Von der Glas-Hütte.

Es ist das Glas-Machen nicht allein ein sehr nützliches, sonder auch curieuses und künstliches Werck, welches Johann Kunckel und Anton Nerus in denen Tractaten von der Glasmacher-Kunst mit andern mehr erwiesen haben, auch ein jeder bekennen wird, der einmahl aus Curiosität in eine Glas-Hütte kommen ist. Solcher Hütten waren vormahls drei an dem Hartz, nemlich eine über dem Dorffe Steine, und die andern beiden nicht weit von Bockelhagen und Stöckei, nachdem aber das Holtz, aus gewissen Ursachen, angenehm worden, ist davon nur eine von denen letzt gemeldeten überblieben, so Herrn Johann Heinrich Grimmen zustehet, und ohngefähr drei starcke Meilen von Nordhausen gegen den Ober-Hartz zu lieget. Dieselbe nun ist zwar von lauter Holtz-Werck, doch des Feuers wegen, ziemlich hoch, und also gebauet, daß man sie im Noht-Fall, wenn kein Holtz mehr an dem Ort, da solche stehet, vorhanden, abnehmen, und auff eine andere bequeme Stelle bringen könne, wie damit noch vor weniger Zeit geschehen ist. Die Oefen dieser Hütte sind auff unterschiedene Art gemachet, und ist der eine Glas-Ofen inwendig mit festen Sand-Steinen ausgemauret, dessen ohngeachtet, dauret derselbe zu Zeiten kaum drei Monat, weilen die grosse Tag und Nacht darinnen befindliche Gluth solche Steine sehr mürbe brennet. Die Materialien, daraus man das Glas verfertiget, sind entweder Scherben von zerbrochenem Glas, das Centner-weise auf die Hütte zu Kauffe kömmet, oder es ist Sand, Asche und Saltz, welche Stücke in gehörigem Gewicht abgetheilet, und in sonderliche Schmeltz-Tiegel, die man Töpffe gemeiniglich oder Häfen nennet, geschmoltzen werden. Wenn solches geschehen, wird es von etlichen Metall, weilen solches so helle wie zerflossen Zinn oder ander Metall aussiehet, genennet, und auff folgende Art und Weise verarbeitet oder geblasen. Es nimmet der Meister oder Glas-Macher, der auch an etlichen Orten der Schmeltzer heisset, eine Probe von der Glas-Materie, indem er mit einer von Kupffer, Eisen oder Meßing verfertigten und vorhero warm gemachten, sonst die Materie nicht hafftet, Röhre oder Pfeiffe durch das im Ofen gemachte Werck-Loch in den Hafen fähret; vermercket er nun, daß dieselbe recht geflossen, und tüchtig zum Glas-Machen sei, so tuncket er das vor besagte Instrument wieder in den Hafen nimmet von dem geschmoltzenen Glas, so viel ihm bedüncket, zu einem grossen oder kleinen Glase genug zu sein, darauff drehet ers um, damit es wie eine Kugel rund werde, und ziehet denn das Instrument aus dem Ofen. Wenn denn die Glas-Materie an der Lufft erkaltet, bringet er solche wieder in den Ofen, damit sie darinnen weich werde, fasset auch wohl mehr Metall oder Materie darzu, wenn er ein groß Glas machen will, alsdenn streichet er dieselbe mit seinem Streich- oder Rühr-Eisen biß zum Ende der Röhre, und bläset durch solche das Glas-Werck, wie eine Rinder- oder andere Blase, auff, darnach hebet er die Röhre in die Höhe, und schwencket dieselbe, alsdenn wird das Glas bei demjenigen Theil, so an der Pfeiffe hänget, abgelöset, und von einem Hand-Langer in den so genannten Kühl-Ofen gesetzet, da es bei temperirtem Feuer gemachsam hart und kühl werden, auch endlich, wenn solches ausgehet, vollens erkalten muß, sonst dasselbe alsobald zerspringet, wenn es an der Lufft bleibet, und nicht vorhero auff gedachte Art abgekühlet wird. Diese Glas-Arbeit wird nicht im Winter, der Kälte wegen, sondern nur im Sommer vorgenommen, alsdenn solche, wenn sie einmahl angefangen, so lange der Ofen gut bleibet, so wohl Nachtes als Tages fortgehet, weilen das Metall stetig in einer Glut bleiben muß, dieserwegen werden mit grossen Unkosten viele Leuthe darzu gehalten, die einander alle sechs Stunden ablösen, denn länger keiner solche Hitze ausstehen kan, ob er schon im blossen Hemde, auch wohl gar in heisser Sommer-Zeit nackend, arbeitet. Ferner berichte, wie derjenige, so weiss Glas bläset, kein braun Bier trincken darff, solte es ihm auch noch so gut schmecken, massen das Glas, wie mir berichtet worden, davon unscheinbar wird, zumahl, da das Hartz-Glas ohne dem dunckeler und grüner als das Wald- und andere Glas ist, welchen Fehler solches mit seiner Härtigkeit und Dauerhafftigkeit im Feuer ersetzet, und damit vor besagtes Glas übertrifft, wie solches die daraus verfertigte Destillir-Gläser, wenn sie in gehöriger Stärcke und nicht zu dünne, geblasen werden, bezeugen, als welche, solches Lobes wegen, von weiten abgeholet werden. Endlich verdienen die so genannten Tröpffel- Spring- oder Verier-Gläser, daß man derselben alhier gedencke, als welche vormahls von dem Welt-bekannten curieusen Englischen Prinzen Ruperto, so gewürdiget worden, daß er sie aus Teutsch-Land zu erst in Engelland gebracht, und daselbst Ihrer Königlichen Majestät überreichet hat, die solche hernach als eine sonderbahre Curiosität der Königlichen Societät in Engelland mitgetheilet, mit welchen und andern nachgemachten viele Experimenta von derselben angestellet worden, wie solches Doctor Merret, der gedachten Societät Mit-Glied, zu Ende seiner Anmerckungen über des Neri Glasmacher-Kunst pag. m. 156 erzehlet. Diese Gläser kan man nicht aus einem jeden Glase-Werck machen, sondern es muß darzu ein reines grünes geschmoltzenes Glas genommen werden, von welchem man etwas mit einem Instrument aus dem Hafen holet, und in kalt Wasser treufelt, darinnen die Spring-Gläser so lange liegen bleiben, biß sie kalt worden sind, alsdenn man dieselbe zum folgenden Gebrauch heraus nimmet: Die Gestalt derselben ist zwar nicht einerlei, vergleichet sich doch mehrentheils ziemlicher massen mit einer kleinen gläsernen Retorte, denn der Boden solcher Gläser ist etwas rund, der Hals ablänglich und gekrümmet, von welchem eine kleine subtile Spitze ausgehet, oder sich endiget. Sonst ist die auswendige Fläche derselben glatt, das Glas aber an sich selbst wie ein Schwamm Porosisch und voller kleiner Hölen oder Beulen, will man nun mit solchen Gläsern jemand, der keine Wissenschafft davon hat, aus Kurtzweil vexiren, so stellet man sich an, als ob man demselben eines hievon verehren wolle, giebet ihm auch dasselbe in die Hand, und wenn er solche zuschliesset, bricht man von dem Glase die Spitze bei dem Halse ab, darauff solches mit ziemlichem Prasseln in sehr viel kleine Stücke zerspringet, und die Hand, doch ohne einigen Schaden, zerschüttert, wobei es ohne ein Gelächter nicht abgehet. Woher aber solche Entspringung entstehe, sind unterschiedene Meinungen vorhanden, welche nach einander zu erzehlen und zu examiniren, ich, der weitläufftigen Materie und vieler Experimenten wegen, unterlassen muß; berichte derohalben: wie die meisten Autores die Ursache, so wohl der von der Hitze dünne gemachten, und in die Hölen derer Spring-Gläser eingeschlossenen, als auch der äusserlichen Lufft, zuschreiben, und vorgeben, daß die innerliche Lufft durch die geöffnete Blasen des Halses heraus wolle, daran aber von der äusserlichen schweren mit Gewalt einfallenden Lufft verhindert, und zurück getrieben würde, wodurch es nicht anders sein könne, als daß das Glas entzwei springen müsse. Welcher gelehrte Curiosus nun ein mehrers hiervon zu wissen verlanget, kan in dem Collegio Experimentali oder Curioso Herrn Christoph Sturmii, Professoris Publici zu Altdorff, part. 2 Tentam. 6 pag. 93 & seq. ingleichen in des Herrn Lic. Rosini Lentilii, Physici zu Nördlingen, so genannten und hinter die Ephemerides Germanorum Dec. 2 A. 3 p. 489 gedruckten Schediasmate Curioso de Vitris Analecticis nachschlagen.