Landmarke 7 Kohnstein - Thüringer Südharzrand

Südharzer Zechsteingürtel
Kohnstein Niedersachswerfen ( 1 )
Der Kohnstein bei Niedersachswerfen beherrscht das Landschaftsbild in bemerkenswerter Weise. So hatte die natürliche Steilstufe des Berges schon immer die Menschen beeindruckt und ist deshalb in zahlreichen historischen Darstellungen dokumentiert. Heute wird das Bild von einem Anhydrittagebau geprägt, dem bereits große Teile des Bergmassivs zum Opfer gefallen sind. Das Kohnsteinmassiv besteht aus bis zu 400m mächtigem Anhydrit der Werra-Folge mit einer Gipsrinde und wird in seinen höchsten Partien von Resten des Hauptdolomits der Staßfurt-Folge abgeschlossen. In dem vergipsten Werraanhydrit sind zahlreiche Karsterscheinungen entwickelt. Bereits im Jahr 1917 beginnt die BASF die Gewinnung von Anhydrit im Untertagebetrieb: die Geschichte der Entstehung eines umfangreichen künstlichen Hohlraumsystems nimmt ihren Anfang. Bis 1935 wurden ca. 35 Mio.t Anhydrit gebrochen (teilweise auch im Tagebau) und zur chemischen Verarbeitung in die Leunawerke Merseburg geliefert.

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Karstwanderweg
Der Karstwanderweg, der auch durch das Gebiet des Kohnstein führt, ist ein landschaftsbezogener Weg und interdisziplinärer thematischer Lehrpfad mit geowissenschaftlichem Schwerpunkt. Er erstreckt sich als etwa 200 km langer Wanderweg mit rund 200 Erklärungstafeln von Förste im Westen (Landmarke 11) bis nach Pölsfeld im Osten (Landmarke 12). Der Weg verbindet die Südharzer Karstlandschaft über die Grenzen der Länder Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Er erreicht den Landkreis Nordhausen von Westen her in zwei Ästen, die sich bei Gudersleben zu einem Weg vereinigen. Viele der in diesem Faltblatt vorgestellten Geopunkte liegen am Karstwanderweg. Ein roter Balken auf weißem Grund kennzeichnet den Verlauf des Karstwanderweges in seinen mittleren und östlichen Abschnitten.
www.karstwanderweg.de
 
Tourismus - Informationszentrum Nordhausen Tel.: (03631) 902154 www.nordhausen-tourist.de

Gedenkstätte
Mittelbau-Dora ( 2 )
Eine bedeutende Erweiterung erfuhr das künstliche Hohlraumsystem im Kohnstein, als im Jahr 1935 die Wirtschaftliche Forschungsgesellschaft (Wifo) - ein Ressort des Reichswirtschaftsministeriums - mit der Auffahrung eines umfangreichen Stollensystems begann, um gemäß ihres Auftrags ein Rohstoff- und Materiallager für den Kriegsfall anzulegen. Dass dies konkrete Kriegsvorbereitungen waren, darüber besteht heute traurige Gewissheit! Das Treibstofflager für die Wehrmacht war im Spätsommer des Jahres 1943 fast fertiggestellt, als Luftangriffe auf die Raketenfertigung in Peenemünde deren Verlagerung erforderlich machte. Das nationalsozialistische Regime entschied, die Raketenmontage unter Tage zu verlagern. Ende August 1943 wurde deshalb im Kohnstein bei Nordhausen eiligst ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald eingerichtet, das den Namen "Dora" erhielt. Für die Bauarbeiten brachte die SS Menschen aus vielen von Deutschland besetzten Ländern nach Dora. Sie waren Tag und Nacht in den Stollen eingeschlossen, viele starben schon nach wenigen Wochen unter den mörderischen Arbeits- und Lebensbedingungen. Erst im Frühjahr 1944 wurde ein oberirdisches Barackenlager gebaut. Im Oktober 1944 erhielt das Lager Dora unter dem Namen "KZ Mittelbau" den Status eines selbständigen Konzentrationslagers (KZ).
Es entwickelte sich zum Zentrum eines großen Lagerkomplexes mit über 40 Außenlagern und Arbeitskommandos in der Harzregion. Die meisten Häftlinge des KZ Mittelbau mussten auf den zahlreichen Baustellen arbeiten, nur etwa ein Zehntel war in der unterirdischen Fabrik beschäftigt. Von den 60.000 Häftlingen des KZ Mittelbau-Dora kamen 20.000 ums Leben. Die heutige Gedenkstätte Mittelbau-Dora ist Teil der von der Bundesregierung und dem Land Thüringen getragenen Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau - Dora. Neben der Dauerausstellung zur Entstehung und Funktion des Lagers bietet die Gedenkstätte Führungen im Lagergelände und in den Stollenanlagen an. Die Dokumentationsstelle und die Bibliothek sind nach Absprache zugänglich. Wir erreichen die Gedenkstätte indem wir in Nordhausen (Richtung Ilfeld) zunächst der B 4 und von dieser nach links abzweigend dann der Beschilderung Mittelbau-Dora folgen. www.dora.de

Karst
Buchholzer Erdfall ( 3 )
Charakteristisch für diese Landmarke ist der Karst. Direkt am Ortsausgang von Buchholz in Richtung Stempeda befindet sich eine geologische Störung. Das von der Störung einsickernde Wasser traf hier auf auslaugungsfähige Gipse des Zechstein. Zunächst entstanden so Karsthöhlen, die später einbrachen. Sichtbares Zeugnis dieses Prozesses ist der fast 30 m tiefe Buchholzer Erdfall (N51°32.412´; E010°52.129´). Eine Schautafel erklärt die speziellen örtlichen Verhältnisse. Der Begriff "Karst" ist den Landschaften Kroatiens entlehnt und beschreibt Gebiete, in denen das Niederschlagswasser nicht oder nicht mehr oberirdisch abläuft und Fluß- und Bachbetten aufgrund der unterirdischen Entwässerung eine Zeit des Jahres trocken liegen. Ursache ist die gute Löslichkeit der Gesteine Kalkstein, Dolomit und Gips sowie auch Stein- und Kalisalz. In den meisten Karstgebieten ist es der Kalk der verkarstet, am Südharz jedoch neben dem Dolomit vor allem der Gips, der sich - gegenüber Kalk - um das 100-fache leichter aufzulösen vermag: 2 g Gips werden in 1 L Wasser gelöst! Wird der schwerer lösliche Anhydrit dem Einfluss des Wassers ausgesetzt, wird dieser zu Gips umgebildet. Steht weiterhin ausreichend Wasser zur Verfügung, bilden sich - ausgehend von Rissen, Klüften und Schichtfugen im Gestein - Spalten und Hohlräume heraus. Diese können letzten Endes dazu führen, dass ein Teil der oberirdischen Gewässer über Bachschwinden oder Ponore in den Untergrund verschwindet und damit zu einem Bestandteil des Grundwassers werden kann. Das Grundwasser bewegt sich bevorzugt auf Spalten und Hohlräumen, die durch die Verkarstung entstanden bzw. erweitert worden sind und kann konzentriert in mehr oder weniger markanten Quellen zu Tage treten. Für diese Karstquellen konnte durch Markierungsversuche in einigen Fällen ein direkter Zusammenhang mit versunkenen Oberflächenwässern nachgewiesen werden. Auch das in den Buchholzer Erdfall einfließende Wasser wurde versuchshalber eingefärbt, ein Verbleib konnte jedoch nicht nachgewiesen werden. Es wird vermutet, dass das Wasser Richtung Süden einem großen unterirdischen Karstwasserstrom im Bereich der Goldenen Aue zufließt. Die Verkarstung hat außer zur Entstehung von Erdfällen zur Herausbildung von Auslaugungssenken, Höhlen sowie der Entwicklung der morphologisch sehr bewegten vielgestaltigen Gipskarstlandschaft geführt.

Salzaquelle ( 4 )
Die unmittelbar südlich des Kohnsteins gelegene Salzaquelle ("Salzaspring"), liegt am Karstwanderweg und stellt das für das unterirdische Wasser bestimmende hydrogeologische Element des Südharzer Zechsteingürtels dar. Mit einer mittleren Quellschüttung von rund 400 l/s ist sie eine der bedeutendsten Karstquellen Deutschlands und gilt als stärkste Quelle Thüringens. Auch für die Salzaquelle wurden und werden immer wieder direkte Verbindungen mit versunkenem Oberflächenwasser, insbesondere der Wieda, angenommen, wobei ein direkter Nachweis allerdings bisher nicht geführt werden konnte. Die letzte umfassende Bearbeitung der Karsthydrogeologie des Südharzer Zechsteingürtels erfolgte durch HAASE (1936). HAASE kommt zu den auch modernen Vorstellungen entsprechenden Erkenntnissen, dass die Salzaquelle nicht an ein bestimmtes Karstgerinne gebunden ist, sondern ein im Zechsteinausstrich liegendes unterirdisches Einzugsgebiet entwässert, in dem sowohl die Grundwasserneubildung aus Niederschlägen als auch die Versinkung von Oberflächenwasser zur Speisung des Grundwassers beitragen. Da das Quellwasser fast konstant 9,5 ° C warm ist, friert die Salza auch bei starkem Frost nicht zu und war somit lange Zeit für zwölf unterliegende Mühlen von größter Bedeutung.

Kelle bei Ellrich ( 5 )
Von der Salzaquelle wandern wir auf dem Karstwanderweg westwärts weiter entlang der Hörninger Kuppen. Diese reizvolle Landschaft am Westrand des Kohnsteinmassivs ist Teil des Naturschutzgebietes "Sattelköpfe". An der Gabelung des Karstwanderweges bei Gudersleben, wandern wir in Richtung Appenrode und erreichen die "Kelle" - eine Gipshöhle (N51°34.486´; E010°43.045´). Sie gilt als das älteste Naturdenkmal des Landkreises Nordhausen. Im Jahr 1589 wurde die Höhle erstmals kartografisch dargestellt. Die Höhle bestand ursprünglich aus einer mächtigen 85 m langen Halle mit einem Höhlensee und einer kleinen Deckenöffnung, durch die das Tageslicht einfiel. Der Verfall einer durch die Auslaugung von Gips entstandenen Karsthöhle lässt sich am Beispiel der Kelle geradezu exemplarisch verfolgen, da er wegen der frühen Erstbeschreibung und der späteren Bekanntheit der Höhle ausgezeichnet dokumentiert ist. Vor der Reformation diente die Kelle als Wallfahrtsort. Die Pilger zogen in einer Prozession zur Kelle, ein Priester tauchte ein Kreuz in das Wasser des Höhlensees und rief den Gläubigen zu: "Kommt und gucket in die Kelle, so kommt ihr nicht in die Hölle!" Über die Entstehung des Höllensees mit dem eigentümlichen Namen weiß die Sage zu berichten, die man sich in der Gegend um Ellrich erzählt: Es war einmal eine arme Waise, die ihr Herz vollends an ihren Verlobten gegeben hatte, jedoch von ihm betrogen ward. Sie musste mit ansehen, wie er ein anderes Mädchen küsste und liebkoste. Da lief sie in den Wald und weinte bitterlich. Sie beklagte ihr Schicksal und wünschte sich den Tod. Und weil im Frühling alle Wünsche in Erfüllung gehen, wuchs plötzlich aus dem Nichts eine große Männergestalt empor. Er trug das Handwerkszeug eines Maurers bei sich. Schweigend und voller Mitgefühl schaute er auf das Mädchen herab. Dann stieß er mit voller Wucht seine Maurerkelle in den Boden so dass sich dieser auftat und das Mädchen in die Tiefe riss. Die Öffnung füllte sich sogleich mit Wasser. Noch heute soll der Wasserspiegel an manchen Tagen ein trauriges Mädchengesicht zeigen. Entweder hat die Betrogene nie wieder den Tag gefunden, an dem ihr Wunsch nach Erlösung in Erfüllung geht, oder sie hat diesen Wunsch gar nicht und möchte lieber für immer in der Tiefe bleiben. Seit etwa 1770 setzte ein rascher Verfall der Höhle ein, so dass sie sich heute - durchaus eindrucksvoll - als ein ganzes Ensemble von Karsterscheinungen präsentiert: Ein durch eine Naturbrücke zweigeteilter Erdfall mit einer angrenzenden halboffenen Grotte und dem Höhlensee.
 
Fremdenverkehrsbüro Ellrich
Tel.: (03 63 32) 260
www.ellrich.info

Gipstagebau Rüsselsee
Der Gipstagebau Rüsselsee wird heute durch die Südharzer Gipswerk GmbH betrieben. Hier werden hochwertige Gipse der Werrafolge des Zechsteins abgebaut. Das 1868 gegründete und in den 90er Jahren komplett modernisierte Werk produziert heute Gips- und Anhydritprodukte. Als Bauprodukte werden vornehmlich Stuckgipse, Innenputze und Fließestriche hergestellt. Der Gips findet aber auch Anwendung als formgebende Masse für Geschirr, Sanitärkeramik oder für Dachziegel. Hochreiner Gips findet als medizinischer Gips in der Zahntechnik, als Verbandsmaterial in der Orthopädie sowie als Zusatzstoff in der Lebensmittel- und Futtermittelindustrie Verwendung. Das Südharzer Gipswerk in Ellrich ist aus Qualitätsgründen und aufgrund seiner Produktpalette auf mehrere natürliche Vorkommen angewiesen und betreibt zur Zeit drei Tagebaue im Kreis Nordhausen. Der hier abgebaute hochwertige Rohstein wird im Werk Ellrich weiterverarbeitet. Die Nachfrage von Gips- und Anhydritprodukten in den letzten Jahren und Verbrauchsprognosen weisen auf einen langfristigen Rohstoffbedarf hin. Die Südharzer Gipswerk GmbH achtet auf einen umweltverträglichen und nachhaltigen Abbau sowie auf eine fachlich intensiv begleitete Renaturierung bzw. Rekultivierung. Die Renaturierung und Rekultivierung aller Gipsbrüche erfolgt im Zuge der Rahmen- und Hauptbetriebspläne in enger Abstimmung mit den Naturschutzbehörden. Unweit von Ellrich, bei Appenrode, wird im Tagebau Rüsselsee ein Pilotprojekt umgesetzt, das neue Wege bei der Renaturierung von Gipssteinbrüchen einschlägt. Ziel ist die hauptsächlich durch gesteuerte Sukzession betriebene Ansiedlung seltener Tier- und Pflanzenarten, die typisch sind für den Gipskarst. Um die Lebensräume zu gestalten, wird zunächst die Karstmorphologie nachgestaltet. Regelmäßig durchgeführte Kartierungen der bereits wieder angesiedelten Lebewesen belegen den Erfolg des Projektes.

Alabastergipsbruch Rüdigsdorf ( 6 )
Zwischen Krimderode und Rüdigsdorf, beides Ortsteile der Stadt Nordhausen, liegt unmittelbar an der Ortsverbindungsstraße am Rand eines weiten Auslaugungstals ein ehemaliger Steinbruch (N51°32.076´; E010°47.775´). Der als Flächennaturdenkmal ausgewiesene Gipsbruch ist Teil des Landschaftsschutzgebietes "Rüdigsdorfer Schweiz" das u. a. wegen seiner ausgeprägten Karsterscheinungen und der spezifischen Pflanzen- und Tiergemeinschaften bekannt ist. In dem Steinbruch wurde der vergipste Anhydrit der Werrafolge gewonnen. Die gut erhaltene Steinbruchwand gestattet einen Einblick in den internen Aufbau der Schichtenfolge. Der Gips ist feingeschichtet.
Deutlich erkennbar ist eine Wechsellagerung dünner Lagen von reinem weißen Gips, dem Alabaster, und durch Ton und Karbonate verunreinigten grauen Gips. In diese Wechsellagerung sind lagenweise Gebilde von besonders reinem Gips mit einem Durchmesser von 20 bis 40 cm, sogenannte Alabasterknollen, eingeschaltet. Alabaster lässt sich leicht bearbeiten. Früher wurden aus dem hiesigen Material Figuren, Vasen und ähnliches gefertigt.

Grenzland
Alter Stolberg ( 7 )
Vom Waldhotel Kalkhütte aus können wir auf dem Grenzweg durch die ausgedehnten Rotbuchenwälder des Naturschutzgebietes "Alter Stolberg" wandern. Der Alte Stolberg ist durch Erdfälle und andere markante Karsterscheinungen gekennzeichnet. Unweit des Waldhotels Kalkhütte gibt eine Informationstafel des Karstwanderweges dazu erste Erläuterungen. Der Weg führt entlang der früheren Grenze zwischen Kursachsen und Hannover zum Grenzstein Nr. 100 (N51°31.335´; E010°53.825´). Grenzstreitigkeiten zwischen Kursachsen und Hannover wurden am 30. August 1735 in Nordhausen mit einem Abkommen beendet. Darin wurde festgelegt, dass die bisher eingerammten Grenzpfähle durch 252 Grenzsteine ersetzt werden sollten. Auf der hannoverschen Seite wurde das Ross, auf der sächsischen Seite der schreitende Löwe eingemeißelt. Der Löwe war das Wappentier der Landgrafschaft Thüringen. Diese war 1423 im Kurlande Sachsen-Wittenberg aufgegangen. Noch heute tragen die Bundesländer Niedersachsen und Thüringen Ross bzw. Löwe im Staatswappen. Die Grenze verläuft aber weiter westlich, denn infolge des Zweiten Weltkrieges hatten die Siegermächte im Zusammenhang mit dem Viermächtestatus von Berlin die Grenzen verschoben.

Spur der Steine
Stadtmauer Nordhausen ( 8 )
Die Stadt Nordhausen wurde erstmals 927 in einer Schenkungsurkunde HEINRICHS I. an seine Frau MATHILDE urkundlich erwähnt. Im 13. Jh. begann der Bau einer steinernen Befestigung. Ständige Fehden mit den Grafen von Hohnstein, Stolberg und Schwarzburg machten eine Erweiterung der Stadtbefestigung notwendig. Im 14. und 15. Jh. wurde die Stadtmauer erweitert und erhielt zahlreiche Wehrtürme. Vier Haupttore ermöglichten den Zugang zum Stadtkern: Töpfertor, Rautentor, Neuewegstor und Barfüßertor. Die Steine zum Bau der Stadtbefestigung mussten von den umliegenden Dörfern geliefert werden. Der als Baustein überwiegend verwendete Dolomit wurde am Kohnstein gewonnen. Ein Luftangriff kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs zerstörte die Stadt zu über 70%. Auch deshalb sind heute nur noch ca. 1.600 m der Stadtmauer erhalten und zu besichtigen. Wir beginnen unsere Stadtbesichtigung mit dem Besuch der Altstadt. Markantestes Bauwerk ist der um 1130 erbaute Dom zum Heiligen Kreuz. Der Roland, als Sinnbild der Eigenständigkeit einer Stadt mit Marktrecht und eigener Gerichtsbarkeit, wurde erstmals 1411 erwähnt. Unser Stadtrundgang führt uns schließlich zu einem weitläufigen Gelände, dass erst im Rahmen der Landesgartenschau 2004 neu gestaltet wurde. Hier finden wir besonders eindrucksvolle Reste der einst wehrhaften Stadtummauerung mit ihren Wehrtürmen. Von der Wucht der Druckwellen detonierender Bomben am 4. April 1945 kündet noch ein verschobener Block des 1880 errichteten steinernen Obelisk, der dem Andenken gefallener Söhne der Stadt in den Kriegen des 19. Jh. gewidmet ist (N51°30.06´;E010°47.92´).
 
Stadtinformation Nordhausen
Tel.: (03631) 696797
www.nordhausen.de

Stadtmauer Ellrich ( 9 )
Sehenswert ist auch die Stadtmauer von Ellrich. 1315 erstmals urkundlich erwähnt, ist sie auch heute noch in zusammenhängenden Teilen zu besichtigen. Ein 1912 geschaffener kürzerer und bequemerer Zugang zu einer neu angelegten Straße erhielt einen imposanten Torbogen (N51°35.147´; E010°39.984´). Auch die Stadtmauer Ellrich wurde aus örtlich anstehendem Gestein erbaut. Empfohlen wird auch der Besuch des Hospitals, des ältesten Fachwerkensembles von Ellrich, welches im 12. Jh. durch das Kloster Walkenried gegründet wurde.

Sühnekreuze
Glockensteine Steigerthal ( 10 )
Etwa 1 km südwestlich von Steigerthal steht auf der Haard (N51°31.061´; E010°51.483´) eine Steingruppe. Ein Porphyrkreuz und zwei Nebensteine sollen der Sage nach daran erinnern, dass hier ein Glockengießer aus Stolberg seinen Gesellen erschlug, weil dieser einen Glockenguss besser vollendet hatte als er selbst. Das tatsächliche Alter der Steingruppe ist nicht bekannt. Sühnekreuze sollen Vorübergehende in Erinnerung an den Getöteten zu einem Gebet für dessen Seele veranlassen.

Steinkreuz Sülzhayn und
Ausstellung "Wald, Flur & Geologie" ( 11 )
Von dem Sühnekreuz an der Hohen Straße (N51°36.332´; E010°40.971´) bei Sülzhayn erzählt der Volksmund, dass es zur Erinnerung an einen hier erschlagenen Mönch errichtet wurde. Es soll ein Raubmord gewesen sein, dem der Mann Gottes im Jahr 1774 zum Opfer fiel, als er sich mit den Einnahmen aus dem Verkauf von Erzeugnissen des Klosters auf dem Heimweg nach Walkenried befand. Auch 200 Jahre später gab es eine Zeit, in der Menschen, die von dem "rechten Weg" abkamen, hier in der Gegend um ihr Leben fürchten mussten: Sülzhayn lag unmittelbar an der innerdeutschen Grenze. Das frühere "Davos des Nordens" litt darunter schwer, doch es blüht wieder auf! Sinnbildlich dafür steht das jährlich stattfindende Rhododendronfest. Der einstmals deutschlandweit bekannte heilklimatische Kurort und heutiger Erholungsort hat wieder etwas zu bieten, selbst für geologisch Interessierte. In der Umgebung ging früher der Bergbau um. Insbesondere Steinkohle wurde im Revier des Steierberg (Annastollen) gewonnen. Interessant ist die Gegend für Fossilien- und Mineraliensammler. Einen Eindruck vermittelt die Ausstellung "Wald, Feld, Wiesen und Geologie" im Apartmenthaus "The Ark", Dr.-Kremser-Straße 42. Die Ausstellung kann täglich ab 16 Uhr oder nach Vereinbarung auch früher besucht werden (036332-72725). Ganz in der Nähe weist ein Schild den Weg zum Sühnekreuz, einem Kreuz aus Kalkstein.

Goldene Aue
Seenlandschaft zwischen Sundhausen und Bielen ( 12 )
Im Gebiet der Goldenen Aue, die bereits zum Randbereich des Thüringer Beckens gehört, bildete sich mit der infolge der Heraushebung des Harzes im Tertiär einsetzenden intensiven Salzauslaugung parallel zum Harzrand ein Senkungsgebiet heraus. Dieses Senkungsgebiet wurde schon im Pleistozän vor rund 400.000 Jahren von der Zorge durchflossen, die hier den Abtragungsschutt des Harzes vor allem in Form von Kies und Sand ablagerte. Die Absenkungsgeschwindigkeit und die Auffüllung der Senke standen langfristig annähernd im Gleichgewicht, so dass heute in der Goldenen Aue bis zu 80 m Mächtigkeit Kies, Sand und andere Lockergesteine lagern. Diese bilden auf Grund der Größe des Vorkommens und ihrer guten Qualität eine wichtige rohstoffwirtschaftliche Basis am Südharz und werden in verschiedenen Tagebauen abgebaut. Der Kieskörper der Goldenen Aue ist mit Grundwasser erfüllt, das beim Abbau des Kieses freigelegt wird. Die so entstandenen Gewässer sind inzwischen landschaftsprägend. Schöne Liegeplätze (N51°28.877´; E010°49.956´) erreichen wir von der B 80 in Bielen durch die Marktstraße, vorbei am Sportplatz und dann nach Querung der Zorge rechts einbiegen in die Straße "An den Kiesteichen".

Zur geologischen Entwicklung des Gebietes und zur Bedeutung der Rohstoffe
 
In der Zechsteinzeit, vor ca. 255 Mio. Jahren, lag das Harzgebiet in einer geographischen Breite, die der des heutigen Nordafrika entspricht. Das hier vorhandene flache Land wurde damals vom Meer überflutet und an der Küste wurden Sand und Geröll angespült. Die zu Sandstein verfestigten Strandsedimente finden wir heute als Zechsteinkonglomerat. Das Meer drang allmählich weiter in das Landesinnere vor, es wurde tiefer und zunächst lagerte sich ein schwarzer Schlamm ab, der heutige Kupferschiefer. Später wurde das Meer wieder flach und es bildeten sich kalkige Ablagerungen. In der weiteren Entwicklung des Zechsteinmeeres kam es zeitweilig zu Unterbrechungen der Verbindung des Meeresbeckens mit dem offenen Ozean. Durch das warme, trockene Klima verdunstete das Wasser allmählich und die darin gelösten Salze wurden am Meeresgrund abgeschieden.
Dieser Vorgang, der sich mehrfach wiederholte, führte zur Bildung mächtiger Dolomitschichten und der gewaltigen Gips- und Anhydritablagerungen im Südharzer Zechsteingürtel und der Stein- und Kalisalze im Inneren des Thüringer Beckens. Alle Gesteine des Zechsteins waren und sind von großem wirtschaftlichen Interesse. Der Kupferschiefer wurde bereits in der Bronzezeit genutzt. Dolomit fand als Werkstein Verwendung zur Errichtung von massivem Mauerwerk, z. B. auch der Stadtmauer von Nordhausen. Die große Mächtigkeit und vielfältige Ausbildung der Anhydrit- und Gipslager machten diese seit dem Mittelalter zu einem begehrten Rohstoff.
Gips als Mörtel finden wir schon in den Wehrbauten des Mittelalters. Gips als Werkstein wurde u. a. zum Bau von Kirchen genutzt, z. B. in Petersdorf oder Stempeda; und Gips als Werkstein für künstlerische Arbeiten fand unter der Bezeichnung Alabaster bis in das 20. Jh. Verwendung. Anhydrit als Rohstoff für die Produktion von Schwefelsäure wurde bis 1990 gewonnen. Auch heute spielen Gips und Anhydrit immer noch eine herausragende Rolle als Rohstoff vor allem der Baustoffindustrie.

Text: Dipl.-Geol. H. Garleb, Dr. K. George, Ch. Linke
Fotos: Garleb, George, Meurer