaum gelegene Grotte, die Baumans- Höle an curieusen Raritäten weit übertreffe, und nicht daran hindere, daß die Braunschweigische und Lüneburgische Topographia Matthæi Merians fol. 31 & 36 dieselbe vor unvergleichlich ausstreiche, und vorgebe: es werde in keiner Historischen Schrifft von dergleichen gelesen, sei auch wol nirgends auff dem Erd-Boden dergleichen eine mehr anzutreffen; massen solches mit der Wahrheit nicht überein käme, weilen er die Baumans-Höle auch vormals gesehen habe, und also den Unterscheid unter dieser Höle und vorgemeldeten Crainerischen Grotten am besten wüste, welchen ebenfalls ein Engelländer und zwei Holländer, als wohl gereisete Personen, bekennen müssen: Denn als er selbigen vorgedachte Crainerische Höle gezeiget, hätten sie sich nicht genugsam darüber verwundern können, und versichert: daß ihnen zwar niemals eine Höle zu Augen kommen, welche über die Baumans-Höle wäre, diese zwei aber giengen weit darüber; aus diesen Ursachen hält nun wohlgemeldeter Herr Baron Valvasor in vor angezogenen Tomo lib. 4 cap. 7 fol. 519 sonderlich die Grotte bei Lueg für eine Fürstin unter allen anderen Hölen: die werth sei, daß sie den Thron vor denenselben einnehme; Ob ich nun schon gestehen muß, daß besagte Crainerische Hölen, so wohl der Beschreibung als der durch Kupfer-Stücke geschehenen Vorstellungen nach, Preis-und Verwunderns-würdig sind, auch nicht kann geleugnet werden, daß der Autor vor gemeldeter Topographiae nicht solte geirret haben, und in etwas zu weit gegangen sein; über das man ebenfalls etlichen andern gerne zugiebet; wie in der Baumans-Höle bei weiten nicht mehr so viel bewegliche Curiosa als vor Alters anzutreffen sind; indem die jährlich häufig ankommende curieuse Besucher, von Jahren zu Jahren, davon vieles zum Andencken mitgenommen haben, auch selbige Höle offtmahls gar von ungewaschenen Händen und Dieben also bestohlen worden, daß auch dahero, zur Verhütung weiteren Ruins, der Eingang zu derselben mit einer verschlossenen Thür hat müssen verwahret werden; dennoch kan ich mit gutem Fug und Recht dieselbe vor eine Fürstin aller hier zu Lande auch anderer weit herum gelegenen Hölen halten, und befindet sich noch in solchem Stande, daß sie meritiret, von curieusen Personen besehen zu werden; massen dieselbe einem jeden Liebhaber derer Curiositäten leichtlich, mit ihren Wunder-Spielen der Natur, alles verlangte Vergnügen und Satisfaction geben wird, wenn er in dieselbe gelanget. Es lieget aber die Baumans-Höle auff dem Unter-Hartz und zwar in der alten Graffschafft Reinstein: Nahe bei derselben gegen Mittag befindet sich das so genandte Rübeland, mit denen an der Bode, als einen berühmten Hartz-Fluß, erbaueten Eisen-Hütten und Hämmern: Mitternachtwerts ist die Stadt und Schloß Blancken-Burg; gegen Abend aber, das Ambt und Stadt Elbingerode oder Eligerode gelegen, aus welcher Stadt der selige Magister Heinricus Eckstormius, weiland Rector. Prior und Pastor in Walckenrieth bürtig gewesen: liegt also die Höle zwischen Blanckenburg und Elbingerode, und zwar, einiger Vorgeben nach, recht mitten zwischen vorgemeldeten Städten, also, daß man von einem der vor besagten Oerter so weit als von dem andern zu der Höle zu gehen habe; welches ich dahin gestellet sein lasse, weilen ich solches nicht gemessen habe, das kan ich aber wohl sagen: daß mir der Weg von Blanckenburg biß dahin ziemlich länger vorkommen sei, wenn ich denselben gereiset, als derjenige, der von Elbingerode zur Höle führet: gegen Morgen findet man nahe bei der Höle keinen bewohnten Ort; sondern es ist daselbst nur ein Theil des Hartz-Waldes zu sehen: Den Nahmen anbetreffend, wird diese Höle einig und allein die Baumans-Höle, und von denen Landes-Einwohnern, ihrer ziemlich platten Nieder-Sächsischen Sprache nach, die Bumans-Höle geheissen, ausser welchen Nahmen sie, meines Wissens, keinen mehr hat; sehe also nicht; warum und mit was vor Fug und Recht Tollius, Kircherus und Wormius selbige Baumans-Holtz nennen, zumahlen da bei derselben kein Holtz, davon sie solchen Nahmen etwa bekommen hätte oder noch haben könte, anzutreffen, sondern vielmehr der Berg, worinnen die Höle sich befindet, oben gantz bloß, und mit keinen Bäumen bewachsen ist; derowegen ich solches billich vor einen Irrthum halte, welchen ein Ausländer leicht begehen kan, wenn derselbe entweder nicht recht berichtet wird, oder selbst nicht gebührend auff den Nahmen Achtung giebet: Obgedachten Nahmen aber hat sie von ihrem Erfinder erlanget, den man insgemein davor hält, daß derjenige, so sich zum erstenmahl hinein gewaget, derselben Gelegenheit endecket, und also dieselbe Höle erfunden, soll Baumann, oder, des Landes-Redens-Art nach, Buman geheissen haben: wenn nun einige curieuse Personen vorhanden, die selbige zu sehen verlangen, müssen sie sich, damit sie kein vergebenes Werck anfangen, vorhero und vor allen Dingen um einen Führer umbsehen, welcher ein Mann ist, so gemeiniglich zu gedachten Rübelande wohnet, und von der hohen Obrigkeit über die Höle bestellet, auch mit solcher Verrichtung privilegiret worden: haben sie nun daselbst nach demselben gefraget, und ihn angetroffen, können sie demselben ihr Verlangen entdecken, so wird er alsdenn leichtlich ihnen seines Interesse wegen willfahren, und sie umb ein leidliches Trinck-Geld in die Höle führen; zu dem Ende er alsobald Berg- oder andere geringe Kleider verschaffet, welche die Compagnie anziehen muß, wenn sie anders nicht im Durchkriechen dere Hölen ihrer Kleider mit Staub und Koht abscheulich besudeln und verderben auch wohl gar zu ihrem Schaden noch Spott haben wollen: wovon ich ein Exempel an einem filzigen und geizigen Menschen gesehen, welcher zu menagiren gedachte, und deswegen seine Kleider anbehielte, in Meinung: daß er alsdenn nicht so viel zum Trinck-Gelde vor den Führer, welches demselben vorhero einige aus Kurtzweile weis gemachet, geben dürffte, und halff es nicht, daß demselben von den Führer vorher gesaget wurde, wie er dieselben heßlich zurichten würde, welches auch erfolgete, indem er grausam besudelt aus der Höle kam, worüber denselben die Compagnie hefftig auslachete, und nicht wenig vexirete; sonderlich da er eben so viel als andere zum Trinckgeld, nach Ausspruch des Führers, mit dem einige aus der Compagnie solches vorhero abgeredet, unter dem Vorwand, daß solches also bräuchlich sei, erlegen muste, und ihm seine Entschuldigung nicht zu statten kam: daß er nehmlich seine Kleider anbehalten hätte. Unterdessen als die Compagnie mit dem Aus-und Anziehen beschäfftiget ist, versiehet sich der Führer nicht allein mit Lichtern und Fackeln, sondern auch mit einem guten Feuer-Zeuge, welches insonderheit mit druckenen Zunder wohl versehen ist; massen derselbe ohndem in der Höle nicht gerne fänget: weilen er daselbst von denen darinnen enthaltenen feuchten Dünsten noch feuchter wird, und also destoweniger die aus dem Stahl geschlagene Funcken annimmet: Es wird aber das Feuer-Zeug von dem Führer deswegen in Vorraht mitgenommen: daß er sich desselben bedienen könne, wenn die Lichter und Fackeln nicht brennen wollen, sondern ausleschen, welches denn öffters zu geschehen pfleget, und von denen meisten denen Bosheiten und Tücken derer sich in der Höle auffhaltenden Erd-Geister oder Gespenster zugeschrieben wird, das auch zu Zeiten wohl von ihnen geschehen kan, weilen nicht zu leugnen ist: daß der Teuffel nicht allein über sondern auch unter der Erde und zwar in denen einsahmen Hölen am meisten sich auffhalte, und daselbst sein Spiel habe, wie sich denn zu Zeiten solche Spectra in der Baumans-Höle in einer langen weissen Frauen oder anderer Gestalt denen Curiosis præsentiret, und sonderlich aus denen Neben-Hölen, darinnen es etlicher Aussage nach nicht richtig sein soll, heraus gegucket haben, und erzehlet Herr Licentiat Christoph Helvvig Physicus zu Tännstädt in seinen Berg-Historien pag. 44 daß solches einigen von der Gesellschafft, so mit ihm die Baumans-Höle besehen, in der Ober-Höle wiederfahren sei, als sie sich in die mittlere Höle nicht mit wagen wollen, sondern daselbst, biß zur Wiederkunfft dererjenigen, die in solche mittlere Höle gefahren, verblieben wären: welches denn keine unmügliche Sache ist, wenn sie nicht aus Furcht sich dergleichen Gespenst eingebildet haben: Ob nun schon also vorgemeldete Ausleschung derer Lichter und Fackeln von denen Gespensten geschehen kan; so halte doch davor, daß dieselbe mehrentheils von denen Dünsten und Ausdämpfungen herrühre, und eher von denselben als durch die Erd-Geister geschehe, massen die dicke und feuchte Vapores oder Dämpffe die in der Höle befindliche Lufft sehr dicke, schwer und also zur Brennung derer Lichter und Fackeln unbequem machen; sonderlich da dieselbe von der euserlichen Lufft wenig und fast gar nicht, wie sichs gebühret, kann verdünnert werden: weilen die Höle nur ein Lufft-Loch, nemlich den einigen Eingang, hat, wodurch nicht viel von der euserlichen, durch Sonne und Wind verbesserten und dünne gemachten, Lufft hinein kommen kan; daß aber eine solche dicke, schwere und feuchte Lufft die Lichter und andere brennende Sachen nicht gern brennen lasse, sondern auslesche, ist aus denen fundamentis Physicis denen Gelehrten, sonderlich Natur-Kündigern, bekand, und von dem Autore der Philosophiæ Veteris & novæ Tom. 2 Tract. 1 cap. 2 p.m. 80 zur Genüge erwiesen, auch so ein groß Wunder nicht; massen die Erfahrung bezeuget, daß dergleichen in denen Kellern sich begiebet, wo vieles starck gährendes Geträncke, als Wein- Birn- und Aepfel-Most, lieget, oder Bier und Breihan zu zeitig gefasset worden, indem diese starck fermentirende Dinge solche Dünste von sich geben, die wegen ihres schweren und feuchten Wesens der nothwendigen Bewegung und Ventilation der Lufft, ohne welche keine brennende Materie brennen kan, wiederstehen, und dahero die Flamme derer brennenden Lichter gleichsam ersticken, welches alles ich mit vielen rationibus und experimentis darthun könte, wenn solches vor nöthig erachtete: Es möchte zwar einigen von denenjenigen, so die Ursach gedachter Ausleschung derer Lichter und Fackeln einig und allein denen Erd-Geistern und Gespenstern beimessen wollen, meine vorgebrachte Meinung wunderlich vorkommen, und dürfften dieselben darwider einwenden, daß, wenn die Lichter und Fackeln, meinem Vorgeben nach, von den dicken, schweren und feuchten vaporibus ausgeleschet würden, solches allezeit geschehen müste, wenn man in die Höle gelangete, welches aber doch wider die Erfahrung sei; indem viele in der Baumans-Höle gewesen wären, die dergleichen nicht observiret oder wahrgenommen hätten; es dienet aber darauff denenjenigen, die einen solchen Einwurff machen, zur Antwort: daß freilich in solcher Höle nicht allemahl die brennenden Lichter und Fackeln ausleschen; weilen daselbst die Dünste und Witterungen nicht allezeit so starck sind, daß sie solches verrichten können; massen die Lufft, so wohl inner- als ausserhalb der Hölen, der Wechselung unterworffen, auch derowengen einmahl schwerer und feuchter als das andermahl ist, ob sie schon insgemein sich allezeit in der Höle dick und feuchte befindet; welches alles durch Hülffe eines von der Guericke, Boyle, Schotto und Sturmio beschriebenen Thermometri oder so genandten Wetter-Glases demjenigen kan probiret und bewiesen werden, der solches etwa vor unglaublich halten will. Nachdem nun die curieuse Gesellschaft mit dem Anziehen derer Berg-und andern geringen Kleidern fertig worden; so machen sie einen Berg- oder Fuhrmännischen Auffzug, und wandern mit dem Führer in dem angelegten Berg-Habit auch öffters in schlechten Fuhrmanns-Kitteln den nah-gelegenen Berg, darinnen die Höle lieget, hinauff, und lachet wohl inzwischen einer den andern über die Verstellung weidlich aus, sonderlich wenn unter der Compagnie etliche angetroffen werden, denen solche Kleidungen vor andern poßirlich anstehen, wie ich denn behertztes und curieuses Frauen-Zimmer habe mit einfahren sehen, über derer Posituren sich auch mancher melancholischer Sauer-Topff hätte zu Schanden lachen müssen, unter solchen Possen und Vexationen kömmet die Compagnie bald an den Ort, wo die Höle ist, vor deren Eingang sich ein, durch die Natur, von Felsen-Stein und Erden gewölbeter Schwib-Bogen befindet, so einer Capelle fast ähnlich siehet, und gleichsam der Höle Vor-Gemach ist; allwo etliche erstlich die Berg- und andere Kleider anzuziehen pflegen; allein es ist besser, wenn solches in des Führers Behausung geschiehet, sonst man einen Hüter zur Verwahrung der abgelegten rechten Kleider haben, und dabei lassen muß: gedachter Eintritt oder Mund der Höle bestehet ebenfalls aus einem festen und derben Stein, ist an sich selbst rund und zu solcher runden Figur mehr durch die Natur als Kunst kommen, darneben so enge, daß mehr als eine Person zugleich in selbiges nicht kriechen kan, und will der seelige Herr Matthæsius, weiland im Jochims-Thal in Böhmen sehr beliebt und belobt gewesener Berg-Prediger, in seiner dritten Berg-Predigt, laut des hieraus von Tit. Herrn Doctor David Kellnern gezogenen und in seinem Berg- und Saltz-Wercks-Buche befindlichen Extracts oder Auszuges pag. 38, daß die Enge dieses Hölen-Ganges von dem Wachsthum der Steine oder Felsen herrühre, sagende: daß Stein und Felsen noch heutiges Tages wüchsen, welches daher abzunehmen sei; weilen man noch Stollen fände, die nach üblichem Stoll-Recht so weit genommen worden, daß man mit einem Lauff- oder Schiebe-Karn geräumig darinne habe fahren und fortkommen können, welche mit der Zeit aber also enge wieder worden und zusammen gewachsen wären, daß eine Person kaum auff der Seite hinein dringen könne, wie anjetzo an der Baumans-Höle zu sehen sei, welche Enge meines Erachtens wohl dahero entstehen kan, ob schon selbige auch von Natur also beschaffen gewesen; massen alle Grundgelehrte Physici statuiren, daß Felsen und Steine fort vor fort unvermerckt wachsen und zunehmen, wie bei dem Antoin le Grand in seinen Institutionibus Philosophiæ Tom. 1 part. 6 Articul. 9 pag. 540 Daniel Sennerto in Epitom. naturalis Scientiæ lib. 5 c. 4 p. 417 und Matthia Gruvio, als meinem gewesenen Praeceptore in Philosophicis, wie ich mich auff der Universität Erffurt auffgehalten, in seiner Physica Sect. 5 c. 2 wie auch in der Philosophia Veteri & nova Burgundiaca Tom. 2 part. 2 cap. 489 und andern mehr kan gelesen werden: Die Ursache aber des gedachten Wachsthums derer Steine und Felsen wird von denen Autoribus dem fucco & aquae lapidescenti, das ist, einem zu Stein werdenden Safft und Wasser, auch dem spiritui lapidifico oder einem Steinmachenden Geist, ingleichen andern Dingen zugeschrieben, und wolte ich gern dem curieusen Leser zu Gefallen eines jeden Autoris Meinung in specie anführen, wenn es nicht eine weitläuffige Materie wäre, und demselben also mehr Verdruß als Lust verursachen würde. Vor gemeldetem runden Loche oder Eingang zu der Höle zündet der Führer bei einem in der Laterne oder Leuchte verborgenen brennenden Lichte die bei sich habende Fackeln und Lichte an, theilet solche unter die Compagnie aus, und kriechet alsdenn voran in den Eingang, dem einer nach dem andern von der Gesellschafft mit einem in der Hand habenden brennenden Licht oder Fackel folget, und müssen dieselbe ingesamt auff jetzt erzehlte Art und Weise eine ziemliche Länge durch der Hölen Schlund, so zwei niedrige und enge Klüffte sind, ihren March nehmen, und damit so lange nicht ohne ziemliche Mühe anhalten, biß sie Abend- und Mitternacht-werts, mit Staub wohl bestäubet und gepudert, in die erste oder oberste Höle kommen, welche ein von der künstlichen Natur verfertigtes Gewölbe und von solcher Höhe und Weite ist, daß auch, dem Augen-Maß nach, ein mittelmäßiges Haus oder etliche kleine niedrige Gebäu darinnen stehen können: der Tropff- oder Trauff-Stein befindet sich häuffig in derselben, nicht allein auff der Hölen ungleichem und unebenem Boden, sondern auch an denen Seiten und oben an der Decke des Gewölbes, alwo derselbe wie Eis-Zapffen hänget, zwischen welchen vor diesem, als die Höle noch offen gestanden, die Fleder-Mäuse in großer Menge gesehen worden, welche aber nunmehr, da die Höle mit einer Thür verwahret worden, so häuffig daselbst nicht mehr anzutreffen sind, weilen ihnen dadurch der Paß versperret worden: Ferner trifft man in dieser Höle viele kleine Neben-Gänge oder Hölen an, darinnen die spectra oder Gespenster sonderlich ihr Spiel und Wesen haben sollen, wovon Unterschiedliches von Unterschiedenen erzehlet wird, weilen aber daselbst sonst nichts Sonderliches zu sehen ist, so führet der Führer selten, und wenn es nicht in specie verlanget wird, die Compagnie in selbige ein, sondern er gehet, umb genugsame Zeit zur Beschauung derer andern Curiositäten zu gewinnen, mit derselben solche vorbei zu einem kleinen Brunnen, der zwar nicht viel Wasser in sich hält, welches aber doch so helle und klar als ein Cristall ist, auch darneben einen gar reinen und süssen Geschmack hat: Dieses Wasser wird von vielen vor die Stein-Schmertzen verlanget, und vor solche als ein bewährtes Mittel ausgegeben; wie denn auch der allbereit gemeldete Eckstormius in seiner Lateinischen, von dieser Höle an D. Zacharias Brendeln, weiland Professorem Medicinae zu Jena A.C. 1589 den 28. April geschriebenen und bei D. Brendels Historie derer Erd-Beben befindlichen, Epistel meldet: daß, so viel er gehöret, der vornehme Artzt D. Johann Schröter den Gebrauch dieses Wassers nicht getadelt habe, als derselbe von Jena aus von den Hohnsteinischen Graffen, Herren Volckmar Wolffgang (als dem Vater des letzten Hohnsteinischen Graffen und Herrens Ernesti, mit dessen Tode die Gräffliche Hohnsteinische Familie A.C. 1593 auffgehört) zu einer Cur beruffen worden. Ebenfalls gedencket vorgedachter Eckstormius in der angezogenen Epistel, wie hauptsächlich von diesem Wasser zu mercken sei: daß, so es in Glas gethan und verwahret werde, solches ein gantzes Jahr, auch sogar ohne einzige Hefen oder Ansetzen gut und frisch bleibe: Ob nun solches Wasser vim anodynam oder eine Schmertzen-stillende Krafft in sich habe, und dadurch die Stein-Schmertzen lindere, ingleichen worinnen solche Krafft bestehe, dasselbe werde vor diesesmal nicht vollkömmlich beantworten können; weilen dessen ingredientia noch nicht, wie offte Willens gewesen, durch die Destillation, Evaporation, Praecipitation und andere Chemische Experimenta (so wieder des Becheri und anderer Einwürffe von Herr D. Rosino Lentilio, Physico zu Nördlingen, in denen Ephemeridibus Germanorum Decur. 2 A. 5 Obs. 201 pag. 411 rechtmäßig defendiret werden) erforschet habe, und also nicht wissen kan, was solches etwa bei sich führen möchte. Das hab ich aber an demselben observiret und wahrgenommen, wie selbiges auch ein Brust-Mittel sei, und den in der Lunge enthaltenen dicken und zähen Schleim zertheile; indem etliche von denenjenigen, so davon in der Höle getruncken, darauff einen solchen dicken und zähen Schleim mit rauhem Husten dermassen von sich geworffen haben, daß sie auch über die häufige ausgeworffene Materie sich sehr verwundern müssen, muthmasse dahero also, daß solches Wasser virtutem resolvendi vel attenuandi, oder eine zertheilende und dünne machende Tugend und Macht haben müsse, und dieserwegen auch in denen Stein- Schmertzen gut thue, weilen es den bei den Steinen und Sande befindlichen und die gewöhnlichen Gänge verstopffenden dicken Schleim zertheile, und dem dadurch verarrestirtem Steine und scharffen Schmertzen machendem Sande den Paß wieder eröffne, darneben kan das blosse, reine und süsse Wasser, als das grosse menstruum der Natur, wie es der gelehrte Engelländer Thom. Willis in seinem Tractat de fermentatione cap. 9 oper. p. 38 nennet, die in denen humoribus enthaltene, scharffe, rauche und die meatus zusammen ziehende Saltze aufflösen, diluiren, abspülen, wodurch die auff vorbesagte Art enge gemachte Wege ebenfalls wieder zu der gebührenden Weite gelangen, und auf solche Weise den Stein mit dem Sande leichter und mit wenigern Schmertzen durchlassen, derowegen nicht unbillich Herr D. Christianus Menzelius in vorgedachten Ephemeridibus Decur. 2 A. 3 Observ. 14 pag. 56 saget, wie das blosse Wasser gewißlich eine Heil-Meisterin vieler Kranckheiten sei, welches man insonderheit an dem nunmehro aller Orten bekandten Thée-Tranck siehet, als welcher seine Krafft nicht allein von denen Thée-Blättern sondern auch von dem warmen Wasser hat, ja es will gar Herr D. Johann Ludwig Hannemann in jetzt gemeldeten Epemeridibus Decur. 2 A. 5 observ. 113 Schol. p. 224 & seq. die Würckung dieses Tranckes allein dem warmen Wasser und nicht dem Thée zuschreiben; weilen hievon das Wasser nicht verbessert würde, und man in demselben nach der Evaphoration kaum etliche wenige Gran von einem Thée-Extract finde, welcher Meinung aber Herr D. Lucas Schrúckius in dem Scholio oder Erklärung über die vorangeführte Observation p. 227 nicht beipflichtet, sagende: daß der Thée auch das Seinige darbei thue, indem derselbe mit seinem alcalischen Saltze und denen gelinde adstringirenden und bittern Theilen das warme Wasser corrigire, und habe er durch die Evaporation befunden, daß ein Quentgen Thée mehr als den dritten Theil seines Wesens dem warmen Wasser mittheile. Belangend dasjenige, was wohl gedachter Eckstormius von dem Brunnen-Wasser in der Höle meldet, nehmlich daß selbiges sich ein Jahr lang halte, und nicht faul werde; so zeiget solches an, daß es ein mineralisches Wasser sein müsse, und mit einigen subtilen solvirten Mineralien und süssen mineralischen Saltzen imprægniret und vermischet sei, welche dasselbe von der Corruption oder Verderbung bewahre, bevorab wenn es an einen gebührenden kühlen Ort gesetzet worden, wiewohl die gemeldete Verwahrung auch viel bei der Sache thut; denn wenn das Glas mit einer Rinden oder andern guten Blasen wohl verbunden wird, kan keine Lufft darzu kommen, welche sonst das Wasser zu einer allmähligen Fermentation oder Gährung, und durch die selbe zu einer Fäulniß bringet: Ferner rühmet Eckstormius von diesem Wasser, daß es keine Hefen oder Trübe setze, die Ursache ist, daß sich in selbigem keine Unreinigkeiten befinden, die sich auf dem Boden des Glases præcipitiren oder niederschlagen könten, weilen selbiges aus einem harten Felsen quillet, und durch denselben gleichsam filtriret und von allen impuritatibus geläutert worden, die Mineralien aber, so es etwa bei sich führen möchte, fallen so leicht nicht zu Boden, sonderlich wenn die Lufft nicht zu dem im Glase verwahrten Wasser kommen, mit ihrer Schwere dieselbe drucken, und nach und nach præcipitiren oder niederschlagen kan, welches doch auch schwer hergehet, wenn schon das Glas offenstehet, denn die Lufft einig und allein insufficient und nicht genug ist, die Mineralien gäntzlich aus denen poris oder spatiis, die, wie denen Physicis bekannt, das Wasser hat, zu bringen und selbige niederzuschlagen, wenn ihr nicht ein gewisses præcipitans oder niederschlagende Materie zu Hülffe kömmet, und die Mineralien mit Gewalt daraus treibet; indem solches præcipitans die gedachten poros des Wassers einnimmet, worauff die hierinnen besindliche Mineralien ihre gehabte Herberge verlassen, und mit etwas von der niederschlagenden Materie zu Grunde fallen müssen, worüber sich diejenigen, so dergleichen experimenta Chymica niemahls gesehen, offtmahls sehr verwundern, wenn man ihnen solche zeiget. Vor-gedachtes Brunnen-Wasser lässet der Führer die sämtliche curieuse Compagnie kosten, nicht allein des lieblichen süssen Geschmacks wegen, sondern auch, damit sie davon andern erzehlen können. So bald nun solches die Reihe herum geschehen ist, gehen sie mit demselben wieder eine ziemliche Länge durch die Höle biß zu dem so genannten Rosse oder Pferde, welches ein wunderlicher Stein-Fels ist, indem derselbe einem höltzernen Pferde, darauff die Exercitien-Meister ihre Discipel voltigiren lehren, oder vielmehr einem höltzernen Esel, auf welchem die Soldaten, wenn sie etwas begangen haben, zur Strafe reiten müssen, ziemlich gleich siehet: Dieses Felsen-Roß ist ohngefehr 6 Werk-Schuh oder 3 Ellen hoch, und bei 10 biß 12 Ellen lang; Oben auff demselben befindet sich eine ziemliche harte Schärffe, die dieses Pferdes Rücken ist, alldar es fast in der Mitten einen Durchnitt, etwa einer guten Hand breit, hat; auff der einen Seite dieses artig formirten Felsens aber gehet eine Klufft hinunter, und schliesset sich über demselben rund herum der Hölen rechte und eigentliche Fels, wie ein Schwib-Bogen oder Gewölbe wieder zusammen: Auff dieses Roß muß die Compagnie steigen, und darauff reitend mit denen in Händen habenden brennenden Fackeln und Lichtern, welches recht poßirlich lässet, fortrutschen und krichen, bis dieselbe fast zum Ende kommen, allwo zur lincken Hand die Einfahrt zu der andern und mittlern Höle ist, welchen ihnen der Führer zeiget, und dabei vermeldet, daß solcher weit enger und gefährlicher als der Eingang in die obere Höle sei: diejenige nun, welche furchtsames Gemüths sind, und sich hiedurch haben abschrecken lassen, nehmen ihren Rück-Weg von diesem Felsen wieder in die erste Höle, und erwarten daselbst die andern von ihrer Compagnie, so sich resolviret, mit dem Führer in die mittlere Höle zu fahren, und dieselbe zu beschauen; diese hingegen aber müssen in einen ziemlich sauren Apfel beissen, und ihrem Führer durch enge unwegsame Oerter folgen, welches alles aber die Curiosität und Schau-Lust ihnen wieder versüsset, und alle Mühe gering machet: derowegen sie keine Arbeit noch Gefahr scheuen, sondern mit dem Führer von vor gemeldetem Rosse nach der gedachten Einfahrt bald auf den Knien, bald auff dem Bauche, nachdem solches des Ortes Enge und der durchfahrenden Person Leibes-Beschaffenheit erfordert, mit ziemlicher Mühe und Gefahr des Fallens, wovon sie sich durch feste Ansetzung und Ansteiffung des Rückens sonderlich bewahren, bei die 6 Ellen tieffer fortkriechen, und endlich durch Hülfe eines starcken an einem in etwas heraus ragenden Felsen angebundenen Seiles bei die 18 Schue tieff hinunter auff den Boden der Höle steigen, oder sich vielmehr an das Seil haltende gleichsam hinab lassen. Diese Höhle ist ungleich grösser und höher als die obere, und hat ebenfalls viele Neben-Hölen und unterschiedene tieffe Löcher, in welche man so wenig als in diejenigen, so sich in der ersten Höle befinden, recht geführet wird, denn der Führer selbige nur entweder von aussen zeiget, oder auff Begehren derer Curiosorum dieselbe nicht weit hinein bringet, vorgebende: daß darinnen, wie in denen oberen Neben-Hölen, nichts Curieuses anzutreffen sei. Der Tropff-Stein ist auch hierinnen allerwegen viel häuffiger und gläntzender als in der Ober-Höle, unter andern stehet fast mitten in der Höle ein schöner grosser Tropff-Stein, so wie ein ausgearbeiteter Pfeiler gestalt ist, welcher aber in der Mitte wegen des unauffhörlichen Wasser-Tropffens entzwei gegangen, doch ist er noch so wohl unten auff dem Boden als oben an der Hölen und zwar an einem jeden Ende bei vier oder fünff Schue hoch. Nicht weit hiervon befindet man einen Brunnen, der mit dem in der Ober-Höle an Grösse, Geschmack und Krafft allerdings überein kömmet. Von diesem Brunnen gehet man ferner einen ziemlichen Weg fort, und gelanget endlich zu einer langen Klufft, die dem Eingange zu der obern Höle fast gleichet, ausgenommen daß sie etwas niedriger, und also zum Durchkriechen unbequemer ist, durch die Klufft muß man abermahl bald auff der Seiten bald auff dem Bauche mit ziemlicher Mühe kriechen, und sich mit Händen und Füssen etwas auffwärts in die Höhe hinauff arbeiten, daselbst siehet man zur rechten Hand der Höle einen wunderbahren schönen Ort, so mit dem Grunde der Wahrheit die schöne Wand kan genennet werden, und ohngefehr 24 Schue hoch und eben so lang ist. An diesem curieusen Ort befinden sich allerhand artige, erhobene, durchbrochene und glatte Figuren oder Bilder von menschlichen wohl-proportionirten Angesichtern, allerlei Thieren, als Löwen, Pferden, und dergleichen, wie auch unterschiedenen Blumen und Laub-Werck mit andern wunderlichen Sachen, welche die Natur durch die Versteinerung des unauffhörlich herunter trieffenden Tropff-Wassers also gebildet und gekünstelt hat, die auch von dem Trauff-Wasser so schön geglättet und poliret werden, daß es scheinet, als wären dieselben von dem schönsten polirten Alabaster durch des besten Künstlers Hand gemachet worden, ja ich zweiffele billig ob ein Mahler solche besser mahlen und ein Bild-Hauer oder Bild-Schnitzer dieselbe zierlicher verfertigen könne: Unter vielen andern ist das daselbst befindliche Orgel-Werck ein überaus herrliches und schönes Kunst-Stück der Natur; massen die Pfeiffen daran so naturel sind, daß sie auch denen von einem Künstler verfertigten rechten Orgel-Pfeifen nicht viel nachgeben werden. Nachdem nun die curieusen Beschauer sich an diesem schönen Ort genugsam ergetzet haben, so steigen oder kriechen vielmehr dieselben etwas höher hinauff in ein Gewölbe, das einer Capelle ziemlich gleichet, aldar stehet ein Tropff-Stein, der ohngefehr 4 bis 5 Schue hoch ist, und insgemein der Münch genennet wird, weilen er natürlich als ein geschorner Münch gebildet ist, und selbigen gar artig mit einer Platte und anderm Zugehör præsentiret; Zu beiden Seiten dieses Münch-Bildes finden sich noch zwei andere Tropff-Steine, die sehr nahe bei demselben, und nur etwa zwei Ellen davon stehen, dieselben sind wie zwei menschliche Brust-Bilder gestaltet, und bedeuten des Münches Auffwärter, werden auch mit dem jetzt gedachten steinernen Münch von etwa für das Wahr-Zeichen dieser Hölen gehalten, worauff der gemeine Mann, so in der Höle gewesen, dermassen viel hält daß er auch solches mit grossem Eifer von demjenigen fodert, so solche gesehen zu haben vorgiebt, um zu erfahren, ob er die Wahrheit geredet habe, trifft er nun dasselbe nicht, indem er etwa solches von dem Führer nicht gehöret oder wieder aus der Acht gelassen hat, so muß er gelogen haben, solte er auch schon ausser diesem von der Beschaffenheit der Höle gute Nachricht geben, und damit erweisen, daß er nicht wieder die Wahrheit geredet habe. Von den jetzt gemeldeten Wahr-Zeichen steiget man fast wie auff einer Wendel-Treppe etwas weiter und höher in die Höle, biß man also endlich zum Ende dieser mittlern Höle und zum Eingang oder Einfahrt der dritten Höle gelanget, welches ein grosses, weites und einer ziemlichen Pforten ähnliches Loch ist, daß man also Raum genug in selbige Höle zu steigen hätte, es wird aber niemand in selbige geführet, und kan auch solches nicht wohl geschehen, weilen dieselbe hierzu nicht aptiret worden, und weder Stricke noch Fahrten oder Leitern in derselben verhanden sind, vermöge derer man hinab kommen könte, doch kan man in dieselbe wohl und füglich sehen, wormit sich ein Curiosus muß begnügen lassen. Eckstormius hält mit dem gemeinen Mann davor, daß diese dritte Höle nicht zu ergründen sei, sondern sich zwischen den weiten Felsen sehr lang und weit hinaus strecke, daß noch niemand an das Ende kommen zu sein sagen könne, ob ihrer gleich viel etliche Tage lang darinnen verharret, mit ungezweiffelnden Umständen erzehlend: daß sie durch solche Erd-Gänge biß an die vier Meile Weges fortgekrochen, und nicht weit von der Gegend der Käyserlichen Freien und des Heiligen Römischen Reichs-Stadt Goslar gewesen wären, welche Stadt ohngefehr 4 biß 5 Meilen von der Höle gelegen ist; Allein es halten solches viele vor ein Fabel-Werck, weilen von denenjenigen, so nach und nach die Inspection über die Höle gehabt, berichtet worden: daß sie offmahls in derselben gewesen, selbige sorgfältig durchkrochen und durchsuchet, auch also darinnen das Ende gefunden hätten, diesem Einwurff begegnen aber andere mit der Antwort: daß viele Gänge, die zu denen untern Hölen oder Grüfften abführeten, entweder durch das Alterthum allgemählich eingefallen, oder von denenjenigen, die zu Sammlung derer darinnen liegenden Einhorns-Knochen die Erde umbgegraben, unzeitig und zu früh verstopffet wären, daher es denn kommen sei, daß der Eingang zu denen weit entlegenen Hölen allmählich verschlossen worden, wie solches wohl gedachter Eckstormius anführet, und selbsten fast der Meinung zu sein scheinet, welches ich zwar lasse dahin gestellet sein, muß aber dennoch bekennen, daß solches nicht wider die Vernunfft lauffe, und dahero ziemlich glaublich sei, sonst soll, derer Führer Bericht nach, die Einfahrt dieser dritten Höle noch einmahl so tieff hinunter sein, als diejenige ist, so von den obersten Hölen in die mittlere gehet, im übrigen sagen sie, daß selbige an der Grösse und andern Beschaffenheiten der mittleren fast gleich sei; nur daß ein Tropff-Stein darinnen gefunden werde, welcher die Gestalt eines runden Tisches habe: über dieses wird sonderlich von dem gemeinen Mann derer Orten erzehlet: daß gantze Riesen-Gerippe von der Sünd-Fluht nochher, auch allerhand Erd-Geister sich in dieser Höle befänden, und man darinnen die Wasser starck brausen höre; Andere sagen: daß ein Bächlein darinnen sei, welches nicht leicht von einem jeden gefunden werde, und gediegene Gold-Körner bei sich führe, ja sie scheuen sich nicht zu sagen: daß Personen gefunden worden, so dadurch Reichthum erlanget hätten, welcher Erzehlung nicht ungleich ist, was Johannes Thalius weiland in dieser Käyserlichen Freien und des Heiligen Römischen Reichs-Stadt Nordhausen bestallter Physicus in seinen geschriebenen Collectaneis aufgezeichnet hinterlassen hat, nemlich: Daß in der benachbarten Hoch-Gräfflichen Residentz-Stadt Stolberg ein berühmter Chymicus und curieuser Mahler, auch aller freien Künsten beflissener Mann, mit Nahmen Johann Reiffenstein, gewesen, der ihn berichtet: wie er in der Baumans-Höle einesmahls einen Sand angetroffen, welchen er gewaschen, und hierdurch aus demselben etliche Körner von feinem Golde bekommen hätte, welches alles man in seinem Wehrt und Unwehrt beruhen lässet, dieses aber ist gewiß: daß, wenn man eine Pistole oder ander Gewehr in dieselbe Höle loszündet, davon ein solcher starcker Knall entstehet, als wenn darinnen eine ziemliche Canone oder Stück losgebrennet worden, die Ursach ist leicht zu finden, und rühret daher, daß die in der Höle enthaltene und durch den Schuß starck bewegte Lufft oder Knall sich nicht, wie in freier Lufft geschiehet, weit austheilen und der Gewalt entweichen kan: sondern es muß dieselbe zusammen bleiben, an die Decke und Seiten des Gewölbes anschlagen, von dar nach dem Loche der Einfahrt zurück prallen, und also hefftig in die Ohren derer dabei-Stehenden fallen, dahero auch ein im Keller oder andern Gewölbe abgelösetes Gewehr einen noch einmal so starcken Knall als in blosser Lufft verursachet: Auff vor gedachtes Donnern kömmt aus der Höle ein grosser dicker Pulver-Dampff, welcher eine ziemliche Zeit anhält, weilen derselbe ebenfalls sich in der Höle nicht als wie in freier Lufft vertheilen und aus einander gehen kan: Dieses Knalles und Dampffes wegen pfleget man wohl zu Zeiten aus Curiosität etlichemahl in die Höle zu schiessen, sonst aber sich nicht übrig lange dabei auffzuhalten; weilen daselbst nichts Sonderlichs zu sehen ist, so bald nun solches geschehen, und der Führer mit seiner Erzehlung von der Beschaffenheit dieser Höle fertig worden, begiebet man sich wieder in die mittlere Höle, hat der Führer nun denen Curiosis vorhero das unicornu fossile oder gegrabene Einhorn nicht gewiesen, so zeiget er ihnen solches anjetzo; massen dasselbe absonderlich und am meisten in dieser Höle gefunden wird, und häuffig in denen Felsen und der darzwischen vorhandenen Erde stecket: Man trifft auch in derselben eine kleine niedrige Neben-Höle an, so wie ein klein Gewölbe formiret ist, auff dessen Boden allerhand Arten von Tropff-Steinen liegen, die den schönsten Zuck-Confect, so wohl von glatter als Crispatur-Arbeit, ähnlich sein; deswegen auch solcher Ort von etlichen die Confect-Tafel genennet wird: dieser Stein-Confect kömmet mit demjenigen, dessen Wormius in Musaeo lib. 11 cap. 6 fol. 25 gedencket, und insgemein Confetti di Tivoli, weilen es bei Tivoli in Italien anzutreffen, genannt wird, ziemlicher massen überein; denn ich vormals etliche Stücke von denenjenigen, so die Auffsicht über die Höle gehabt, verlanget und bekommen habe, darunter welches gewesen, so theils wie die schönsten mit Zucker überzogenen Mandeln, theils wie Zimmet und andern dergleichen Confect ausgesehen, derowegen ich solches aus Kurtzweil offtmahls unter wahres Zucker-Confect gemenget, umb zu sehen, ob diejenigen, denen dasselbe vorgesetzet, das falsche Confect von dem rechten unterscheiden und erkennen möchten, welches aber niemahls erfolget ist, und erinnere ich mich eines sonst klugen und künstlichen Zucker-Beckers, welchem einsmahls solches vermischtes Confect zur Probe vorlegte, der doch so wenig als andere einen Unterscheid darinnen zu machen wuste, sondern auch etwas von steinernem Confect erwischte, und darauff bisse, daß ihm die Zähne im Kopffe krachten, ich bin aber auff solche Art fast um alle meinen Vexir-Confect kommen, daß also sehr wenig mehr in meinem geringen Musaeo davon denen Curiosis auffzuweisen habe. Es ist auch gedachte Confect-Tafel in der Höle nunmehro so auffgehaben, und von solchem raren Confect ledig worden, daß darauff von demselben wenig mehr anzutreffen ist, weilen die Curiosi, wie Anfänglich schon gedacht worden, nach und nach von demselben etwas mitgenommen, und dieselbe also ziemlich bloß gemachet haben, dahero die Führer, dem Bericht nach, solche Tafel ungern und nicht einem jeden zu zeigen pflegen. Woferne nun von denen curieusen Personen alles Besehens-würdige in dieser Höle zur Gnüge betrachtet, und dabei von ihnen die daselbst befindliche ziemliche Kälte erdultet worden, oder es haben dieselbe sich nicht mit genugsamen Lichtern und Fackeln versorget, und sind so lange darinnen verblieben, biß die mit genommene darinnen fast ausgebrannt; so müssen sie den Rück-Weg durch eben die Oerter, wodurch sie vorhero eingeführet worden, wieder nehmen, weilen die Baumans-Höle keinen andern Ausgang als den allbereit anfänglich gemeldeten Eingang hat, die Rück-Fahrt aber ist viel mühsamer und beschwerlicher als die Einfahrt; massen dieselbe bei dem Auffsteigen viel grössere Mühe und Arbeit erfordert, sonderlich an den Ort, da man in die obere Höle steiget, allwo es einer, sonderlich corpulenten, Person sauer genug ankömmet, sich an den Seilen wieder hinauff zu helffen, und durch die obgedachte Enge und bei die 20 Schue lange Klufft biß auff das Roß zu kriechen, sind aber die Curiosi biß hieher kommen, so haben sie die Arbeit überstanden, und, wie man saget, gewonnen Spiel, denn sie leichtlich von dar wieder in die obere und erste Höle bei diejenige, welche von der Gesellschafft zurück geblieben sind, und daselbst ihrer erwartet haben, gelangen können, die alsdenn offtmahls denenselben nicht genug zu erzehlen wissen, was ihnen unterdessen da sie nicht beisammen gewesen begegnet sei, und wie sie etliche spectra oder Gespenste gesehen hätten, welches aber wohl zu Zeiten blosse Einbildungen solcher furchtsamen Gemüther sind: Denn weilen dieselben nicht das Hertze gehabt mit in die mittlere Höle zu fahren, so ist es ebenfalls keine unmügliche Sache, daß sie sich dergleichen Phantasien nicht solten gemachet haben; wiewohl der Teuffel sonst auch furchtsame Leuthe am meisten zu äffen und zu vexiren pfleget, hinwieder können die aus der mittlern Höle gekommene Curiosi ihnen ebenmäßig nicht sattsam beschreiben, was vor curieuse Sachen sie darinnen angetroffen hätten, und wie sie darnach klettern und kriechen müssen, welches ihnen doch wegen denen gesehenen Raritäten im geringsten nicht gereue; massen sie nicht viel davor nehmen wolten, daß solche von ihnen nicht in Augen-Schein genommen worden. Endlich siehet sich die gesamte curieuse Gesellschafft noch einmahl in der Ober-Höle umb, und kriechen hernach durch den Schlund wieder aus derselben, da sie denn zu Sommers-Zeit, sonderlich wenn warme Tage vorhanden, vor der Höle eine solche grosse Hitze empfinden, daß ihnen deucht, als wären sie in eine Bad-Stube kommen, welches ihnen sehr wohl zu statten kömmet; weilen sie sich ohne dem in der Höle ziemlich erkältet haben. Hat sich nun die Compagnie vor dem Eingang der Höle verkleidet, so ziehen sie allhier ihre entlehnete Kleider aus und die rechten wieder an, ist aber dasselbe in des Führers Wohnung geschehen, so gehen sie mit demselben dahin, und verrichten solches daselbst. Zu letzt, wenn dieses geschehen, geben sie dem Führer das zugesagte und wohl verdiente Trinck-Geld, nehmen von demselben Abschied, und reisen vergnügt wieder den Weg den sie kommen sind. Auff solche Art hat alsdenn die curieuse Gesellschafft die Baumans-Höle beschauet, und damit bei die zwei, drei, auch wohl mehr Stunden, nachdem dieselben sich kurtz oder lang darinnen auffgehalten und umgesehen haben, zugebracht, ingleichen sind sie daraus glücklich ohne einiges bei der Einfahrt gemachtes Merck-Zeichen wieder angelanget; derowegen sich diejenigen wohl eine recht vergebliche Sorge machen, die da vermeinen: daß man daraus so wenig als aus einem Labyrinth sich wieder finden, sondern leichtlich vergehen und verirren könne, wenn nicht vorhero bei dem Einfahren der Ort des Ausganges bezeichnet worden, und solches entweder mit Hinwerffung Kohlen-Staubes, Strohes und der dergleichen, oder vermittels Anbindung eines Fadens nach dem Exempel des schönen Jünglings Thesei, welcher auff diese Weise, vermöge des getreuen von seiner geliebtesten Ariadne bekommenen Unterrichts, aus dem Labyrinth zu Creta sich glücklich wieder heraus gefunden hat, wie die Poeten fabuliren oder dichten; massen man solches alles nicht bedarff, weilen dem Führer die Gelegenheit der Höle genugsam bekannt ist, indem er dieselbe offt durchkrochen, und an vielen figurirten Tropff-Steinen, auch anderer Sachen, genugsame Merck-Zeichen genommen hat, wie ich denn etlichemahl in derselben gewesen, da nicht einmal an dergleichen gemachte Kenn-Zeichen gedacht worden, und bin doch dessen ohngeacht nechst GOttes Hülffe, durch gute Anführung des Führers ohne einziges Irre-Gehen gut und wohl daraus kommen, vor diesem aber ehe die Höle genugsam erkundiget und erforschet worden, ist das gedachte Bezeichnen der Ausfahrt ohn allen Zweiffel eine nöthige Sache gewesen, dannenhero man noch zu des seeligen Eckstormii Zeiten hievon an solcher Crypte viel indicia und Merck-Zeichen gefunden hat, wie derselbe in seiner Epistel gedencket, anjetzo aber ist solches in Gegenmart eines erfahrnen Führers gar nicht vonnöthen, und würde derselbe einen solchen Marqueur oder Zeichner nicht genugsam auszulachen wissen, wenn er mit dergleichen vor seinen Augen angestochen käme: dennoch wenn jemand dieses nicht achten und sich befürchten wolte, daß der Führer von denen Gespenstern etwa verführet werden möchte, der mag meinetwegen immerhin allerhand Zeichen machen, versichere aber, daß, wenn GOtt einen auff solche Art versuchen wolte, alle die gemachten Kenn-Zeichen wegen des Teuffels Spiel und Verblendungen nicht helffen würden, und ein jeder also leicht Steine vor Stroh ansehen möchte; das beste Mittel ist, wenn derjenige, welcher die Höle beschauen will, GOtt bittet, daß er ihm auff solche Art nicht in Versuchung führen wolle, nechst dem habe er einen guten Führer und genugsamen Vorraht von Lichtern und Fackeln bei sich, halte dieselbe wohl brennend, und allenfalls solche aus denen anfänglich erzehleten Ursachen ausleschen solten, lasse er sie durch Hülffe eines wohl versehenen Feuer-Zeuges, wieder anzünden, so hat er, ob GOtt will, keine Gefahr zu besorgen, im Finstern aber aus der Höle zu kommen, solte wohl, wegen derer vielen Irr-Wege, die die Neben-Hölen und Gänge verursachen, wo nicht gar unmüglich, doch grosse Kunst sein, denn im Dunckeln die Merck-Zeichen zu erkennen, und sich nicht zu verirren, erfordert Katzen-Augen, von welchen man vorgiebet, daß sie im Finstern alles sehen können, Menschen aber ist solches nicht gegeben, es sei denn, daß sie des Nachts sehr wohl, bei Tage aber nichts sehen könten, wie in der einen Gattung der Beschwerung Nictalopia genannt zu geschehen pfleget, ist also kein Wunder, daß sich vormahls ein Führer im Dunckeln aus der Höle nicht hat wieder von sich selbst finden können, wenn sonst dasjenige wahr ist, was man erzehlet, nemlich: daß ein gewisser feiner Mann, welcher nicht gar weit von der Höle gewohnet, und dieselbe denen curieusen Reisenden auff ihr Verlangen gezeiget, sich einesmahls habe gefallen lassen, gantz alleine ohne einigen Gefährten mit brennenden Lichtern, wie gebräuchlich, in die Höle zu steigen, um darinnen eines und das andere noch weiter zu erkundigen, nachdem demselben aber die Lichter in währender Durchsuchung der Höle eines nach dem andern verloschen, und er zu seinem Unglück das mitgehabte Feuer-Zeug nicht finden können, habe er sich vergebens bemühet, die Ausfahrt wieder anzutreffen, derowegen er darinnen drei gantze Tage und Nacht ohne Speise und Tranck zugebracht, im Finstern herum getappet, und so lange in der Irre gewandert, biß ihm endlich ein Engel in Gestalt eines brennenden Lichtes oder Feuers erschienen, und denselben aus der Höle geführet; als er nun also wunderlich errettet worden, und unverhofft wieder aus derselben an des Tages Licht kommen, habe er solches erzehlet, aber nur drei Tage darauff noch gelebet, und sei hernach gestorben. Ebener massen berichtet Eckstormius in der offt erwehnten Epistel, wie in denen Eisen-Hütten bei dem Rübelande ein armer gemeiner und seinen seeligen Eltern bekannter Mann sich auffgehalten, welcher einesmahls, als die Höle noch offen gestanden, und mit keiner verschlossenen Thür verwahret gewesen, sich unterstanden, gantz alleine vor sich in die Höle zu kriechen, habe sich aber aus denen Klüfften nicht wieder finden können, weilen er kein brennendes Licht mit sich genommen, derohalben er acht Tage lang mit Herumwandern daselbst zubringen müssen, biß er endlich durch GOttes sonderbahre Hülffe hinwieder an des Tages Licht gelanget, und nach dem noch eine Zeit lang gelebet; in diesen acht Tagen aber habe er vor grosser Furcht und Schrecken gantz Eis-graue Haare bekommen; weilen derselbe durch viele Gespenster, wie er erzehlet, auff mancherlei Art geplaget worden, denn es hätten etliche derselben ihn angegriffen, eines Diebstahls beschuldiget, und deswegen auffzuhengen befohlen; wenn er nun dieser loß gewesen, sei er von anden eines Todtschlages bezüchtiget, und daher zum Schwerdt verdammet worden; noch andere hätten ihn auff eine andere Weise gequälet und gepeiniget, auff welche Art es kein Wunder gewesen, daß der Mann nicht aus Angst verzweiffelt wäre; wie denn auch ebenfalls es keine unmügliche Sache ist, daß er dieserwegen grau worden; denn man dergleichen Exempel mehr hat, darunter auch eines ist, so sich im Unter-Hartze zugetragen, massen man von einem von Adel, so man den reichen Bernhard von der St. genannt, erzehlet, daß derselbe im Walde von denen Gespenstern sehr geplaget, und dadurch innerhalb zweien Tagen zu einem Eis-grauen Manne worden, denn als derselbe auff der Jagt von seinen Bedienten abkommen, haben ihn die spectra oder Irr-Geister also verführet, daß er sich in dem sonst bekannten Walde nicht finden können, sondern bald hier, bald dar, in der Irre herum wandern müssen, und ist ihm zu seinem Unglück kein Mensch begegnet, der den rechten Weg anzeigen können, unterdessen die spectra nicht ermangelt, denselben vielfältig zu quälen, und darmit so lange anzuhalten, biß er von solcher Anfechtung erlöset worden, welches denn endlich den dritten Tag drauff in der Frühe-Stunde geschehn ist, da er zu seinem im Unter-Hartz gelegenen Schlosse Falckenstein gelanget, allwo die Seinigen ihn fast nicht mehr gekennet haben, weilen er durch die grauen Haare gantz verstellet worden, und sagt man, daß er nach dem niemahls mehr gelachet, und sich aller lustigen Compagnie entschlagen habe, da er doch vorhero ein grosser Liebhaber davon gewesen sei. Dieser erzehlten Begebniß ist nicht ungleich, was der wegen seiner Evangelischen und Epistolischen Hertz-Postille, auch andern herrlichen Geistreichen Schriften, bekannte redliche Theologus, Valerius Herberger, in seinem Florilegio ex Paradiso Psalmorum oder Paradis-Blümlein aus dem Lust-Garten der 150 Psalmen, und zwar in denen Geistlichen Paradis-Röselein aus dem 7. und 8. Vers des 6. Psalmes pag. 268 erzehlet, wie nemlich es zu Leipzig sich zugetragen, daß einesmahls eine frevele Dienst-Magd auff den so genannten Rabenstein, worauf der Galgen stehet, gestiegen sei, als eben die sonst verschlossene Thür auffgestanden und aus Versehen von dem Nach-Richter offen gelassen worden, welcher Fürwitz ihr aber sehr übel bekommen, indem der Wind die Thür hinter ihr zugeschlagen, und sie also nicht wieder herab kommen können, sondern die folgende gantze Nacht darauff verbleiben müssen, weilen niemand vorbei gegangen, der da vermocht ihr erbärmliches Schreien und Ruffen zu hören, und derselben die verlangte Hülffe zu verschaffen; nachdem nun die gantze Nacht hindurch der Wind starck gegangen, und die auffgehenckten Cörper zusammen geschlagen, sei dieselbe durch das Geklapper derer Beine in solche grosse Angst und Schrecken gerathen, daß sie davon gantz grau und weiß als eine Taube worden, und habe sie des Morgens darauff der Scharff-Richter, als er von denen vorüber Gehenden hiervon Nachricht bekommen, und diese armseelige Gefangene nach Eröffnung der Thür wieder heraus gelassen, in solcher Gestalt angetroffen. Ferner stimmet mit des Eckstormii Historie überein, was Caelius Rhodiginus lib. 3 cap. 27 von einem Jäger erzehlet, welcher auff einem Felsen junge Fincken-Habichte suchen wollen, worüber demselben aber die darzu gebrauchte Strick-Leiter zerbrochen, und er dieserwegen durch hefftiges Erschrecken alsobald graue Haare bekommen. Dergleichen Exempel findet man auch bei dem Levino Lemnio in seiner Dissertation de complexionibus libr. & cap. 2 p. 111 da er meldet, wie ein Adelicher Jüngling sich die Liebe überwinden lassen, und durch Hefftigkeit derselben eine Staats-Dame an des Käysers Caroli V. Hofe zu Falle gebracht habe; ob nun schon diese Dame aus inbrünstiger Gegen-Liebe darzu ihren Willen gegeben, so hätte doch dessen ohngeacht derselbe andern zum Exempel mit dem Schwerdt sollen hingerichtet werden, worüber der sonst schöne und anmuthige Jüngling dermassen erschrocken sei, daß er darüber im Gefängniß in einer Nacht also grau und heßlich von Gesichte worden, daß ihn auch weder der Käyser noch seine Bekannten anfänglich, als man denselben vor den Richter-Stuhl gestellet, mehr gekennet: derohalben der Kayser anfänglich vermeinet, es sei entweder ein anderer an seine Stelle in das Gefängniß geführet, oder derselbe durch eine solche Farbe als die Zigeuner brauchen, also im Gesicht verstellet worden, und habe dieserwegen befohlen, ihn genau zu besichtigen: als aber solches geschehen, und man dergleichen nicht befunden, sei der Käyser über solchen erbärmlichen Anblick heftig erschrocken, und habe demselben dieserwegen das Leben geschencket, vermeinende, daß er auff solche Art genugsam gestraffet sei. Nicht anders ist es jenem jungen Spanischen Edelmann, Jacobo Osario mit Nahmen, in seiner Liebes-Affaire ergangen, denn als er ebenfalls eine Hof-Dame an des Königs Ferdinandi Catholici in Spanien Hoff lieb gewonnen, und abgeredeter massen in den Königlichen Garten auf einen grossen schattichten Baum gestiegen, ihrer daselbst zu erwarten, hat denselben ein kleines Schos-Hündlein vernommen, und durch sein Bellen verrathen, worauff man denselben in Verwahrung gebracht, um an demselben die von denen eifersüchtigen Spaniern auff solche That gesetzte Capital-Straffe zu exequiren; als nun die Sentenz über den unglücklich verliebten Delinquenten gefället, und demselben der Tag zur Execution angesagt worden, hat die Todes-Angst und Furcht diesen vier und zwantzig-jährigen Jüngling in einen, ob schon nicht den Jahren, doch der Gestalt nach, Eis-grauen Mann verwandelt, deswegen aus Mit-Leiden demselben auch keine andere Straffe als dem vorigen geschehen, wiederfahren ist, wie Hadrianus Junius in seinem Comment. de Comâ libr. 10 cap. 4 pag. 363 berichtet. Eine gleiche Geschichte erzehlet Henricus Salmuht rer. memorabil. part. 2 tit. 11 pag. 586 von einem Schmiede in Hessen, welcher, als er bei der Nacht gereiset, vom Teuffel übel geplaget, und wegen solches Schreckens in einer Nacht grau worden. Solcher Historien könte ich noch sehr viel aus denen Autoribus, sonderlich den Lic. Christian. Frideric. Germanno de miraculis mortuorum lib. & tit. 1 § 29 p. 12 Martin. Zeillero in seiner 17 Epistel des 1. Theils pag. 43 auch in der 318. Epistel des 2. Theils p. 63 ingleichen aus denen Ephemeridibus Germanorum Decur. 2 Ann. obs. 60 pag. 134 und Borello centur 1 obs. 16 pag. 32 auch andere mehr anführen, wenn vorige Exempel nicht genugsam wären zu erweisen, daß Furcht und Schrecken auch bei jungen Leuten in kurtzer Zeit graue Haare verursachen könten, zumahl, da solches ohne dem auch mit genugsamen Vernunffts-Gründen kan dargethan werden, wie es aber zugehe, daß solche geschwinde Veränderung derer Haare durch Furcht und Schrecken entstehe, davon sind unterschiedene Meinungen, und hat selbige Herr D. Johann Dolaeus in seiner Encyclopaediâ Chirurgicâ rationali libr. 1 cap. 2 pag. 16 & seq. aus dem Helmontio, Sylvio, Paracelso und andern Autoribus zusammen getragen, allwo derjenige, der hiervon weitläufftigen Unterricht verlanget, nach Belieben nachschlagen kan: Meines Orts aber halte davor, doch ohne Schaden und Nachtheil des von vor besagten Autoribus gefälleten Urtheils, daß solches nemlich die Ursache sei, weilen die Spiritus, sie mögen auch von denen Autoribus genennet werden wie sie wollen, durch die Alteration dermassen geschwächet und vermindert worden, daß sie auch nicht mehr die Krafft und Macht haben, die Feuchtigkeiten, wovon die Haare wachsen, und ihre Farbe erlangen durch die in der Haut des Hauptes befindliche glandulas oder Drüsen, darinnnen die Haar-Wurtzeln stecken, wie es sich sonst geziemet, fortzutreiben, sonderlich da solche Drüsen ebenfalls hierdurch zusammen gezogen, erhärtet, und also verstopffet sind, daß sie nichts durchlassen können, auch gedachte Feuchtigkeiten oder Säffte sich nicht mehr in solcher natürlichen Flüßigkeit befinden, daß sie von denen spiritibus könten fortgebracht werden, weilen dieselbe von denen gedachten starcken Gemüths-Bewegungen allzusehr verdicket, und gleichsam zu einer dicken gelatina oder Gallerte gemachet worden. Vermögen nun auff solche Art die vor besagten Feuchtigkeiten nicht in gebührender Quantität, sondern entweder zu wenig oder gar nicht nach denen Haar-Wurtzeln zu gelangen, so ist es kein Wunder, daß auch davon die Haare alteriret und verändert werden; massen derselben filamenta sich so eng zusammen begeben, daß davon die Haare eine gantz andere Textur und Gestalt, als sie vorher gehabt, bekommen, und dieserwegen, wie denen Herren Mathematicis aus der Opticâ zur Genüge bekannt, grau aussehen; diejenigen aber, so dergleichen Wissenschafften nicht kundig sind, und dahero solches nicht wohl begreiffen können, stellen sich nur zum Exempel der vor gemeldeten Veränderung derer Haare die Blätter an denen Bäumen vor, als welche nicht allein gewöhnlicher massen jährlich bei heran nahendem Winter, sondern auch offtmahls mitten im Sommer in kurzer Zeit weiß oder gelbe werden, nachdem denen Bäumen, darauff sich dieselben befinden, zufälliger Weise derjenige Safft, welcher sie mit denen Blättern erhält, entgangen ist, welches zu Zeiten geschiehet, wenn die Wurtzeln von denen Reit-, Fahr- oder Wasser-Mäusen abgefressen werden, oder dieselben in einem hitzigen sandigen Erdreich stehen, und darinnen bei anhaltender grosser Hitze und Dürre verbrennen, auch sonst auff andere Art einen solchen Schaden leiden, der da verhindert, daß der Safft aus denen Wurtzeln in den Stamm und Aeste auffsteigen könne. Auff vor gedachte Art und Weise vermag nun zwar Furcht und Schrecken gar wohl extraordinarie in weniger Zeit graue Haare verursachen; ob aber auch nicht zum öfftern eine übernatürliche Theologische Ursache, nehmlich GOttes Straffe, zugleich mit dahinter stecke, will ich denen Herren Theologis zu erkennen geben, weilen die Umstände versichern, daß die meisten von denen Personen, derer Haare also verwandelt worden, kein gutes Leben geführet haben, wiewohl auch nicht zu leugnen ist, daß zu Zeiten fromme Herzen ebenfalls nicht solten können versuchet werden. Sonst erzehlet der gemeine Mann ausser demjenigen, was allbereit von mir ist angeführet worden, noch unterschiedene Dinge von der Baumans-Höle, welche mit der Wahrheit nicht gar wohl überein zu kommen, und deswegen ziemlich fabelhafft zu sein scheinen, doch ist hierunter meines Erachtens dasjenige nicht zu rechnen, was offt gedachter Eckstormius in seiner Epistel auch unter andern anführet: wie nemlich öffters Leuthe durch Wunder-seltsame Träume gleichsam bezaubert worden, als wenn Schätze in dieser Höle verborgen wären, derowegen sie hinein gekrochen, um selbige zu suchen und zu heben; nachdem nun dieselben unverrichteter Sache wieder heraus kommen, sei von ihnen erzehlet worden, wie sie zwar grosse eiserne Schatz-Kästen darinnen angetroffen hätten aber nicht darzu gelangen können, weilen darauff sehr grosse schwartze Hunde gelegen gewesen, welche dieselbe verwahret gehabt; daß ich aber solches vor eine mügliche und wahre Begebenheit halte, und nicht mit unter die Fabeln zehle, beweget mich darzu, daß es nichts Ungewöhnliches sei, wenn der Teuffel dergleichen Spiel, sonderlich mit Geld-gierigen Leuthen, machet, und sind mir solcher Exempel mehr bekannt, die sich an gewissen Orten zugetragen haben, welche mit Fleiß nicht melden will, um nicht einen und andern Interessenten damit zu touchiren. Dieses ist nun dasjenige, was ich von der Baumans-Höle und derselben merckwürdigsten Sachen dem curieusen Leser habe berichten wollen; Erinnere aber dabei, daß darinnen noch viele Tropff-Steine anzutreffen sind, so einige Figur habe; wie denn einer einen Tauff-Stein, der andere eine Rinder-Zunge und so weiter praesentiret, welche alle sonderlich zu beschreiben anjetzo mein Vorhaben nicht gewesen; derowegen ich solche bedächtlich ausgelassen, um denenjenigen, so selbige allbereit gesehen, nicht damit einen Verdruß zu erwecken, und andere curieuse Gemüther, die nicht in der Höle gewesen, anzufrischen, dergleichen lusus naturae oder Wunder-Spiele der Natur selber in Augen-Schein zu nehmen. Schließlichen will ich dem gelehrten Curieusen Leser zwei wohl elaborirte gelehrte Carmina gleichsam als ein supplementum oder Zusatz mittheilen, und hat das erste Herr Magister Friedrich Hildebrand, weiland wohlverdienter Rector bei der hiesigen Stadt-Schule Anno 1660 in den Druck gegeben, das andere ist von Herrn Johann Ludewig Führern verfertiget, und von demselben als eine Epistel an den seeligen Herrn Magister Johannem Cajum, vormals im Closter Ilefeld gewesenen Verwaltern, gesendet worden, dieses Carmen findet man in Herr D. Chri stoph Helwigs, Professoris Medicinae zu Greiffswald in Pommern Bericht von der Pest part. 2 cap. 2 p. 129 allwo der seelige Fürerus ein Medicus genennet wird, welches er doch nicht gewesen, wohl aber ein Raths-Herr allhier, und ein Curieuser Botanicus, massen derselbe dem D. Caspar Bauhino, wie aus dessen Pinace Theatri Botanici und andern scriptis an unterschiedenen Orten zu ersehen, viele von denen an und auff dem Hartz wachsenden Kräutern nach Basel ubersendet, und etliche schöne so genandte Herbaria viva verfertiget hat, darunter eines ist, welches von demselben dem Johanni Nicolao Londinoldano zu Gefallen gemachet, und mir von Tit. Herr D. Conrad Froman, bei dieser Käyserlichen Freien und des Heiligen Römischen Reichs Stadt Nordhausen hochverdientem ältesten und nunmehr durch GOttes Gnade 86-jährigen Bürgermeistern, auch Physico ordinario etc. als meinem an Vaters Statt hochzuehrendem Herrn Vetter und Gevatter aus väterlicher Affection nechst seinen mit eigenen Händen zubereiteten Viridariis artificialibus, als sie D. Johann Ludwig Hannemann in method. cognoscend simpl. vegetab. f. 12 p. 24 nennet, verehret worden. Die Carmina aber, derer ich gedacht, sind folgende:

M. Hildebrandi Heroicum de Specu Baumanica.

Est sacra Mulciberi vallis ferrique ministris

Obliquas delapsa jugis ubi flumina ripas

Lambunt, saxosas inter currentia valles;

Hic, ubi per salebras Bodae cadit algidus amnis,

Amnis Bructeridum dulcis, nec rara voluptas.

Usque hic Vesta focis tumido calet excita folle,

Malleus incudes iterato verberat ictu,

Fervida cadentis laminas ustrina metalli

Fundit & obscuro fumoque & pulvere nigra

Culmina surgunt jacet amplo scoria campo.

Hic humilis spectat molli de vertice collis

Oppositos montes sibi suppositasque Tabernas,

Queis Rapae faciunt, aut Praeda aut Fabula nomen

Fabula non priscis quod opinor, prodita scriptis.

Huc ades, hoc divo non adscendisse pigebit,

Quisquis aves novitatis amans cognoscere coram

Naturae genetricis opus, mirabile visu.

Praecipiti in clivi calvum deduceris aequor,

Tramite, verticibus propior subsiste viator.

Angustasque viam monstrare & pandere cernes

Caucaseis fauces horrentis cautibus antri,

Indicio plebis Specus haec Bumanica noto

Nomine, Bumanique Cavum vulgi ore vocatur.

Tum Ducis experti vestigia certa secutus,

Sarcinulis positis, posita formidine vana

Et face dispulsâ nigrae caligine noctis

Ingredere inque manus corpus demitte supinum;

Abruptum os antri ventres excludit obesos.

Quosque metu fugitant minitantia saxa ruinam.

Perque manus, ita perque pedes irrepe, neque horre,

Quae moles impendentes cervicibus extant.

Ingresso Domus ampla patet, satis illa Cyclopi

Ennaeo, simul atque Caco satis ampla rapaci;

Undique circumstant umbrae tenebraeque silentes

Horrorem incutiunt; non hic Aquilonibus Austri

Decertant Zephyrive movet levis aura susurros.

Non radio Titan penetrate, quo frigus opacum

Mitiget aut noctem radianti dissipet igne.

Huc nunquam madidi descendunt aethere rores,

Nunquam Sythonia coecum nive candicat antrum,

Aut largo hos lapides pluvius Notus irrigat imbre,

Quas nebulas exhalat iners specus, ipsa solutas

Haurit iisque madet; foret hic fera Regia Ditis,

Tartareae Eumenidum sedes Hecatesque triformis,

Huc defunctorum tenues deduceret umbras

Mercurius, tripodem Delphis transferret Apollo

Atque huc se tenebris horrente Trophonius umbra

Conderet; hic Vates sua somnia longa quietus

Duceret, Alcides Eurystei jussa capessens

Regna per has fauces diri Plutonis adiret,

Afflueret noster priscis si Vatibus Haemus,

Sique oblectarent hodie commenta Poetas.

Scissa vias aditusque novos durissima rupes

Atque novas aperit non factas arte cavernas,

Quas Ariadneo sine filo aut Indice certo,

Introitu quoque non signato irrepere noli;

Non est difficilis gracili descensus, at inde

Regredier, revocare pedes, evadere ad auras,

Hoc opus, hic labor est. Dux praeeat igne corusco,

Dux fidus certusque, alias obstructa latebunt

Ostia Cimmeriis tenebris & tristia tristi

Ausa lues letho vivusque sepulchra subibis.

Hocce cavo stillant gelidae de fornice guttae,

Quas lapsas aut labentes lapidescere stillas

Cernes ac pendere, hiemis ceu frigore tectis

Stiria dependet; nusquam mirabere visum,

In silices undas molles & marmora verti.

Fons illic etiam gelidis pellucidus undis

Visitur interdum solido prorumpere saxo,

Cujus aquas certis morbis medicarier agunt!

Sunt et, qui tacitas dum perrepsere cavernas,

Auribus hauserunt murmur sonitumque strepentis

Fluminis; at propius non accessere, pericli

Incertos dubiosque pedes revocante timore.

Credulus hic Vulgus legit ossa aut ossea saxa,

Quae lapides ego jactatos Epimethide dicam,

Quos invicta novi generis trahere insita formam

Durities vetuit, tantum ossibus illa remansit;

Aut superos ausi (liceat connectere veris

Fabellas Veterum) pugna tentare Gigantes

Et struere ad caeli congestos sydera montes

Hic recubant; trisido disjectis fulmine membris,

Imposuit tumulum domitosque hac mole repressis

Jupiter atque irae voluit monumenta relinqui

Et dextrae, genus invisum qua vindice stravit

Ac stygii fontes barathro demisit averni;

Aut Deus, ut terras stagnis demersit aquarum,

Terras faedatas culpis orbemque malignum,

Dejiciente truci scopulosa cacumina fluctu,

Disruptae rupes huc confluxere sub undis,

Et mare, quae passim stagnans animantia fudit,

Decrescens invexit easque hac condidit alvo

Relliquias. Si quid reliquum sermone pedestri

Dicet id Historicus, cujus pendebit ab ore,

Ac petet a scriptis dignum chartisque relatu.

Cognoscendi avidus nova miraque raraque Lector.

DN. Füreri Carmen Elegiacum de Miraculis Antri Baumanici.

Fronte rudes versus non dedignare serena

Clare Vir, & Musis annuere ause meis

Si cui Tartaricus fama nondum obtigit agnus,

Gallicaque arboreus, trans freta, faetus anas;

Quis putet abstrusa miracula montis in alvo,

Qualia liberior vix videt orbis, ali?

Ossea Baumani produxit saxa barathrum,

Saxa Stagirites quae neget esse Sophus;

Saxa, fides Caci quibus allatrantibus antrum

Dempta perit; latebrae seu, Polypheme, tuae.

Bubula credideris, vel dempta cadaveri equino.

Ne loquar humanis effigiata modis.

Vertebras, scapulas, craniorum fragmina, costas,

Maxillas, dentes, articulosque pedum.

Cornuaque insolitae nostro sub sole figurae,

(Naturae mirum est usque adeo ingenium!)

Deucalionaei monumenta ipsissima saecli.

Rebere; distractus derogat ordo fidem.1

Quodque fidem superat, stillantes marmora guttas.

Efficere, & veris reddere imaginibus.

Jurares Sipylo Nioben, spectator, ademptam,

Uxoris statuamque hic superesse Lotho!

Phinea quis dubitet, Cephalique in marmore cervi,

Ulterius si quis progrediare, canem?

Persea Gorgoneos nempe hic possuisse colubros

Credibile est, imisque occuluisse locis.

Inde rigor steropum, ferri qui pondera mulcent,

Infuscantque tuas, Buda,2 frequenter aquas.

Mirima mira! Dei quos non se extendit in actus

Mira manus! i, nunc, posce, Sophista modum.

Immo Deum haec certos quisquis neget edere in usus,

In statuam Batti ductilis ipse fuit.

Sunt aliquid formae,3 per quas medicina recepit

Plurima, vim similis destruere apta mali.

Livida quae foliis insistit bacca4 quaternis,

A simili obsessis facta medela lue est

Saxaea sic fractis sunt ossibus ossa5 ligamen,

Et lapidem, lapis est, qui quasi lima teret.

Forma loci quae sit, labor est efferre; nisi uno hoc,

Doedalon errores hic posuisse suos.

Mille inibi salebrae, discrimina mille, tenebrae

Mille: Promethaeus quae tamen ignis adit

Ergo Pyramidum Rhodopen structura sepulcro

Deneget & longa consecret usque die!

Coctilibus crescat tibi fama, Semirami, muris!

Mausoli Artemidem busta perire vetent!

Quid mirum? hoc decies mirum est: emergere ab ipsis

Baumano tenebris dat tenebrosa specus.

Diese Carmina werden nun verhoffentlich einem Liebhaber der Lateinischen Poësie und natürlichen Curiositäten wohl vergnügen, sonderlich da selbige die Beschreibung von der Baumans-Höle ziemlich illustriren; kan aber unberichtet nicht lassen, daß ich des Füreri Carmen nicht von Wort zu Wort hergesetzet habe, wie es in gedachtem Herrn D. Helwigs Tractat stehet, indem dasselbe nicht allerdings mit dem manuscripto des seeligen Füreri überein kommet; derowegen solches von mir an denen Orthen, da es vonnöthen gewesen, nach Anweisung des Originals, geändert, und mit denen in dem manuscripto befindlichen notis vermehret worden.

Fußnoten

1 In hac enim parte dentes utplurimum; in altera vertebrae duntaxat eruuntur.

2 Buda est Aqua profluens ex Meliboco versus ortum.

3 Signaturae plantarum aliarumque rerum naturalium.

4 Baccae herbae Paris dictae.

5 Ossa saxea glutinare fracturas ossium eademque confringere calculos renum & usicae dicuntur.