Von der Harzeburgischen Höle 
Von der Harzeburgischen Höle.

Die Harzeburgische Höle hat solchen Nahmen daher bekommen, weilen man dieselbe nicht weit von der Harzburg antrifft, erinnern aber, zu Verhütung einiger Confusion, gleich Anfangs hierbei, daß hierdurch nicht das alte verfallene Schloß Hartzburg verstanden werde, so ohngefehr eine gute Teutsche Meile von hier in der Grafschafft Hohnstein nicht weit vom Closter Ilefeld im Vor- und Unter-Hartz lieget, und nunmehro eine Herberge vieler Schlangen ist, die sich häuffig da herum auffhalten, und daselbst von denen Schlangen-Fängern gefangen werden, bei welchen es auch vor Zeiten sehr grosse abscheuliche Hasel-Würmer gegeben hat, massen von dem Ekstormio in seiner Lateinischen Walckenriether-Chronica pag. 290 wie auch von dem Zeillero in seinen Episteln part. 1 centur. 3 epist. 91 pag. 860 aus der Braunschweigischen Chronic annotiret oder auffgezeichnet worden: daß einesmahls nahe bei derselben zwei Holtz-Hauer, aus dem Hohnsteinischen Dorffe Sachswerffen bürtig und die Schönemänner genannt, einen solchen Hasel-Wurm getödtet hätten, so zwölff Werck-Schuh lang, und am Maule wie ein Hecht gestaltet gewesen sei, gedachtes Schloß ist es nun also nicht; indem dabei keine merckwürdige Höle sich befindet, sondern es ist das andere weiter von hier auff dem Unter-Hartz gegen dem Blocks-Berg und Ober-Hartz gelegene vormahls sehr feste nachgehends aber ruinirte Schloß Hartzeburg, von welchen man bei denen Historicis unterschiedenes findet, wie denn M. Cyriacus Spangenberg in seiner Mansfeldischen Chronica cap. 185 fol. 190 gedencket: daß Käyser Heinrich der Vierdte dieses Nahmes von Goslar, da er seine Hoffhaltung gehabt, auff selbiges Schloß und Festung geflohen sei, als er von denen Sachsen verfolget worden. Gemeldete Höle ist nun sehr tieff und lang, wie sie denn ebenfalls keinen Mangel an vielen Irr-Gängen hat, und dieserwegen ziemlich mit der Schartzfelsischen Höle kan verglichen werden, als mit welcher sie ausser diesen in vielen Stücken überein kömmet, dahero auch dieselbe von denenjenigen, so nahe darbei wohnen, den Nahmen derer Zwerg-Löcher bekommen hat. Das gegrabene Einhorn ist so wohl in dieser als der Baumans- und Schartzfelsischen Höle anzutreffen, und darinnen schon vor diesem gefunden worden, wie denn auch Joh. Dan. Horstius in seinen Observ. Anatom. dec. pag. 10 gedencket: daß er in derselben habe ausgraben sehen Knochen, Zähne und viele Kinn-Backen, so ausgesehen als wenn dieselben von Bären, Löwen, Menschen und andern Thieren herkommen wären, derowegen er viele davon in seinem Musaeo auffbehalten hätte, unter welchen sich eine Hirn-Schale befinde, welche mit denen suturis sonderlich unterschieden sei; Merckwürdig aber ist es von dem aus dieser Höle gegrabenen Einhorn, daß man zu Zeiten Stücke finde, die sehr hart sind, und dabei einen nicht unangenehmen Geruch haben, dergleichen in denen andern vor gedachten Hölen nicht leicht angetroffen werden; wovon aber solche Härte mit dem Geruch herrühre, ist dem curieusen Leser schon von mir in der Beschreibung der Schartzfelsischen Höle eröffnet worden. Ingleichen findet sich auch häuffig in dieser Höle der Tropff- oder Trauff-Stein, und wird von etlichen der Orten Gallizen-Stein genennet; Dieser Stein hat den Nahmen von Tropffen oder Trauffen bekommen, weilen derselbe von denen Tropffen Tropff- oder Trauff-Wassers entstanden, und nicht anders als ein in Stein verwandeltes Tropff-Wasser ist. Es solte zwar manchen, die solches nicht gesehen, und keine Wissenschafft von dergleichen natürlichen Dingen haben, wohl blosser Dinges unmüglich und unglaublich vorkommen, daß das Wasser zu Stein werde, allein die Wahrheit ist am Tage, und wird durch die Erfahrung so wohl in dieser Höle als auch in denen vorher beschriebenen und andern Klüfften genugsam und überflüßig bezeuget, auch von der Vernunfft erwiesen; massen das durch die Erde und Stein-Felsen von oben herab hin und wieder in die Höle sich dringende Tropff-Wasser mit einem Stein-machenden Safft vermischet ist, welcher erstlich oben an der Decke der Höle nach und nach, entweder vor sich selbst einer von GOtt eingepflantzten Natur nach, oder vermöge eines Spiritus lapidificantis, dessen ich unter vorher gehendem Titel gedacht, in steinerne Zapffen erhärtet, nicht anders als wie zu Winters-Zeit die Wasser-Tropffen an denen Dächern in Eis-Zapffen verwandelt werden; dasjenige Tropff-Wasser aber, was in der Höhe nicht zum Steine worden, fället entweder von denen Stein-Zapffen Tropffen-Weise zu Boden nieder, oder fliesset an denen Seiten der Höle herunter, und wird auch daselbst zu einem weissen glatten und ziemlich harten Stein, welcher alsdenn auf solche Art von Jahren zu Jahren sehr dick auf einander wächset. Vor gemeldete Stein-Zapffen werden nun nicht in einerlei Gestalt gefunden, denn etliche sind dünne und weiß, hingegen andere wie ein starcker Finger und mehr dicke, auch von Farbe grau- oder schwärtzlicht, und ist curieus zu sehen, daß diese durch und durch hart und nicht ausgehölet sind, die meisten aber unter denen weissen sich wie ein tubulus oder Röhrlein hohl befinden, deren Höle auch nach und nach von dem steinichten Tropff-Wasser angefüllet wird, worüber sich etliche Curiosi, denen ich solches gezeiget, ziemlich verwundert haben; die Ursach aber der Farbe dieser grau- und schwärtzlichen Tropff-Steins-Zapffen ist eine unreine irdische Materie, welche sich an etlichen Orten in der Erde mit dem Tropff-Wasser genau vereiniget, und dasselbe trübe machet; ist nun solches nicht gar zu sehr unrein, so verursachet es nur dem Tropff-Stein eine graue Farbe, da hingegen, wenn viel von solcher Unreinigkeit darinnen verhanden ist, derselbe auch eine schwärtzlichte Farbe davon bekömmet, und dieses mehr oder weniger, nachdem das Tropff-Wasser viel oder wenig Unflaht bei sich gehabt; Ebenfalls rühret es auch von der gedachten unreinen Materie her, daß diese Tropff-Steins-Zapffen nicht hohl, sondern gantz und gar steinern sind, weilen dieselbe nicht allein das Tropff-Wasser so dicke machet, daß daraus, wie sonst geschiehet, keine rechte Röhrlein von der Natur können formiret oder gebildet werden, sondern auch diejenigen, so ohngefehr daraus entstanden und gerathen sind, also bald verstopffet und ausfüllet; hieraus kan man nun leicht schliessen, daß sich das Gegen-Theil bei denen weissen Tropff-Steins-Zapffen befinde, nemlich daß solche von einem klaren und reinen Tropff-Wasser herrühren, und deswegen auch länger hohl als vorige bleiben, weilen gedachtes Wasser nicht so viel von einem Stein-machenden oder allbereit-steinichten Wesen bei sich führet, daß die Röhrlein davon von Stund an voll gemachet werden könten, zumahl da die steinichte Materie ihrer Flüßigkeit wegen sich in denen tubulis nicht lange auffhält, und darinnen auff einmahl ansetzet, sondern bald zu Boden fällt, und daselbst zu einem Stein wird, wie allbereit gedacht worden. Es möchte aber etlichen wunderlich vorkommen, wenn ich vermelde, daß derjenige Tropff-Stein, so von denen Tropffen derer Stein-Zapffen herrühret, und unter denenselben angetroffen wird, weiß sei, da er doch vielmehr grau oder anderer Farbe sein müste, weilen die Zapffen, wie vor gedacht, nicht alle weiß, sondern auch grau oder schwärtzlicht wären; Allein ich antworte darauff denenjenigen, so keinen Bescheid hierum wissen, daß die grau und schwärtzlichten Tropff-Stein-Zapfen dem gemeldeten weissen Tropff-Stein so wenig schaden, als es der Milch an ihrer Weisse hindere, daß sie von einem schwartzen Thier herkommen sei, weilen solche Zapfen ihren Gedancken nach kein unsauberes, sondern eben so wohl als die weissen, ein reines Tropff-Wasser von sich geben, indem die garstige und unreine Materie in denselben bleibet, und das Wasser dadurch gleichsam filtriret oder gereiniget wird. Was die Kräffte derer vor gedachten Tropff-Steine anbetrifft, so ist zu gedencken, daß dieselben weder in der Medicin noch Chirurgie biß dato usual oder gebräuchlich sind, ob schon solche einige Chirurgi vor eine geheime Brannt-Leschung in denen geschossenen Wunden halten, wenn nemlich dieselben klein gepülvert, in warmer Milch geweichet, und nachgehends zwei- oder dreimal auffgeleget würden, da dasselbe zwar etwas beisse, aber doch bald wieder auffhöre, worzu ich aber nichts sagen kan, weilen ich solches nicht probiret habe, auch nicht zu wissen verlange, weilen mir bessere Mittel bekannt sind, die ich in meiner Praxi, sonderlich vormahls in Ungarn, als des damahligen Chur-Fürstlichen Sächsischen General-Staabs-Feld- und Leib-Medicus vor bewähret gefunden habe, darauff ich mich auch sicher verlassen kan, wenn ein solcher Fall vorkommen solte, da zugleich bei denen geschossenen Wunden ein von dem Büchsen-Pulver und denen so wohl hiervon als durch die hefftige Bewegung erhitzten Kugeln verursachter Brannt wäre, welches aber doch selten und nicht eher geschiehet, als wenn der Verletzende sehr nahe mit dem abgeschossenen Gewehr bei dem Verwundeten gestanden hat, wie die Erfahrung, und mit derselben unter andern Horstius in Observat. libr. 1 de cas. Chirurg. ingleichen D. Ettmüller in Chirurg. Medic. oper. fol. 675 bezeuget. Nechst dem wird das Pulver solches Steines von etlichen, so nahe um solche Hölen wohnen, darinnen der Tropff-Stein gefunden wird, zu denen Wunden und Geschwüren des Viehes, als ein heilsames Mittel gerühmet, wofern davon etwas in dieselben gestreuet würde, dieserwegen loben und brauchen sie sonderlich dasselbe auch auf gedachte Art in denen Wunden derer Pferde, so von denen übel gemachten Sätteln oder von ungeschickten Reutern wund gedrucket worden, welches alles ich an seinen Ort gestellet sein lasse, und davor halte, daß wenn dasselbe dasjenige, was ihm zugeeignet wird, in der That præstire, solches seiner ausdrucknenden Krafft zuzuschreiben sei, vermöge derselben die scharffen Feuchtigkeiten in denen Geschwüren und Wunden absorbiret, und also trucken gemacht und gereiniget werden, zumahl da solcher Stein ein alcali bei sich hat, welches die in denen Geschwüren vorhandene Schärffe und Säure temperiret, und ihnen ihr schädliches Wesen benimmet.