Gipskuppen und Gipsbuckel - Elemente der Sulfatkarstlandschaft

Von diesem vergriffen geglaubten Heft zur Südharzer Regionalgeschichte sind Restbestände wieder aufgetaucht und können über den Förderverein Deutsches Gipsmuseum und Karstwanderweg e.V. erworben werden.

Gipsbuckellandschaften sind ein typisches Element der Sulfatkarstlandschaft. Ihr Erscheinungsbild reicht von großen buckelartigen Bergen beträchtlicher Höhe (10 bis 20 m) bis zu kleinen aneinandergereihten Buckellandschaften von einigen wenigen Metern. Es gibt ganze Landstriche der Sulfatkarstlandschaft, in denen nicht eine Buckelung zu sehen ist. In anderen Gegenden wiederum beherrschen sie das Landschaftsbild. In vielen allgemeinen Darstellungen über Morphologie und und Geographie des Sulfatkarstes wird die bucklige Oberfläche stets besonders erwähnt. Natürlich machte man sich auch Gedanken die Entstehung dieser seltsamen Formen. Angeregt durch die Tatsache, daß Anhydrit (CaSO4) beim Übergang in Gips (CaSO4 x 2H2O) durch Wasseraufnahme gewaltig an Volumen zunimmt, erklärte man sich diesen Vorgang mit einer „Aufquellung“. Eigentlich liegt dieses Gestein durch seine jahrmillionenlange Verfestigungszeit (Diagenese) in Form von Anhydrit vor. Im Verlaufe seiner Freilegung durch Erosion und Tektonik kam es wieder mit Wasser in Berührung. An der Oberfläche begann eine Umbildung in Gips und es bildete sich eine Vergipsungsrinde. Diese ist im allgemeinen in Hanglagen der Karstgebiete etwa 30 m stark, im Bereich ebener Flächen nimmt sie an Mächtigkeit ab. Der Anhydritkern kann bis an die Oberfläche reichen. Die Grenze zwischen Anhydritkern und Gipsschicht ist sehr unregelmäßig und weist ein lebhaftes Relief auf. Im Bereich großer Kluftkreuzungen oder Verwerfungszonen kann die Vergipsung weit in die Tiefe reichen (50 m und mehr). Das Prinzip dieser Gipsrindenbildung ist in Abbildung 1 dargestellt.


Abbildung 1

Die Vergipsung ist außer mit einer Volumenzunahme auch noch mit einer großen Auflockerung verbunden. Das sonst relativ feste Gestein zermürbt und kann leicht durch Regenwasser weggeführt werden. Die tonigen und dolomitischen relativ unlöslichen Rückstände bleiben liegen und verhüllen das anstehende Gestein oft bis zur Unkenntlichkeit. Die Volumenzunahme ist beträchtlich. Nach MOYE setzt sich 1 cm Anhydrit in 1, 577 cm Gips um. Eine Anhydritkante von 1 m Länge würde durch die Vergipsung auf eine Länge von 1,16 m quellen. Das entspricht einer Volumenzunahme eines Würfels um 62%. Wen verwundert es, wenn man die bucklige Oberfläche der Karstlandschaft diesem Quellvorgang zuschrieb, in den Buckeln sozusagen die Blasen der Volumenzunahme sah? Für diese Blasen gab es auch noch ausgezeichnete Beweise. Bei Bad Sachsa (heute BRD) befinden sich ein paar kleine Höhlen, die der Volksmund seit altersher „Zwergenlöcher“ nannte.


Die Quellungshöhle Waldschmiede bei Sachsa (BRD)
Foto: Schusternachlaß Karstmuseum
W. REINBOTH (BRD)

Sie sind seit langem bekannt, selbst der in dieser Schriftenreihe schon so oft zitierte BEHRENS ging in seiner „Hercynia curiosa“ nicht an diesen Höhlchen vorbei.

Diese Zwergenlöcher zeigten alles, was eine solche Quellung von Anhydrit zu Gips hervorzubringen vermochte. HAEFKE beschrieb diese Quellungen 1926 recht eindrucksvoll:

(9) „ … Eines eigentümlichen Formenschatzes ist nun zu gedenken, der typisch am niederen Sachsenstein südlich Sachsa auftritt, aber recht selten sonst beobachtet wurde. Der ältere Gips zeigt hier mannshohe, hohle Aufwölbungen der Gipsschichten. Sie sind, wenn an einer Stelle eingebrochen, begehbar. Gelegentlich sind mehrere ineinandergeschachtelt. BEYRICH erklärte diese Kegel durch Volumenzunahme bei der Anhydritumwandlung entstanden. In der Tat stimmt die Zunahme der Dachbreite gegenüber der Basisbreite solcher Blasen ungefähr mit dem zu erwartenden Größenbetrag überein.
Die Blasen entwickelten sich am Sachsenstein aus dem buckligen Relief (haben aber mit diesem, soweit sichtbar, nichts zu tun).
Beim Crimderoder Bruch sieht man tief unter der Bruchkante diese Formen innerhalb der Gesteinsmasse. Es möchte vielleicht das Material des Gipses eine Rolle spielen.
Gegenüber den Buckeln, deren Oberfläche die Schichtung schneidet, unterscheiden sich die Blasen so, daß die Oberfläche der Schichtung annähernd parallel geht ...“

Der Altvater der Harzer Höhlenforschung, FRIEDRICH STOLBERG, beschrieb diese Höhlen 1926:

„ ... Typisch für die Zwergenlöcher ist, daß sie reine Oberflächengebilde sind, oberirdische Höhlen so widersinnig dies zunächst klingen mag.
Die unmittelbar zutage tretenden Gipsschichten haben sich gefaltet und aufgestülpt, wie ein Tischtuch, das man mit den Händen zusammenschiebt.
Darunter liegen winzige Höhlen, oft kaum meterhoch, die kleinen gewölbten Tunnels und Bienenkörben gleichen. Die Decken- und Wandstärke beträgt oft nur fünfzig Zentimeter; wie ein gemauertes, nach allen Seiten ausgegrabenes Gewölbe liegt so ein echtes Zwergloch vor uns ...“

Abbildung 2 zeigt die typische Entstehung einer solchen Quellung. BIESE schlug 1931 in seiner Arbeit über die Entstehung von Gipshöhlen vor, diese seltsame Höhlenart „Quellungshöhlen“ zu nennen.
Er sah in diesen Höhlen aber keine echten Karsterscheinungen und widmete sich deshalb der Problematik nicht weiter.

(11) „ ... Quellungshöhlen sind dem Gips eigentümlich und in diesem Sinne den eigentlichen Karsterscheinungen nicht zuzurechnen, denn hier liegt weder erosive als auch korrosive Arbeit des Wassers vor. Zwar spielt Wasser bei der Erscheinung eine gewisse Rolle, nicht aber als Bildner der eigentlichen Hohlräume ...“

HERRMANN beschrieb 1969 diese kleinen Höhlchen

(7) „ … Unter besonderen ... Umständen lösen sich einzelne Gipsbänke von ihrer Unterlage ab, wobei maximal 2 m hohe, mehrere Meter breite und bis 10 m lange, allseitig geschlossene Hohlräume entstehen können. Sie werden im Volksmund „Zwergenlöcher“ genannt. Unter anderen Umständen, so vor vielen Jahren im Basalanhydrit bei Förste zu beobachten, können solche Quellungshöhlen auch noch größeres Ausmaß erreichen und nachträglich mit Höhlenlehm gefüllt sein. Dann sind sie nur an dem häufig sehr schlecht erkennbaren Schichtenverlauf im Gipsgestein der Höhlendecke mit Sicherheit von den echten Karsthohlräumen zu unterscheiden:
Bei einer Quellungshöhle muß die Hohlraumdecke ± parallel der Schichtung bzw. Bankung im Gips verlaufen...“

Es ist nun nicht verwunderlich, daß alle anderen Kuppen und Buckel als Quellkuppen gedeutet wurden. Ihre Höhlen waren vielleicht schon verbrochen oder noch gar nicht entdeckt. So wurde in Darstellungen der Oberfläche der eigentlich aus der Vulkanologie stammende Begriff „Quellkuppe“ für diese seltsamen Buckel, Hügel oder Bergformen eingeführt. So kann man beispielsweise in einem geologischen Führer durch den Harz 1925 lesen:

(5) „... Der in der Tiefe anstehende Anhydrit wandelt sich an der Tagesoberfläche infolge seiner Eigenschaft, Wasser aufzunehmen, in Gips um. Hierbei vergrößert er sein Volumen, so daß sich die Wechsellagerungen reinen und unreinen Materials, sogenannte Jahresringe, in vielfach gestalteten Biegungen und Falten legen, wenn eine Verschiebung oder ein Abblättern nicht stattfinden kann. Ist das letztere aber bei fortschreitender Wasseraufnahme möglich, so lösen sich ganze Partien ab und werden kuppenförmig in die Höhe getrieben. Es entstehen dann die sogenannten Quellenkuppen, die oft mehrere Meter hohe und breite Hohlräume erzeugen können ...“

Auch in einer relativ modernen Darstellung des Gebietes von 1976 kann man Ähnliches lesen:

(12) „... Bald stellen sich richtige Gipskuppen ein, deren Höhe zwischen 3 und 5 , schwankt. Während sich ihre Entstehung eindeutig auf Hydrationsprozesse im Zusammenhang mit der Umwandlung von Anhydrit zu Gips zurückführen läßt, ist die Entstehung der großen und langgestreckten Buckel nicht eindeutig zu bestimmen ...“

ERHARDT erwähnte 1953 ebenfalls die Buckellandschaft:

(8) „... Bei der Wasseraufnahme, d. h. bei der Umwandlung in Gips, vergrößert der Anhydrit sein Volumen um etwa ein Drittel.
Der durch diese Volumenvergrößerung entstandene Druck hat die Schichten vielfach mäanderartig gefaltet oder zu Quellkuppen emporgepreßt. Dadurch wurde in diesem Gebiet sehr zahlreich vorhandene Höhlenbildung vorbereitet. Außerdem entstanden die vielen allseitig gleichmäßig runden Hügel, die Quellkuppen, die neben den sonstigen karstähnlichen Verwitterungserscheinungen der Landschaft ihr merkwürdiges Aussehen verleihen ...“

Einige Autoren trieben die Möglichkeiten der Aufquellungen absolut zu weit, sie ließen Höhlen und Gebirge wie Teig quellen. So ließ SILBERBORTH das Gebiet des Alten Stolberg auf diese Art und Weise entstehen:

(3) „... Ein kleines Gebirge stellt unser Gebiet dadurch klar, daß das atmosphärische Wasser, das von dem Anhydrit sehr schnell aufgezogen wird, eine Volumenvergrößerung des Gesteins bedingt hat. Dies hat sich infolgedessen wie ein gewaltiger aufgepusteter Ballon aufgebäumt ...“


Abbildung 2

Selbst den Höhlen des Sulfatkarstgebietes wurde diese Entstehungsart zugeschrieben.
HENNING war davon überzeugt, daß die Heimkehle nur auf diese Art entstanden sein konnte und selbst der Ungar JAUCS erklärt 1976 die Entstehung von Barbarossahöhle und Heimkehle mit Aufquellungserscheinungen.

HAEFKE zweifelte schon 1926 daran, daß die Buckellandschaften „Quellungen“ der Vergipsungsvorgänge wären. Die Bildungen bei Bad Sachsa ließ er als solche entstanden sein, behandelte sie aber als Ausnahme.

(6) „... Nur bei Bad Sachsa häufig sind, wie lange erkannt, durch Volumenvergrößerung bei der Umwandlung von Anhydrit in Gips entstandene, oft mannshohe Gipsblasen, gebildet von aufgewölbten Gesteinsschichten. Sie gaben Veranlassung, auch in den Buckeln der buckligen Oberflächen solche Quellkuppen zu sehen ...“
 
Großbuckellandschaft im Südkyffhäuser
Foto: R. Völker

HAEFKE stellte fest, daß diese Buckellandschaft unterschiedlich aussah und nur an bestimmten Stellen bestimmte Formen aufwies. Er ließ die Buckellandschaft durch irreguläre Auslaugung entstehen, Buckel blieben als eine Art Restpfeiler zwischen ausgelaugten und eingebrochenen oder eingesunkenen Stellen stehen. Die Form der Buckel war abhängig vom Einfallen des Gesteins, von der Reinheit des Gipsmaterials und damit von seiner Löslichkeit selbst und von der morphologischen Lage des jeweiligen Sulfatkarstgebietes.

(9) „... Das Aussehen der gebuckelten und genapften Oberflächen bleibt sich nun aber nicht allenthalben gleich. Das zeigt beispielsweise ein Vergleich des Kyffhäusers mit dem Nordabfall des Sachsensteines (nach Walkenried zu) und dem Hang des Sachsensteins beim Neuhofer Gipsbruch. Schon das Aussehen der Schüsseln ist verschieden. Betrachten wir zuerst die Unterschiede der letztgenannten Formen! Flach, weit, vereinzelt sind sie zumeist auf der Stufenlehne südl. Walkenried; über der jäh abfallenden Wand des Sachsensteins unweit Neuhof sind sie scharf, in Masse, spitzförmig eingesenkt. Das ist der Unterschied der Niveaudifferenzen, der sich geltend macht, der hier gleich tiefere Säcke als dort erzeugt.
Am südlichen Kyffhäuser treffen wir auf sanft südwärts geneigter Fläche, die von tiefen Tälern durchschnitten ist, im älteren Gips eine bucklige Oberfläche aus fast durchweg stattlichen Buckeln (von etwa 6 m Höhe) und flachen Schüsseln, die oft in sich wieder kleine Buckel und Näpfe aufweisen. Wirr lagern Stinkschieferreste des Hangenden allenthalben. Hier schneidet die Erdoberfläche den Gips unter so flachem Winkel, daß das Phänomen auf größerer Fläche zur Entfaltung kam, so daß ferner nach Zerstörung des Hangenden ein in sich gleichartig aussehendes Relief zurückblieb. Die kleinen Buckel in den flachen Näpfen sind wohl der zerbohrte Sackboden, dessen Relief sich nachherso markiert.
Es wird sich um bedeutende Sackungen handeln, da die Talbildung eine beträchtliche Niveaudifferenz verursacht.
Am Sachsenstein, südlich Sachsa, dagegen haben wir die Erscheinungen an steileren Hängen. Je steiler der Hang, je schmaler ist die Zone der Buckel und Näpfe, je rascher folgen die einzelnen Entwicklungsstadien aufeinander, je eher tritt der Gips selbst heraus, endet damit die Buckelung. Der Winkel, unter dem die Erdoberfläche die Sackung schneidet, verursacht alles dies, die Erdoberfläche schneidet ja gewissermaßen die Sackbildung am Hange ...“

(9) „... Aber noch etwas anderes scheint für dieses buckelige Relief Bedeutung zu haben; das Material des Gipses. Die Gegend von Crimderode unweit Nordhausen zeigt nicht eine so starke Buckelung wie etwa die von Walkenried. Es mag sich kaum um zerstörtere Formen zu handeln, die infolge langwährender Befreiung von der hangenden Decke (Stinkschiefer) bereits der Vernichtung mehr anheimgefallen wären, da die Decke benachbart vorhanden; vielmehr mag das wenig widerstandsfähige Material dieses älteren Gipses in Frage kommen, das hier häufig sehr reiner Gips, Alabaster, ist ...“

Der Nordhäuser Höhlenforscher SCHUSTER begann Ende der sechziger Jahre dieses Jahrhunderts, verschiedene Buckel aufzugraben und den dabei gemachten Befund zu dokumentieren. Er kam sehr schnell zu der Feststellung, daß unter den rund 20 bis 30 angeschnittenen Gipsbuckeln nicht eine echte Quellung zu finden war:

(1) „... Diese Quellkuppentheorie muß jedoch aufgrund umfangreicher, jahrelanger Untersuchungen meinerseits abgelehnt werden. In Wirklichkeit stellen die Gipskuppen den Rest von Härtlingen dar ...“

An anderer Stelle schrieb er:

(1) „... Beim Anschnitt dieser Gipskuppen, durch Freilegung der Oberflächenbedeckung, trifft man bereits nach mehr oder minder mächtigen Gipsaschen Lockermaterial auf anstehenden Schichten. Hohlräume oder aufgebogene Schichten und Wölbungen wurden nirgends angetroffen. Falls tatsächlich, wie die Autoren berichteten, Hohlräume angeblich vorhanden sein sollten, läßt sich dies bereits beim Betreten dieser Kegelformen leicht hörbar erkennen. Ein dumpfes oder hohles Geräusch wurde bei vielen Begehungen von mir nicht wahrgenommen. Halb freigelegte Kuppen ergaben - und das in der Mehrzahl - ein leichtes bis zu Teil starkes gleichmäßiges Einfallen der Anhydritschichten bis 45°. Auch bei den benachbarten Kuppen wurden an einem Untersuchungsobjekt diese steilstehenden Anhydritschichten angetroffen. Quellerscheinungen fehlten ...“

Er stellte fest, daß die meisten Gipsbuckel Härtlinge waren, die durch ein isolierendes, schlecht lösliches Material bisher der Korrosion widerstehen konnten. War diese Deckschicht verletzt, dann konnte die Auslaugung schüsselförmige Vertiefungen anlegen. So blieben die zugedeckten Kuppen stehen.
 
Kleine Quellungen im Bereich der direkten Oberfläche (Südkyffhäuser)
Kuppen wurden dadurch aber nicht gebildet
Foto: R. Völker

(2) „... Im Zuge umfangreicher Untersuchungen und Aufgrabungen durch den Autor wurde einwandfrei nachgewiesen, daß es sich um sogenannte „Härtlinge“ und Reste der betreffenden Schichten des Werra- und Hauptanhydrits handelt. Die Formen dieser Gipskuppen treten vor allen Dingen an den Schichtköpfen von Dolomit, Stinkschiefer und Buntsandstein auf. Die Sedimentation der Anhydrite, deren Vergipsungen und die Einwirkung der Tektonik sowie der interglazialen Erosion haben das jetzt noch vorhandene Karstrelief geformt. Noch schützende überlagernde Reste von Stinkschiefer, Dolomit, Buntsandsteinletten und Lockergesteinen sind mehr oder minder noch vorhanden. Aufwölbungen wurden bei Freilegungen nicht festgestellt. Schichtung und Einfallen der Sulfatgesteine ergaben keinerlei bisher angenommene Aufquellerscheinungen ... Dort wo die schützenden überlagernden Decken schwerer löslicher Gesteine an Mächtigkeit zunehmen, nimmt die Anzahl der Klein- und Großformen von Gipskuppen zusehends ab ...“

Ähnlich HAEFKE fand er aber auch den Typ der Buckellandschaften, der als reines Korrosionsprodukt in unbedeckter Karstlandschaft entstanden war: Unterschiedlichste Senkungsschüsseln, zwischen denen trennende Buckel erhalten waren. Da zu Schusters Zeiten all diese Vertiefungen Erdfälle genannt wurden, wählte er natürlich auch diese Bezeichnung in seiner Darstellung:

(4) „... Obwohl dieses interessante Gebiet morphologisch betrachtet einer aussehenden Gipskuppenlandschaft gleich kommt, handelt es sich nach aller Voraussetzung um ein großes Senkungsgebiet, d. h. Erdfall an Erdfall - ein fossiles Erdfallgebiet. ..... Die Zwischenräume der angeblich von jedem Betrachter als normale Kuppe ersichtlichen Erscheinungen sind überall Senkungen! ...“
 
Gipsbuckellandschaften an der kleinen Spatenberghöhle
Foto: R. Völker

Auf SCHUSTERS Erkenntnissen arbeiteten in den achtziger Jahren R. und C. VÖLKER weiter. Sie stellten dabei fest:

  • Viele Buckellandschaften sind stratigraphisch gebunden. Einzelne Härtlinge sind infolge Überdeckung durch ein anderes Gestein erhalten geblieben. Wo dieses Deckgestein zerstört wurde, konnte der darunter liegende Sulfathorizont korrodiert werden (Abb. 3)

Abbildung 3
    Überdeckende Gesteine sind:
      • Buntsandstein
      • Plattendolomit bzw. Grauer Salzton
      • Stinkschiefer bzw. Hauptdolomit
    Sie sind Bildungen eines schwach bedeckten Karstes (Abb. 4).

Abbildung 4
  • Buckellandschaften, die durch Bedeckung des verkarstungsfähigen Gesteins entstanden, benötigen nur wenige Dezimeter bedeckendes Gestein. Bei größeren Mächtigkeiten des bedeckenden Gesteins werden keine Buckellandschaften gebildet. Ähnliche Feststellungen machte Schuster bereits 1973.
  • Im nackten Karst entstehen Buckellandschaften durch irreguläre Auslaugung. Die Buckel bleiben zwischen Korrosionsmulden erhaben stehen und sind unter vielen Dezimetern Gipsasche ertrunken. Da diese oft sehr dolomitisch ist, schützt sie den Buckel vor weiterer Auslaugung.
  • Echte Quellungen durch Volumenzunahme bei der Umwandlung Anhydrit zu Gips gibt es an vielen Stellen. Diese Quellungen findet man auf der Oberfläche des nackten Karstes häufig. Die Schichten wölben sich voneinander ab. Die dazwischenliegenden Hohlräume werden selten höher als 10 cm. Beim Betreten solcher Aufwölbungen klingt der Gesteinsboden hohl! Es bilden sich aber keine Gipsbuckel, lediglich die Oberfläche wird aufgelockert und dadurch besonders schnell durch Frost und Niederschläge zermürbt und zu Gipsmehl umgewandelt. Das ist sehr gut in der Badraer Schweiß und am Südkyffhäuser zu beobachten.
  • Quellungshöhlen, wie bei Sachsa (BRD), scheinen die Ausnahme zu sein, die nur unter ganz bestimmten Umständen entstehen können. Die Verfasser hatten keine Gelegenheit, diese Höhlen zu sehen. Ähnliche Bildungen auf dem Territorium der DDR gibt es nur in bescheidenen Ansätzen (z. B. im Alten Stolberg bei Steigerthal, in der Badraer Schweiz und am Südkyffhäuser. Die Gewölbehöhen überschreiten jedoch nicht 50 cm, meist sind nur noch zerstörte Reste vorhanden, fotogene Bildungen gibt es nicht.
  • Um Klarheit in die Terminologie zu bringen, wird vorgeschlagen, die erhabenen Kuppen „Gipsbuckel“ zu nennen. Das haben bereits eine Reihe von Autoren seit HAEFKE getan. Dieser Ausdruck verweist mit Nachdruck darauf, daß keine Quellungserscheinungen bei ihrer Entstehung beteiligt waren.
  • Die Gipsbuckellandschaften und die vereinzelten Gipsbuckel sind ein typisches Element der Karstlandschaft des Sulfatkarstes des Südharzes. Sie sind Ergebnis irregulärer Korrosion. Sie treten in ihrer vielfältigsten Erscheinung zu Hunderten im Karstgebiet zwischen Nordhausen und Sangerhausen auf. Die alte Beschreibung von der „buckligen und genapften Karstoberfläche“ ist eine zutreffende Umschreibung.

 
Großbuckellandschaft in Questenberg
Foto: R. Völker

Quellungshöhle Sachsenstein (BRD)
Foto: Schusternachlaß Karstmuseum
W. REINBOTH (BRD)
Die Quellungshöhle Waldschmiede bei Sachsa (BRD)
Foto: W. REINBOTH (BRD)

LITERATUR

(1)
SCHUSTEROberflächenformen der Verkarstung und Hohlform im Gipskarst des Südharzes
Manuskript 1972
(2)
SCHUSTEREntstehung und Ausbildungsformen von Gipskuppen im Sulfatkarst des Südharzes
Manuskript 1973
(3)
SILBERBORTHWer wandern will
Nordhausen 1921
(4)
SCHUSTERExkursionsbericht 15. Juli 1972
Alter Stolberg
Manuskript
(5)
DAHLGRÜN
ERDMANNSDÖRFER
SCHRIEL
Geologischer Führer durch den Harz
Berlin 1926
(6)
HAEFKEKarsterscheinungen im Gips am Südharz
1926
(7)
HERRMANNEinführung in die Geologie, Morphologie und Hydrogeologie des Gipskarstgebietes am südwestlichen Harzrand
1969
(8)
ERHARDTDas Zechsteingebiet des Südharz-Vorlandes
1953
(9)
HAEFKEKarsterscheinungen am Südharz
Hamburg 1926
(10)STOLBERGDie Höhlen des Harzes
1926
(11)BIESEEntstehung der Gipshöhlen am südlichen Harzrand und am Kyffhäuser
1931
(12)AUTOREN-
KOLLEKTIV
Der Kyffhäuser und seine Umgebung
Werte unserer Heimat
1976

Quelle:
Christel und Reinhard VÖLKER
Gipskuppen und Gipsbuckel - Elemente der Sulfatkarstlandschaft
Heft 19, Mitteilungen des Karstmuseums, Uftrungen