Von dem Lust-Garten zu Sondershausen.

Zwei Meile Weges von Nordhausen lieget zu Sondershausen bei dem Hoch-Fürstlichen Schwartzburgischen Residens-Schlosse ein Lust-Garte, welcher sich innerhalb wenig Jahren sehr verändert hat, indem der Durchlauchtigste Fürst und Herr, Herr Christian Wilhelm, Fürst zu Schwartzburg etc. durch grosse Arbeit und Unkosten, nunmehro denselben in solchen Stand hat bringen lassen, daß er mit gutem Fug und Recht unter die besten Fürstlichen Gärten in Teutsch-Land kan gerechnet werden, zumahl da Ihro Hoch-Fürstliche Durchlauchtigkeit, als ein überaus curieuser Herr, mit fernerer Auszierung desselben jährlich continuiren lässet. Es ist aber dieser Garte in vier sehr grosse Quartiere abgetheilet, welche breite Rabatten oder Absätze haben, darauff allerhand Frantz- oder Zwerg-Bäume, von denen schönsten Arten, stehen, und sind dieselbe mit einem wohl gewachsenen und zierlich beschnittenen Heck-Werck von Hage-Büchen umschlossen. Inwendig hat ein jeder Quartier was Besonders, denn in demjenigen, so in der Ecke zur rechten Hand des Schlosses lieget, im Sommer eine schöne Orangerie mit andern fremden Gewächsen angetroffen wird; hingegen ist in dem Quartier zur lincken ein wohl angelegter Labyrinth oder Irr-Garten, auff dessen Gängen viel hundert gemahlte Töpffe mit raren Nelcken oder Neglein-Stöcken gesetzet werden, welches überaus artig lässet, sonderlich wenn die Nelcken floriren. Die beiden andern Quartiere sind mit einem feinen Laub-Werck und andern Mustern zum Blumen-Werck ausgezieret, und mit dem kleinen Bux-Baum bordiret oder besetzet. Mitten zwischen diesen Quartieren ist nun diejenige Fontaine, wovon ich im III. Capitel gehandelt habe, um welche sehr grosse Statuen sollen gesetzet werden, wie denn auch mit einigen der Anfang hierzu gemachet worden. Weiter ist in diesem Garten bei dem Eingange am Schlosse ein künstlich gebauetes Portal mit einem Altan vorhanden, von welchem zur rechten Hand, um den halben Garten, ein zierlicher von Bäumen gantz zugewachsener, Bogen-Gang, mit schönen Laub-Hütten und Grotten gehet, die Seite aber gegen Mittag und Abend ist, des freien Prospects wegen, offen, und nur an der Ecke wieder eine zierliches Portal mit einer Sommer-Laube auffgerichtet. Ferner sind die Haupt-Gänge dieses Gartens sehr breit, und steiget man von denselben, aus dem zur Rechten des Schlosses gelegenen Bogen-Gange, vermittels einiger Treppen, auff eine ziemlich hohe Terasse, darauff sich eine überaus schöne 166 Schritt breite und 650 Schritt lange Maille-Bahn befindet, dessen eine Seite nach dem Garten zu mit einem höltzern Geländer, und die andere mit einer Maure verwahret ist, beide aber haben inwendig einen Absatz oder Rabat, und sind mit Wein-Stöcken, Abricosen, Pfirschen und andern Bäumlein besetzet, welche der Zeit nach mit ihren Blättern, Blüthen und Früchten dieselben bedecken, und damit die Bahne vortrefflich zieren. Von dieser Bahn gehet ein Gang auff das Schloß, und ist an beiden Enden derselben ein Lust-Haus angebauet, davon das eine bei dem Schlosse, und das andere nach dem Fasanen-Garten zustehet. Sonst wird unter diesem Lust-Garten zur lincken Hand, wenn man von demselben hinab gehet, ein grosses Pomerantzen- oder Gewächs-Haus, weilen das oben in der einen Ecke des Gartens liegende zu klein ist, gebauet, welches schon ziemlich in die Höhe geführet worden; ingleichen hat man auch nahe dabei eine Allee angefangen, die albereit etliche hundert Schritt lang ist, und noch weiter in das Feld hinaus, biß fast in den so genannten Schlinck, geführet werden soll: solche ist auff beiden Seiten mit Linden-Bäumen besetzet, und so breit, das zwei Kutschen geräumiglich bei einander fahren können, wodurch der Prospect des Schlosses und Gartens weilen derselbe hierauff zugehet, desto schöner gemacht worden. Zum Beschluß muß ich noch dieses melden: daß auch in diesem Garten die Aloë Americana vielmahls sehr schön und vollkommen floriret hat, davon ich etliche in der Blühte gesehen, und erinnere mich, das einesmahls ein guter Freund, der nunmehro in Hoch-Fürstlichen Schwartzburgischen würcklichen Diensten stehet, dabei zugegen war, der aus Kurtzweil eine blühende Aloë mit einem Spargel-Stengel vergliche, und sagte: daß er dergleichen Spargel-Stengel sein Lebetag nicht gesehen hätte, woran er auch nicht unrecht redete, massen der Stengel von der florirenden Aloë einem etwas auffgeschossenen Spargel-Stengel nicht gar ungleich siehet, ob derselbe schon nicht so dicke ist.