Von denen curieusen Fontainen oder Spring-Brunnen des Gartens zu Hessem.

Ein sehr schöner, künstlicher und aus lauter gutem Metall verfertigter Spring-Brunn befindet sich in dem gegen den Ober-Vor-Hartz gelegenen Hoch-Fürstlichen Braunschweigischen Wolffenbüttelischen Garten zu Hessem, und ist vormahls dem Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn, Herrn Julio, Postulirten Bischoff zu Halberstadt und Hertzogen zu Braunschweig und Lüneburg, Hoch-löblichster Gedächtniß, von einigen Augspurgischen Kauff-Leuthen zu Kauffe gebracht worden. Als nun derselbe Ihro Hoch-Fürstlichen Durchlauchtigkeit, seiner trefflichen Arbeit wegen, gefallen, haben Sie solchen am acht tausend gute Gülden gekauffet und denselben Dero Gemahlin, Frauen Elisabeth, Gebohrnen aus dem Königlichen Stamm Dennemarck, zum Neuen Jahr geschencket, welche diesen Brunn in den vorgedachten, damahls neu angelegten, Lust-Garten hat setzen lassen. Es stehet aber derselbe in dem so genannten Brunnen-Quartier auff einem, von schönen Guater-Steinen auffgeführten Mauer-Werck, worunter ein feines Gewölbe ist; Oben sind zwei Umgänge um den Brunnen, welche mit künstlich-gemachten eisernen Gitter-Wercken umgeben und mit zweien dergleichen Thüren verschlossen sind. Auff dem Unter-Gange liegen viele bleierne Röhren und Meßings-Pfeifflein verborgen, daß man dieselben nicht sehen kan, wodurch einer, der auff diesen Gang steiget, Pfützennaß kan gemacht werden, da hingegen ein anderer auff dem obern Gange im Trocknen stehet, und dieses Lust-Spiel lachend ansiehet. Weiter ist der Brunn an sich selbst folgender massen beschaffen, und fänget sich unten bei dem Fuß also an: Es stehen drei ziemlich grosse so genannte Vogel-Greiffe worauff das unterste Becken ruhet, darzwischen stehen etliche Löwen, auch von denen grossen See-Krabben und Meer-Krebsen; unten im Becken sind Muscheln, Frösche, Plateise oder Halb-Fische, die man hier zu Lande Schollen nennet, und andere in der See befindliche Sachen zu sehen, welchen alles natürlich und nach dem Leben gar künstlich verfertiget ist. Hernach gehet über diesem Becken wie eine Stein-Klippe oder Felsen in der Mitte des Brunnens herum, worzwischen Frösche, Kröten, Eidexen, Schlangen, ingleichen allerhand Vögel und Thiere, so sich in denen Felsen auffzuhalten pflegen, sehr artig und fleißig gemachet sind. Auff diesem Stein-Felsen sind ferner sechs grosse Auer-Ochsen, worauff denn das andere Becken stehet zwischen denselben sitzen drei-köpffichte Drachen, die mit denen Ochsen das Wasser aus denen Köpffen geben. In diesem andern Becken ist auch dasjenige zu befinden was in dem Vorhergehenden gemeldet worden, und siehet darinnen alles aus, als ob es lebete im Wasser, über diesem Becken gehet auch ebenfalls wieder eine Stein-Klippe herum, auff welchem eine Gemsen-Jagd mit Gemsen, Hunden und Jägern zu sehen ist. Ingleichen sind noch mehr Thiere, so auff dieser Klippe stehen, denen das Wasser aus denen Mäulern und Füssen springet, nemlich proportionirte Pferde, welche auff denen Hinter-Füssen stehen, und scheinen, als wolten sie herunter springen. Ferner Pelicane, welchem das Wasser aus der Brust springet, darneben Affen, die auff der Sack-Pfeiffe spielen, und Wasser aus denen Pfeiffen geben, wie auch Elephanten, Einhörner und dergleichen mehr, die alle artiger Weise Wasser geben. Endlich stehet zu alleroberst ein wohl gebildeter Hirsch, als ein zum Hoch-Fürstlichen Braunschweigischen Lüneburgischen Wapen gehöriges Stück, dem ebenfalls das Wasser aus dem Maule, denen Vorder-Füssen und Hörnern gantz zierlich springet, welches Kunst-Stück wohl zu sehen, und von Johann Royern, vormahls Hoch-Fürstlichen Braunschweigischen Lüneburgischen bestalten Gärtner, in der Beschreibung des Garten zu Hessem c. 1 p. 2 in einem Kupffer-Stück vorgestellet ist. Nicht gar weit von diesem Brunnen trifft man auch zwischen dem so genannten Wapen- und Rauten-Quartier, welches bei dem Schloß-Graben hergehet, auch eine feine Wasser-Kunst an, so der Dianen Badt nach der Historie, oder vielmehr Fabel, des Ovidii artig vorstellet, denn erstlich daselbst ein ziemliches mit Quater-Steinen inwendig glatt- auswendig aber wie eine Stein-Klippe gemauretes Gewölbe vorhanden ist, dessen Boden mit gutem Zinn beleget worden, hierinnen nun sitzet die Diana mit ihren Jungfrauen ganz nackend, und stehet in demselben ein vergüldetes Knaben-Bild, welches einen Delphin unter seinem Fusse hat, dem das Wasser aus dem Munde in dieses Bad läuffet: Nechst dabei hält der Jäger Actaeon mit seinen Hunden bei einem Baume, in der Hand einen Jäger-Spieß auff dem Kopff aber Hirsch-Hörner oder Geweihe habende, welche derselbe, wie fabuliret wird, aus Verfluchung der Dianae, zum Trinck-Gelde soll bekommen haben, als er die badende Gesellschafft aus Vorwitz beschauet gehabt. Vor gemeldete Bilder aber sind alle aus Steinen in natürlicher Grösse gantz künstlich gehauen, und mit lebendigen Oel-Farben zierlich vermahlet. Der Platz, darinnen dieses Bad stehet, ist 24 Werck-Schuh ins Gevierdte und mit einem Gitter-Werck umgeben, auch mit dreien Thüren verschlossen. An den vier Ecken desselben befinden sich feine ausgearbeitete Pfosten mit Menschen-Bildern, welche einen Delphin unter dem Fuß haben, aus welchem Wasser lauffet, und bei einer jeden Thür stehet auch zu beiden Seiten ein schön geschnitzter Pfoste mit Delphinen, die ebenfalls aus ihrem Munde Wasser geben. Inwendig ist dieser Platz mit feinen kleinen Steinen ausgesetzet, darunter viele verborgene bleierne Röhren und Meßings-Pfeifflein liegen, welche zu einer Kurtzweil dienen, denn, so jemand hinein kömmet, diese schöne Bilder zu besehen, und man den Hahn umdrehet, springet das Wasser unten aus der Erden anderthalb Mannes hoch, und aus allen Ecken hervor, daß derselbe davon gantz naß wird, welches lustig anzusehen ist. Ferner stehet in diesem Garten mitten vor dem darinnen befindlichen Lust-Hause noch eine andere artige Fontaine mit einem schönen wohl gemachten Bilde, welches die keusche Lucretia mit einem in der Hand habenden Dolch ist, woraus ebenfalls das Wasser in die Höhe springet.