Von dem Lust-Garten zu Hessem.

Ob schon oben auff dem Hartz die Einwohner etliche wenige Gärten zur Lust haben anlegen lassen, so werden doch darinnen die Baum-Früchte entweder gar nicht oder doch gar späte reiff, und solches in keiner Menge, sondern gar einzeln, denn die Lufft daselbst ist rauh, hart und kalt, auch dabei mehrentheils ungestüm und voller Nebels, welcher auff dem Gebirge und Walde lieget, derohalben es gemeiniglich alhier lange und harte Winter, hingegen kurze, Sommer giebet, welches, bekannter massen, eine Sache ist, so vor keine rechte Lust-Gärten dienet. Weilen nun in diesen Gärten nichts Curieuses zu sehen ist, und also davon nichts Sonderliches kan gemeldet werden, so wende mich billich zu denen Gärten, welche an und vor dem Hartz anzutreffen, und mit zarten ausländischen Gewächsen gezieret sind, als welche vor jenen eine ungleich wärmere Lufft haben, zumahl, da in denselben die Kunst der Natur mit gläsernen und andern Decken zu Hülffe kömmet, wenn die kalten Hartz-Lüffte im Frühling und Herbst denen zarten Gewächsen schaden wollen. Es ist aber mein Vorhaben nicht, die Privat-Lust-Gärten in Nordhausen, Quedlinburg und andern um den Hartz gelegenen Oertern zu erzehlen, und kürtzlich zu beschreiben, sondern nur diejenigen, so hohen Standes-Personen zukommen; mache derohalben den Anfang von dem schönen Hoch-Fürstlichen Braunschweigischen Lüneburgischen Wolffenbüttelischen Garten zu Hessem oder Hessen, welcher daselbst bei dem Schlosse, und eine Meile von Osterwieck, lieget. Derselbe begreifft zwölff Quartiere in sich, davon ein jedes ins Gevierdte achzig Werck-Schuhe hält, welche inwendig mit allerhand Gewächsen und etlichen Fontainen, deren ich im III. Capitel gedacht, gezieret, auswendig aber mit feinem Bied-Werck von unterschiedenen Hecken oder Sträuchern umgeben sind. In einem der gedachten Quartiere ist auch ein hoch erhabenes, schön gemahltes und mit vielen Fenstern rings herum geziertes Lust-Haus anzutreffen, aus welchem man den gantzen Garten übersehen kan, und gehet in dasselbe von dem für dem Hause stehenden Fontaine eine bleierne Röhre an einer Säule hinauff zu einem Hand-Becken, worüber ein artig gemachter Meßings-Hahn ist, welcher denjenigen, der solchen umdrehet, und nicht die rechte Weise weiß, sehr naß machet. Ferner haben die Haupt-Gänge im Garten durchgehends funffzehen Schuh in die Breite, und gehet üm den Garten nach Osten und Norden ein schöner übergebogener Gang, der mit allerlei Baum- und Heck-Werck dichte bewachsen ist. In diesem Lust-Garten hat vor diesem die Americanische Aloë zum öfftern geblühet, und habe ich solche daselbst unterschiedene mahl floriren gesehen; es ist aber dieselbe nunmehro mit andern raren Gewächsen nicht mehr so häuffig alhier anzutreffen, weilen dieser Garte nicht mehr in solchem Stande ist, indem er von der Residentz der Gnädigsten Herrschafft zu weit ab- hingegen der unvergleichliche Garte zum Saltz-Thal näher lieget, doch verdienet derselbe diese Stunde noch, seiner raren Fontainen und anderer Sachen wegen, von einem Curioso gesehen zu werden. Sonst ist zu nechst an diesem Lust-Garten auch ein ziemlich grosser Küchen- und dabei ein Baum-Garte, darinnen die Bäume nach der Ordnung stehen, vorhanden, und kan ein Curiosus, nach Belieben, von diesen dreien Gärten ein mehrers in Johann Royers Beschreibung des Hessemischen Gartens lesen.