Beitr. Naturk. Nieders. 25 (1972)

Von heimischen Kleinsäugern

Von Friedel Knolle

Die wildlebenden Kleinsäuger, Säugetiere bis zur Rattengröße, sind meistens Dämmerungs- und Nachttiere und leben versteckt. Freilandbeobachtungen gelingen auch dem, der den Tieren nachspürt, nicht leicht. Über einige Begegnungen mit Vertretern aus den Ordnungen der Nagetiere und der Fledermäuse soll von mir berichtet werden.

Meinen ersten freilebenden Siebenschläfer (Glis glis) sah ich am 7. Juni 1950 auf dem Burgberg in Liebenburg (Landkreis Goslar). Der von einem Schloß gekrönte und mit Park- und Gartenanlagen überzogene Berg mit anschließenden Forsten ist ein ideales Gebiet für diesen Bilch. Das Tier war an einem der Nebengebäude des Schlosses durch ein Fallrohr in die Regentonne hinabgerutscht und schwamm im Wasser der Tonne umher. Nach seiner Rettung durch den dort wohnenden Justizwachtmeister kletterte der Bilch sehr schnell nach oben und verschwand unter den Dachziegeln des Gebäudes. Lärmende Kleinvögel verrieten mir am 4. Oktober 1958 gegen 8.30 Uhr ebendort einen Siebenschläfer auf einem Zwetschgenbaum. Das Tier war damit beschäftigt, eine Zwetschge zu verzehren. Es fiel herab, als ich den Baum schüttelte, trat jedoch sofort, an meiner langen Hose beginnend, wieder die Flucht nach oben an. Es wurde noch um die Mittagszeit in den Bäumen am Schloß beobachtet.

Drei Siebenschläfer, die ich am 7. Juli 1968 in einem Laubwald im Ostlutterschen Höhenzug (Landkreis Goslar) schlafend in einer mit Wildhaaren ausgepolsterten Baumhöhle entdeckte, flüchteten ebenfalls einer nach dem anderen stammaufwärts davon.

Gerade umgekehrt verhielt sich ein Gartenschläfer (Eliomys quercinus) vom 24. Mai 1969 am Rand eines Fichtenaltholzes im Landkreis Zellerfeld. Das schlanke Tier schnellte nach dem Abnehmen der Vorderwand mit einem Satz aus dem von ihm besetzten hölzernen Nistkasten heraus auf den Erdboden hinab (Flucht nach unten). Es verschwand nach ein paar zielgerecht vollführten Sprüngen in einem Erdloch unter einem Wurzelstock. Der Nistkasten, etwa 2,5 m über dem Boden angebracht, war zu 1/3 mit Moos gefüllt. In einer der Ecken unter dem Einschlupfloch hatte das Tier den Kot (kleine grüne Würstchen) abgesetzt. Das Kothäufchen erreichte fast die Oberkante der Moosfüllung. Eine oder mehrere Erdhöhlen in Nestnähe dürften zu den Umweltansprüchen des Gartenschläfers gehören. Aus allen in der Nähe befindlichen Nistgeräten waren junge Meisen zu vernehmen.

Das Mausohr (Myotis myotis) gehört zu den Fledermausarten, die in den Winterquartieren des Nordwestharzes noch regelmäßig angetroffen werden können. Einzelne Tiere beobachtete ich auch im Sommer im Stadtgebiet von Goslar, konnte jedoch noch keine Wochenstube hier ausmachen. In Walkenried (Landkreis Blankenburg) jedoch stieß ich am 23. Juni 1968 auf eine kleine Wochenstube der genannten Art. Die Hausbewohner hatten das stetige Zirpen im Dachstuhl Kleinvögeln zugeschrieben. Ich sah dort unter den Firstziegeln 1 ad. Mausohr mit 1 juv. am Körper und ein einzelnes juv. Die juv. hatten etwa die halbe Größe der ad. Den Stimmen nach könnte die nicht ganz einsehbare Wochenstube von 3 - 5 besetzt gewesen sein. Die Tiere hatten sich auch 1967 schon bemerkbar gemacht.

Ein Erlebnis besonderer Art war für mich die Wiederentdeckung der Nordfledermaus (Eptesicus nilssoni) im Westharz. Die Sache nahm ihren Anfang am Stammtisch des "Naturwissenschaftlichen Vereins Goslar". Unser Mineraloge erzählte von Begegnungen mit Fledermäusen und anderen Tieren während seiner Kriechereien im Inneren der Berge. Im Winter 1966/67 unternahmen wir die ersten Befahrungen und fanden dabei Wasserfledermäuse und Mausohren in den Winterquartieren. Im Winter 1967/68 folgten zu Dritt weitere Unternehmungen, bei denen zusätzlich Teich- und Bartfledermäuse entdeckt wurden. Am 21.Januar 1968 hatten wir einen Stollen im Nordwestharz nach Fledermäusen abgesucht, auch etwa 10 Ex. dort gefunden, und befanden uns auf dem Rückmarsch. Meine Suchgefährten waren schon vorangegangen. Da hing, als ich gewohnheitsmäßig weiter leuchtete, im Licht meiner Lampe eine bei etwa 0° C schlafende Nordfledermaus vor mir an der Wand des Stollens, nur rund 10 m vor dem Mundloch. Das Tier, ein , wurde nach dem Abnehmen sehr schnell wach, war in der Hand wild und schwer zu halten. Es flog nach dem Mundloch zu ab, dann aber in den Stollen zurück. Es wurde am 24. Febr. 1968 an der gleichen Stelle hängend nochmals gefunden und beringt. Am 27. Jan. 1968 entdeckten meine Gefährten dann noch 3 weitere Nordfledermäuse, 2 auf Fellfühlung und ein Einzelstück (Godesberg, Verf., Skiba). Die Befunde sprechen für einen unterbrochenen Winterschlaf.
 

Literatur:

Godesberg, R., F. Knolle u. R. Skiba (1968): Nordfledermaus (Eptesicus nilssoni) im Westharz. Mitteilungsblatt für Fledermauskundler, Myotis 6, S. 27 - 29.

Anschrift des Verfassers: 3380 Goslar, Grummetwiese 16