Junisturm schafft einmalige Naturwalddynamik in der
Gipskarstlandschaft Hainholz

Vor langer Zeit von einer kleinen Höhlenforschergruppe um Stephan Kempe und Firouz Vladi sowie der späteren Arbeitsgemeinschaft für Karstkunde Harz e. V. mit aktiver Hilfe behördlicher Naturschützer als amtliches Naturschutzgebiet durchgekämpft, macht das Hainholz im Südharz wieder Schlagzeilen. Nach dem Junisturm 1997 zur Wildnis geworden, hat das Hainholz nun einen weiteren „Quantensprung“ im Naturschutz gemacht: ein einmaliger Urwald im Gipskarst entsteht. Nachfolgend dokumentieren wir einen Text, dem eine jüngste Pressemitteilung der Bezirksregierung Braunschweig zugrundeliegt.

In Deutschland ist sie in dieser Größe einzigartig: die Gipskarstlandschaft Hainholz im Landkreis Osterode. Das Gebiet am Südharz mit seinen vielfältigen geologischen Formen sowie seltenen Tier- und Pflanzenarten steht deshalb bereits seit 1991 mit einer Fläche von 350 Hektar unter Naturschutz. Damit im Hainholz möglichst alles so bleibt wie es ist, mischt seit 1992 auch das deutsche Bundesumweltministerium mit, das für eine Fläche von immerhin schon 700 Hektar besondere Maßnahmen vorsieht.
„Bundesförderprogramm zur Errichtung und Sicherung schutzwürdiger Teile von Natur und Landschaft mit gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung“, so der etwas langatmige Titel der Bundes-Beihilfe, die noch bis zum Jahr 2000 Geld für das Projekt Gipskarstlandschafl beisteuern wird. Insgesamt sind es 10, 5 Millionen Mark, die für Pflege und Entwicklung des Gebietes aufgewendet werden. Beteiligt sind mit 15 Prozent der Summe auch das Land Niedersachsen sowie der Landkreis Osterode mit zehn Prozent. In der beachtlichen Förderung inbegriffen sind insbesondere die Kosten für einen zusätzlichen Flächenerwerb.
Ziel des Naturschutzprojektes ist die Förderug des Gebietes als Naturwald. Folglich ist jede menschliche Hilfe passe - im besten Falle für die nächsten 99 Jahre, denn solange gilt ein Pachtvertrag, den der Landkreis Osterode mit der Forstgenossenschrift Schwiegershausen geschlossen hat, der wiederum viele der Flächen gehören.
Mitte des Jahres hat Mutter Natur dem Naturwald erstmals auf die Sprünge geholfen. Bei einem Sturm am 29. Juni ist das Hainholz zu etwa 40 Prozent scheinbar „zerstört“ worden. „Zerstört“ freilich nur im forstwirtschaftlichen Sinne. Naturschützer sehen das ganz anders. „In waldökologischer Hinsicht wurde durch dieses Ereignis die Naturwaldentwicklung unerwartet frühzeitig eingeleitet und damit beschleunigt“, stellen die Naturschützer in der Oberen Noturschutzbehörde der Bezirksregierung Braunschweig fest. Wer heute durch das Hainholz spaziert, kann sich schon von den Selbstheilungsmechanismen des Naturwaldes überzeugen.

Friedhart Knolle (Goslar)


KNOLLE, Friedhart (1998): Junisturm schafft einmalige Naturwalddynamik in der Gipskarstlandschaft Hainholz.- Die Höhle 49(1):27-28, Wien