6. Die Vegetation des Südharzer Gipskarstes

6.1 Einleitung

Das Untersuchungsgebiet ist durch eine große Vielfalt von Landschaftsformen mit ihrer jeweils spezifischen Faunen- und Florenzusammensetzung gekennzeichnet.
Zu der zu untersuchenden Landschaftseinheit des südlichen Harzvorlandes gehört der hauptsächlich in Thüringen und Sachsen-Anhalt liegende Südharzer Zechsteingürtel. In diesem Bereich kommen überwiegend Wald- und Grünlandflächen vor.
Durch die vorhandene geologische Vielfalt ergibt sich ein oft sehr kleinräumiger Wechsel der Vegetationsgesellschaften. Die besonders durch die klimatischen Bedingungen, den Bodentyp, die Wasserversorgung, die von der Höhenlage abhängige Temperatur und die Sonnenbestrahlung bestimmt werden.
So soll in diesem Kapitel zunächst ein allgemeiner Überblick über das Gebiet mit seinen geologischen und klimatischen Voraussetzungen gegeben werden, um dann im zweiten Teil des Kapitels auf die ursprüngliche, potentielle und tatsächlich vorherrschende Vegetation einzugehen.

6.2 Beschreibung des Untersuchungsgebietes hinsichtlich seiner floristischen Gegebenheiten

Im ersten Abschnitt des Kapitels soll, wie schon erwähnt, etwas näher auf die klimatischen und geologischen Gegebenheiten eingegangen werden.

6.2.1 Klima
Durch das subatlantisch geprägte Klima im Untersuchungsgebiet wird auch die Vegetation maßgeblich beeinflusst. So sind die Niederschlagsmengen am Harzrand zwar noch recht hoch (Bad Sachsa 935 mm mittlerer Jahresniederschlagssumme), sie nehmen jedoch von Westen nach Osten ab. Trotz der relativ hohen Niederschläge (Walkenried um 830 mm) können wir hier bedingt durch die starke Klüftigkeit der Gesteine und die südexponierten Hanglagen auch sehr trockene Standorte finden. Dies spiegelt sich auch in der Vegetationszusammensetzung von West nach Ost wieder. So entwickeln sich im Westen überwiegend Kalk-Halbtrockenrasen des Verbandes Mesobromion, der nach Osten hin vom subkontinentalen Halbtrockenrasen des Verbandes Cirisio-Brachypodion abgelöst wird. Weiterhin gesellen sich noch kontinentalte Steppenrasen des Verbandes Festucion valesiacae und Kalktrockenrasen (Xerobromion) hinzu.
Neben dem Großklima hat auch das Mikroklima einen Einfluss auf die Vegetation. Daher ist es auch möglich, dass man hier lichtliebende Arten aus den spät- und nacheiszeitlichen Kälte- u. Trockenperioden finden kann. Sie treten vorwiegend in den Trockengebieten auf. Im nieder-schlagsreicheren Südharzgebiet, zwischen Altem Stolberg und Ellrich, dagegen kann man an kühlfeuchten Gipsfelswänden, an absonnigen Felsköpfen oder in den Schotterfluren Arten wie die Alpen-Gänsekresse (Arabis-alpina), das Kriechende Gipskraut (Gypsophila repens), das Brillenschötchen (Biscutella laevigata), sowie verschiedene Moos- und Flechtenarten entdecken, die ihren eigentlichen Verbreitungsschwerpunkt auf Grund ihrer Klimaansprüche in den Hochgebirgen oder in den arktischen Breiten haben.
Besonders der Artenreichtum wird durch die Wärme und Trockenheit im Südharz- und Kyffhäuser Gipskarstgebiet begünstigt. Denn nur hier ist es den Zwergsträuchern, den kurzlebigen Kräutern sowie Steppengräsern und –stauden möglich, sich an sonnigen Hängen, Steilkanten oder Quellkuppen als Relikte trocken-warmer Perioden zu erhalten. Da nur an diesen Stellen sich ähnliche klimatische Bedingungen wie im Mittelmeerraum ausbildeten, zogen sich die wärme- und trockenheitsliebenden Pflanzen mit der Abkühlung unserer Breiten dorthin zurück.
Auch eine Vielzahl anderer Pflanzenarten erreichen in der Umgebung von Nordhausen ihre lokale Westgrenze. Als Beispiele wären zu nennen das Echte Federgras (Stipa joannis), das Pfriemengras (Stipa capillata), die Thymianseide (Cuscuta epithymum) oder der Berglauch (Allium montanum). Diese oft dealpinen bzw. praealpinen Arten sind auf Grund ihrer Herkunft an besondere Standortbedingungen gebunden. Es handelt sich hierbei um Arten der montanen bis subalpinen (Höhenlage zwischen 600 und 1700 m) Stufe, die ihren Verbreitungsschwerpunkt in den süd- und mitteleuropäischen Hochgebirgen haben. Im Untersuchungsgebiet findet man sie an den kühleren, feuchten, oft nach Norden exponierten Hängen.
Besonders die Blaugrashalden des Mesobromion siedeln auf Standorten wie den eben beschriebenen. Charakteristisch für diese Standorte ist auch das Vorkommen bestimmter Kryptogamen-Arten, d.h. bestimmter blütenloser Arten, wie die Flechte (Solorina saccata) und die Moose (Preissia quadrata, Distichium capillaceum und Tortella fragilis). Diese Standorte sind auf Grund ihres Klimas eher im Westen des Untersuchungsgebietes anzutreffen. Leider sind hier diese Flächen durch den Gipsabbau bedroht oder zum Teil auch schon verloren gegangen. Besonders stark hat sich dies auf den Bestand der Alpen-Gänsekresse (Arabis alpina) ausgewirkt. So ist diese im Untersuchungsgebiet nur noch mit wenigen Exemplaren vertreten.

6.2.2 Der Boden
Ein weiterer Einflussfaktor auf die Artenzusammensetzung im Untersuchungsgebiet ist das Bodensubstart. So kann das Ausgangsgestein Gips auf Grund seiner leichten Löslichkeit eine Vielzahl von geomorphologischen Formen bilden, welche zu einer Vielzahl von Standorten führen, die wiederum sehr verschiedenen Pflanzengesellschaften einen Lebensraum bieten.
So siedeln auf besonders flachgründigen Böden, die z.T. eine Bodenmächtigkeit von nur wenigen Zentimeter besitzen, Kryptogamengesellschaften wie die der Bunten Erdflechten (Verband Toninion caeruleonigricantis) oder aber verschiedene Therophytengesellschaften (Gesellschaften die hauptsächlich aus Einjährigen bestehen) wie die Kelchsteinkraut-Mauerpfefferflur (Alysso alyssoides – Sedion albi). Diese erreichen ihre Samenreife schon im Frühsommer und können somit die Sommertrockenheit als Samen unbeschadet überdauern. Solche Pflanzengesellschaften erreichen im Bereich des Kyffhäusers ihre größte Artenvielfalt.
Dennoch sind die im Untersuchungsgebiet anzutreffenden Pflanzen nicht nur Zeugen klimatischer Veränderungen, sondern auch Zeiger für vergangene menschliche Tätigkeiten. So konnten durch die Schafbeweidung Halbtrockenrasen (Mesobromion) entstehen. Die im Westen in der Regel sehr artenreich und bunt sind. Auf den tiefgründigeren Böden mit bis zu 40 cm Tiefe können sie einen fast wiesenartigen Charakter annehmen. In diesen Bereichen sind sie mit einer Vielzahl von Orchideen-Arten wie der Mücken-Händelwurz (Gymnadonia conopsea), das Dreizähnige Knabenkraut (Orchis tridentata) oder die Fliegenragwurz (Ophrys insectifera) versehen.
An den trockeneren, relativ stark geneigten Hängen hingegen sind besonders Felsfluren mit dem Bleichen Schwingel (Festuca pallens) also dem Verband Festucion pallentis zu finden. Als Gegenstück zu den Festuca pallens-Felsfluren sind die an den bodenfeuchteren Hängen zu findenden, schon erwähnten Blaugrashalden (Mesobromion) zu erwähnen.

6.2.3 Der pH-Wert
Neben der Gründigkeit und der Trockenheit, die als Hauptfaktoren für die Differenzierung in die bisher genannten Vegetationstypen fungieren, hat auch der pH-Wert einen Einfluss auf die Vegetation. So mischen sich bei schwach saurer Bodenreaktion (pH 5 – 6.5) die “säuretoleranten” Arten, wie der Blutwurz (Potentilla erecta), in die Halbtrockenrasen ein. Auf den reinen Gipsstandorten mit sehr niedrigen pH-Werten (pH 3.5 – 4.5) kommen die Arten der Kalkmagerrasen nicht mehr vor. Es dominieren Calluna-Heiden oder Strauchflechten-reiche Rasen-Bestände mit der Drahtschmiele (Avenella flexuosa).

6.2.4 Ursprüngliche Vegetation
Zur ursprünglichen Vegetation im Untersuchungsgebiet ist zu sagen, dass hier ohne die Eingriffe des Menschen der Buchenwald mit seinen verschiedenen Ausformungen bis in eine Höhe von etwa 700 m überwiegen würde. Wobei die Assoziationen der Hainsimsen-Buchenwälder (Luzulo-Fagetum) im Vorland und die Perlgras-Buchenwälder (Melico-Fagetum) auf Gips dominieren würden. Abweichungen von den Hauptwaldarten sind je nach geologischem Untergrund und den lokalen Standortbedingungen wie Wasser- und Nährstoffversorgung, Hangneigung, Exposition, Höhenstufe und Klima, Bodentyp nur entsprechende, z.T. nur sehr kleinflächige Sonderstandorte. Als Beispiel hierfür wären zu nennen:

  • die besonders trockenen oder flachgründigen Böden, die mit Buchen-Traubeneichenwäldern oder Eichen-Elsbeerenwäldern (Lithospermo-Quercetum) bestanden sind
  • die zeitweilig vernässten Böden, die mit Eichen-Hainbuchenwäldern (Querco-Carpinetum) bestockt sind
  • die Schatthänge, die, wie schon aus dem Namen erkennbar, mit Schatthang- bzw. Schluchtwäldern besiedelt sind
  • die Steilhänge, auf denen hauptsächlich Eiben-Steilhäng-Buchenwälder (Taxo-Fagetum) wachsen
  • sowie die Moore und Felsen, auf den die Bruchwälder sowie Fichten- und Birken-Bruchwälder siedeln.
Durch die vom Menschen vorgenommene Beweidung sind die Wälder aufgelichtet worden oder aber auch zugunsten von Strauch- und Rasengesellschaften zurück gedrängt worden. In den verbliebenen Wäldern sind die Eichen durch die Schweinemast begünstigt worden. Durch den hohen Holzbedarf im Zusammenhang mit dem Ausbau des Bergbaus (ab dem 12. Jahrhundert) kam es zu einer weiteren Überbeanspruchung der Wälder. Erst im 18. Jahrhundert wurde durch forstlichen Anbau die Gemeine Kiefer, die Schwarzkiefer, und die Lärche in das Gebiet gebracht. Auf Lößinseln forstete man sogar die Fichte auf. Dies hatte zur Folge, dass sich die heutigen Fichtenforste auf Kosten der natürlichen Laubwälder bis zur collinen Stufe herabziehen konnten. So entstand ein menschlich beeinflusstes heute noch vorherrschendes Vegetationsbild.

6.2.5 Potentielle natürliche Vegetation
Die Anmerkungen zur potentiellen natürlichen Vegetation stammen aus dem Landschaftsrahmenplan des Kreises Osterode von 1995.
“Der überwiegende Teil des [Untersuchungsgebietes] wäre heute [mit] Buchenwald unterschiedlicher Zusammensetzung [besiedelt]. Weitere Bereiche des Zechsteingebietes sind als gut basenversorgte Standorte Perlgras-Buchenwald-Gebiete (Melico-Fagetum), die besonders gut basenversorgten Bereiche sind Standorte des Platterbsen-Buchenwaldes (Lathyro-Fagetum). In staunassen Bereichen mit Pseudogleyen und Gleyböden steigt jedoch die Konkurrenzkraft der Eiche, so dass sich hier vermutlich Eichen-Hainbuchen-Wälder (Quercuo-Carpinetum) bilden würden. Im [Untersuchungsgebiet] gibt es allerdings relativ wenig solcher Bereiche. An besonders süd- und westexponierten, flachgründigen und trockenen Standorten würden Eichen-Elsbeeren-Wälder mit klimabedingten höheren Buchenanteilen sowie Seggen-Buchenwälder (Carici albae-Fagetum) entstehen. An felsigen Schatthängen entstünden kleinflächig Ahorn-Eschen-Schluchtwälder (Aceri-Fraxinetum). An Mergelsteilhängen kommt kleinflächig der Eiben-Steilhangbuchenwald vor.” (S. 11f.)

6.3 Waldgesellschaften

Im folgenden Kapitel soll nun auf Waldgesellschaften eingegangen werden, die man im Untersuchungsgebiet antreffen kann. Vorerst sollen aber ein paar Worte zur ursprünglichen und zur potentiellen natürlichen Vegetation gesagt werden.

6.3.1 Buchenwald
 
Im Untersuchungsgebiet gibt es mehrere Ausbildungsformen des Buchenwaldes, die im folgenden Teil des Kapitels beschrieben werden sollen. Bei den verschiedenen Ausbildungsarten handelt es sich um Untergesellschaften des Karstbuchenwaldes, auf den hier als erstes eingegangen werden soll.
 

Abb. 32:
Karsttal im Alten Stolberg, bei
Rottleberode
 


6.3.2 Karstbuchenwald
Die wichtigste Ausbildungsform des Buchenwaldes im Untersuchungsgebiet ist auf den feuchteren Standorten des Untersuchungsgebietes bestimmend. Es handelt sich dabei um den sogenannten Fagetum nudum. Dieser Buchenwald soll im Folgenden näher beschrieben werden.
Auf reinem Gips beginnt sich der Buchenwald zu lichten. Die so entstehenden freien Flächen können somit von der Birke (Betula pendula), verschiedenen Gräsern oder Zwergsträuchern Heidekraut (Calluna vulgare) besiedelt werden. Es bildet sich ein Birken-Buchen-Hain. Seine Entwicklung wurde durch die Waldbeweidung gefördert.
Durch die sehr dichte Laubdecke des Buchenwaldes können nur sehr wenige Staudentriebe dringen. Daher ist der Wald auch weitestgehend unterwuchsfrei. Ausnahmen bilden hier die Orchideen, die mit ihren starken Trieben in der Lage sind diese Laubdecke zu durchbrechen.
Zudem bildet die Buche selbst eine große Wurzelkonkurrenz für anderen Unterwuchs und ist somit für die Zurückdrängung des Unterwuchses mitverantwortlich.
 
Abb.: 33 Vegetationsprofil einer Kuppe im Karstbuchenwald (MEUSEL, 1939; S. 88)

Die Ausbildung des Karstbuchenwaldes (Fagetum nudum) auf Gipsböden unterscheidet sich von denen auf Dolomit- und Kalkböden. Hierfür sind Unterschiede im Geländerelief verantwortlich.
Wie wir auf der Abbildung sehen können, steht das Gestein direkt an. Ohne den Schutz einer Pflanzendecke kommt es sehr schnell zur Verwitterung des Gesteins, und es kann eine ausgeprägte Gipsmehlschicht entstehen. Auf diesen Gipskuppen finden wir eine reichhaltige Moosflora vor. Sie wird durch Ausprägungen ausgesprochen azidiphiler (säureliebende) Arten gebildet, welche die Kuppen gleichmäßig wenn auch mehr in Form von Zwerg- bzw. Kümmervarianten überziehen. Als Beispiele sollen uns die Moosarten (Lepidozia reptans und Scapania nemorosa) dienen.
Mit der Besiedlung der Gipskuppen kommt es allmählich zur Bildung einer schwachen Humusdecke, auf der jetzt ohne weiteres weitere niedere Pflanzen wachsen können wie Georgia pellucida. Den Moosen folgen jetzt azidiphile Strauchflechten.
So bildet sich in unserem Untersuchungsgebiet allmählich eine Pflanzengesellschaft aus, wie sie in der Montanregion des Harzes vorkommt.
Die Gipskuppen selbst sind bis zu diesem Zeitpunkt nicht von Buchen bewachsen, da diese mit ihren Wurzeln kaum in den Untergrund eindringen. Sie befinden sich eher in den Senken, da sie hier genügend Halt haben. Es bildet sich mit der Zeit ein dichter Buchenwurzelfilz.
Im weiteren Teil des Kapitels soll auf die Unterarten des Karstbuchenwaldes eingegangen werden. Der Landschaftsplan des Kreises Osterode unterscheidet dabei in Kalktrockenhangwälder, Kalkbuchenwälder, bodensaurer Buchenwald und felsige Schatthang- und Schluchtwälder.

6.3.3 Kalktrockenhangwälder
Die Kalktrockenhangwälder werden aus der Gesellschaft der Buchenwälder, der Edellaubholz-Buchenwälder und in Form einer Ersatzgesellschaften der Eichen-Hainbuchenwälder gebildet. Diese Formen des Karstbuchenwaldes kann man an trockenen, vorwiegend südexponierten Hängen auf Kalk, Dolomit und Gips finden. Aufgrund der besonders trockenen Bedingungen sind die Bäume nicht sehr gutwüchsig, so dass sich lichte Wälder mit einer artenreichen Krautschicht bilden können.
Der häufigste Typ der Kalktrockenhangwälder ist der Seggen-Hangbuchenwald (Carici-Fagetum). Die dominierenden Baumarten sind Buche, Bergahorn und Esche. Daneben kommen auch Bergulme, Eiche, Linde oder Hainbuche auf den flachgründigen Böden vor. Die Krautschicht des Carici-Fagetum ist durch eine hohe Artenzahl und viele “wärmeliebende” Pflanzen, unter denen sich Orchideen und andere seltene Arten befinden, ausgezeichnet. Als typisch werden Fingersegge (Carex digitata), Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria), Rotes und Weißes Waldvögelein (Cephalanthera rubra u. C. damsonium) angesehen.
Der Seggenbuchenwald erreicht im südwestlichen Harzvorland die Nordgrenze seiner Verbreitung. Die Ausstattung mit Charakterarten ist eher gering.
Hervorheben sollte man hier auch die sogenannte “Gipskarren”-Subassoziation, die durch besonderen Reichtum an Moosen besticht und nur in den Karstgebieten des Osteroder Raumes vorkommt. (siehe auch LP Osterode S. 32)
Der Seggen-Hangbuchenwald kommt im Untersuchungsgebiet nur selten und kleinflächig vor, zudem ist er häufig mit anderen Kalkbuchenwäldern vergesellschaftet. Meist ist er auf die Gipskarstkomplexe im Vorland, d.h. die Naturschutzgebiete Lichtenstein, Hainholz-Beierstein, Itelteich, Weißensee/Steinatal, Priorteich-Sachsenstein beschränkt.

6.3.4 Mesophiler Buchenwald
Unter einem mesophilen Buchenwald versteht der Landschaftsplan Osterode Kalkbuchenwälder und Buchenwälder der mäßig basenreichen, meist tiefgründigen Böden. Der Landschaftsplan unterteilt die Kalkbuchenwälder in den Perlgras-Buchenwald (Melico-Fagetum) mit seiner Subassoziation des Platterbsen-Buchenwaldes (Lathyro-Fagetum). Diese Buchenwälder sind auf meist mehr oder weniger flachgründigen, basenreichen Böden mit einer mehr oder weniger guten Wasser- und Nährstoffversorgung anzutreffen.
Besonders im Frühjahr fallen diese zwei Waldgesellschaften durch ihren außergewöhnlichen Artenreichtum in der Krautschicht auf. Denn schon im April nutzen verschiedenen Frühjahrsgeophyten den hohen Lichteinfall aus, der vor dem Laubaustrieb der Bäume vorhanden ist. Denn nur so ist es diesen Pflanzen möglich, zur Blüte zu gelangen und ihre Nährstoffreserven rechtzeitig genug anzulegen, um sie für das kommende Jahr zu speichern. Viele dieser Pflanzen werfen schon im Sommer ihr Laub ab und überdauern mit ihren unterirdischen Speicherorganen bis zum nächsten Frühjahr. Zu diesen, meist mit sehr farbenreichen Blüten ausgestatteten Pflanzen gehören Arten wie das Leberblümchen (Hepatica nobilis), das Gelbe Windröschen (Anemone ranunculoides), der Hohle Lerchensporn (Corydalis cava) und viele andere Arten. Zusammen mit anderen, weniger häufigen Arten, wie dem Lungenkraut (Pulmonaria officinalis), dem Himmelschlüsselchen (Primula elatior) bilden sie im Frühjahr einen oft sehr bunten Teppich im Wald. Siehe hierzu auch Landschaftsplan Osterode S. 33f..
Schon geringe standörtliche Unterschiede, wie sie in Senken oder Erdfällen, an Hangfüßen (Nährstoffanreicherung durch kolluviales Material, günstigere Wasserversorgung), auf Kuppen (Aushagerung), an Nord- oder Südhängen auftreten, führen zu einer Änderung der Artenzusammensetzung in der Krautschicht. Auf diese Weise kommt es zu einer Vielzahl verschiedener Pflanzengesellschaften.
Durch die enge Bindung der Kalkbuchenwälder an basische Gesteine sind diese Waldgesellschaften im Untersuchungsgebiet vorwiegend in den Gipskarstkomplexen erhalten.
Auf tiefgründigeren Braunerden über Gips oder Kalk finden wir den schon erwähnten Perlgras-Buchenwald (Melico-Fagetum). Hier fehlen die eigentlichen Kalkzeiger in der sonst sehr üppigen Krautschicht, des Weiteren dominieren Arten mit eher mittleren Ansprüchen an die Nährstoff- und Wasserversorgung. Als typisch gelten Ansammlungen von Waldmeister (Galium odoratum), Bingelkraut (Mercurialis perennis) und Perlgras (Melica uniflora).
Die Baumschicht wird bei Melico-Fagetum durch Buche (Fagus sylvatica) und Esche (Fraxinus excelsior) als Hauptbaumarten und Bergulme (Ulmus glabra), Eiche (Quercus robur, Q. sessilis), Hainbuche (Carpinus betulus), Spitzahorn (Acer pseudoplatanus), Feldahorn (Acer campestre) und Kirsche (Prunus padus) als Nebenbaumarten gebildet.
Das Auftreten des Perlgras-Buchenwaldes als natürliche Vegetation geschieht noch häufig und auf größeren Flächen.

6.3.5 Bodensauerer Buchenwald
Während auf mehr oder weniger basenreichen Gesteinen der mesophile Buchenwald als natürliche Vegetation gilt, kommt diese Rolle dem bodensauren Buchenwald auf den sauren, eher basenarmen Gesteinen zu. Als Hauptvertreter dieser Waldgesellschaft ist der Hainsimsen-Buchenwald (Luzulo-Fagetum) im Berg- und Hügelland anzutreffen. Von Natur aus würde der Hainsimsen-Buchenwald große Teile des Vorlandes besiedeln und dort besonders die stark exponierten Felsnasen und die den steilen Oberhänge, deren Oberböden schon stark ausgewaschen ist, erobern. Größere zusammenhängende bodensaure Buchenwälder gibt es heute noch im Bereich um Wieda und Zorge.
Die Baumschicht dieser Wälder wird von der Rotbuche (Fagus sylvatica) beherrscht, daneben sind Bergahorn und Traubeneiche wichtige Bestandteile dieses Verbandes. Trotz der deutlich schlechteren Nährstofflage ist die Buche hier noch sehr gutwüchsig. Die Strauch- und die Krautschicht sind nur spärlich ausgebildet, das ist auf die hohe Konkurrenz der Buchenbaumwurzeln zurückzuführen.
Des Weiteren ist anzumerken, dass die namengebende Art dieser Wälder, die Hainsimse (Luzula luzuloides), ebenso wie die wenigen übrigen Pflanzen Heidelbeere (Vaccinium myrtillus), Sauerklee (Oxalis acetosella), Drahtschmiele (Avenella flexuosa ), Maiglöckchen (Convallaria majales) und andere als Säurezeiger anzusehen sind.

6.3.6 Felsiger Schatthang- und Schluchtwald
Wie der Name Schatthang- bzw. Schluchtwald (Aceri pseudoplatani-Fraxinetum excelsioris) schon zu erkennen gibt, findet man diesen Waldtyp hauptsächlich in kühleren und feuchteren Schluchten oder an nordwest- bis ostexponierten Steilhängen. Charakteristisch für diese Standorte ist der Fels- und Schuttreichtum, durch den die feinerdearmen Böden sehr instabil sind.
Durch diese Instabilität der Böden ist es Gehölzen wie der Esche (Fraxinus excelsior), der Linde (Tilia cordata), dem Ahorn (Acer pseudoplatanus) oder der Berg-Ulme (Ulmus glabra) möglich, die Alleinherrschaft der Rotbuche zu brechen. Es kommt zur Bildung von Mischbeständen, in denen Esche und Berg-Ahorn dominieren. Durch die gute Wasserversorgung verbunden mit hoher Luftfeuchtigkeit und guter Nährstoffversorgung können sich hier großblättrige und schnellwüchsige Pflanzen wie Rühr-mich-nicht-an (Impatiens noli-tangere), Brennessel (Urtica dioica) oder Giersch (Aegopodium podagraria) ansiedeln, zu ihnen gesellen sich Farne und Moose.
Beispiele für Schlucht- und Schatthangwälder befinden sich am Blossenberg und am Lichtenstein bei Osterode.
 
Abb. 34: Schluchtwald am Blossenberg,
Osterode
Abb. 35: Schluchtwald am Lichtenstein,
Osterode


6.3.7 Eichenmischwälder
Im zweiten Teil zu den Waldgesellschaften soll es um die Eichenmischwälder gehen. Wir unterscheiden hierbei in bodensaure Eichenmischwälder und subkontinentale Eichenmischwälder.
Beim bodensauren Eichenmischwald (Luzulo-Quercetum petraeae) handelt es sich um Eichen-Hainbuchenwälder außerhalb der Flussauen. Bis auf wenige Bestände verdanken die Eichen-Hainbuchenwälder (Querco-Carpinetum) in unserer Klimaregion ihre Existenz dem Menschen. Denn in der mittelalterlichen Niederwaldwirtschaft wurden verschiedene Gehölze “auf den Stock gesetzt” und später die Eichen zur Schweinemast geschont. Durch diesen Eingriff wurde die Rotbuche verdrängt, da sie das Abschlagen nicht gut verträgt. Es kam zur Dominanzbildung von Hainbuche (Carpinus betulus), Eiche (Quercus robur) und den verschiedenen Sträuchern Hasel (Coryllus avellana), Weißdorn (Crataegus laevigata).
Durch den höheren Lichtgenuss ist die Krautschicht üppiger als bei entsprechenden Buchenwäldern. Vertreter dieser Krautschicht sind die Große Sternmiere (Stellaria holostea), das Wald-Labkraut (Galium sylvaticum) oder das Knäulgras (Dactylis glomerata).
Beispiele dieses Waldtypes sind im NSG Priorteich-Sachsenstein vertreten. Leider ist die Erhaltung der Eichen-Hainbuchenwälder nur mit der Fortführung der alten Wirtschaftsweise möglich.
Der subkontinentale Eichenmischwald ist durch eine vielfältige Schichtung gekennzeichnet.
In der Baumschicht sind Traubeneiche (Quercus sessilis) und Stieleiche (Querucus robur) vorherrschend, daneben sind Berg- und Spitzahorn (Acer pseudoplatanus und A. platanoides), gelegentlich auch Buche und Hainbuche eingestreut. In der Strauchschicht ist die Hasel (Coryllus avellana), die ein dicht geschlossenes Gebüsch bildet, bestimmend. Nur eingestreut sind andere Arten zu finden. Die Krautschicht wird hauptsächlich durch Waldschattenpflanzen gebildet. Durch den höheren Lichtgenuss im Eichenmischwald haben auch Gräser (Melica nutans, Festuca heterophylla, Carex montana) stärkere Entwicklungsmöglichkeiten. Die Bodenschicht ist in diesem Waldtyp nur dürftig entwickelt. Das gelegentliche Vorkommen des Glashaar-Widertonmooses (Polytrichum formosum) weist auf eine leichte Ansäuerung des Bodens hin. Die Moosvegetation ist hier durch die sommerliche Austrocknung nur sehr kümmerlich.
An basenverarmten Stellen kann man im subkontinentalen Eichenmischwald neben den anspruchsvollen Arten auch verschiedene azidiphile (säureliebende) Gewächse wie das Maiglöckchen (Convallaria majalis) oder das Fingerkraut (Potentilla alba) gelegentlich auch Heidekraut (Calluna vulgaris) antreffen.

6.3.8 Heidewälder
In diesem Teil des Kapitels soll es um die Heidewälder gehen. Wobei wir unter Heidewäldern, Gehölzverbände verstehen, die von der offenen Grasflur zum geschlossenen Hochwald überleiten. Wir unterscheiden in Steppen- und Buchenheidewald,

6.3.9 Steppenheidewald
Vorzufinden ist diese Ausbildung der Heidewälder an geschützteren Stellen, z.B. in Einkerbungen am Fuß der Hänge.
Bei diesem Waldtyp wird die Baumschicht durch Birken, Espen, Eichen und Linden gebildet. Die Baumschicht ist durch die vorherrschenden Baumarten nie ganz geschlossen, so können sich auch Steppenwiesenarten und andere lichtliebende Pflanzen ansiedeln. In der Strauchschicht sind viele licht- und trockenheitsliebenden Arten antreffen. Als häufigste Vertreter sind Liguster (Ligustrum vulgare), Wolliger Schneeball (Viburnum lantana)und Hartriegel (Cornus mas) zu nennen. Die Krautschicht ist durch ihre Artenvielfalt noch bunter als die Gehölzschicht, das charakteristischste Element ist hier die Fiederzwenke (Brachypodium pinnatum). Gräser spielen mengenmäßig eher eine untergeordnete Rolle. Bestimmt wird das Bild durch eine reiche Staudenflora mit Weißwurz (Polygonatum officinale) und Anemone (Anemone silvestris). Auch hier ist die Bodenschicht nur dürftig entwickelt. Typische Vertreter sind Flechten (Rhytidium rugosum, Cladonia rangiformis), infolge der starken Austrocknung des Bodens fehlen die Waldmoose.

6.3.10 Buchenheidewald
In diesem Waldtyp ist die Rotbuche (Fagus sylvatica) die dominierende Baumart, allerdings wächst sie hier mehr buschartig (Krüppelbuchenbestände). Da sie sich hier an ihrer orographischen Waldgrenze befindet und sie selbst mit einem weit ausladendendem kräftig entwickeltem Wurzelwerk noch Schwierigkeiten hat sich in dem bröckelndem und rutschendem Gestein zu halten.
Neben den üblichen Fagetum Begleitern gibt es noch verschiedene lichtliebende Arten. Aber auch die Waldschattenarten sind hier reicher entwickelt als beim xerothermen submediterranen Buschwald bzw. der waldsteppenartigen Vegetation. Zu den Hauptgehölzen zählen neben der Buche auch Ahorne, Eichen und Eschen.
Die Strauchschicht ähnelt der im Steppenheidewald. In der Krautschicht kommen reichlich Waldstauden und –gräsern vor. Schattenliebende Pflanzen wie die Frühlingsplatterbse (Lathyrus vernus) und das Maiglöckchen (Convallaria majalis) bilden ausgedehnte Horste, eingestreut in diese Horste sind Primel (Primula officinalis), Glockenblume (Campanula persicifolia) und verschiedene Orchideen zu finden. Der Boden ist von einer dichten Moosdecke überzogen.

6.3.11 Fichtenwälder
Der Harz ist das einzige Mittelgebirge in Niedersachsen, in dem noch größere natürliche Fichtenwälder vorkommen. Heute sind die natürlichen Fichtenwälder auf kleine Flächen beschränkt. Durch die Wirtschaftsweisen der letzten Jahrhunderte sind auch hier keine natürlichen Fichtenwälder mehr anzutreffen, sondern fast ausschließlich nur noch Fichtenforste. Diese stocken z.T. auf eigentlich waldfreien, künstlich entwässerten Hochmooren.
Altbestände der Fichtenforste der tieferen Lagen können auch recht naturnah wirken, so dass eine Abgrenzung der Fichtenforste gegenüber den natürlichen Fichtenwald-Gesellschaften schwierig ist. Wichtige Abgrenzungsmerkmale zwischen Fichtenforsten und natürlichen Fichtenwälder sind Pflanzen wie die Weiße Hainsimse (Luzula luzuloides), der Sauerklee (Oxalis acetosella), der Frauenfarn (Athyrium filix-femina) oder der Buchenfarn (Thelypteris phegopteris), die in natürlichen Fichtenwäldern nicht vorkommen.

6.3.12 Wälder an Fließgewässern
Betrachten wir einen natürlichen Wald, können wir feststellen, dass dem Wald immer eine kraut- und strauchreiche Zone vorgelagert ist. An Fließgewässern ist dies anders, hier breiten sich die Wälder bis an die steilen Uferkanten oder die schmalen Täler der Flüsse aus. So geschieht es, dass Bäche und Flüsse häufig nur durch eine schmale Reihe aus Erlen oder Weiden gesäumt werden. Leider sind durch die intensivierte Landwirtschaft, viele dieser wertvollen Bereiche stark zurück gedrängt worden. Im folgenden Textabschnitt soll nun auf zwei besondere Waldtypen an Fließgewässern eingegangen werden.
Eine dieser Ausprägungen sind die Auwälder. Dieser Typ Wald konnte durch einen ständig hohen Grundwasserzufluss und die regelmäßigen Überschwemmungen entstehen. In seiner Baumschicht finden wir überwiegend Roterlen (Alnus glutinosa). In höheren Lagen können auch Grauerlen (Alnus incana) vorkommen. Die daraus entstehende waldcharakterisierende Pflanzengesellschaft ist Stellario-Alnetum glutinosae. Der Unterwuchs in Auwäldern ist durch die vielen feuchte- und stickstoffliebenden Arten sehr üppig und artenreich. Als Vertreter sind zu nennen: Wald-Sternmiere (Stellaria memorum), Hexenkraut (Circaea lutetiana und C. intermedia), Hain-Gilbweiderich (Lysimachia nemorum), Wald-Ziest (Stachys sylvatica), Riesen-Schwingel (Festuca gigantea) und als floristische Besonderheit der Straußfarn (Matteuccia struthiopteris). Auf quelligen oder ständig vernässten Stellen verbreiten sich das Gegenblättrige Milzkraut (Chrysosplenium oppositifoluim), das Bittere Schaumkraut (Cardamine amara) oder das Sumpf- Vergißmeinnicht (Myosotis palustris ).
Bei der für den Bestand wichtigen Uferbefestigung nehmen Erle (Alnus glutinosa) und Esche Fraxinus excelsior) durch ihre besonders tiefen Wurzeln eine führende Rolle ein.
Durch die verschiedenen Nutzungsansprüche an die Landschaft in der Vergangenheit sind die Auwälder in ganz Europa zurückgegangen. Als Faktoren dieses Rückgangs sind zu nennen: die Niederwaldwirtschaft, die Aufforstungen mit Pappel (Populus nigra) und Erle (Alnuns glutinosa), die Regulation der Hochwasserdynamik durch Talsperren, sowie durch den Wege- und Straßenbau und den Bodenabbau. Aus diesen eben genannten Gründen können wir im Landkreis nur noch Restbestände dieses Waldtypes antreffen.

Als zweiter wichtiger Waldtyp im Osteroder Raum soll hier der Esche-Auwald genannt werden. Diese Waldform wird im Bereich des Harzvorlandes nur selten überschwemmt. Die häufigste dort vorkommende Baumart ist, wie der Name schon sagt, die Esche. Daneben gibt es aber auch noch Berg- (Acer pseudoplatanus) und Spitzahorn (A. platanoides), Bergulme (Ulmus glabra), Vogelkirsche (Prunus serotina), Roterle (Alnus glutinosa) und Hainbuche (Carpinus betulus). Die Strauchschicht wird aus einer Vielzahl von Arten zusammengesetzt, zu nennen wären hier Eberesche (Fraxinus excelsior), Hasel (Corullus avellana), Feldahorn (Acer campestre), Weißdorn (Crataegus laevigata) und Holunder (Sambucus nigra). Auch die Krautschicht ist sehr üppig. Zudem finden wir hier auch viele Frühjahrsblühern wie das Scharbockskraut (Ranunculus ficaria), das Moschuskraut (Adoxa moschatellina), das Gelbe Windröschen (Anemone raniunculoides) oder das Buschwindröschen (Anemone nemorosa). Aber auch die nährstoffbedürftigen Laubpflanzen Hoher Lerchensporn (Corydalis cava), Bärlauch (Allium orinum), Aronstab (Arum maculatum), Waldmeister (Galium sylvaticum)) oder Frischezeiger Hexenkraut (Circaea lutetiana), Kriechender Hahnenfuß (Ranunculus repens) finden an diesem Standort gute Wuchsbedingungen. So ist der Esche-Auwald von einem großen Strukturreichtum gekennzeichnet, der durch die natürliche Verjüngung der Bäume noch ergänzt wird.

6.3.13 Schwarzkiefernaufforstung
Als letzte Waldgesellschaft möchten wir die Schwarzkiefernaufforstungen nennen, da sie durch ihren Einsatz in der Forstwirtschaft mittlerweile eine nicht zu verachtende Rolle eingenommen hat. Diese Waldgesellschaft bildet auf den sehr flachgründigen Böden eine Besonderheit. Da die bodenvage und trockenheitsertragende Schwarzkiefer wegen ihrer geringen Nährstoffansprüche in der Lage ist, den Boden für die anspruchsvolleren Laubbaumarten vorzubereiten, wird sie hier zur Vorwald-Bildung eingesetzt.

6.4 Grasheiden
Im zweiten großen Teil des Kapitels über die Vegetation soll auf die für ein Karstgebiet sehr typischen Grasheiden eingegangen werden.

6.4.1 Dealpine Grasfluren = Blaugrasmatte
Die Vegetationsform der dealpinen Grasfluren wird durch eine geschlossene Sesleria-Flur (Blaugras), die aus aufgelockerten Horsten besteht, gekennzeichnet. Dabei bietet der Raum zwischen den Horsten Platz für eine Vielzahl von Begleitern der verschiedenen Gräser und hemikryptophytischen (halbverborgen) und chamaephytischen Stauden. Durch die Ansiedlung von Astmoosen, die eine zusammenhängende Decke bilden, werden auch die letzten Lücken im Bestand geschlossen.
Abb. 36: Vegetationsprofil einer
moosreichen Blaugrasheide

Betrachten wir diese Pflanzengesellschaft jetzt von unten können wir ein typisches Rendzina-Profil entdecken, ähnlich dem wie es in den Alpen vorzufinden ist. So dringen die Wurzeln von Sesleria bis in die Gesteinsunterlage, und bilden selbst dort noch besonders große Aufzweigungen. Alle Begleitpflanzen hingegen sind mit ihrem Wurzelwerk nur in der oberen humusreichen Schicht vertreten. Dies ist auch gut so, denn die festigende Wirkung von Sesleria-Wurzeln ist von großer Bedeutung für den Pflanzenverband. Denn durch sie wird der gesamte Pflanzenbestand vor den Einwirkungen der Erosion geschützt.
Weiterhin ist noch zu sagen, dass im Bereich des Südharzer Karstes die dealpinen Grasfluren in Dealpine (Kalk-)Felsheiden, Blaugrasreiche Schotterheiden und Nephrodium Robertianum-Geröllflur differenziert werden.

6.4.2 Submediterrane Felsheide
Bei dieser Pflanzengesellschaft handelt es sich um den Festuca glauca-Verband, wobei sich die einzelnen Horste des Blauschwingels auf steilem Gipsfels locker verteilen. Seine Wurzeln befinden sich nur in der geringmächtigen Verwitterungsschicht, und dringen also kaum in den festen Untergrund ein (= geringe Pionierfähigkeit). Dennoch siedelt die Felsheide überall, wo sich nur etwas Feinerde angesammelt hat. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sie schnell die eroberten Flächen bei Erosion wieder aufgibt und sich einen neuen Standort suchtBegleiter dieses Verbandes sind neben dem Blauschwingel, auch das Sandsteinkraut (Allyssum montanum), Fingerkraut (Potentilla arenaria). Besonders anspruchsvolle Besiedler dieser sehr flachgründigen Böden sind die Sedum-Arten. Als einziger Tiefwurzler in der reinen Blauschwingelflur ist der Feldbeifuß (Artemisia campestris), dem keine Pionierfähigkeit zugewiesen werden kann, zu nennen.
Abb. 37: Vegetationsprofil einer
xerothermen Festuca glauca-Felsheide
Durch die ständige Erosion auf den flachgründigen Böden kommt es zu einer immer wechselnden Verteilung der Gewächse.
Die Struktur einer Felsheide wird hauptsächlich durch horstbildende Gräser mit tiefgreifenderer Bewurzelung (Sesleria coerulea, Carex humilis) gebildet. Diese sind im Bestand regelmäßig verteilt und können einen größeren Widerstand gegen die Erosion der Verwitterungskrume bieten als Felsschwingel (Festuca glauca). Durch diesen entstehenden Schutz kann es zur Ansiedlung anderer Pflanzen kommen. Denn für die tiefer wurzelnden Arten ist die Ausbildung eines festeren Untergrundes von größter Bedeutung.
Abb.: 38 Blaugrasreiche Felsheide
auf spaltenreichem Gipsgestein

Allerdings benötigen die Tiefwurzler für einen guten Halt im Boden auch Felsspalten, so treten sie da zurück wo flach liegende Gipsplatten nur von einer dünnen Verwitterungskrume bedeckt sind, so wird das Gedeihen wird für sie auf kuppelfömig, emporgewölbten Schichten fast unmöglich.

Die Gruppe der submediterranen Felsheiden wird im Bereich des südlichen Harzvorlandes durch Teucrium-reiche Felsheiden auf den Kalkschottern des Stinkschiefers, Festuca glauca - Fumana procumbens – Felsheide, Sesleria coerulea-reiche Ausbildungsformen der submediterranen Felsheide und durch Ausbildungsformen der submediterranen Felsheide gebildet.

6.4.3 Wiesensteppenartige Gesellschaften
Die Wiesensteppenartigen Gesellschaften sind weitestgehend von geschlossenen Grasfluren mit xerophilem Charakter gekennzeichnet.
Als fast geschlossener Rasen überzieht die wiesensteppenartige Vegetation die für die Hanglagen verhältnismäßig tiefgründigen Böden. Dabei besteht das notwendige Grundgerüst des Steppenrasens aus dichten Horsten der verschiedenen Stipa-Arten, der Erdsegge und Walliser Schwingel. Zwischen diesen grasartigen Gewächsen können sich nun Stauden ansiedeln.
Die Wurzeln dieser Pflanzen reichen gleichmäßig bis in große Tiefen, so lässt dieses dichte Wurzelwerk kaum andere Vegetation zu.
Abb. 39: Vegetationsprofil
einer Wiesensteppe

Als Vertreter der Wiesensteppenartigen Gesellschaften sind der Carex humilis - Stipa - Aster Linosyris – Verein, Stipetum capillatae, Stipetum stenophyllae, Brachypodium pinnatum-reiche Varianten der Wiesensteppe und die Wiesensteppenartige Vegetation auf Stinkschieferhalden zu nennen.

6.4.4 Borstgras- Magerrasen
Die Borstgrasrasen sind Magerrasen auf basenarmen oder mäßig basenreichem Gestein, der durch die jahrzehntelange extensive Mäh- und Weidenutzung entstanden ist.
Charakteristisch sind hier die verschiedenen Magerkeits- und Säurezeiger wie das Borstgras (Nardus stricta), das Harzer Labkraut (Galium harcynicum), der Blutwurz (Potentilla erecta), das Kreuzblümchen (Polygala vulgaris), der Zweizahn (Danthonia decumbens), das Mausohr (Hieracium pilosella), der Echte Ehrenpreis (Veronica officinalis), die Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) und der Berg- Wohlverleih (Arnica montana).
Auf dem Diabas können sich bisweilen artenreiche Rasen mit über 50 verschiedenen Pflanzenarten ausbilden. Zu diesen Arten zählen das Sonnenröschen (Helianthemum nummeralaria), die Akelei (Aquilegia vulgaris) oder der Türkenbund (Lilium martagon).
Gut ausgebildete Bestände der Borstgras-Magerrasen können wir im Bereich Wieda und Zorge finden.

6.4.5 Kalkmagerrasen (= Halbtrockenrasen)
Zu dieser Gesellschaft zählen artenreiche Bestände, die vorwiegend auf nährstoffarmen, basenreichen Trockenstandorten siedeln. Im Landkreis Osterode sind dies Gips-, Anhydrit-, Kalk- und Dolomit-Standort.
Wichtig für diese Gesellschaften ist, dass sie erst durch den Einfluss des Menschen im Zuge von Entwaldung und Beweidung entstehen konnten. Denn diese Wirtschaftsformen führten erst dazu, dass dem Boden Nährstoffe entzogen wurden.
Die für die Kalkmagerrasen typischen Pflanzengesellschaften besitzen viele morphologische Anpassungsformen wie dichte Behaarung, Sukkulenz, ausgeprägte Wurzel, Wachsüberzüge oder sie können ihre Blätter einrollen. Somit ist es ihnen möglich vor der ständigen Sonneneinstrahlung an südexponierten Hängen und vor Wasserstress zu schützen. Eben diese Anpassungsmechanismen ermöglichen es, dass viele Arten, die sonst eher weiter südlich vorkommen, auch diese Lebensräume nutzen. Als Beispiele seien hier viele Orchideenarten, wie das Stattliche Knabenkraut (Orchis mascula), der Große Händelwurz (Gymnadenia conopsea), der Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera) und die Enziane, Fransen- und Deutscher Enzian (Gentianella ciliata und G. germanica) genannt. Weiter typische Arten dieser Standorte sind auch die Stengellose Distel (Cirsium acaule), die Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria), das Hornklee (Lotus corniculatus), der Purgier-Lein (Linum carthaticum) und die Blaugrüne Segge (Carex flacca).
Heute finden wir Bestände der Kalkmagerrasen im Landkreis Osterode auf dem Steinberg bei Scharzfels und der Kreuzstiege am Standortübungsplatz der Bundeswehr bei Osterode. Wichtig für diese Arten ist im Zeitalter der immer höheren Flächeninanspruchnahme, dass Gips- und Steinbrüche als Ersatzstandorte für Halbtrockenrasen fungieren können.

6.5 Vegetation an Gewässern

Im letzten Teil des Kapitels soll auf die Vegetation im Bereich von Gewässern eingegangen werden. Dies ist wichtig, da sich im Bereich von Dolinen, Erdfällen etc. oft Stillgewässer ausbilden und durch die Wasserdynamik im Karst auch immer wieder kleine Bäche hervortreten.

6.5.1 Fließgewässer
An Fließgewässer sind die Bestände hauptsächlich aus gehölzfreier Ufervegetation und Flussschotter-Magerrasen gebildet. Dabei ist die Hochwasserdynamik, die durch die Schneeschmelze im zeitigen Frühjahr entsteht, ein bestimmender ökologischer Faktor. Denn die Flüsse treten im Vorland über die Ufer und es kommt zur Ausbildung von Schotterinseln in den Flussbetten. Auf diesen Schotterinseln können sich nun viele einjährige Arten ansiedeln, die an die immer wiederkehrenden Überschwemmungen und Umlagerungen im Fließgewässer angepasst sind und zudem eine hohe Regenerationsfähigkeit aufweisen. Diese Bestände werden als amphibische Schotterfluren mit ”Ackerunkräutern”, wie Gänsefuß- Melde- und Knöterich-Arten (Chenopodium, Atriplex, Polygonum) bezeichnet. An diese Bestände schließt unmittelbar der Uferstreifen an. Er besteht aus ähnlichen Arten. Die daran anschließenden, oft etwas höheren Uferstaudenflure aus ausdauernden, stickstoffliebenden, hohen Stauden, wie Brennessel (Urtica dioica), Giersch (Aegopodium podagraria), Pestwurz (Petasites hybridus), Knoblauchrauke (Alliaria petiolata), Wald-Ziest (Stachys sylvatica), Mädesüß (Filipendula ulmaria), werden nur selten überschwemmt. Diese Bereiche mit über 30 Arten und einer besonderen Erscheinung der Roten Pestwurzfluren bilden einen wichtigen Beitrag zur Uferbefestigung. Stärker gefährdete Arten wie der Straußfarn (Matteuccia struthiopteris), der in Niedersachsen auf der roten Liste steht, sind in der Ufervegetation eher selten. Diese charakteristischen, artenreichen Pflanzengesellschaften sind sehr wertvolle Bestände im der Region Osterode.
Allerdings wird diese einheimische wertvolle Ufervegetation immer öfter durch eine vergleichsweise monotone eingewanderte Gesellschaft des Japan-Knöterichs (Reynoutria japonica) verdrängt. Dies ist auch im Bereich der Wieda zu beobachten.

6.5.2 Stillgewässer
Dieser Lebensraum Stillgewässer tritt im Landkreis eng verzahnt mit Feuchtbiotopen auf. Dazu gehören Bereiche wie die Walkenrieder Teiche, deren Pflanzenwelt durch die extensiv durchgeführte Fischerei sich sehr naturnah entwickeln konnte.
Die Seen selber weisen sehr verschiedene Verlandungsstadien auf, die entstehenden Bereiche reichen von Groß- und Kleinseggenrieden bis hin zu Erlenbrüchen mit seltenen Pflanzen wie der Wasserschlauch (Utricularia spec.). Weiterhin können wir Klein-Laichkrautgesellschaften, Wasser-Pflanzengesellschaften, Schwimmblattpflanzen und Wasserlinsen-Gesellschaften antreffen. Zur besonderen Entstehungsform von Kleingewässern im Zechsteingebiet des Harzvorlandes gehören,wie schon erwähnt, Erdfälle und Dolinen, diese wurden in der Vergangenheit oft als Fischteiche genutzt. Allerdings sind diese oft zu intensiv genutzt worden und somit konnte sich die Vegetation dort auch nur wenig entwickeln.

6.6 Fazit

Nach all diesen Betrachtungen können wir sagen, dass besonders lichtliebende Arten, die in der Lage sind mit wenig Wasser und Nährstoffen auszukommen, auf den Gipsstandorten im Untersuchungsgebiet eine ökologische Nische finden können. Ausgesprochene Gipsspezialisten konnten wir allerdings nicht ausfindig machen, da die Pflanzen auf Grund ihres Wurzelwachstums in der Lage sind, in Bereiche anderer Bodensubstrate vorzudringen, um sich so harmonisch zu ernähren.