Von dem oben auff dem Blocks-Berge befindlichen Brunnen.

Oben auff dem Blocks-Berge lieget eine Brunn-Quell, welche ein helles und wohl-schmeckendes Wasser hat. Nun möchte mancher Curiosus, dem der Ursprung solcher auff der Höhe gelegenen Brunnen unbekannt, sich hierüber verwundern, und fragen, woher es komme: daß man auff einem so hohen Berge einen solchen Brunnen antreffe? welchem ich aber hierauff kürtzlich antworte: daß, wie insgemein die Autores sich um die Ursachen derer auff der Ebene liegenden Brunnen nicht gäntzlichen vertragen können also auch dieselben von dergleichen Berg-Brunnen unterschiedene Meinungen haben; denn etliche wollen: daß sie aus Regen- und Schnee-Wasser entstehen. Andere wollen: daß dieselben von Meer-Wasser herkommen, weilen nach dem Ausspruch des Syrachs cap. 41 vers. 11 alle Flüsse, und folglich auch die Brunnen aus dem Meer kämen, und wieder in dasselbe flössen. Nachdem aber die Berge höher als das Meer sind, und so wohl denen Herren Mathematicis aus denen Fundamentis Hydrotechnicis, als auch dem gemeinen Mann, aus der Erfahrung bekannt ist: daß das Wasser seine Wasser-Wage halte, und natürlicher Weise nicht höher fliesse, als der Ort ist, da es entspringet. So sind die Patroni der Meinung auff unterschiedene Gedancken gerathen, und streiten mit einander, auff was Art solches Wasser auff die hohen Berge gelange. Ein Theil meinet, daß dieses per Suctum geschehe: indem die Erde derer Berge solches Wasser in sich sauge, gleich wie ein Stücke Brodt oder ein Schwamm das Wasser und andere Feuchtigkeiten an sich ziehe, wenn man solche Sachen hinein werffe. Es opponiren aber einige hierwieder: daß solches in der Vernunfft nicht Statt finden könne, und das Exempel mit dem Brodt und Schwamme hierzu nicht diene: massen das Saugen eine empfindliche Bewegung eines saugenden Cörpers præsupponire oder erfodere, und die Erde davon wie ein nasser Schwamm auffschwellen müste, welches ja nicht geschehe. Ueber das, wenn schon die Erde das Wasser an sich zöge, würde doch dasselbe nicht daraus lauffen, man ebenfalls an einem auffgeschwollenen Schwamm wahrnehmen könne, als welcher keine Feuchtigkeit von sich gebe, es sei denn, daß man denselben ausdrucke. Andere wollen: daß das Wasser aus dem Meer mediante Transmissione auff die Berge gebracht werde, und wie das Geblüthe von einem Menschen oder Thiere, durch gewisse Meatus hinauff steige, welcher Meinung sonderlich Plinius libr. 2 cap. 65 ist. Sie bilden sich aber ein, wie das auff dem Grunde des Meeres vorhandene Wasser von der grausamen Last des darüber stehenden Gewässers gedrucket, und durch gewisse verborgene Canäle, biß zu oberst eines Berges, getrieben werde, welche Meinung doch wieder von etlichen nicht zugegeben wird, vermeinende: daß, ob schon das unterste Meer-Wasser auff vor besagte Art in einige unter der Erden vorhandene Hölen getrieben würde, und von dar, wegen gewaltigen Nachdrucks des obern Wassers, durch etliche Gänge in die Höhe steige, so schiene es doch nicht glaublich zu sein, daß solches dadurch auff hohe Berge könne gebracht werden: denn dasselbe, wenn es die obere Fläche des Meeres erreichet habe, entweder dasselbe stehen bleibe, oder wieder zurück falle; weil die Gewalt des Nachdruckes alsdenn auffhöre, und sich nicht weiter erstrecke. Zu dem, wenn das Meer-Wasser durch offene Canäle geführet würde, müste das Wasser in solchen Brunnen nicht süsse, sondern, wie das Meer-Wasser, saltzig sein. Dieserwegen halten die meisten davor: wie es der Wahrheit eher gleich zu sein scheine, daß der Ursprung derer Berg-Brunnen von denen wässerigen Dünsten des, seiner Schwere und Flüßigkeit wegen, in die untersten Hölen derer Berge gebrachten Meer- und andern Wassers herrühre, indem der meiste Theil von demselben durch die Wärme der Erde und Sonnen-Hitze daselbst in Dünste verwandelt würde, und von dar zu den Gipfeln der Berge aufsteige, alwo selbige endlich wieder von der daselbst befindlichen kalten Erde zu Wasser würden, welches wegen der hefftigen Enge derer Gänge, dadurch solches auffgestiegen, nicht wieder zurück in die vorgemeldete Hölen fallen könne, zumahl da es oben in der Höhe andere weite Wege finde, durch welche solches seiner Art nach unter sich fliesse, und also einen Brunnen verursache; wie man denn auch hievon ein Exempel in denen Chymischen Destillationen hätte, allwo vermittels des Feuers viele Dünste aus denen wässerigen Corporibus oben in den etwas kühlen Helm stiegen, und daselbst zu Wasser-Tropffen würden, welche nachgehends häuffig durch den Schnabel des Helms in den Recipienten oder Vorlage fielen, welcher Meinung Anton le grand in seiner Historia Naturæ Part. 4 Articul. 4 pag. 172 und in seiner Institutione Philosophiæ Part. 6 Articul. 7 p. 577. Ingleichen der Autor Philosophiæ Veteris & Novæ Burgundiacæ Part. 2 cap. 3 pag. 420 beipflichtet, bei denen auch ein mehrers hievon kan gelesen werden. Ob nun schon die letzt gedachte curieuse Meinung ziemlicher massen auff den Brunnen des Blocks-Berges appliciret werden könte, so glaube ich doch eher, daß die fürnehmste Ursach dieses Brunnens das Schnee- und Regen-Wasser sei, weilen auff diesem Berge nicht allein die meiste Jahres-Zeit über ein sehr dicker Schnee lieget, sondern auch ausser dem mehrentheils es darauf regnet, wovon es denn wohl nicht anders sein kan, als daß die auff dem Gipffel des Berges unter der Erden vorhandene Löcher, Hölen, und andere Behältnisse voll Wasser werden, und sich davon nach und nach wieder entledigen. Sonst ist bei diesem Brunnen ein grosser Stein vorhanden, an welchem vor Zeiten eine Kelle oder grosser Löffel mit einer eisern Kette gehangen hat, auff daß man desto bequemer daraus aus Curiosität hat trincken können, wiewohl das Wasser darinnen auch mitten in denen Hundes-Tagen offtmahls so kalt ist, daß es kaum in den Mund kan genommen geschweige getruncken werden.