Von dem zwischen Kieffhausen und Kelbra gelegenen alten Schlosse die Rotenburg genannt, und dem darauff vormahls gestandenen Abgott Püstrich.

Zwischen vor gedachtem wüsten Schlosse Kieffhausen und der Hoch Gräfflichen Schwartzburgischen Rudolstädtischen Stadt Kelbra, liegt ein altes Berg-Schloß, so die Rotenburg genennet wird, und nunmehro sehr vefallen ist, hierauff hat zu denen Zeiten, da unsere Vorfahren noch ungläubige Heiden gewesen, der Abgott gestanden, welchen die Autores insgemein den Päuster, Püstrich oder Beustrich, die Einwohner der Gülden-Aue aber den Beusterd oder den Beustard, und die Nieder-Sachsen den Püster, nennen, weilen er, wie folget, die Feuer-Flammen gleichsam von sich pustet oder bläset. Dieser Heidnische Abgott ist nach vor gedachter Zeit ehemahls bei einem von Adel von Tutgerode am Hartze vorhaden gewesen, und nachgehends von dar nach Sondershausen gebracht worden, alwo derselbe noch biß hieher auff dem Hoch-Fürstlichen Schwartzburgischen Schlosse in dem Zeug-Hause, als eine Rarität, zum Gedächtniß auffbehalten wird. Die Materie, daraus dieses Götzen-Bild gemachet worden, ist ein Metall, was es aber eigentlich vor eine Gattung desselben sei, kan man aus dem blossen Augenschein nicht erkennen, und wird vor gewiß gesagt: daß man solches auch nicht habe erforschen können, als einesmahls von dessen lincken Arm ein Stück abgelöset, und im Feuer probiret worden, derowegen es nicht unbillig von etlichen für ein unbekanntes Metall gehalten wird. Die Gestalt desselben ist ziemlicher massen heßlich, denn er wie ein wilder und unbändiger Junge, der aus Bosheit seine Geberden verstellet, aussiehet. Es ist aber dieses gegossene Bild eine Elle hoch, seine rechte Hand lieget auff dem Kopfe, und die Finger von der lincken befinden sich über dem lincken Knien, denn der lincke Arm unter dem Ellenbogen biß auf die Finger, wegen der vor gedachten Probe des Metalls abgebrochen ist. Mitten auff dem Haupt hat dasselbe ein Loch wie ein guter Finger oder Daumen dicke, und, an Statt des Mundes, ist noch so eins vorhanden. Der Bauch ist, nach Proportion des Bildes, sehr dicke, und begreifft der Umfang von aussen fünff Viertel Elle; und dieses ist die Ursach, daß ein sehr dicker und fetter Mensch dieser Orten ein dicker Püster oder Püstrich genennet wird. Inwendig ist so wohl der Bauch als auch das gantze Bild hohl, und gehet ohngefähr ein Eimer Wasser hinein. Im übrigen mangeln demselben beide Füsse, und kniet es auff dem zerstümmelten rechten Beine, das lincke aber ist etwas auffgerichtet, und ruhet dasselbe darauff, dahero der Püster nicht, wie einige wollen, ein vollkommlich sitzendes, sondern vielmehr ein kniendes Bild præsentiret oder vorstellet, wie ein jeder, der es einmahl recht in Augenschein genommen hat, bekennen wird. Man sagt, daß, wenn man diesen Götzen mit Wasser anfülle, dessen Löcher mit höltzernen Pflöcken verstopfe, hernach in das Feuer oder auf glüende Kohlen setze, solcher alsdenn anfange, so sehr zu schwitzen, daß ein Tropffe dem andern folge, so bald er aber gäntzlich erhitzet werde, stoffe er beide Pflöcke von sich mit einem solchen Knall, als wenn es donnerte; hierauff werffe derselbe aus beiden Löchern, in die Höhe und Weite, viele Feuer-Flammen, wovon einsmahls das Schloß zu Sondershausen angezündet, und kaum mit grosser Noht gelöschet worden, als in Abwesenheit des damahligen Grafens und Herrns Anton Heinrichs ein Hauptmann und Schösser, aus Fürwitz, den Püster mit Wasser anfüllen, und in der Hoff-Küche auff das Feuer setzen lassen. Es vermeinen aber viele: daß solches Bild nicht natürlicher Weise die Feuer-Flammen ausspeie, sondern also von denen Heidnischen Pfaffen durch Teuffels-Kunst zugerichtet worden sei, indem sie dergleichen Zauberei und Augenverblendete Gauckelei vor Alters mehr getrieben hätten; Allein, ob schon nicht zu leugnen stehet: daß von denen Götzen-Priestern alle ihre Betrügereien mit Raht und Hülffe des Teuffes verrichtet worden, und es also scheinet, daß es dieserwegen auch leicht eine solche Beschaffenheit mit diesem Abgott haben könne, zumahl, da dem Bericht nach, es selten ohne Unglück und jemandes Beschädigung abgangen ist, wenn derselbe auff dem Feuer seine Probe hat ablegen sollen, so ist es doch ebenfalls bekannt: daß der Teuffel, als ein Tausend-Künstler, sich ingleichen der natürlichen Mittel zur Zauberei bediene; derohalben Herr D. Sagittarius in seinen Antiquitatibus Gentilismi Thuringiaci lib. 1 cap. 2 nicht ohne Ursach davor hält: daß es mit dem Püster alles natürlich zugehe, nicht allein, weil auch von andern solche Bilder verfertiget worden, die das eingefüllte und erhitzte Wasser mit einem starcken Krachen, und darauff erfolgeten Feuer-Flammen, von sich gestossen hätten, dergleichen zu Rom bei dem Leben das Pabsts Leonis X. geschehen sei, sondern auch, weil Henricus Ernstius im letzten Capitel des andern Buchs seiner Variarum Observationum die Art und Weise deutlich gezeiget, dessen Worte Herr D. Sagittarius also verdeutschet hat; wenn du in ein hohles und ganz verschlossenes Gefäß, das inwendig mit einem durchgebohrten Deckel unterschieden, etwas Feuchtes giessen wirst, daß es in die untersten Theil abläufft, in den obersten Theil aber etwas von solcher Materie, welche gar leichtlich zündet, und doch das Feuer lange halten kan, als da ist von Schwefel, ungelöschtem Kalck, Erd-Pech, oder zu Staub gemachten Kohlen, dieses Gefäß aber auff glüende Kohlen setzest, so wird die erhitzte Feuchtigkeit einen grossen Dampff abgeben, welcher, wenn er durch die also genannte Antiperistasin den mittelsten Deckel erreichet, die darauff liegende Materie anzünden wird. Ferner wird alsdenn die dünn gemachte Lufft, so sich in dem engen Platz nicht behelffen kan, wenn sie mit grossem Ungestümm einen Ausgang suchet, die Pflöcke aus- und das Feuer mit grosser Bewegung vertreiben. Es hat Hero, ein dergleichen Werck zu verfertigen, gewiesen, welches, wie es der Vernunfft gemäß, also erfahren solches fast täglich die Büchsenmeister. Gedachter Sagittarius will, daß man sich erkundigen solle, ob bei dem Püster so wohl die inwendige Form, als eine leichtlich zündende Materie, das Ihrige contribuire; wie kan man aber die inwendige Form oder Gestalt erforschen, da das Bild, wegen der Rarität, nicht darff zerbrochen werden? Hingegen ist an einer leicht zündenden Materie, so entweder schon darinnen, auff eine unbekannte Art, verborgen, ist, oder mit dem Wasser erstlich hinein gethan werden muß, nicht zu zweiffeln, massen Herr Lic. Benjamin Scharff, weiland Hoch-Fürstlicher Leib-Medicus und Bürger-Meister zu Sondershausen, in seinem Lateinischen Tractat de Junipero cap. 8 pag. 105 gestehet: daß der Püster nicht allein mit Wasser, sondern auch andern Qualitäten, angefüllet werde. Gewiß ist es, daß das Wasser allein und für sich selbst unmüglich Feuer-Flammen, wohl aber einen starcken Knall, und darauff ein pfeiffendes und gleichsam heulendes Brausen verursachen kan, welches die von dem Athanasio Kirchero in seiner Arte Magnetica part. 2 libr. & cap. 3 fol. 433 beschriebene Pilae Æoliae, oder Wind- Kugeln, genugsam bezeugen, denn wenn man dieselben allein mit Wasser anfüllet, und auff glüende Kohlen setzet, werden sie zwar, wie der Püster, den in das Mund-Loch gesteckten Pflock mit einem starcken Gethöne ausstossen und darauff ein starckes Brausen verursachen, doch aber keine Feuer-Flammen von sich geben, man mag es auch versuchen wie man will; und erinnere ich mich, daß der weiland unvergleichliche Mathematicus und Professor zu Jena, Herr Erhardus Weigelius, in einem Collegio Experimentali oder Curioso in meiner und anderer Gegenwart mit solchen Wind-Kugeln auff vor besagte Art unterschiedene curieuse Experimenta angestellet, niemahls aber damit aus blossem Wasser Feuer-Flammen zuwege gebracht hat. Gleichwie nun dasselbe mit denen jetzt gemeldeten Wind-Kugeln nicht angehet, also vermag der Püster ebenfalls nicht, solches zu thun, wenn dem Wasser nicht vorhero eine in denselben leicht brennende Materie, es geschehe nun, auff was Art und Weise es wolle, zugethan worden, weilen der Püster nichts anders als eine figurirte Gattung solcher Wind-Kungeln ist, wie ein jeder, der dessen fast Kugel-runden Bauch mit andern Umständen recht betrachtet, und gegen solche Kugeln hält, leicht bekennen muß. Woraus aber vor gedachte brennende Materie eigentlich bestehe, ist mir annoch unbekannt. Etliche muthmassen, daß solches nichts anders als Schwefel, ungelöschter Kalck und dergleichen sei, zu welchen Gedancken sie unter andern von dem Zeillero verleitet worden, als welcher unter andern in der 551 Epistel pag. 870 gedencket: wie das Feuer von dem Püster nicht allein einen garstigen Gestanck und dicken schwartzen Rauch von sich gebe, sondern auch wie Schwefel oder Kreide auff die Steine oder Erde falle, und dielbe also beflecke, welches dieselben für Kenn-Zeichen vor besagter Materialien halten, und ich dahin muß gestellet sein lassen, weilen noch niemahls den Püster habe probiren gesehen. Mit diesem Abgott haben in dem Heidenthum die Götzen-Pfaffen grosse Dieberei und Betrügerei getrieben, denn sie denen einfältigen Leuthen, hohen und niedrigen Standes, in denen Schwartzburgischen und Stolbergischen Territoriis fest eingebildet, daß ihr GOtt hefftig auff sie erzürnet sei, wenn er donnere und Feuer ausspeie, derohalben sie denselben wieder mit allerhand angenehmen Opfern versühnen müsten, wenn sie nicht des Todes sein wolten, welches das arme dumme Volck geglaubet, darüber geweinet, und zum Opfer-Geld, Vieh und Victualien willigst und mildiglich gebracht, worauff die Pfaffen nicht ermangelt, solches anzunehmen, sich dabei, so lange es währet lustig zu machen, und wenn alles verzehret, alsdenn ihre vorige Comödie wieder zu spielen. Es will zwar im Julio 1689 derer so genannten monatlichen Unterredungen einiger guten Freunde etc. pag. 722 nicht zugegeben werden, daß der Püster jemahls ein Heidnischer Abgott gewesen sei, weilen dessen Gestalt gar nichts Götzenhafftiges repraesentire, und die Bildung seiner Haare zu erkennen gebe, daß er nicht gar viel hundert Jahr seines Alters zehlen könne; derohalben hält der Autor dieser Meinung davor: daß solches Bild von denen Räubern auff dem Kiffhäusischen oder andern da herum gelegenen Schlosse sei zu ihrer Defension gebraucht worden, indem wegen dessen Feuer-Speien ihnen niemand hätte beikommen können. Allein, es verzeihe mir derselbe, daß ich sage: wie solche Meinung nicht bestehen könne; denn ein jeder aus der anfänglich gedachten Beschreibung des Püsters zur Genüge ersehen kan, daß er ein götzenhafftes Ansehen habe, und zeiget die Bildung derer Haare nicht gar zu gewiß und allezeit das Alter eines Bildes an, massen dasjenige offt wieder zu einer neuen Mode wird, welches die alten vorlängst getragen haben, derowegen es keine unmügliche Sache ist, daß die Heiden ihre Haare auff solche Art, als man an dem Püster siehet, nicht auch sich hätten können zu der Zeit, da der Abgott gemacht worden, verschneiden lassen. Ferner gebe ich einem jeden Kriegs-Verständigen zu erkennen: Ob nicht solches Bild denen Räubern, zur Defension ihrer Raub-Schlösser, fast gar nicht, oder doch sehr wenig, gedienet habe? indem es nicht mehr als eine Seite hat defendiren können, und zwar schlecht genug, denn es nicht vermocht, immerfort Feuer auszuspeien, sondern hat, wenn das Wasser heraus gewesen, nohtwendig erstlich wieder mit andern müssen angefüllet werden, ehe es auffs Neue angefangen Feuerflammen von sich zu geben, unterdessen es ja nicht den geringsten Schaden dem Feinde verursachen können, wenn er sich sonst nicht vor demselben, als einem Abgott, gefürchtet hätte. Uber das sind in dem Hoch-Gräfflichen Schwartzburgischen Rudolstädtischen und Stolbergischen Amte Heringen noch eine Art Güter anzutreffen, die man die Flämische Länderei nennet, und solches dahero: weilen dieselbe vormahls nach der Rotenburg denen Flaminibus, oder Heidnischen Priestern sollen zugehöret, und von ihnen den Nahmen bekommen haben; welche Muthmassung auch nicht ohne Grund ist, indem die Güter gantz frei sind, und derer Besitzer noch diese Stunde die Fläminge genennet werden, von welchen Herr Doctor Johann. Titius, weiland bei dieser Stadt wohl verdienter Syndicus und Consulent etc. in seinem unter dem Nahmen Jansonii Torquati heraus gegebenen Büchlein vom redlichen Vor-Munde § 14 p. 50 & seq. weitläufftiger handelt. Hat es nun vor besagter massen daselbst vor Alters Heidnische Priester gegeben, so müssen auch solche nothwendig einen Abgott gehabt haben, welcher, allen Umständen nach, der Püster gewesen. Sonst wollen einige davor halten, daß die Mönche, nach dem Heidenthum, auch ihre Gauckelei mit diesem Bilde getrieben, und dasselbe auff der Rotenburg in die Kirche in eine Mauer hinter eine Tafel gestellet hätten, zumahl, weilen dahin jährlich eine grosse Wallfahrt gehalten worden; wenn nun dieserwegen viel Volck alhier beisammen gewesen, sei ein Mönch auffgestanden, habe gepredigt, sich kläglich gestellet, und gesagt: daß GOtt im Himmel über ihre Sünde sehr zürne, und, damit sie solches sehen möchten, würde der Beustrich bald donnern, und höllisches Feuer ausspeien; alsdenn hätte er befohlen die Tafel auffzuheben, dahinter der Beustrich gestanden; wenn das geschehen, habe derselbe, wie vor gesaget, sich erzeiget, und alsdenn das einfältige Volck reichlich geopffert, vermeinende: daß dadurch GOtt versöhnet würde, denn sie nicht gewust, daß sie von denen Mönchen wären also betrogen worden, indem unter der Predigt ein ander Mönch durch einen heimlichen Gang in der Mauer hinauff zu dem Bilde gestiegen sei, dasselbe vor gedachter massen zubereitet, und die in denen Löchern steckende Zapffen mit einem Stricklein behende hinweg gezogen habe, wenn der predigende Mönch befohlen, die Tafel auffzuthun. Es zweifelt aber an dem jetzt gedachten Mönch- Betrug Herr D. Sagittarius an dem albereit angeführten Orte, und hält der Autor derer vor gemeldeten Unterredungen pag. 724 solches vor eine Fabel, weilen es nicht müglich sein könne, daß ein solch Bild in der Kirche hinter einer höltzernen Tafel stehen, und nicht alles mit seinem Feuer verderben und verbrennen solte, ingleichen daß die Pflöcke erstlich mit einem Stricklein hinweg gerücket werden müsten, und nicht von sich selbst ausgestossen würden, denn solches, wie aus Vorhergehenden zu ersehen, wider die Natur und Würckung des Püsters sei.