Die Ilfelder Braunsteinhäuser

- Dipl. Geol. Horst Gaevert -

In den schönen Südharzer Bergen, weitab von Straßenlärm und städtischer Betriebsamkeit, liegt das Braunsteinhaus, eine Lokalität, die den Einwohnern der Umgebung ein Begriff ist. Viele Wanderungen, die in Ilfeld, dem Fischbachtal oder am Netzkater beginnen, haben diese Gaststätte zum Ziel. Unsere Vorfahren stellten die Gast(“Wirtschaft”) nicht so sehr in den Vordergrund. In einem Reiseführer aus dem Jahre 1910 (vgl. L 4) werden zunächst die “Braunsteingruben in Waldeinsamkeit”, dann der Aufstieg zur Harzeburg und zuletzt ein Besuch des Braunsteinhauses empfohlen. Der Blick für die oft bizarren Steinbruchformen, die hier in den Wäldern im Ergebnis intensiver bergmännischer Tätigkeiten überliefert sind, ging den Menschen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein wenig verloren.

Nachdem wir uns zu Hause ausführlich mit der Geschichte des Braunsteinbergbaus befasst haben (vgl. L 1), wird dieses nachgeholt. Aus unserem Fahrzeug auf dem großen Waldparkplatz verharrt ein letzter Blick an einer großen Halde des ehemaligen Braunsteinbergbaus. Doch unsere Aufmerksamkeit wollen wir nun den ehemaligen Tagebauen, Röschen und Stollen am Müncheberg widmen.
Beim Aufstieg heben sich zunächst Haldenschüttungen von den natürlichen Geländeformen ab, die nur von näher informierten Bürgern als Produkte menschlicher Tätigkeiten erkannt werden. Am mittleren Hang erstreckt sich bergseitig vom Haldenplateau aus eine z. T. offene und von der Bergsicherung mit Warnschildern versehene Halde mit Rösche.
Hier gruben sich die Bergleute einen Gang in den Berg (fuhren einen Stollen auf), um sich auf diese Weise Zutritt zum begehrten Mangan- und Eisenerz sowie Schwerspat zu verschaffen. Im Bereich der Bergkuppe beeindrucken die zahlreichen, z. T. steilwandigbizarren, max. 100 m langen und bis zu 60 m breiten ehemaligen Tagebaue (Tagebau-Restlöcher). Man sollte sich ihnen entsprechend dem Inhalt der von der Bergsicherung angebrachten Warnschilder aus Sicherheitsgründen nicht zu sehr nähern, denn bis zu 20 m senkrecht abfallenden Wände sind gefährlich.

Die Kenntnis der bergbauhistorischen Zusammenhänge sowie die Formen und Volumina der Halden und Restlöcher beeindrucken uns so sehr, dass unsere Vorfahren bei ihrer Tätigkeit an unserem geistigen Auge vorbeiziehen. In diesem Sinne sehen wir die Menschen mit ihrem Schicksalen, die sich im Laufe der Jahrtausende bei ihren unvorstellbar schweren Arbeiten abspielten, bis am 31.03.1921 ein letztes “Glück auf!” erscholl. Seit dieser Zeit ruht der Bergbau.


Lageplan 1836 nach einem Original im StA Magdeburg

Die Bergleute, die am Müncheberg, der Harzeburg u. a. Bergen im Tage- und Tiefbau (unter der Erdoberfläche) durch Schwerstarbeit ihre Familie ernähren mussten, benötigten für verschiedene Zwecke Gebäude. Es ist nahe liegend, dass die Entstehung der heutigen Gaststätte “Braunsteinhaus” mit dem ehemaligen Bergbau eng verbunden ist. Nach Beendigung des Rundgangs am Müncheberg laden eine durstige Kehle und ein hungriger Magen zu einem Besuch in der Gaststätte ein. Der interessierte Heimatfreund bemerkt, dass das Objekt aus drei Baukörpern besteht die in verschiedenen Zeiten aneinandergefügt wurden. Beim Betreten der durch eine offene Tür miteinander verbundenen Gasträume wird unser Gruß vom Bedienungspersonal freundlich erwidert.

Die schlicht-einfache, allen Anforderungen einer modernen Ausflugsgaststätte entsprechende Ausstattung lädt zum Verweilen ein. Wir wählen einen Platz im hinteren Raum, um hier ungestörter unseren Gedanken freien Lauf zu gewähren. Zunächst sei anhand der in L 1 geschilderten bergbauhistorischen Ereignisse der Frage nachgegangen, welche Notwendigkeiten sich für die Errichtung von Lager-, Büro- und Wohnräumen sowie Aufbereitungsanlagen ergaben. Dabei wurden in den einzelnen Betriebsperioden folgende Akzente gesetzt:
 
Bis 1740
Dauer und Intensität des nicht fachgerecht geführten Bergbau in Tagebauen und flachen Tiefbauen richteten sich auf Einzelaufträge der Erzkäufer aus. Das Erz wurde am Objekt so lange gesammelt, bis ein Fuhrwerk beladen werden konnte, um es in der näheren Umgebung und in Holland (L 3) verkaufen zu können.
Ab 1740
Weitere Lieferaufträge nach Holland und später nach Berlin forderten bessere Erzqualitäten und das Ansammeln größerer Vorratsmengen.
Um 1770
Erhöhter Absatz nach Holland ließ vorgenannte Probleme noch akuter werden.
1818
Durch die Verwendung des Braunsteins in der technischen Chemie, für die Farbherstellung und zum Bleichen von Glas erhöhte sich die Nachfrage um ein Vielfaches bei gleichzeitig wachsenden Qualitätsanforderungen.
Ab 1840
In Europa und Indien kamen schrittweise große Lagerstätten in Förderung, so dass der Absatz des Ilfelder Manganerzes ständig zurückging, bis der Bergbau
Ab 1880
nur noch ein kümmerliches Dasein führte und im Jahre
1890
wegen Absatzmangel eingestellt wurde. Nur im 1. Weltkrieg und der sich anschließenden katastrophalen Wirtschaftslage ist von
1916 - 1921
der Bergbau zum letzten Mal betrieben worden.

Ein kurzes Gespräch mit der Wirtin beim Bestellen des nächsten kühlen Trunks ergab, dass sie im Dezember des Jahres 1979 die Gaststätte übernahm. Kenntnisse über die weiter zurückliegende Vergangenheit des Hauses sind nur sporadisch vorhanden. So hatte sie unter anderem von einem Besucher (P 6) erfahren, dass die erste Bewirtung von Gästen im Jahre 1881 in einer Zeit erfolgte, als noch Manganbergbau betrieben wurde. Dieses Gespräch war Anlass für uns, die Informationslücken in der Geschichte der Braunsteinhäuser ein wenig zu schließen.

Der älteste Hinweis auf ein Gebäude des Braunsteinhauses befindet sich in der Akte A1 (siehe Quellenverzeichnis) auf den Seiten 41 und 42. In der Sprache unserer Vorfahren liest sich diese Passage wie folgt: “Das Haus auf der Braunstein Grube auf den Minchen Berg so vor etlichen Jahren da hingesetzt worden ist da die Grube noch in standte war den Braunstein zu verwahren.” Es befand sich im Kuppenbereich des Münchenberges im dichten unzugänglichen Wald und war nur wenigen Menschen bekannt.
Das Wort “Hauß” ist sicherlich nicht im heutigen Sinne zu interpretieren. Es war ein Bretterschuppen, der der Aufbewahrung von Bergbauwerkzeugen und gewonnenen Manganerzvorräten diente. Außen war er mit Dielen und Schwarten beschlagen; Fußboden und Dachrinnen gab es nicht.

Seine Entstehung geht auf die Zeit vor 1725 zurück, denn seitdem war der Bergbau am Müncheberg auflässig, und das “Hauß” wurde in der davor liegenden Betriebsperiode errichtet. Nachdem der Bergbau dort eingestellt worden ist, transportierte man von der Harzeburg und vom Silberbacher Zug die geförderten Vorräte und Werkzeuge am Schichtende zum “Hauß” am Müncheberg. Der unnötig weite Transport unter körperlich schweren Bedingungen sowie die abgeschiedene Lage, die mehrfach zum Diebstahl verleitet hatte, veranlassten am 27.4.1753 den Forstangestellten Menge in Sophienhof, bei seiner vorgesetzten Dienststelle, nämlich der “Hochlöblichen Cammer” in Wernigerode anzufragen., ob er “das Hauß nicht dort zwischen den Müncheberg und Harzeburg in die so genannte Bach setzen dürfte”. Damit ist der heutige Siedlungsbereich im Tal des Sachswerfer Baches zwischen der Gaststätte und dem Parkplatz gemeint.
Seine Argumente, dass der Braunstein von allen Gruben “ohne schweren Kosten” dorthin gebracht werden könnte, sicherer vor “Dieberey” sei und sich leichter abtransportieren ließe, veranlassten die Kammer in Wernigerode bereits am 4.Mai 1753 zur Zustimmung und Auftragserteilung des Schuppenumbaus (A 1, S. 42R). Es ist davon auszugehen, dass die Arbeiten unmittelbar danach, d.h. im Mai oder Juni desselben Jahres erfolgten. Seit dieser Zeit sind mehrere Gebäude vorwiegend in Zeiten intensiver bergmännischer Tätigkeiten entstanden und später teilweise wieder liquidiert worden.

Der neue Standort des Schuppens erfüllte alle Erwartungen. Doch erwies sich bald als Nachteil, dass man den Schuppen mit dem alten Material wieder errichtet hatte, denn bereits 4 Jahre später waren die Dielen und Schwarten unten “faul, dass fast kein Nagel mehr halten will”. Nachdem “Forstbereuther” Erck aus Sophienhof dies seiner vorgesetzten Dienststelle in Wernigerode im Juni des Jahres 1757 mitgeteilt hatte, erhielt er wenige Tage später die Anweisung “zu Reparierung des Braunsteinhauses” (A 1, S. 541). Dies ist die älteste schriftliche Überlieferung der heute noch gebräuchlichen Bezeichnung BRAUNSTEINHAUS.

Im März 1759 berichtete o. g. Forstangestellter Erck, dass das Braunsteinhaus keinen Fußboden besitze und demzufolge der Braunstein, wenn er eingewogen wurde, “öfters Erde darunter kömbt” (A 1, S. 66r). Um diese Beeinträchtigung der Braunsteinqualität zukünftig zu vermeiden, bat er darum, den Fußboden mit Eichenbohlen versehen zu dürfen. Dies wurde ihm genehmigt und umgehend realisiert.

Über die nächsten 11 Jahre schweigen die Akten. Erst im September des Jahres 1770 berichtete Forstbereuter Erck seiner vorgesetzten Dienststelle, dass der Braunstein zentnerweise gefördert (A 2) , den Bergleuten im “alten Braunsteinhause abgenommen” und dann dort gewogen werde. Anschließend bringe man ihn zur Verrechnung in das neue Haus. Daraus geht hervor, dass im Zeitraum von 1757 und 17770 ein “neues Haus” errichtet wurde. Qualitätsmängel und Diebstahl wurden seit Mitte der 60er Jahre häufig beklagt. Um diesen Missständen zu begegnen, erbaute man o. g. Gebäude, das möglicherweise ein Vorläufer der heutigen Gaststätte war.
Bis zum Jahre 1818 existiert Archivmaterial, ist jedoch noch nicht ausgewertet. Im genannten Jahre erlebte der Braunsteinbergbau eine Konjunktur. Wollte man dieser Situation gerecht werden, dann war es erforderlich, kurzfristig über einen großen Stamm erfahrener Bergleute verfügen zu können. Daher wurden im Jahre 1818 Bergleute aus Elbingerode im Ilfelder Manganbergbau eingesetzt (A 4 ,S.8r).

Für sie musste eine Gelegenheit zum Übernachten geschaffen werden. Des weiteren galt es durch bessere Aufbereitung und Lagerung die Qualitäten des zu verkaufenden Braunsteins wesentlich zu verbessern. Wörtlich heißt es (A 5, S.60): “Seit einigen Jahren, wo sich der Braunsteinabsatz so ansehnlich gehoben hat, ist auch mit möglichster Tätigkeit dahin gearbeitet die Braunsteingruben und übrigen Anlagen zum Braunsteinbetrieb in einen möglichst guten Zustand zu stellen und hierdurch das Werk zu heben.”

Zunächst bat Bergschreiber Preu im Oktober 1818 um Genehmigung zum Bau eines “größeren Schuppenraums zum Steinschneiden und Aufbewahren des unreinen und reingeschiedenen Braunsteins,” d.h. Bau eines Aufbereitungshauses. Bis dahin fand diese Handarbeit auch im Winter unter freiem Himmel statt. “Eine angemessene Stelle zur Anlegung des Scheidehauses würde in der Nähe des Zechenhauses am Sachwerferbach sein” (A 5, S. 41), wo man es im Jahre 1821 errichtete. In der “Schneidestube” des Gebäudes wurden durch “Handscheidung” Kalkspat, Schwerspat und Porphyr vom Braunstein getrennt. Dies geschah “mittelst zweckmäßig eingerichteter Hämmer auf runden gusseisernen Platten von 10 bis 12 Zoll Durchmesser und 2 bis 21/2 Zoll Stärke” (L 6 , S.148). Dabei wurden nach “ihrer Güte und Reinheit drei Erzorten ausgeschlagen. In o. g. Zitat aus dem Jahre 1820 ist erstmalig die Existenz des Zechhauses bestätigt worden.

Ein weiteres wichtiges Vorhaben war der Bau eines Pochwerkes. Im Mai 1819 äußerten sich Jasche und Bergschreiber Preu wie folgt zur Notwendigkeit einer solchen Einrichtung (A 5, S. 9-11): Das Graubraunsteinerz sei sehr mit Baryt und Tonstein vermengt und müsse “reingeschieden” werden. Sie veranschlagten die Kosten mit 350 Reichstalern. “Zu dieser Anlage ist ein sehr schicklicher Platz nahe bei den Braunsteinhäusern.”

Durch einen Dammbau könne oberhalb des Pochwerkes ein Teich entstehen und von hier aus das Wasser mit Hilfe eines Grabens zum Pochwerk geleitet werden. Auch diese Maßnahme realisierte man planmäßig. Der erfolgreiche Probebetrieb im April des Jahres 1820 war der Anlass zum Kauf eines weiteren Pfannenherdes und einer Stoßmaschine für 300 Reichstaler.

Um die Einsatzbereitschaft und Sicherheit der Anlage zu erhöhen, sollten der Steiger und der Aufbereiter im Braunsteinhaus wohnen (A 5, S. 26-27). Hierfür mussten die baulichen Vorraussetzungen in Form eines Zechenhauses ( heutige Gaststätte ) und der so genannten Pücherwohnung gegeben sein. Wörtlich heißt es, dass die “Anlagen zum Braunsteinbetrieb in einem möglichst gutem Zustand gestellt” und hierdurch das Werk “gehoben” sei. “Im ganzen genommen”, habe man “mehr Ordnung, Übersicht und Sicherheit bei dem Braunsteinbetrieb erlangt.”

Es stellte sich sehr bald heraus, dass das Pochwerk “wegen Trockenheit nur nach Regengüssen arbeiten konnte.” Aus diesem Grunde war es nicht möglich, alle in den Bergwerken geförderten unreinen Erze im Pochwerk aufzubereiten. In den folgenden Jahren förderte man Höchstmengen, um der stark gestiegenen Nachfrage gerecht zu werden. In dieser Blütezeit des Braunsteinbergbaus ließen sich erforderliche Reparaturen und Umbauten ohne Schwierigkeiten realisieren. Der “Etat” des Jahres 1828 gestattete deshalb an den Braunsteinhäusern notwendig gewordene Werterhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen. Des weiteren erhielt der Backofen mit “Schauer” aus Gründen des Brandschutzes einen neuen Standort, der etwas weiter von der Steigerwohnung entfernt war (A 6, S.1). In den nächsten Jahren ließ die gräfliche Verwaltung in verschiedenen Orten des Harzes Zwischenlager einrichten, um die Belieferung der weit entfernten Kunden besser und schneller gewährleisten zu können (A 6, S.68). Die max. Fördermenge ist im Jahre 1836 mit 5613 Tonnen zu verzeichnen.

Im Jahre 1837 waren zahlreiche Bergleute aus Elbingerode im Braunsteinbergbau beschäftigt. Sie übernachteten in der “nicht sehr geräumigen Schiedstube”, wobei “sie sich des Nachts nicht gehörig ausruhen” konnten (A 7). “Besonders bei dem jetzigen Betriebe, wenn einige Rothesütter Bergleute dort blieben, nahe an 50 Mann auf ihren Strohsäcken wegen des Raums dicht aneinander geschichtet übernachten. Sie freuen sich, zu Hause wieder gehörig ausruhen zu können.” Dem ist wohl nur hinzuzufügen, dass primitivere Massenunterkünfte kaum denkbar sind.


Schmiede- und Waldarbeiterwohnung von 1847 bis 1955

Die Steigerwohnung bestand parterre aus zwei Stuben, einer Kammer und einer Küche (A 7, S.117). Die obere Etage war unterm Dach und beinhaltete zwei Bodenkammern, die jeweils zur Aufbewahrung des “unverwogenen” nicht “reingeschiedenen“ (ausgelesenen) sowie dem “verwogenen” Braunstein dienten. Des weiteren stellte man hier “Gerätschaften” ab. Im August 1839 wurde die Steigerwohnung wie folgt beurteilt: “Der Raum ist beengt, zumal wenn für den Bergschreiber Preu welcher öfters auf längere Zeit verweilt, Rücksicht genommen wird.”

Obgleich seit dem Jahre 1840 ein deutlicher Rückgang in der Fördermenge zu verzeichnen war, nahm man zunächst noch Aufbereitungsanlagen in Betrieb, um die Qualität der Verkaufsprodukte weiter zu verbessern. Dabei ging es vor allem um des Aussondern von Kalkspat (A 7, S.226-229). In den 40er Jahren waren wechselnde, in der Tendenz fallende Fördermengen zu verzeichnen. Trotzdem wurden die vorhandenen Gebäude erhalten und z. T. sogar durch neue ersetzt. Beispielweise ist im Jahre 1847 die alte “Pücherwohnung” mit Stall abgerissen und durch eine neu erbaute Schmiedewohnung ersetzt worden (P 2 und P 3). Aufgrund der sinkenden Nachfrage nach Manganerzen entließ man den Bergschmied, und damit war die Wohnung ungenutzt.

Zechenhaus von 1916 bis 1921

In einer Aktennotiz vom April 1859 geht es um die Wiederbesetzung der Bergschmiedestelle und der damit verbundenen Belegung der erst 12 Jahre zuvor erbauten Schmiedewohnung (A 3, S.1-4). Da aufgrund des Niedergangs des Braunsteinbergbaus kein Schmied eingestellt werden konnte, schlug Revierförster Brandes im März 1862 vor, “die Räume der Bergschmiede zu einem Aufenthaltsort für Jagd- und Forstpersonal” umzugestalten (A 3, S.12). Im dazugehörigen alten “Nebengebäude” sollte ein Pferdestall eingerichtet werden. Obersteiger Spengler wohnte offensichtlich allein in den Braunsteinhäusern. Da er sich mit seiner Familie unsicher fühlte und eine billige Arbeitskraft für Hilfeleistungen benötigte, wünschte er, “dass zusätzlich zum Aufenthalt der Jäger ein Meister in der ehemaligen Schmiedewohnung wohnen” sollte.

Infolge der weiter drastisch sinkenden Braunstein-Fördermengen konnte die Wohnung nicht wieder mit Bergleuten oder Arbeitern der Aufbereitungsanlage belegt werden. Daher schloss man mit dem Holzhauer Friedrich Scharfe im Jahre 1862 einen Mietvertrag ab. Dies war ein Beispiel für die bereits erwähnte anderweitige Verwendung der für den Betrieb des Braunsteinbergbaus errichten und in zunehmenden Maße nicht mehr benötigten Gebäude. Aus der Sicht unserer sozialistischen Gesellschaft war dieser Mietvertrag eine ungeheure Zumutung: Scharfe bewohnte die Bergschmiede, ”das kleine Haus an derselben, den Stall und den hierbei gelegenen Garten von ca. ¼ Morgen. Da seine Wohnstube zugleich als Jagd- oder Forststube dienen soll, so hat er bei Jagd- oder anderen Angelegenheiten für Ordnung und Reinlichkeit der hier einkehrenden Personen Sorge zu tragen.“ Außerdem musste sich Scharfe verpflichten, für den Manganbergbau “Sonderaufträge” zu übernehmen.

Das Zechenhaus, in dem der Obersteiger wohnte, existierte noch so, wie es im Jahre 1839 beschrieben wurde. Dazu gehörte ein Stallgebäude, in dem “das Vieh, ein paar Kühe und Schweine stehen konnten” (A 3, S. 22). Dieses Objekt wurde im Jahre 1880 im reparaturbedürftigen Zustand der gräflichen Forstverwaltung übergeben. Bereits im folgenden Jahre konnten in einem Raum des Hauses die ersten Gäste bewirtet werden. Bis zum Jahre 1882 sprach man vom “Braunsteinwerk”. Danach ist wiederum die Bezeichnung “Braunsteinhaus” eingeführt worden.

Verwaltungsmäßig gehörte das Objekt zum Gemeindeverband Hohnsteinischer Forst. Wenn ein neuer Revierförster sein Amt antrat, wurde ihm zur Bedingung gemacht, dass seine Frau die Gaststättenkonzession erwarb. Da die eigentliche Gaststätte nur einen Raum von 3,5m x 3,5m beinhaltete, benötigte man in der Sommerzeit eine überdachte Sitzfläche, die hinter dem Braunsteinhaus auf einer Fläche von 4m x 8m entstand. An der Sichtseite befanden sich Holzsäulen, die unter dem Dach bogenförmig mit Blendwerk verziert waren (L 2).

Für die dreifache Nutzung als Wohnung, Revierförsterei und Gaststätte war das Haus viel zu klein. Im Jahre 1912 standen endlich die Mittel für einen etwa gleich großen Anbau bereit (P 4). Während das Gebäude früher ein einfaches Satteldach besaß und die Traufseite als Ansicht diente, errichtete man den Giebel des Neubaus rechtwinklig dazu. Damit war eine neue Gesamtansicht mit aufgelockerter, seriöser wirkender Fassade geschaffen. Bauausführender Betrieb war die Firma Koch aus Rothesütte.

In der Periode des Braunsteinbergbaus von 1916 bis 1921 wurden die gewonnenen Erze unaufbereitet abtransportiert. Aus diesem Grunde benötigte man nur ein Zechenhaus mit Steigerbüro, einen Aufenthaltsraum für die Bergleute und einen Abstellraum für Geräte (vgl. Abbildung). Ein einfaches, mit dem Bergmannssymbol versehenes Holzhaus im Bereich des heutigen Parkplatzes entsprach diesen Anforderungen und ist einige Jahre nach dem Auflässigwerden des Bergbaus halb verfallen abgerissen worden (P 2). Alle aus den vorangegangenen Bergbauperioden noch vorhandenen Gebäude wurden in dieser Zeit in ihrer bisherigen Nutzung belassen.

An den Gebäuden der Braunsteinhäuser und ihrer Nutzung änderte sich in den nächsten Jahrzehnten wenig. Von den beiden Wohnhäusern war das als “Pücherwohnung” um 1820 und im Jahre 1847 als Schmiede mit Wohnung umgebaute Haus (siehe Abbildung) arg vernachlässigt worden. Der wichtigste Grund ist darin zu sehen, dass es seit dem Jahre 1862 “nur” von Waldarbeitern bewohnt war (A 3). Kurz vor Beginn des zweiten Weltkrieges äußerte sich der Bürgermeister von Ilfeld wie folgt zum Zustand der Wohnung (A 8): “Die Wohnung des Invaliden Zimmermann im Braunsteinhaus entspricht nicht in allen Teilen den gesetzlichen Anforderungen, insbesondere ist die Trinkwasserversorgung die denkbar ungünstigste. Ja, es besteht die Gefahr auf Ausbruch von Krankheiten.”

Aufgrund dieser katastrophalen Verhältnisse wurde die Wohnung mit folgendem Ergebnis inspiziert: “Das Wohnzimmer ist in brauchbarem Zustand. Ferner liegt unten die kleine Küche, welche gleichzeitig als Waschküche mit benutzt wird. Im Dachgeschoß befinden sich zwei durch Bretterverschlag verschalte Bettenkammern, die als Schlafraum benutzt werden. Diese beiden Kammern sind nicht heizbar und im Winter sehr kalt. Die Wohnung ist infolge des engen Tals, in welches den ganzen Sommer keine Sonne herein scheint, feucht. Im Sommer trocknet der Bach fast aus und ist das restliche Wasser gar nicht zu genießen. Dann holen sich die Zimmermanns Trinkwasser aus einer etwa 200 m vom Haus entfernten Quelle, die nicht ständig läuft. Im großen und ganzen sind die Wohnverhältnisse in diesem Haus keine guten.”

Auch die Revierförsterei befand sich in einem schlechten Zustand. Da die Vorbereitung des zweiten Weltkrieges die notwendigen Reparaturen und Verbesserungen nicht mehr gestattete, verschlechterten sich die Wohnverhältnisse bis zum Kriegsende weiter.

Die abseits von Ortschaften gelegenen Braunsteinhäuser hatten nach dem Kriegsende besonders schwer zu leiden. Während der letzten Kampfhandlungen verließen die Bewohner ihre Häuser und begaben sich für längere Zeit nach Appenrode (P 4). Als sie zurückkehrten, hatten Besatzungssoldaten und Plünderer fast das gesamte Inventar geraubt. Damit war die Familie des Revierförsters noch nicht das Schlimmste überstanden. Als am 11.11.1945 erneut Plünderer in das Braunsteinhaus eindrangen, erschossen sie den Revierförster, als sie ihn in Forstuniform erblickten (A 8). Entsetzliches Leid für die Frau und ihren Kindern und Angst vor der Zukunft waren die traurige Bilanz für die Bewohner der Revierförsterei in der Stunde Null nach dem Ende des zweiten Weltkrieges.
In dieser Situation zog ein neuer Revierförster aus Gotha in das inzwischen recht baufällig gewordene Haus. Bald wurde auch der Gaststättenbetrieb wieder aufgenommen. Die ehemalige aus Holz bestehende überdachte Sitzfläche hinter der Gaststätte hatte sich nicht bewährt. Im Sommer saßen die Gäste lieber auf Gartenstühlen unter den großen Linden vor dem Haus. Ungenutzt und baufällig wurde die Überdachung im Jahre 1955 beseitigt.

Familie Zimmermann verlegte ihren Wohnsitz von der ehemaligen Bergschmiede nach Ilfeld (P 2). Seit dieser Zeit war das Haus unbewohnt. In den 60er Jahren banden darin im Winterhalbjahr mehrere beim Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb beschäftigte Frauen Besen (P 4), um die Konsumgüterproduktion zu betreiben. Bis zum Jahre 1973 diente es als Vorrats- und Geräteraum.

Von 1958 bis 1973 bewohnte Revierförster Momberg das ehemalige Zechenhaus. In dieser Zeit setzte Familie Momberg die Tradition der Kombination von Revierförsterei und Gaststättenbetrieb fort (P 4). Frau Momberg musste in Rothesütte eine Konzession zum Betreiben der Saisongaststätte beantragen. Dabei wurde erstmalig ein Kommissionsvertrag mit dem Konsum abgeschlossen. Der Umsatz im Gaststättenbetrieb war in damaliger Zeit bescheiden. Er betrug 8000 bis 10000 M pro Jahr. Um das Familieneinkommen zu verbessern, war es angebracht, die traditionelle Tierhaltung in Form von Schweinen, Schafen und Hühnern für die Versorgung der eigenen Familie fortzusetzen. Der Ausschank von Milch aus eigener Produktion in der Gaststätte war nicht mehr möglich, weil die Kuhhaltung aufgegeben wurde. Im Jahre 1961 ließ der Staatliche Forstwirtschaftsbetrieb im Rahmen von Werterhaltungsmaßnahmen die bisherige hölzerne Kellerdecke durch massive Gewölbe ersetzen und den Gaststättenraum vergrößern. Die Jagdgesellschaft Niedersachswerfen erbaute in den Jahren 1968 bis 1969 oberhalb vom Pochwerksteich eine Hütte (P 4).

Das Jahr 1973 war für das Braunsteinhaus von entscheidender Bedeutung. Der Staatliche Forstwirtschaftbetrieb Nordhausen versetzte Revierförster Momberg nach Ilfeld und der neue Bewohner des Braunsteinhauses war erstmalig kein Planstellennachfolger. Familie Jansen versuchte die Gaststätte vom saisonbedingten Nebenerwerb auf einen ganzjährig geöffneten Familienbetrieb umzustellen. Damit waren auch gebäudemäßige Veränderungen verbunden, die mit dem Abbruch des seit 1970 ungenutzten Wohnhauses im Jahre 1974 eingeleitet wurden. Nur die Natursteinwand der ehemaligen Vorderseite des Hauses ist heute noch in unveränderter Form als Bestandteil des Wirtschaftsgebäudes erhalten. In das Stallgebäude der ehemaligen Revierförsterei ließ Familie Jansen eine Garage einbauen. Ein weiteres Gebäude wurde 1975 bis auf die Grundmauern abgetragen und darauf aus dem Material ein Bungalow für den Gaststättenbetrieb errichtet. Das alte Backhaus aus dem 19. Jahrhundert wurde im Jahre 1975 beseitigt.

Seit Dezember des Jahres 1979 besitzt Frau Edeltraut Reichardt, geb. Horbas, mit der HO einen Kommissionsvertrag und betreibt auf dieser Basis mit insgesamt drei Arbeitskräften die Gaststätte. Bei der Übernahme des Objektes verlegte sie die Gaststätte von der Nordost- zur Südwestseite des ehemaligen Zechenhauses. Zwei Räume wurden durch eine offene Tür miteinander verbunden und in einem dritten Raum zusätzlich eine Theke eingerichtet.

Im Jahre 1983 ist das Gebäude an der Südwestseite durch einen einstöckigen Anbau mit Pultdach erweitert worden. Hier sind moderne Spültoiletten und Lagerräume untergebracht. Um extrem hohen Besucherzahlen gewappnet zu sein, wurde der Bungalow im Jahre 1983 um einen Küchenanbau erweitert, so dass hier ein Teil der Gäste nahezu unabhängig vom Stammhaus bedient werden kann.
Auf diese Weise ist in unserem Staat im guten Einvernehmen zwischen dem Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb, den örtlichen Staats- und Handelsorganen sowie den Initiativen der Familie Jansen und Horbas bzw. Reichardt in wenigen Jahren aus einer unbedeutenden Saisongaststätte mit hygienischen Mängeln ein ganzjährig geöffnetes Objekt entstanden, das immer wieder zu einem neuen Besuch einlädt.

Nun könnte man der Meinung sein, hier habe sich alles optimal entwickelt und weitere Veränderungen seien kaum noch erstrebenswert. Dies trifft sicher für den Gaststättenbetrieb zu, dessen Jahresumsatz von rund 10 TM auf 130 TM gesteigert werden konnte und damit der regionalen Bedeutung der Lokalität gerecht wird.

Leider sind nicht alle Baumaßnahmen in die historische Tradition und das herrliche Landschaftsbild gebührend eingefügt worden. Die im Jahre 1977 vorgenommene Asbestbeschieferung des ehemaligen Zechenhauses sollte recht bald entfernt werden., um das alte Fachwerk im neuen Glanz entstehen zu lassen. Auch der jüngste Anbau rundet nicht gerade die Gesamtsilhouette des Gebäudekomplexes ab.
 

ARCHIVALIENVERZEICHNIS
 
A 1Den Betrieb der Braunstein-Gruben im Hohnsteinischen 1724- 1763, - STAM, Rep. H Stolberg- Wernigerode, Kammer, Rep. Reg. Fach 522, O II, Nr. 10
A 2Den Betrieb und Handel des Braunsteins 1765- 1771, - STAM, Rep. H Stolberg- Wernigerode, Rep., Fach 605, O III, Nr. 6
A 3Die Bergschmiede auf der Braunsteinzeche 1859- 1902, - STAM , Rep. H. Stolberg- Wernigerode, Rep., Reg., Fach 522, O II, Nr. 13
A 4Den Betrieb der Braunstein- Gruben im Hohnsteinischen betr. 1818- 1819, - STAM, Rep. H Stolberg- Wernigerode, Kammer, Rep., Reg., Fach 605, O II a, Nr. 9
A 5Den Betrieb der Braunstein- Gruben im Hohnsteinischen betr. 1819- 1827, - STAM, Rep. H Stolberg- Wernigerode, Kammer, Rep., Reg., O III a, Nr. 8
A 6Den Betrieb und die Verwaltung des Braunstein- Bergwerks im Hohnsteinischen Forst 1828- 1835, - STAM, Rep. H Stolberg- Wernigerode, Kammer, Rep., Reg., Fach 523, O II, Nr. 2
A 7Das Braunstein- Bergwerk im Hohnsteinischen Forst 1836- 1844, - STAM, Rep. H Stolberg- Wernigerode, Kammer, Rep., Reg., Fach 523, O II, Nr. 6
A 8Unterhaltung der Forstgehöfte u. a. Braunsteinhaus 1935- 1949, - HISTA Gotha, Preuß, Oberförsterei Ilfeld, Nr. 34
A 9Quellennutzung, Bergbau, Starkstromleitung 1929- 1944, - HISTA Gotha, Preuß, Oberförsterei Ilfeld, Nr. 95

LITERATURVERZEICHNIS
 
L 1Der Ilfelder Mangan-Bergbau vom 18. Bis zum 20. Jahrhundert, - Verfasser: Gaevert, Horst. Der Harz- eine Landschaft stellt sich vor; Schriftenreihe des Harzmuseums Wernigerode, Nr.4, 1981, S. 34- 41
L 2Ansichtskarte: “ Gruß vom Braunsteinhaus bei Ilfeld” 1898, im Besitz von L. Lüder Ilfeld
L 3Magnalia die in licis subterraneis, -Verfasser: Bruckmann. Erschienen: Braunschweig 1727
L 4Der Harz, - Griebens Reiseführer, Band 2, 1910- 1911
L 5Schaubergwerke im Südharz, - Der Harz- eine Landschaft stellt sich vor. Harzmuseum Wernigerode 1983
L 6Über das Vorkommen, die Aufbereitung und die Qualität des Braunsteins von Ilfeld am Harze. - Verfasser: Kerl, B. ; Berg- und Hüttenzeitung 1853, S. 148- 149

BEFRAGTE PERSONEN und ORGANISATIONEN
 
P 1Kulturbund Ilfeld, Fachgruppe Heimatgeschichte unter Leitung von L. Lüder
P 2Gustav Zimmermann, Ilfeld
P 3Walter Liesegang, Ilfeld- Netzkater
P 4Herr Momberg, Werna bei Ellrich
P 5Edeltraut Reichardt, Ilfeld- Braunsteinhaus
P 6Herr Bauersfeld, Niedersachswerfen