Von dem so genannten Elisabethen-Brunnen in Nordhausen.

Es scheinet zwar ein Brunn an dem Orte, wo es derselben überflüßig giebet, manchem Menschen eine geringe Sache zu sein, wie denn die meisten Wunder-Wercke GOttes, ihrer Vielheit wegen, verachtet werden; Allein, was ein reiner, frischer und gesunder Brunn vor eine Edle Gabe des Höchsten sei, erkennen diejenigen insonderheit, so in dergleichen Ländern wohnen, oder dahin gereiset sind, da es dergleichen Brunnen nicht hat; derohalben mich niemand verdencken wird, wenn ich von dem alhier befindlichen Crystall-hellen wohl-schmeckenden und gesunden Elisabethen-Brunnen etwas melde. Es ist aber derselbe in der Vor-Stadt nahe bei der Kirche des Hospitals S. Elisabeth gelegen, davon solcher auch seinen Nahmen bekommen hat. Der Ursprung oder Quell desselben befindet sich ebenfalls nicht weit von der vor besagten Kirche, indem solcher kurz über dieselbe an dem so genannten Stadt-Graben lieget, und mit einem Häußlein verbauet ist, damit kein Unflat hinein fallen könne. Von diesem Ort wird der Brunn mit metallinen Röhren unter der Erde durch die Kirche biß zu einem steinern in die Erde gegrabenen Brunn-Kasten geleitet; damit aber derselbe mit keinem Regen-Wasser vermischet, und sonst auff einige Art und Weise verunreiniget werde, so ist nicht allein der Kasten mit Bretern zugedecket, sondern auch über denselben ein runder Schwib-Bogen gewölbet worden. Dieser Brunn wird nicht unbillich vor den allerbesten hiesiges Orts gehalten, wie denn auch solches etliche alhier wohnhaffte Personen, welche nichts anders als Wasser trincken, bekräfftigen, und sagen: daß sie es eigentlich schmecken könten, wenn ihr Gesinde offtmahls aus Faulheit das Wasser nicht aus diesem, sondern aus einem andern nahe gelegenen, Brunnen geholet hätten. Dieserwegen wird ebenfalls kein ander Brunnen-Wasser, als dieses, zum Auff-Füllen derer in hiesiger Stadt zu Zeiten sehr häuffig vorhandenen Lager-Biere gebrauchet, massen es solche nicht allein vor andern erfrischet, sondern auch verursachet, daß die Hefen desto eher sich niederschlagen, und dadurch reiner und heller werde. Denen armen Leuthen, sonderlich im vor gedachten Hospital, kömmet dieser Brunnen wohl zu statten, und ist eine merck-würdige Gütigkeit GOttes, daß, ohnerachtet von diesem Brunnen täglich sehr viel Wasser verbrauchet wird, doch daran kein Mangel verspüret werde, sondern derselbe ein so häuffiges Wasser durch das gantze Jahr gebe, daß es auch überlauffe, und ein kleines Bächlein mache, welches in dem darunter gelegenen so genannten Mühl-Graben fliesset. Sonst muß ich noch von diesem Brunnen gedencken, daß damit ein gewisser Mann alhier eine wunderliche Augen-Cur an sich selbst verrichtet habe; denn wie derselbe, Alters wegen, blöde Augen bekommen, und sich derer Brillen bedienen müssen, träget es sich einesmahls zu, daß in langer Zeit nicht so viel Geld einkömmet, als er zum Bier und Branntwein, welches beides von ihm sehr geliebet worden, vonnöthen gehabt, dahero ihn die Noht gezwungen, diesen Brunnen einig und allein zu trincken, worauff dessen Augen-Beschwerung also nachgelassen, daß er endlich ohne Brille wieder lesen können. Da siehet man, was die Diaet bei einem solchen Malo vermag, und wie kräfftig das blosse süsse Wasser sei, die sauren, scharffen, dicken und die Augen verdunckelnden Feuchtigkeiten zu versüssen.