Georg Henning Behrens - Hercynia Curiosa oder Curiöser Hartz-Wald 
Vorrede.
Allen und jeden Stande nach Beehrter Leser.

Nachdem ich den Welt-berühmten Edlen Hartz, ingleichen die um denselben liegende herrliche Landschafften von Jugend auff, nunmehro bei die 30. Jahr, zum öftern durchgereiset und darinnen an unterschiedenen Orten viele sonderliche Wunder-Wercke der Natur und wunderbahre Meister-Stücke der ihr nachahmenden Kunst, mit andern seltzamen und denckwürdigen Sachen angetroffen; so habe nicht ermangelt, solche Curiositäten nach und nach zu annotiren, auch derselben Verzeichnis und Beschreibung mit unterschiedenen nützlichen und ergetzlichen Anmerckungen anjetzo der Curiösen Welt, durch öffentlichen Druck, mitzutheilen. Die Ursachen aber so mich hierzu bewogen, sind unter andern: erstlich, die Ehre GOttes dadurch zu vermehren: indem ein jeder verständiger Mensch bekennen muß, wie die natürlichen Wunder kräftig bezeugen, daß ein GOtt sei und derselbe HERR aller Creaturen damit seine Allmacht, Kunst und Weisheit genugsam anzeige. Hiernechst ist solches geschehen, diejenigen, welche aus Curiosität den Hartz mit denen angräntzenden Oertern in Augenschein nehmen wollen, zu unterrichten: was vor Curiosa daselbst eigentlich vorhanden sind, massen ich wahrgenommen, daß zu Zeiten etlichen weit darnach gereiseten Personen aus Mangel eines Berichts nicht der dritte Theil davon gezeiget worden. Ferner habe ich dasselbe denen Curiosis zu Gefallen gethan, so Ambts- und anderer Verhinderung wegen nicht vermögen dergleichen, wie gerne sie auch wolten, in Augen-Schein zu nehmen, damit dieselben zu ihren Vergnügen auch von denjenigen einige Nachricht bekommen möchten, welches die vorgedachten mit Unkosten, Mühe und Gefahr gesehen haben. Endlich hat das Verlangen des Herrn Verlegers und anderer guter Freunde viel darzu geholffen, als welche mich ersuchet, je eher je lieber, dieses Buch heraus zu geben, und zwar in Teutscher, und nicht in Lateinischer Sprache, in welcher solches vorhero von mir concipiret oder aufgesetzet worden, damit sich desselben auch die ungelehrte Curiosi bedienen könten. Hieraus beliebe der geneigte Leser meine gute Intention zu ersehen, und dieserwegen sich meine, ob schon geringe doch wohl gemeinte, Arbeit gefallen zu lassen. Erhalte ich nun von demselben diese Bitte, so will davor dienstlich dancken, wiedrigen Falls, wenn etwa ein ungebetener Splitter-Richter davon ein unzeitiges Urtheil fällen wolte, man mich nicht verdencken wird, daß ich daraus schliesse: wie ein solcher Klügling mein Anagrammatischer Diener, das ist, Neider, derer ich wissentlich viel habe, sei, oder mit nichten unter die Zahl derer Curieusen Personen gehöre, als welche dergleichen angenehme Materien nicht verwerfen, und könte ich davon viel Wesens mit Rühmen und Loben machen, wenn der Pralerei zugethan, und solches von Nöthen wäre, derohalben ich die überflüßige Recommendation gesparet, verhoffende: daß das Werck sich selber loben werde, massen darinnen viele Curieuse Sachen enthalten sind, die man entweder bei denen Autoribus gar nicht oder doch auf eine andere Art beschrieben, antrifft, solte aber über alles Vermuthen einem Curioso das Buch in etlichen Stücken etwas unvollkommen vorkommen, und demselben nicht alle verlangte Satisfaction geben, so wird Er solches mit denjenigen, was ich zu Ende desselben angeführet, entschuldigen, und sich damit begnügen lassen, daß ich vor jetzo die Fürnehmsten und Merckwürdigsten an- und auff dem Hartz vorhandenen Curiositäten erzehlet und beschrieben habe. Sonst wolle der wohlmeinende Leser sich daran nicht ärgern, daß im Anfange des Titel-Blats HERCYNIA mit einem Y gedrucket worden, denn ob schon Prætorius in der Beschreibung des Blocks-Berges part. 1 cap. & § 2 pag. 38 den Thalium dieserwegen tadeln und vorgeben will, wie derselbe unrecht daran gethan, daß er in seiner so genandten Sylva Hercynia gedachtes Wort nicht mit einem i geschrieben habe, so werde ich mich doch weniger als nichts daran kehren, indem von denen Alten Lateinischen Scriptoribus Hercynia mit einem y geschrieben worden, nicht deswegen, daß das y ein Lateinischer Buchstabe sei, denn solches die Alten so gut und noch wohl besser als diejenigen, die solche Art zu schreiben verwerffen, gewust, sondern es haben dieselbe solches gethan, damit anzuzeigen, das Hercynia von dem Griechischen herrühre, und in solcher Sprache Herkynion drymon genennet werde. Im übrigen wird die Gunst des Lesers die Druck- und andere Fehler entschuldigen, wovor ich demselben alles Vergnügen wüntsche, und ihn schließlich in GOttes Schutz, mich aber in dessen beharrliche Affection befehle.