Von der im Ambt Stiege gelegenen Höle, des Berges Hegers-Horst genannt 
Von der im Ambt Stiege gelegenen Höle, des Berges Hegers-Horst genannt.

Es lieget auff dem Unter-Hartz in dem, vor Alters Gräfflichen Reinsteinischen, nunmehro aber Hoch-Fürstlichen Braunschweigischen Wolffenbüttelischen Ambte Stiege, nicht weit von denen Gräntzen des Hoch-Gräfflichen Stolbergischen Ambtes Hohenstein ein Berg, welcher der Hegers-Horst genennet wird, in diesem findet sich am Fuß oder zu unterst desselben eine dreifache Höle, die keinen eigentlichen Nahmen hat. Der Eingang zu derselben ist nicht gar zu weit, derohalben man auch auffrecht nicht in dieselbe kommen kan, sondern es muß allhier, wie auch bei vielen andern Hölen geschiehet, gekrochen sein, wenn man anders hinein gelangen und solche beschauen will. Ist man nun also in dieselbe kommen, so trifft man vorwärts drei Hölen hinter einander an, welche nicht sehr hoch, auch nicht breit und lang sind; in diesen Hölen findet man hell-gläntzende, durchsichtige grosse und kleine Steine, welche auff der Seiten, da sie an denen Steinen der Höle ansitzen, breit, auff der andern Halbe aber sechs-eckicht, und offtmahls so spitzig sind, daß sie auch das Glas wie ein Demand schneiden, und derowegen von etlichen falsche Diamanten genennet werden, dergleichen man auch auff und an dem Hartz mit und ohne Ertz mehr haben, und insonderheit bei Stoberg in dem Ur-Berge, in dem Blocks-Berge an dem Ort zum schwartzen Ochsen genannt, und denen meisten Berg-Wercken des Hartz-Waldes antreffen kan, und nichts anders als eine besondere Art des Cristalles ist. Alhier wird auch offtmahls zwischen denen Stein-Ritzen eine Art Erde gefunden, darunter etwas ist, das wie Gold gläntzet, und von denen gemeinen Leuthen vor ein wahrhafftiges Gold gehalten wird, weilen sie sich gäntzlich einbilden, daß in dieser Höle heimliche Gänge vorhanden, die sehr reich von Golde wären; Allein es heisset hier nach dem gemeinen Sprich-Wort: Es ist nicht alles Gold, was da gläntzet; massen ich eines mahls aus Curiosität solche Erde mit grosser Mühe geschlemmet, und das Geschlemmete durch ein microscopium oder künstliches Vergrösserungs-Glas betrachtet habe, um zu erforschen, was doch die gläntzende Materie eigentlich sein möge, da denn auff solche Art befunden, daß es kein Metal, sondern ein schöner Gold-gelber Sand sei, so ausgesehen, als wenn es ein hoch-gelb-gefärbter lapis specularis oder der hiesiges Ortes so genannte Glinzerspatt wäre, der offtmahls in dem dunckel-grauen Alabaster-Stein gefunden wird; als ich nun dem microscopio nicht allein trauen wollen, ist von mir endlich der Probier-Ofen zu Hülffe genommen worden, aber dessen ohngeachtet habe ich weder Gold noch etwas von einem andern Metall daraus bekommen. So ist mir es vormals mit solcher Erde gegangen, solten aber andere, die sich rühmen, daß sie aus Koht das Gold Klumpen-Weise machen könten, mit dieser Erde glücklicher, als ich, gewesen sein, so will ich ihnen dasselbe wohl gönnen.